Hawkeye 1x01

Hawkeye 1x01

Die Serie Hawkeye startet kurz vor Weihnachten und bringt die Festtagsstimmung gleich mit. Jeremy Renner ist als Familienmensch und Superheld dabei und lernt seine potentielle Nachfolgerin kennen. Trifft der Auftakt ins Schwarze?

Poster zur Serie Hawkeye (c) Disney+/Marvel Studios
Poster zur Serie Hawkeye (c) Disney+/Marvel Studios
© oster zur Serie Hawkeye (c) Disney+/Marvel Studios

Disney+ widmet dem Helden Hawkeye nun auch eine zunächst sechsteilige Serie. Im Zentrum steht dabei aber nicht nur Jeremy Renner als Avengers-Gründungsmitglied Clint Barton, sondern auch seine potentielle Nachfolgerin Kate Bishop (Hailee Steinfeld, Dickinson) und Lucky, der Pizza Dog. Wer sich mit dem Comic auskennt, der merkt schnell, dass viele Elemente der Serie auf der Comicreihe von Matt Fraction und David Aja basieren, die zu den Lieblingscomic-Runs meinerseits gehören. Doch wird man der Vorlage gerecht? Und: Möchte man das überhaupt?

Bevor wir zum Inhalt kommen, ist es wirklich schade, dass die Film- und TV-Sparte von Marvel offenbar weiterhin kein vernünftiges Modell hat, um die Kreativen für ihr Schaffen zu entlohnen, wenn es um Adaptionen geht. Nachdem Ed Brubaker schon kritische Worte zu seiner Bezahlung rund um den Winter Soldier gefunden hat (siehe seinen Auftritt bei Kevin Smith und Marc Bernardin im Podcast Fatman Beyond, sticht auch „Hawkeye“-Zeichner David Aja in eine ähnliche Kerbe.

Ein Unternehmen, das sich so eindeutig auf gewisse Elemente verlässt - man muss sich nur mal gewisse Marketingposter oder den Vorspann anschauen -, sollte auch die Kassen öffnen und diejenigen vergüten, die das ermöglicht haben.

Davon abgesehen plane ich wie schon bei den anderen MCU-Serien jeweils begleitende Reviews. „Hawkeye“ wird, trotz des Doppelauftakts, also sechs Kritiken erhalten.

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Worum geht es in Hawkeye?

In einem Flashback ins Jahr 2012 lernen wir im Auftakt Never Meet Your Heroes die Familie von Kate Bishop kennen. Sie lebt mit ihrem Vater und ihrer Mutter Eleonor Bishop (Vera Farmiga) in einem prunkvollen Penthouse in New York. Die Eltern streiten sich, weil sie offenbar in Goldnot sind und überlegen, die Wohnung zu verkaufen. Kate ist eher mit ihrem Vater verbunden als mit ihrer Mutter. Doch auch diese versucht ihr Bestes und will mit ihr eine Partie Dame spielen. Doch genau dann ereignet sich der Battle of New York, den wir aus „Marvel's The Avengers“ (Die Filmkritik dazu) kennen.

Die Chitauris, die Loki im Auftrag von Thanos auf die Erde beamt, legen Teile von New York in Schutt und Asche. Doch die Avengers, darunter Bogenschütze Hawkeye sind zur Stelle. Kate ist sofort fasziniert von dem Menschen inmitten der mächtigsten Helden der Welt und wird von einem seiner Pfeile direkt gerettet. Ihr Vater kommt bei dem Angriff jedoch zu Tode und Kate verliert somit ihre engste Bezugsperson. Dennoch will sie die Familie in Zukunft beschützen und verlangt bei der Beerdigung von ihrer Mutter das entsprechende Heldinnen-Werkzeug. Die erste Szene ist, wie schon bei The Falcon and the Winter Soldier, ein ziemliches Brett und gibt einer bekannten MCU-Szene neuen Kontext, indem man der nächsten Generation von Helden dadurch eine „Origin-Story“ verpasst, die Marvel-typisch zudem an eine persönliche Tragödie gebunden ist.

