Happy! 1x01

© romobild zur Serie „Happy!“ (c) Syfy
Wann immer Comicadaptionen ins Fernsehen oder Kino kommen, stellt sich die Frage nach der Werkstreue und ob sie wichtig für die Umsetzung ist. Oft ist damit aber einfach gemeint, dass der Geist der Vorlage für ein anderes Medium bei der Umsetzung eingefangen und abgebildet wird. Manchmal wird missverstanden, dass nur eine sehr nahe Umsetzung wie bei „Watchmen“, „300“ oder „Sin City“ der beste Weg ist, wobei eine gute Mischung aus alt und neu mit einem Auge für das entsprechende Medium eigentlich der beste Fall wäre. Happy! von Autor Grant Morrison und Zeichner Darick Robertson gelingt es überraschend gut, den Ton der Vorlage zu treffen und dabei schon im Piloten erstaunlich viel aus der vierteiligen Miniserie unterzubringen. Die erste Staffel umfasst nun zehn Episoden und man kann gespannt sein, wie diese gefüllt werden, denn bereits der Auftakt ist pickepackevoll. Comicautor Morrison selbst hat am Drehbuch vom Serienpiloten Saint Nick mitgeschrieben, was eine Erklärung für die Vorlagentreue sein könnte.
Worum geht es in „Happy“?
Im Zentrum steht der Excop Nick Sax (Christopher Meloni, Law & Order: Special Victims Unit), der seine besten und ehrenhaftesten Tage schon hinter sich hat. Suizidal, Schmerzmitteln und Alkohol zugeneigt verbringt er seine Zeit als Auftragskiller und pustet Verbrechern das Licht aus. Einer seiner Aufträge gilt den Scaramucci-Brüdern, wobei er drei der vier durch einen Trick erfolgreich zur Strecke bringt. Allerdings gelingt es dem vierten, ihn überraschend zu verletzen. Bevor der jüngste Gangster-Spross stirbt, weiht er ihn noch über ein Passwort seines Vaters ein, wovon er eigentlich nichts wissen wollte.
Es sieht aus, als hätte es Sax erwischt, doch den Sanitätern gelingt es ihn zu reanimieren, ab sofort sieht er aber einen eingebildeten Fantasyfreund der jungen Hailey, die von einem Verrückten im Santa-Claus-Kostüm entführt wurde. Selbst im Krankenhaus ist Nick nicht sicher vor der Rache der Gangster-Familie, doch Happy, wie das sprechende Pferd (Patton Oswalt) heißt, stellt sich nach kurzer Eingewöhnungszeit jedoch als fähiger Helfer heraus, der ihm beim Kampf gegen die Angreifer rund um Folterspezie Smoothie (Patrick Fischler) behilflich ist. Er beauftragt ihn, Hailey zu helfen, denn die beiden verbindet mehr, als der abgehalfterte Cop zunächst denkt.
Weihnachtstimmung
Das Timing von Happy! passt überraschend gut in die Adventszeit und dürfte Weihnachtsmuffeln eine gute Alternative zu Heile-Welt-Stoffen anbieten. Punkremixe von Weihnachtssongs und Nicks Vorstellung, sich in den Kopf zu schießen und dabei zu einer Blutfontäne zu tanzen, legen dabei sehr früh schon die abgedrehte Erzählstimmung fest. Wenn man es mit bekannten anderen Werken vergleichen müsste, dann vielleicht mit dem Werk von Shane Black („Kiss Kiss Bang Bang“), dem Oevre von Jason Statham - vor allem „Crank“ - oder manchem Bruce Willis-Film, „Kick-Ass“ sowie frühen Guy-Ritchie-Filmen. Nick ist ein völlig kaputter Protagonist, den es in dieser Intensität selten im Serienbereich zu sehen gibt.
Seine Körperlichkeit und seine Fähigkeiten einzustecken sind dabei schon eher im fantastischen Bereich anzusiedeln (wie bei Marv aus „Sin City“), aber wenn man bedenkt, dass man es mit einer Art Live-Action-Cartoon zu tun hat, kann man akzeptieren, dass er trotz Nahtoderfahrung, schweren Verletzungen und mannigfaltigen Drogen überhaupt noch fähig ist, sich auf den Beinen zu halten beziehungsweise sich zur Wehr zu setzen. Visuell sieht die Serie ebenfalls hervorragend aus und darf im Auftakt einige schöne, hypnotische, chaotische, blutige und explizite Bilder abliefern. Zudem wird mit einem Stil der Reizüberflutung gearbeitet, wenn Nick nicht Herr seiner Sinne ist.

