Haus des Geldes 4x08

© zenenbild aus der 4. Staffel der spanischen Serie Haus des Geldes / (c) Netflix
Die 3.Staffel von Haus des Geldes hatte mit einem Cliffhanger geendet (siehe auch hier): Die Gewalt ist eskaliert und ein Krieg ist ausgebrochen. Die Bande hat zwei Bazookas auf die auf sie zurollenden Panzer abgeschossen. Kurz vorher wurde Nairobi (Alba Flores) durch einen Befehl der neuen Inquisitora, Alicia Sierra, (Najwa Nimri) lebensgefĂ€hrlich verletzt. AuĂerdem nimmt der Professor (Ălvaro Morte) an, dass seine Ehefrau Raquel (Itziar Ituño) vom MilitĂ€r umgebracht wurde, weil sie seinen Standort nicht verraten wollte.
Cliffhanger aufbereiten
In dem am 3. April gestarteten vierten Teil geht es nun erst mal darum, diese Situationen zu deeskalieren. PrioritĂ€t Nr. 1 hat dabei die Versorgung von Nairobi. Entgegen ihres Willens wird sie von ihren Komplizen unter Anleitung eines Doktors operiert. Darauf wurde sie, wie wir in RĂŒckblicken erfahren, vorbereitet - wie gefĂŒhlt auf alle anderen EventualitĂ€ten auch. Daraufhin wird sie in einen tiefen Schlaf versetzt, damit sie sich erst mal ausruhen kann.
Der Ausbruch von Gewalt aka die Benutzung der Bazookas hat erstaunlicherweise nur indirekt Auswirkungen auf die Verhandlungen zwischen den BankrÀubern und den Behörden.
Nach einem Telefonat zwischen Sergio und Tokio (Ărsula CorberĂł) wird dieser aus seiner Trauer gerissen und kommt wieder zu Verstand. Durch ein AufrĂŒtteln ihrerseits kann er wieder logisch denken und zieht die Möglichkeit in Betracht, dass er reingelegt wurde und seine Frau noch am Leben ist. Er verwandelt sich wieder zu dem Professor, der schon so oft der Retter in der Not war und setzt alle Hebel in Bewegung, um zu erfahren, was mit Raquel ist.
Durch seinen groĂartigen Verstand, der mit den von Genies wie Sherlock Holmes mithalten könnte, gelingt es ihm herauszufinden, dass sie vor der spanischen Nationalbank von Alicia verhört wird. WĂ€hrend er das Geschehen in der besagten Bank im Auge behĂ€lt und den Insassen mit Rat und Tat zur Seite steht, macht er sich daran, einen Rettungsplan fĂŒr Raquel zu schmieden.
(Liebes-)Drama pur
Nachdem Rio mit seiner Gruppe wiedervereint wurde, macht er mit Tokio Schluss. Ihm ist wĂ€hrend seiner Gefangennahme bewusst geworden, dass Tokio ihn viel zu sehr bemutterte und er viel zu anhĂ€nglich war. Zur gleichen Zeit kriselt es zwischen Denver (Jaime Lorente) und Stockholm (Esther Acebo). Als sich dann Rio und Stockholm einander annĂ€hern, ist das Drama perfekt. Die eher leidenschaftlich Gesinnten Denver und Tokio werden eifersĂŒchtig. WĂ€hrend sie vermuten, dass zwischen den beiden etwas lĂ€uft, vertraut sich in Wahrheit Rio lediglich Stockholm darĂŒber an, was ihm wirklich wĂ€hrend seiner Gefangenschaft zugestoĂen ist.
Die ihm dort widerfahrenen Menschenrechtsverletzungen macht sich die Gruppe spĂ€ter zu eigen und nutzt die Macht der Medien sowie der Ăffentlichkeit, um so die Regierung als skrupellose Heuchler und LĂŒgner zu entblöĂen.
Neuer Gegner
FĂŒr uns taucht auf einmal, wie aus dem Nichts, ein neuer Gegner - „aus dem Inneren“ - auf. Von einem Moment auf den nĂ€chsten hat es die Gruppe nicht mehr nur mit den Behörden vor der Bank, sondern auch mit einem höchst gefĂ€hrlichen und trainierten Security-Mann in der Bank zu tun. Sie haben also auf einmal einen individuellen Feind, einen Feind mit Gesicht, was die Lage noch viel intensiver gestaltet. Innerhalb kĂŒrzester Zeit breitet er seine unvorhersehbare, unsichtbare Macht aus, die wie ein Tsunami die Gruppe ĂŒberrennt.
Was jedoch noch erstaunlicher ist, ist der Umstand, dass der Professor und BerlĂn (Pedro Alonso), von dem der Plan zu diesem Ăberfall stammt, von der Gefahr, die von diesem Mann ausgeht, wussten, aber sich nicht darauf vorbereitet haben. Als sie von seiner potentiellen Gefahr erfahren, meinen sie, sie mĂŒssen ihn ausschalten. Das wird jedoch nicht durchgefĂŒhrt, was schlieĂlich verheerende Folgen hat:
Die BankrĂ€uber befinden sich auf seinem Gebiet. Er kennt die Bank wie seine Westentasche, was ihm zu einem enormen Vorteil verhilft. Er gewinnt also die Oberhand. Auf einmal sind Tokio, Denver und Co die Gejagten bei ihrem eigenen Ăberfall. Sie sind blind, wĂ€hrend er alles im Blick hat. Es gibt also plötzlich diesen ĂŒbergroĂen Bösewicht, fĂŒr den aber keine Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden.

