Halston: Review der Pilotepisode der Netflix-Serie

Halston: Review der Pilotepisode der Netflix-Serie

Große Designer spielen sich immer wieder in den Mittelpunkt der Drehbücher. Nun hat auch die Ikone der 60er und 70er, Halston, eine eigene Netflix-Serie bekommen. In der Titelrolle zeigt sich Ewan McGregor.

Ewan McGregor in der Serie Halston (c) Netflix
Ewan McGregor in der Serie Halston (c) Netflix
© wan McGregor in der Serie Halston (c) Netflix

Die Modewelt mit ihrer Ästhetik, ihrem Drama und ihren exzentrischen Bewohnern ist immer wieder ein gefundenes Fressen für die Autoren von Drehbüchern. In der neuen Netflix-Serie Halston zeigt sich Ewan McGregor als Titelfigur und erzählt uns das außergewöhnliche Leben des Designers, der den Stil der 60er und 70er prägte wie kein anderer.

Wovon handelt die Serie Halston?

Wir lernen Halston kennen, als er am Ende seiner ersten Karriere an einem Tiefpunkt angekommen ist. Er war der Hutmacher der Reichen und Schönen in New York, Jackie Kennedy liebte seine Designs - bis das Volumen der Frisuren zu- und damit das Interesse an Kopfbedeckungen bei den Frauen abnahm. Halston muss sich umorientieren, doch er ist alles andere als verzweifelt. Er weiß auch in düsteren Zeiten, dass er zu Großem fähig ist und zweifelt niemals an sich. Stattdessen wendet er sich an die richtigen Leute, die er mit entwaffnendem Selbstbewusstsein auf seine Seite zieht. Sein neuester Geschäftspartner und Illustrator Joe Eula (David Pittu) stellt ihm Liza Minelli (Krysta Rodriguez) vor, die von seiner rauen Ehrlichkeit begeistert ist und sich von ihm einen neuen Stil verpassen lässt. Sie wird im Verlauf seiner Karriere zu einer seiner Musen werden. Für den Moment hilft sie ihm dabei, sich in der Welt der Damenmode einen Namen zu machen.

Dazu sucht er sich ein Allstar-Team zusammen, zu dem neben Joe noch Elsa Peretti (Rebecca Dayan) gehört - eine wunderschöne Italienerin, die er zu seinem Anprobemodel funktioniert, weil sie sich die Mode zu eigen mache, statt sie nur zu tragen. Das jüngste Mitglied im Team ist Joel Schumacher (Rory Culkin), von dem Halston sich einen jugendlichen Schub verspricht.

Was er dann noch braucht, wie er seiner Flamme Ed (Sullivan Jones) beim Dinner verrät, ist eine winzige Million Dollar. Doch Sorgen macht er sich mal wieder auch darum nicht. Dabei steckt er nicht mit dem Kopf in den Wolken, er versteht die Wichtigkeit von Geld sehr gut. Halston geht einfach nur davon aus, dass sein Charme und sein Talent ihm die finanziellen Mittel schon besorgen werden.

Die Exfrau einen texanischen Ölmagnaten, Estelle Marsh (Karen Mason) lässt nach einer beeindruckenden Vorführung immerhin 100.000 Dollar springen, was zwar nicht für das glamouröse Atelier reicht, das Halston vorschwebt, aber dem Team den Fortbestand sichert.

In der Zusammenarbeit mit seiner Gang erkennen wir dann auch schnell die Schattenseiten seines Charakters: Der Designer ist oft herrisch, unbarmherzig zu seinen Untergebenen und verlangt mehr als 100 Prozent. Er lässt sich von niemandem etwas sagen - nur Joe darf ihn manchmal in die richtige Richtung schubsen. Zum Beispiel, als er Joel mal wieder zu sehr angefahren hat und der junge Nachwuchsdesigner aus dem Raum gelaufen ist. Joe weist Halston an, ihm nachzugehen. Dort entdeckt der Designer, dass Joel aufgrund des großen Arbeitspensums regelmäßig Speed spritzt. Statt ihm zu kündigen, erklärt er ihm, dass er zum Team gehört, aber dafür clean werden muss. Zum Glück, denn Joel zeigt ihm einen Stoff, den er selbst gefärbt hat, was zum Thema für die neue Kollektion wird. „Ich liebe es, das macht sonst niemand“, freut sich Halston angesichts der gebatikten Kleider. Neu und innovativ will er sein und am liebsten den Frauen mit dem nötigen Kleingeld die Mode auf den Leib schneidern.