In der Gegenwart verbringt Clint Barton mit seiner Familie (minus Ehefrau) Zeit in einem Avengers-Musical, in dem sein Alter Ego Hawkeye natürlich auch Teil der Handlung ist. Bald schon sollen sich die Wege der beiden kreuzen, denn auf einer Auktion werden Besitztümer von Clint versteigert, die in Kates Hände fallen.

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It's the most wonderful time of the year

In der Gegenwart sehen wir dann, was aus Kate in der Zwischenzeit wurde. In einer Art Prank mit ihren Freundinnen, beschießt sie einen Glockenturm mit einem Pfeil, an dessen Spitze ein Tennisball angebracht ist. Kate kehrt nach ihrer Ausbildung ihn ihr Zuhause zurück, in welchem der Familienreichtum offenbar doch nicht so sehr gelitten hat, wie es Mutter Eleonor befürchtet hatte. Als Strafe werden dennoch Kates Kreditkarten gesperrt und sie soll sich für eine Abendveranstaltung schick machen. Da ahnt sie noch nicht, dass sie am Abend die Hochzeit ihrer Mutter mit einem gewissen Jack Duquesne (Tony Dalton) erleben soll. Die Kommunikation zwischen Mutter und Tochter ist also nicht gerade die beste. Und warum so viele Schwerter in der Wohnung rumliegen, weiß Kate auch noch nicht. Comicfans aber womöglich schon, denn sein Alter Ego heißt Swordsman... Dieser ist in der Vorlage ein Mentor von Clint. Wie die Serie das handhabt, bleibt nach der ersten Folge noch offen. Neben der Tatsache, dass Kate reich und verwöhnt ist, erfahren wir außerdem, dass sie diverse Preise in Martial-Arts gewonnen hat und viele Skills mitbringt, die für eine Frau ihres Alters nicht unbedingt selbstverständlich sind. Schlösser knacken gehört beispielsweise dazu.

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Disney+/Marvel Studios
Disney+/Marvel Studios - © Disney+/Marvel Studios

Die Bartons sitzen derweil in einem fantastischen, merkwürdigen Musical namens „Rogers - The Musical“, das die Avengers-Triumphe aufarbeitet, aber sich einige Freiheiten nimmt, wie beispielsweise die Tatsache, dass Ant-Man dort ein Mitglied ist. Rein technisch gesehen war er in den Comics ein Gründungsmitglied des Teams und Hank Pym (Michael Douglas) war nach Captain America auch im MCU einer der frühsten Helden. Also ist es ein nettes easter egg mit doppelter Ebene. Ebenfalls ein solches - und in den Marvel-Filmen bisher nicht explizit thematisiert - ist Clints Schwerhörigkeit. Beim Musicalbesuch hat er sein Hörgerät ausgestellt und schaut sich stattdessen nur das Treiben auf der Bühne an. In frühen Comics, aber auch besonders im Fraktion-Aja-Run ist sein Hörproblem zentral, was auch durch ASLO und Zeichensprache dort eingebaut wird. Wir werden sehen, wie die Miniserie (?) das letztlich macht. Seine Kinder haben jedenfalls Lust auf X-Mas-Dauerfeuer und wollen sechs Tage vor Weihnachten das volle Programm von ugly sweaters bis hin zu Weihnachtsfilmen mit ihrem Vater feiern, der sonst gerne mal mit dem Weltenretten beschäftigt war.

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Pizza Dog und Tracksuit-Bros

In der empfehlenswerten Comic-Vorlage ist neben Clint und Kate auf der Heldenseite der Vierbeiner Lucky eine zentrale Figur. Im Fernsehen wie im Comic liebt er Pizza, weswegen er auch den Spitznamen Pizza Dog erhält. Kate lernt ihn kennen und er hilft ihr auch bei ihrer kleinen Mission, die sie beschäftigt, als sie eine Geheimauktion mitbekommt, an der Jack und ein gewisser Armand teilnehmen... Armand ist derjenige, der ihr überhaupt erst etwas bezüglich der Hochzeit ihrer Mutter erzählte. Er scheint gut vernetzt und einer in einer langen Ahnenfolge zu sein.