Imaginary

Nick hat ganz klar einen astreinen Dachschaden und bemüht sich auch kaum, das geheim zu halten, wenn er etwa glaubt, andere könnten Happy auch sehen. Beim Pacing der Serie kann man eigentlich hoffen, dass diese Phase des Infragestellens von Happy schnell vorbei ist, weil das Nicks Figur sonst zu lächerlich und dümmlich erscheinen lassen würde. Vielmehr sollte er das blaue Pferd zu seinem Vorteil nutzen, was sich am Ende der Folge schon klar andeutet.
Die Animation und Vertonung des Fantasiewesens finde ich für Basic-Cable-Verhältnisse wirklich gelungen. Da haben sich die Macher Mühe gegeben und mit Oswalt eine witzige Wahl getroffen. Comicleser, die mit Grant Morrisons Werk vertraut sind, dürften wissen, dass es hier oft verkopft zugeht, wobei „Happy!“ da eine kleine Ausnahme bildet und auch aus der Feder eines Garth Ennis oder Warren Ellis stammen könnte, die für explizite, bleihaltige und raue Stoffe bekannt sind. Ennis lieferte beispielsweise die Vorlage für Preacher. Hierzu muss ich mir eine Spitze erlauben und wünschte mir, dass die dortigen Serienmacher sich getraut hätten, die Übertriebenheit dieses Comics genau so, wie „Happy“ es tut, zu adaptieren. Tabubrüche, was Gewalt, Sex und Sprache angeht, werden im Rahmen der Kabelmöglichkeit sehr stark ausgeschöpft oder in einem konkreten Fall herrlich auf die Schippe genommen, als Nacktheit mit dem Seriennamen überdeckt wird. Preacher gelingt das mal mehr, mal weniger.
Der Cast
Bei Morrisons Werk ist nicht immer alles so, wie es im ersten Moment scheint, und so kann man gespannt sein, welche Twists und Wendungen hier noch ins Haus stehen. Das Folgenende liefert bereits eine: Nick ist der Vater von Hailey, aber das dürfte noch längst nicht die einzige scharfe Kurve sein, die dieser wilde Ritt beinhaltet, dafür aber Nick mehr Motivation gibt, sie aus den Fängen ihrer Entführer zu befreien. Meloni scheint seinen Spaß an der Rolle zu haben und er gibt sowohl mimisch als auch körperlich alles und ist sich nicht zu schade, seine tiefsten Abgründe zu offenbaren und Mut zur Psychose zu zeigen. Das wird der Vorlage also ebenfalls perfekt gerecht.
Neben dem offensichtlichen Fall der Kindesentführung hat er es außerdem mit dem Mob sowie der Polizei, also seinen Exkollegen, zu tun, wobei Meredith (Lili Mirojnick) ein doppeltes Spiel zu treiben scheint. Einerseits unterstützt sie Nick, wo sie kann, andererseits will sie auch mehr über sein Wissen rund um das Passwort erfahren, weil sie mit dem Gangsterboss Francisco Scaramucci aka Mr. Blue (Ritchie Coster) verbandelt ist. Das wird auf jeden Fall noch für Reibung sorgen. Die Darstellung von Mr. Blue erinnert ein wenig daran, wie Mark Millar („Kick-Ass“, „Kingsman: The Secret Service“) seine Schurken gerne zeichnet: verachtenswert und abgrundtief böse. Wer will denn schon Hunde anzünden, nur weil sie sich kratzen? Millar und Morrison verbindet eine gemeinsame kreative Phase, weswegen das nicht verwundert und zum insgesamt übertriebenen Stil passt.
Fazit

Mit Happy! ist ein Serienpilot gelungen, der eine abgedrehte Comicvorlage passend umsetzt und dabei nicht an der Verrücktheit selbiger spart. Die Macher trauen sich, voll auf die Zwölf zu gehen und Grenzen zu überschreiten. Nick Sax ist von der ersten Minute an kein Sympathieträger, aber ein faszinierender Antiheld und der Auftakt der Syfy-Serie versaut, blutig und brutal, völlig gaga und wie ein Live-Action-Gangsterfilm, der mit einem düsteren Cartoon verschmilzt. Wie das eine oder mehrere Staffeln über funktioniert, muss sich zeigen, weil die Comicvorlage auf vier Hefte ausgelegt und recht gut abgeschlossen ist.
Trailer zur Episode What Smiles Are For (1x02) der US-Serie Happy!: Verfasser: Adam Arndt am Donnerstag, 7. Dezember 2017Happy! 1x01 Trailer
(Happy! 1x01)
Schauspieler in der Episode Happy! 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?