Über die fünf Episoden der Miniserie begleiten wir ihn auf seiner wechselhaften Karriere. Wir sind dabei, als Halston einsehen muss, dass es ohne ein bisschen Mode für die Stange dann doch nicht geht. Wir begleiten ihn nach Paris, wo er an der legendären Battle of Versailles Fashion Show teilnimmt, auf der 1973 die namhaftesten US-Designer gegen die Pariser Ikonen antraten und in der Lesart der Nachwelt die Krone der Mode über den Atlantik in die USA holten. Wir sehen sein untrennbar mit der Geschichte verbundenes Privatleben, allen voran die stürmische Beziehung zu dem venezolanischen Künstler Victor Hugo,Halston (Gian Franco Rodriguez). Aber auch immer wieder seine Verbindungen in die High Society - viele Prominente umschwärmen den Designer auf dem Höhepunkt seiner Karriere.

Wie kommt es rüber?

Serien, Filme und Dokus über die Modewelt stellen oft die Erbarmungslosigkeit der Szene in den Fokus, die brutale Ökonomie, die Missachtung der Gesundheit der Beteiligten, die Ellenbogenkämpfer. Die Netflix-Serie ist das Antidot dazu, ohne eine Traumwelt zu zeichnen. Halston hat immer wieder Geldsorgen und muss sich den Gesetzen des Kapitalismus beugen wie alle anderen auch. Doch die Geschichte, die die Serienmacher erzählen wollen, ist nicht die eines Einzelkämpfers, sondern die einer Ikone mit der Fähigkeit, ein Netzwerk um sich zu schaffen, das auf gegenseitiger Loyalität und Freundschaft beruht. So stellen sie uns das Team dann auch in typischer Superheldenmanier vor. Jeder hat sein Gebiet, auf dem er glänzt, gemeinsam sind sie unschlagbar. Eine Truppe von „fröhlichen Außenseitern“, wie Halston selbst es nennt. Er ist oft brutal zu seinen Freunden, aber auch unabdingbar loyal. So lässt er seine Affäre Ed nicht fallen, als sich herausstellt, dass es nichts Festes wird, sondern er stellt ihn an, seinen Laden zu managen, das Schaufenster zu dekorieren, er behält ihn in seinem Zirkel. Der erste Teil ist eine Feelgood-Serie unter den Designerbiografien. Auch wenn am Ende dann doch der unvermeidliche Fall kommt, auch für das Allstar-Team.

Das besonders Bezaubernde an der Serie ist die Aufmerksamkeit, die das Drehbuch der Kunst und dem Design zuerkennt. Wir begleiten die Arbeit des Designers ebenso engmaschig wie die charakterliche Entwicklung der Hauptfigur. Mode ist nicht nur das hübsche Hintergrundrauschen, die Autoren erzählen mit Kenntnis vom Handwerk, vom Geschäft, von der Kunst, vom Alltag eines Designers. Es ist eine Freude, dabei zuzusehen, wenn man sich für die Modewelt interessiert, aber auch wenn man diesem Gebiet für gewöhnlich kein besonderes Interesse entgegenbringt. Zu ausgewählten Gelegenheiten kann die Serie mit humorvollen Momenten überraschen, die jedoch niemals Überhand nehmen.

Nicht zuletzt weiß auch der Cast zu begeistern. Wie in der Story unterstützen die Hauptfiguren aus der zweiten Reihe die Titelfigur auf charmante Art und Weise. Für alle, die mal reinschauen wollen, muss man sagen: Erst in der zweiten Episode lernen wir Eleanor Lambert kennen, die von der aus Gilmore Girls bekannten Kelly Bishop vorzüglich verkörpert wird.

Hier abschließend der Trailer zur Serie „Halston“ auf Netflix:

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Dazu passend: Fargo im Stream

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