Gotham 1x20

Mit Under the Knife wird der Fall um den als „Ogre“ bekannten Serienmörder (Milo Ventimiglia) weitererzählt, während Bruce (David Mazouz) und Selina (Camren Bicondova) sich für einen Charity Ball mit besonderem Namen schick machen und der introvertierte Forensiker Edward Nygma (Cory Michael Smith) einen wichtigen Charaktermoment bekommt. Allein Clubbesitzer Cobblepot (Robin Lord Taylor) enttäuscht mit seinem langsamen Racheplot diese Woche.
No Riddles
Gotham setzt mit Under the Knife zwar einerseits den anscheinend doch etwas größeren Fall um den Ogre fort, lässt es dabei jedoch nicht aus, mal wieder die ganz große Foreshadowing-Keule zu schwingen. So bekommt der Rätsel stellende Forensiker Nygma endlich einen Grund, die moralische Kehrtwende vollziehen zu dürfen, indem er seine angebetete Miss Kringle (Chelsea Spack) auf ein paar Blessuren untersucht, die von ihrem derzeitigen Liebhaber Officer Dougherty (Zachary Spicer) stammen.

Nachdem jedoch seine Einschüchterungsversuche ins Leere laufen, lauert unser moralisch äußerst ambitionierter zukünftiger Fragensteller dem Rüpel auf und greift schließlich zum Messer, mit dem er erst unfreiwillig und schließlich aus Überzeugung den Polizisten ersticht. Dieser Charaktermoment wird dabei auf typische Gotham-Weise durch das Blitzlichtgewitter der ratternden Straßenbahn unterlegt.
Sort of a roommate, she comes and goes.
Doch nicht nur Ed, auch Selina darf sich moralisch weiter in Richtung ihres zukünftigen Alter Egos entwickeln, nachdem sie in der letzten Episode Beasts of Prey zur Mörderin wurde. Während Bruce schwer mit dieser Tatsache zu kämpfen hat und natürlich jetzt bereits schwört, nie jemandem das Leben zu nehmen, schreckt Catsina davor nicht zurück. Doch noch wenden sich die beiden Freunde nicht voneinander ab, sondern planen ihren nächsten, gemeinsamen Coup auf einem Charity Ball von Wayne Enterprises, der vor allem für deutsche Zuschauer einen weiteren plumpen Foreshadowing-Moment verzeichnet.
So findet der Ball ausgerechnet in der sogenannten Fledermaus Gallery statt, als ob ein gewisser Wayne mal irgendetwas mit Fledermäusen zu tun haben wird... Allerdings bleibt unserem Mini-Bats nicht viel Zeit, sich mit den Tierchen auseinanderzusetzen, da er als Ziel natürlich Sid Bunderslaw (Michael Potts) hat, dem er seinen Anschlag zu verdanken hat. In einem äußerst plumpen Ablenkungsmanöver stiehlt Selina ihm den Schlüssel - weiter kommen die beiden Jungermittler erst einmal nicht.
Stattdessen darf sich Babsi (Erin Richards) mal wieder blicken lassen und von ihrer ach so düsteren Seite zeigen, indem sie sogar den fiesen Serienmörder in Sachen düsterer Charakter in den Schatten stellt. Zwar scheint dieser das Interesse an ihr zu verlieren, als er erfährt, dass sie nicht mehr mit Jim (Ben McKenzie) zusammen ist. Er kann sich jedoch trotzdem nicht ganz von ihr verabschieden. Am Ende betreten die beiden gemeinsam seine kleine SM-Stube.

Nachdem in der letzten Episode nicht ganz klar wurde, woher dagegen der Name des Ogres kommt, erfahren wir in dieser Episode, dass er aufgrund seines ehemaligen Äußeren diesen Titel trägt (welches er sich entfernen ließ und nun als unbekannter Mann durch Gotham City wandeln kann). Warum sich ausgerechnet dieser Plot sogar noch auf eine weitere Episode ausstreckt, wird dabei jedoch nicht ganz klar. Zwar schafft es Ventimiglia, einen der gelungeneren Bösewichte darzustellen, so richtig an Spannung gewinnt dieser Fall jedoch auch nicht.
Wohin mit dem Cobbleplot?
Während Fish Mooney (Jada Pinkett-Smith) diese Woche mal pausieren darf, übernimmt derweil der korrupte Clubbesitzer Oswald den Part der wohl langatmigsten Racheplanung der Episode. So erfahren wir, dass er ein paar weitere Männer anheuert, um Maroni (David Zayas) auf die Pelle zu rücken, während dieser sich an die alte Frau Kapelput (Carol Kane) heranmacht und damit droht, der guten Seele von den düsteren Machenschaften ihres Sohnes zu erzählen. Am Ende darf Oswald seinen schlechten Charakter noch einmal kurz bestätigen, indem er einen unwichtigen Blumenlieferanten Maronis um die Ecke bringt.
Fazit
Nur noch zwei Episode der ersten Staffel von Gotham stehen uns bevor, doch so richtig an Fahrt gewinnt die Serie immer noch nicht. Während es diese Woche vor allem Edward Nygma ist, der einen charakterlichen Sprung nach vorne macht, wird sich der Fall der Woche aus unerfindlichen Gründen noch eine weitere Woche fortsetzen dürfen. Die großen, alles umfassenden Machenschaften ruhen derweil. Denn während Oswalds Rachefeldzug sich nur äußerst träge fortbewegt, setzen Fish und Falcone komplett aus.
Mag der Fall um den Ogre auch gar nicht so schlecht inszeniert sein - aber warum wir uns ausgerechnet auf der direkten Grade zum Staffelfinale mit diesem auseinandersetzen müssen, während so mancher Batman-Bösewicht in dieser Staffel wesentlich schneller abgefrühstückt wurde, leuchtet derzeit nicht ein. Es fehlt einfach immer noch an einem durchgehenden roten Faden.

So ist es kein Wunder, dass es vor allem die Nebenplots von Bruce und Edward sind, die die Episode tragen, obwohl sie wesentlich weniger Screentime als Jims Fall einnehmen. Dieses Ungleichgewicht von Quantität und Qualität der einzelnen Erzählstränge gehört neben den wirklich plumpen und viel zu breit inszenierten Foreshadowings zu den größten Schwächen der Serie. Mag der Vergleich zu einer Dramedyserie wie Better Call Saul auf inhaltlicher Ebene auch nicht ganz passen, so sehen wir in dieser zumindest, wie man es schafft, einen spannenden Plot zu erzählen, auch wenn das Ziel bereits größtenteils bekannt ist. Die bevorstehenden Entwicklungen des Batman-Universums reichen jedoch nicht als Grundpfeiler der Spannung aus.
Trailer zur kommenden Episode „The Anvil or the Hammer“: Verfasser: Henning Harder am Dienstag, 21. April 2015Gotham 1x20 Trailer
(Gotham 1x20)
Schauspieler in der Episode Gotham 1x20
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