Gotham 1x10

Nachdem in der letzten Episode Harvey Dent Dick Lovecraft (Al Sapienza) als neuer Gegenspieler der Waynes eingeführt wurde, muss sich dieser in der Episode LoveCraft bereits wieder vom Publikum verabschieden. Zurück bleiben ein weiterer neuer Bösewicht in einer ungewohnten Gestalt, eine alte, junge Bekannte sowie ein Haufen Fragen, die uns vor der Pause nach der Mid Season beschäftigen. Darüber hinaus muss sich Jim (Ben McKenzie) mit einer neuen beruflichen Ausrichtung arrangieren.
Grow up, B!
Die Episode beginnt mit einem Attentat auf das Wayne Manor, welches immer noch der jungen Selina „Cat“ Kyle (Camren Bicondova) Obdach gibt. Zwar ist nicht klar, wer hinter dem Attentat steckt, doch die Attentäterin namens Larissa Diaz (Lesley-Ann Brandt) stellt einen zwar für Comickenner bekannten Charakter dar, jedoch trägt dieser mit ihrer Darstellung ein recht ungewohntes Gesicht. Während Copperhead in der DC-Vorlage zumeist männlich zu sehen ist und mithilfe eines Schlangenkostüms seine Gegner außer Gefecht setzt, verlässt die Gotham-Version sich vor allem auf ihre Agilität und ihre Skrupellosigkeit. Eine weibliche Darstellung von Copperhead gab es bereits in dem Videospiel „Batman: Arkham Origins“.

Diaz schafft es schließlich auf intelligente Art und Weise in die unbewachte Festung Bruce Waynes (David Mazouz) einzudringen, welche zumindest von Alfred (Sean Pertwee) verteidigt wird. Selina und Bruce fliehen derweil in den Untergrund Gotham Citys und treffen dabei auf eine alte Bekannte, nach deren Verbleib ich bereits im letzten Review fragte. So treffen sie in einem verlassenen Haus auf eine Gruppe von Jugendlichen und Kindern, die anscheinend ähnlich hart wie die gute Selina aufwachsen. Während Bruce sich erst durch einen Kleiderwechsel an dieses Ambiente annähern muss, scheint sich die noch junge Ivy Pepper (Clare Foley) bereits an die raue Seite der Stadt gewöhnt zu haben.
So schafft sie es, sogar Selina in Sachen Frühreife noch in den Schatten zu stellen. Während letztere immer mehr an Charakterzeichnung gewinnt, im Zuge derer die Härte nur eine Schutzmauer zu sein scheint, stellt sich Ivy als angsteinjagendes, rachsüchtiges kleines Mädchen dar, das sogar Selina Angst macht. Der Mord an ihrem Vater scheint sich somit zwar tief eingebrannt zu haben, jedoch wird dabei der in dem letzten Review angesprochene Punkt der zu frühen Andeutungen auf spätere Entwicklungen weiter bekräftigt. Es wirkt beinahe so, als würde sich Gotham zu sehr bemühen, die Zuschauer in keinem Zweifel zu lassen, um wen es sich bei den späteren Batman-Bösewichten handeln könnte.
Darüber hinaus lernen wir auch Selinas Händler kennen, an den sie ihre Waren verscherbeln kann. Clyde (Devin Harjes) scheint dabei nicht in Verhandlungen mit langfingrigen Jugendlichen zu stehen, sondern wesentlich größeren Einfluss zu haben. Das wird bereits an seinen Schutzmännern und dem Kontakt zu Diaz deutlich.
Nachdem angedeutet wurde, dass es in Gotham hin und wieder Hinweise auf einen potentiellen Joker geben würde, scheint Clyde nach der Darstellung des Komikers in der ersten Episode (Pilot) am ehesten diesem Kriterium zu entsprechen. Sein markantes Grinsen, sein Anzug, seine Haarfarbe sowie seine leicht angedeuteten Gesichtsnarben ähneln dem bekanntesten aller Batman-Bösewichte. Dennoch bleibt dies nur eine leichte Spekulation, wobei durch die Darstellung von Copperhead deutlich wird, dass Gotham auch dazu bereit ist, von den Erwartungen der Comicbuchleser abzuweichen.
I'm a butler
Während die beiden Jugendlichen somit gemeinsam auf der Flucht sind, verbündet sich ein neues Ermittlerduo, welches an Raubeinigkeit kaum besser zusammenpassen würde. Harvey Bullock (Donal Logue) geht zusammen mit Alfred auf Ermittlungstour. Hier wird zwar Alfreds Hintergrundgeschichte von Bullock kritisch hinterfragt und somit angedeutet, dass dieser bisher nicht nur die Butlerschule besuchte. Jedoch bleibt der genaue Hintergrund dessen im Verborgenen - er ist schließlich nur ein Butler.

