Hand of God 1x01

Zu Beginn der Pilotepisode zur neuen Dramaserie „Hand of God“ von Amazon sehen wir den Protagonisten Pernell Harris (Ron Perlman) inmitten eines Brunnens, wie er am hellichten Tag nackt und in unverstĂ€ndlicher Sprache predigt. Dabei wird er gefilmt und von einem Sergeant sicher weggefĂŒhrt. Was den Richter hierher brachte und wie sehr er Herr seiner eigenen Sinne ist, bleibt zunĂ€chst unbekannt. Pernell scheint jedoch alles andere als in einer mental stabilen Verfassung zu sein.
Follow the Stream
Pernell wird in das nĂ€chste Krankenhaus gebracht, in welchem ihn seine Ehefrau Crystal Dana Delany abholt. Statt sich jedoch um sein eigenes Befinden zu kĂŒmmern, nutzt er die nĂ€chstbeste Gelegenheit, um seinen Sohn Pernell Jr (Johnny Ferro) aufzusuchen, der sich im gleichen Krankenhaus befindet. WĂ€hrend Pernell daran glaubt, dass sein an ein AtemgerĂ€t angeschlossener Sohn bald wieder aufwacht und er sogar mit diesem spricht, hat sich dessen Witwe Jocelyn (Alona Tal) bereits von ihm abgewendet. FĂŒr sie ist Pernell Jr bereits tot, wie ihr auch von Ă€rztlicher Seite bestĂ€tigt wird.
Wie wir spĂ€ter erfahren, liegt Pernell Jr aufgrund eines selbst zugefĂŒgten Gesichtsschusses im Koma. Er war nicht damit zurechtgekommen, dass seine Freundin sieben Monate zuvor vergewaltigt wurde und er dem Ganzen zusehen musste. WĂ€hrend seines âGesprĂ€chsâ mit Pernell Jr schmiedet Pernell deshalb einen Plan, den Vergewaltiger selbst ausfindig zu machen. Wir erfahren, dass er vor seiner Brunnenpredigt zuvor drei Tage verschwunden war und nun getauft und mit Gott an seiner Seite zurĂŒckkehrte. Dabei hat ihn der junge Reverend Paul Curtis (Julian Morris) in seine geistliche Obhut aufgenommen und von Pernell 50.000 Dollar erhalten. WĂ€hrend eines Bankbesuchs des Reverends sehen wir dabei, dass der ehemalige Soapdarsteller im Namen Gottes vor nichts zurĂŒckschreckt und Alicia (Elizabeth McLaughlin) vorschickt, um das Geld fĂŒr seine âHand of Godâ-Kirche zu erhalten.
Neben dem BĂŒrgermeister Robert âBoboâ Boston (Andre Royo), mit dem Pernell geschĂ€ftliche Beziehungen pflegt, gehört darĂŒber hinaus noch der gewaltbereite KD (Garret Dillahunt) zu dem inneren Kreis Pernells. Jedoch geriet er erst in diesen, nachdem er Montgomery (Sheldon Bailey) zusammengeschlagen hatte, weil dieser ihn zuvor in seiner Predigt gestört hatte. So landet er schlieĂlich vor Gericht - und somit vor Pernell âJudge Maximumâ Harris. KD erkennt Pernell von der Taufe wieder und sagt, der Richter sei auserwĂ€hlt, seine Macht in Gottes Namen einzusetzen. Wider Erwarten spricht Pernell KD frei. Im weiteren Verlauf der Serie ernennt Pernell KD zu seiner Exekutiven und lĂ€sst ihn auf den Polizisten Shane Caldwill (Wes Chatham) los, den er fĂŒr den Vergewaltiger hĂ€lt.
I think god's visions are wrong
Dass Pernell den Jungpolizisten auf dem Kieker hat, verdankt der Richter dabei nicht seiner objektiven Urteilskraft, sondern seinen göttlichen Visionen. So scheint er Gottes Willen durch seinen komatösen Sohn zu vernehmen. Mit der Aufforderung âFollow the Streamâ entlarvt er schlieĂlich Shane, indem eine heruntergefallene Kaffeekanne zu ihm flieĂt. Zwar wird sein Verdacht nicht allzu ernst genommen, jedoch kann er seine geschĂ€ftliche Beziehung zu Bobo nutzen, um Shane schlieĂlich verhören zu lassen. Dieser soll sich entblöĂen, damit Jocelyn ihn als TĂ€ter erkennen kann. Diese will sich jedoch nicht erinnern und blockt die Situation ab.
Das Highlight der Pilotepisode stellt schlieĂlich eine Parallelmontage dar, die an eine der SchlĂŒsselszenen aus „Der Pate“ erinnert. Wie in dem Filmklassiker sehen wir, wie Pernell einerseits in der âHand of Godâ-Kirche als Held gefeiert und andererseits, wie wĂ€hrenddessen in seinem Namen Shane zur Strecke gebracht wird. Jedoch wird neben diesen beiden Szenen noch eine drittes Element mit aufgezeigt, indem sich Bobo von einem Psychiater Pernells Zustand erklĂ€ren lĂ€sst und dieser darauf hinweist, dass Pernell professionell behandelt werden muss. Diese dritte Instanz reflektiert die Doppelmoral des Richters noch einmal, bevor es in der letzten Szene noch einmal einen interessanten Wechsel gibt.
So gesteht Shane in seinem Grab liegend KD bei seiner letzten Predigt, dass er zu der Vergewaltigung durch „sie“ gezwungen worden war. Bevor wir erfahren, wer das gewesen ist, stirbt Shane jedoch, da KD ihm bereits ins Bein gestochen hatte. Somit erfahren wir nicht nur, dass Pernells Vision korrekt war, sondern, dass der Fall damit noch lange nicht abgefrĂŒhstĂŒckt ist.
Fazit
Was den Serienpiloten zu „Hand of God“ interessant macht, ist die ambivalente Charakterschreibung des Protagonisten, die von vornherein von mehreren Seiten beleuchtet wird. WĂ€hrend wir bei Ă€hnlichen Hauptcharakteren wie Dexter Morgan (Michael C. Hall) in Dexter, Walter White (Bryan Cranston) in Breaking Bad oder Frank Underwood (Kevin Spacey) in House of Cards erst im Laufe der Serie die Moral des Protagonisten hinterfragen, wird die von Pernell Harris von der ersten Minute an als (psychisch) instabil aufgezeigt. Sollte es die Serie schaffen, aus Pernells Charakter kein von Gott gefĂŒhrtes Orakel zu entwickeln, sondern bei dieser reflektierten Darstellung bleiben, kann sich „Hand of God“ zu einer Dramaserie entwickeln, die sich hinter den zuvor genannten Formaten nicht verstecken muss.
Verfasser: Henning Harder am Dienstag, 2. September 2014Hand of God 1x01 Trailer
(Hand of God 1x01)
Schauspieler in der Episode Hand of God 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?