Hausen: Review der Pilotepisode der Sky-Serie

Hausen: Review der Pilotepisode der Sky-Serie

Mit Hausen bringt Sky eine Horror-Eigenproduktion pünktlich zu Halloween auf die Mattscheibe. Darin zieht der Teenager Juri mit seinem Vater in einen heruntergekommenen Plattenbau, über dem ein düsteres Geheimnis liegt. Kann der Sender seinen Zuschauern damit das Gruseln lehren?

Poster zur Sky-Serie Hausen (c) Sky
Poster zur Sky-Serie Hausen (c) Sky
© oster zur Sky-Serie Hausen (c) Sky

Aus den Rohren tropft schwarzer Schleim, die Scheiben scheinen keinen Strahl Sonnenlicht durchzulassen, die Bewohner sind mehr Zombies als Menschen. Vom ersten Moment an ist klar, dass dieser Plattenbau andere Probleme als defekte Heizungen hat. In der Sky-Originalserie Hausen erforscht ein 15-Jähriger das Haus des Grauens. Lohnt sich die Serie als Halloween-Gruseltipp?

Wovon handelt die Serie?

Der 15-jährige Juri (Tristan Göbel) zieht mit seinem Vater Jaschek (Charly Hübner) in einen Plattenbau am Rande der Stadt. Der ist schon auf den ersten Blick düster und heruntergekommen. Ansprechpartner gibt es auch keine. Jaschek, der nun als neuer Hausmeister nach dem Rechten sehen soll, bekommt seinen monströsen Schlüsselbund aus einem Briefkasten, der im passenden Moment seinen Inhalt auf den Boden speit. Unterdessen trifft Juri auf einen neuen Nachbarn, der neben hieroglyphischen Andeutungen vor allem einen rätselhaften, schwarzen Brocken zu bieten hat - ein Geschenk, „aufs Haus“, wie er den Teenager wissen lässt.

Die Flure sind Labyrinthe, die Wohnungen sehen nur noch teils bewohnbar aus, so auch die neue Bleibe von Vater und Sohn. Jaschek macht sich direkt an die Arbeit und besucht die Bewohnerin Cleo (Lilith Stangenberg) im siebten Stock, deren Heizung nicht funktioniert. Dort tropft, wie in Jascheks Küche, schwarzer Schleim aus den Rohren. Ganz nebenbei zeigt Jaschek seine empathische Seite, als er der strauchelnden jungen Mutter versichert, dass sie trotz Selbstzweifeln das Beste für ihr Kind gebe.

Nachdem die junge Frau zur Arbeit geht, bleiben wir in der Wohnung mit dem Baby und dem Vater des Kindes zurück, Scherbe (Daniel Sträßer). Der hat offenbar mit einem üblen Suchtproblem zu kämpfen, sorgt sich aber rührend um den Kleinen. Als er feststellt, dass er kein Geld für Milchpulver hat und auch niemand seiner Freunde ihm etwas leihen kann, versucht er, eine Packung im hauseigenen Laden zu stehlen. Nachdem das misslingt, bezahlt er eine weitere Bewohnerin dafür, dem kleinen Jungen die Brust zu geben - im Austausch gegen einen Zug der mysteriösen, schwarzen Droge, der viele Bewohner verfallen sind.

Dann wird es doch etwas rührselig, als sich eine Gruppe weiterer Bewohner zusammenfindet, um den neuen Erdenbewohner zu bestaunen. Am Ende legen alle etwas zusammen, um der jungen Familie etwas unter die Arme zu greifen. Der junge Vater, euphorisch mit Baby und Einkäufen in der Hand, will zurück in die Wohnung gehen und erzählt dem Kleinen unterwegs, dass die kleine Familie schon sehr bald eine bessere Bleibe finden wird. Doch ein letztes Mal wird er schwach und wirft sein Geld in den rätselhaften Müllschlucker, aus dem er sonst für gewöhnlich im Tausch gegen Cash die Drogen bekommt. Doch dieses Mal kommt nichts. Erst, als er wie im Wahn sein Kind in den Müllschlucker wirft, bekommt er ein Stück des schwarzen Übels...

Unterdessen versucht Jaschek, im Keller den schwarzen Schleim aus den Wirtschaftsräumen des Hauses zu entfernen, um die Heizung wieder in Gang zu setzen und Juri trifft auf weitere neue Nachbarn, deren Willkommensgeschenke vor allem aus Bedrohungen und Rätseln bestehen.

Wie kommt es rüber?

Um mit der Serie Hausen warm zu werden, muss man etwas Zeit mitbringen. Anders als viele großartige Horrorfilme der jüngeren Vergangenheit, die an sozialen Missständen kratzen, ist in der Sky-Produktion vom ersten Moment an deutlich, dass hier der Horror beginnt. Jaschek und Juri kommen nach einer deprimierenden Autofahrt an ihrem neuen Haus an und werden von Dunkelheit begrüßt. Über dem Haus liegt ein Schleier, der es von der Normalität trennt. Alle sprechen in Rätseln, teilweise wie Zombies. Während Juri ohne Plan durch das Haus streift, bleibt auch uns nichts anderes übrig als abzuwarten, wann die Serienmacher uns endlich mehr verraten zu dem, was sich offensichtlich vor unseren Augen abspielt. Für die Pilotepisode ist dabei von Nachteil, dass die Figurenentwicklung nicht gerade Priorität zu haben scheint. Während wir also wissen, dass alles ganz furchtbar ist, können wir uns an niemandem festhalten, wegen dem uns das emotional zusetzen sollte. Die Anwesenheit des Babys und die von vornherein deutliche Ahnung, dass dem Kleinen etwas Furchtbares widerfahren wird, sollen offenbar weitgehend die Charakterzeichnung ersetzen.

Immer wieder wird der Horror dieses Hauses mit der Tragik der realen Welt vernetzt. Das große Drama der jungen Familie ist die Sucht des Vaters, die letztlich zur Zerstörung der Familie und aller Hoffnung führt. Doch es ist keine normale Droge, der er verfallen ist, es ist etwas, was das Haus einem gibt. Die Droge ist ein Mittel, mit dem das Haus die Bewohner an sich bindet. Der Horror, der sich vor unseren Augen mehr als klischeehaft entfaltet, wird damit ein Stück realer. Nur leider geschieht das auf eine Weise, die von der Geschichte bisher nicht angemessen aufgefangen wird.

Fazit

Die Horrorserie Hausen ist düster, wortkarg und voller Rätsel, an denen man das Interesse zu Beginn erst mal selbst mitbringen muss. Das Drehbuch an sich liefert nicht nämlich viel, was uns in den Bann zieht. Die Hauptdarsteller dürfen neben ihrem eigenen Charisma noch nicht viel zeigen. Am Ende bleibt die Frage, ob die Serie uns oberflächlich gruseln oder tiefsinnige Sozialkritik mit einfließen lassen will. In der Pilotepisode bleibt das offen.

Hier abschließend der Trailer zur Serie:

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