Derweil agiert Jim weiter mit seinem neuen, juristischen Freund Harvey Dent (Nicholas D'Agosto). Er wirft diesem vor, Informationen nach außen getragen zu haben, da niemand wusste, dass Selina bei Bruce untergekommen war. Auch die Anschuldigung Dents, dass Lovecraft hinter dem Anschlag stecke, scheint kritisch zu hinterfragen zu sein. So stattet Jim diesem einen Besuch ab, um ihn daraufhin zu verhören. Allerdings stellt sich dieser selbst als kleine Nummer dar, die nur ihren Anteil von dem Kuchen der Waynes haben wollte. Doch bevor Jim mehr herausfinden kann, besuchen Copperhead und Konsorten auch dieses Stelldichein.
Dabei wird nicht nur Jim kurz ausgeschaltet - Lovecraft muss diesen Angriff mit seinem Leben bezahlen. Die Rechnung für diesen wird dabei mit Jims Namen unterschrieben, da Copperhead seine Waffe für den Mord benutzte. In einem späteren Streitgespräch zwischen Jim, Dent und dem Oberbürgermeister James (Richard Kind) einigen sich die drei mehr oder weniger dazu, von einem Selbstmord zu sprechen, um den Wayne-Fall nicht noch weiter medial aufzurollen. Die Fehde, die James und Jim dabei führen, hinterlässt ihre Spuren. Am Ende der Episode wird letzterer als Wärter ins Arkham Asylum versetzt und packt schließlich seine Sachen. Es bleibt zu hoffen, dass mehr als nur ein kurzer Schauplatzwechsel aus dieser Versetzung entsteht.
Fraglich ist dabei, warum bei einem Attentat auf das Wayne Manor weder Crispus Allen (Andrew Stewart-Jones) noch Renee Montoya (Victoria Cartagena) ermitteln, wurden sie doch beide mit dem Wayne-Fall beauftragt. Ob dies einfach dem Affärenplot zwischen Montoya und Barbara (Erin Richards) geschuldet ist oder einen tieferen Sinn verfolgt, sei mal dahingestellt. Langsam scheint sich jedoch ein weiteres Problem der Serie zu etablieren: Kann sie es schaffen, allen Charakteren gerecht zu werden, ohne diese nur kurz zu benutzen, wenn es sich ergibt?
Yes, Mam
In dem Machtkampf rund um Falcone (John Doman) werden derweil weiterhin die Messer geschärft. Nach dem Anschlag von Fish Mooney (Jada Pinkett Smith) auf sein Waffenlager in der letzten Episode vermutet das Familienoberhaupt nämlich einen Anschlag Maronis (David Zayas) und nimmt deshalb Oswald (Robin Lord Taylor) ins Kreuzverhör. Dabei wird er langsam taub, was Oswalds Reibereien mit Fish angeht und misstraut diesem deshalb.

In einer Versammlung seiner Mafiafamilie statuiert er deshalb ein Exempel, indem er eines seiner Familienmitglieder erschießt und die Abgaben an ihn auf 25 Prozent erhöht. Vor allem Domans Darstellung kann der Mafiageschichte zumindest etwas Authentizität einhauchen, da er im Gegensatz zu Fish Mooney passend ehrfürchtig dargestellt wird. Fish nutzt derweil diese Druckmechanismen aus und will sich somit weitere Familienmitglieder auf ihre Seite holen, um an Falcones Thron zu sägen.
FazitCraft
Die heutige Episode bricht mal wieder mit dem Fall-der-Woche-Schema, jedoch schafft es die Episode LoveCraft nicht wirklich, an Fahrt zu gewinnen. Zwar wird ein weiterer Bösewicht etabliert und der Fall des Wayne-Mordes weiter ausgebaut, jedoch werden damit eher Fragezeichen als Ausrufezeichen beim Zuschauer produziert. So kommen vor allem Fragen nach dem Auftraggeber Copperheads, dem Verbleib von Jim und der Rolle Lovecrafts sowie der Verstrickung Harvey Dents in den gesamten Fall auf. Zumindest bekommt unser junger Bruce seinen ersten Kuss, wodurch die „LoveCraft“ doch noch die Episode dominiert.
Verfasser: Henning Harder am Dienstag, 25. November 2014Gotham 1x10 Trailer
(Gotham 1x10)
Schauspieler in der Episode Gotham 1x10
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