Nairobis Schicksal
Ăber die ganze Staffel hinweg steht es nicht gut um Nairobi. Nachdem sie die Operation, die unter brenzligen UmstĂ€nden stattgefunden hat, ĂŒberstanden hat, jagt eine gefĂ€hrliche Situation die nĂ€chste. Der besagte Gegner, oder besser gesagt Bösewicht - ein Name, der ihm eher gerecht wird -, hat es auf sie abgesehen. Nachdem er sadistische Spiele mit ihr spielt, will er sichergehen, dass sie nicht lebend davonkommt und verpasst ihr just in dem Moment, in dem ihre Freiheit zum Greifen nahe ist, den Todesschuss.
WĂ€hrend der gesamten Zeit wird ihr Schicksal, das im Prinzip unausweichlich ist, immer weiter hinausgezögert. Dabei wird zusĂ€tzliche Spannung aufgebaut, indem beinahe der gröĂte Teil dieser Folge in der Vergangenheit spielt und uns Nairobis Lebensfreude und ihre schöne Zukunft, die vor ihr gelegen hĂ€tte, vor Augen gefĂŒhrt werden. Hier wechselt die Serie in den emotionalen Modus, wodurch geschickt Drama und Spannung miteinander verbunden werden und wir wie vor den Fernseher gefesselt sind. Obwohl wir wissen, was passieren wird, können wir nicht anders, als uns Nairobis Ende anzusehen.
Nach dem Verlust von Nairobi ziehen alle an einem Strang. Alle Probleme der Gruppe scheinen wie weggeblasen. Sie werden durch ihre Trauer zusammengeschweiĂt und haben nur noch ein Ziel, ein gemeinsames Ziel: so schnell wie möglich dem Security-Mann den Garaus zu machen und aus der Bank in die Freiheit zu entkommen.
Spannung pur
Das ist das, was die Serie ausmacht - dieser stĂ€ndige Wechsel von „wir werden im Dunkeln gelassen/wissen nicht, was los ist/sind genauso blind wie die Geiseln/Behörden“ und „uns wird die Geschichte des Ăberfalls erzĂ€hlt/uns wird die GenialitĂ€t vor Augen gefĂŒhrt/uns wird ein Blick hinter die Kulissen gewĂ€hrt/uns wird vom Plan erzĂ€hlt“. Dabei kann man nur staunen, wie viel die BankrĂ€uber von vornherein mit einkalkuliert und vorhergesehen haben. Welche EventualitĂ€ten sie beachtet haben. Diese Planung rettet ihnen immer wieder den wortwörtlichen Arsch. Und macht sowohl die Spannung der Serie als auch ihren fesselnden Charakter aus.
Doch es lĂ€uft nicht immer alles nach Plan und es muss improvisiert werden oder Plan B wird ausgefĂŒhrt, wenn Plan A scheitert. Diese Balance aus „sich in Sicherheit wiegen“ und „einer eskalierenden Situation“, an der alles scheitern und die DalĂ-Gruppe alles verlieren könnte, ist ein weiterer Charakterzug der Netflix-Serie.
AuĂerdem erfindet sich die Serie immer wieder neu und kommt stets mit neuen Plot-Twists um die Ecke - auch scheint der Professor alles bedacht zu haben und kann immer wieder ein Ass aus seinem Ărmel ziehen. So entpuppt sich zum Beispiel eine der Geiseln, die sich bereits durch mysteriöse Blicke verdĂ€chtig gemacht hatte und aufgefallen war, als Undercover-Geisel namens Julia, ehemals Juanito - Patenonkel von Moskau (Paco Tous).
Das Ende
Beim letzten Manöver der Truppe werden wir genauso hinters Licht gefĂŒhrt wie die spanischen Behörden: Denn durch den Zeitsprung in die Zukunft, bei dem wir die Perspektive der Staatsgewalt einnehmen, sind wir genauso ahnungslos wie sie. Erst Episoden spĂ€ter wird der Vorhang gelĂŒftet und wir erhalten einen Blick hinter die Kulissen.
Dabei wird das letzte Manöver nicht ganz ausgefĂŒhrt und endet erneut mit einem fiesen Cliffhanger, so wie das bereits bei der vorherigen Staffel der Fall war. Der Security-Mann hat zwar lange Zeit bei ihrem Spiel mitgespielt, setzt sich jedoch gegen Ende zur Wehr und es wird erneut brenzlig. Ob es ihnen gelingen wird, den Kampf gegen ihn zu gewinnen, werden wir erst in der nächsten Season erfahren.
Die einzige Art des Abschlusses wird uns durch die ZusammenfĂŒhrung von der Inquisitora und dem Rest der Truppe geboten. Diese wurde vom Professor aus den HĂ€nden der Polizei gerettet und mit einem MilitĂ€r-Hubschrauber zur spanischen Nationalbank gebracht.
Fazit
Erneut liefert die Netflix-Serie Haus des Geldes eine äußerst spannende und dramatische Staffel ab. Dabei werden wir durch das Hinwerfen von Brotkrumen bei der Stange gehalten. Jedoch steht hierbei manchmal die Logik hinten an. Das hat sie mit Serien wie Prison Break gemein. So scheint es doch merkwĂŒrdig, dass der Professor, der sonst an alles denkt, es nicht beachtet, den gefĂ€hrlichsten Mann der Bank auĂer Gefecht zu setzen. AuĂerdem fĂ€llt der Einsatz von Musik auf, der die Stimmung von Situationen intensivieren soll, manchmal aber fast ĂŒbertrieben wirkt. Alles in allem können wir aber auf das nĂ€chste Abenteuer der Truppe gespannt bleiben.
Verfasser: Maike Karr am Sonntag, 5. April 2020(Haus des Geldes 4x08)
Schauspieler in der Episode Haus des Geldes 4x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?