Neben seltenen Tierköpfen werden bei der Auktion das Schwert von Ronin (Hawkeyes neue Vigilanten-Identität in „Avengers: Endgame“) sowie sein Kostüm versteigert. Für das Schwert gehen die Gebote schon einmal in die Hunderttausende. Doch dann wird die Auktion im wahrsten Sinne des Wortes von Angreifern gesprengt und Kate zieht sich das Ronin-Dress über, um die Angreifer unerkannt zu bekämpfen. Der Humor der Serie ist typisch für Marvel und vielleicht sogar noch etwas leichter als in anderen Produktionen, doch wie immer muss man etwas abwarten, die Comicvorlage ist in dieser Hinsicht jedenfalls sehr jovial und locker im Ton, weswegen sie viel Spaß macht.

Die Angreifer entstammen sehr offensichtlich auch der Vorlage und werden dort Tracksuit-Mafia oder -Bros genannt, weil sie mit Vorliebe nach so gut wie jedem Satz ein „Bro“ anhängen. Auch ihre russischen Ursprünge lassen sich bereits heraushören. Mit einer Mischung aus Skill und Glück kann sich Kate gegen sie behaupten, was mich ein bisschen an Jackie Chan in der Szene mit der Flasche erinnert. Der Score der ersten Folge ist pfiffig und erinnert an Heist-Filme, womit eine gewisse sorgenfreie Stimmung unterstrichen wird. Denn bislang wissen wir nur, dass die Angreifer nach einer Uhr suchen und dafür wenig Zeit einräumen, bis sie abhauen wollen. Schnell sieht Clint im Fernsehen den neuen Ronin und möchte der Sache auf den Grund gehen. Kate findet derweil den toten Armand Sr. vor und wird bald von den Tracksuit-Bros umstellt, bis Clint zur Hilfe kommt und wissen möchte, wer oder was sie eigentlich ist.

Fazit

Disney+/Marvel Studios
Disney+/Marvel Studios - © Disney+/Marvel Studios

Ich mag den Auftakt von Hawkeye als Fan der offensichtlichen Vorlage sehr gerne, bin aber nicht weggeblasen - vom Intro mal abgesehen. Ich mag die meisten Elemente, die mir im Auftakt präsentiert werden, finde Steinfeld als Kate sympathisch, Pizza Dog ist gut getroffen und ich bin vollkommen dafür, dass Clint mehr Charaktertiefe bekommt als in seinen bisherigen Filmauftritten. Auch die Idee von Weihnachten als Handlungszeit mag ich und die Premiere ist passend gewählt, wenngleich auch schon „Iron Man 3“ zu dieser Zeit spielte.

Gleichzeitig kann ich auch sehen, dass manche Hawkeye bisher als Witzfigur gesehen haben oder als den Avenger, auf den man vielleicht am ehesten hätte verzichten können. Hoffentlich ändert sich die Sichtweise der kritischen Fans im Verlauf der sechs Folgen und wir lernen eine Seite der Figur kennen, die im Comic begeistern konnte. So ist die erste Episode für sich gesehen ein solider Einstand, mit etwas Luft nach oben.

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Hier der Trailer zur neuen Serie „Hawkeye“ auf dem Streamingdienst Disney+:

Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 24. November 2021

Hawkeye 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Hawkeye 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Triff niemals deinen Helden
Titel der Episode im Original
Never Meet Your Heroes
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 24. November 2021 (Disney+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 24. November 2021
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Mittwoch, 24. November 2021
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Mittwoch, 24. November 2021
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Mittwoch, 24. November 2021
Autoren
Jonathan Igla, Katrina Mathewson

Schauspieler in der Episode Hawkeye 1x01

Darsteller
Rolle
Hailee Steinfeld
Fra Fee
Tony Dalton
Aleks Paunovic
Piotr Adamczyk

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