Good Sam 1x01

© erienposter zur Serie Good Sam (c) CBS
Während der US-Sender CBS seit 2000 zahlreiche erfolgreiche Krimiserien-Franchises etablieren konnte - man denke nur an CSI: Crime Scene Investigation, NCIS, FBI und viele weitere - hatte man bei Medicalserien bislang keinen allzu langen Atem respektive guten Riecher. Das Genre scheint eher bei NBC, FOX oder ABC zu funktionieren, bei denen mehrere solcher Serien längere Zeit liefen oder laufen - allen voran Grey's Anatomy, The Good Doctor, House, The Resident, New Amsterdam (2018) oder Chicago Med.
Good Sam ist der nächste Versuch, das Genre längerfristig ins Programm zu bringen und mit Sophia Bush, die lange Zeit bei Chicago PD dabei war, und Jason Isaacs (Star Trek: Discovery, Awake, The OA), den man vielseitig einsetzen kann, hat man zwei durchaus bekannte Gesichter am Start, die einige Zuschauer zum Einschalten bewegen könnten. Außerdem steht mit Produzentin und Autorin Jennie Snyder Urman (Jane the Virgin) eine spannende Kreative hinter dem Neustart.
Worum geht es in Good Sam?
Familienmitglieder, die zusammen in Krankenhäusern arbeiten, gibt es immer mal wieder, häufig sind es Geschwister oder Stiefgeschwister, die irgendwann aufeinandertreffen. Bei Doogie Kamealoha, M.D. hatten wir zuletzt schon ein Mutter-Tocher-Gespann, hier nun also Vater und Tochter, wobei in dem neuen CBS-Format damit auch ein Oldschool-vs.-moderne-Methoden-Konflikt einhergeht. Dazu dann noch die Richtung „alter Hase traut seiner Tochter wenig zu und bringt ihr nicht den nötigen Respekt entgegen“.
Dr. Paul Griffith aka Griff (Isaacs) ist schon langer an der Spitze des Lakeshore Sentinel Hospital und glaubt deswegen, mit wenigen Worten sein junges Team von Assistenzärzten charakterisieren zu können und auch im OP gibt es Meinungsverschiedenheiten zwischen Doktor und Vater. Dafür eilt ihm sein Ruf als einer der Besten in seinem Gebiet voraus, als ein ängstlicher Patient am Beginn der Episode vor seinem Eingriff fliehen will.
Der Ton der Serie ist - wie der Score immer mal wieder unterstreicht und dabei eher an Desperate Housewives als an Serien mit ernsterem Ton erinnert - locker und luftig und es werden viele Dialoge geführt, die Gags enthalten. Man hat oftmals eher den Eindruck, eine Dramedy zu schauen. Das grenzt sie von manch anderer Medicalserie ab, besonders vom schweren Code Black, das wohl die letzte erfolgreiche CBS-Medicalserie war.
Sam hat ein Angebot für einen Job- und Tapetenwechsel, um unabhängiger agieren zu können, doch sie ist sich unsicher, ob sie das Angebot annehmen sollte. Zudem ist sie mit einem Kollegen liiert und wir erfahren früh, dass sie selbst mal einen Eingriff am Herzen hatte, der sie wohl dazu inspirierte, in dieses Fachgebiet zu geben.
Die Hierarchie ist klar, bis nach einem Verkehrsunfall, der die Opfer aufwühlt und bei dem Griff von einem Wartenden angeschossen wird. Er landet für sechs Monate im Koma und Sam übernimmt als Interimschefin die Führung der Abteilung. Als sie zur permanenten Chefin ernannt werden soll und schon ihre Worte für die Gala übt, wacht der Vater wieder auf. Natürlich möchte er sofort wieder ans Werk, doch so einfach geht das nicht. Vielmehr benötigt es strenge Überwachung eines Kollegen und genau hier soll Sam übernehmen, so dass sich das Machtverhältnis ändert.
Sam willigt ein und Griff macht schnell gute Fortschritte in seiner Reha. Allerdings mischt er sich schneller in ihren Führungsstil ein, als ihr lieb ist. So wurde beispielsweise seine Tafel durch ein modernes Tablet-Netzwerk ausgetauscht, das in Echtzeit bearbeitet werden kann, wenn es neue Erkenntnisse gibt.
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Wie funktioniert die Pilotfolge von Good Sam?

Im Verlauf der Pilotfolge erleben die Zuschauer dann ein kleines Hin und Her zwischen klassischen und modernen Ansätzen, erfahren ein paar pikante Details aus den Privatleben der Figuren (Griff hat eine Affäre mit Sams bester Freundin, die eine Assistenzärztin in ihrem Team ist) und es gibt - wie bei House öfter mal - eine Lupusdiagnose, die sich als etwas voreilig herausstellt...
Man könnte den Ersteindruck der Serie vielleicht so zusammenfassen: Was wäre, wenn House (Hugh Laurie) mit seiner ebenfalls medizinisch begabten Tochter zusammenarbeiten müsste? Griff ist grumpy, durchaus genial, aber ohne Hilfestellung durch seine Kollegen und Tochter eben auch nicht ganz unfehlbar - und so muss man eben einsehen, dass Alleingänge, egal von wem, wenig nutzen und der gemeinsame Hirnschmalz doch zu besseren Ergebnissen für die Patienten führt.
Das Team neben den beiden Protagonisten bleibt im Auftakt noch ein bisschen blass, wobei sich erste Tendenzen andeuten. Die beste Freundin Dr. Lex Trulie (Skye P. Marshall), die ein Geheimnis verbirgt, der ständig späte Boyfriend Caleb (Michael Stahl-David), zu dem sich in der Komazeit des Vaters die Gefühle wohl etwas abgekürzt haben, und einige andere, die im Verlauf der Serie sicherlich mehr Screentime bekommen werden. Dazu ist auch noch Sams Mutter Vivian Katz (Wendy Crewson) im Krankenhaus als Chief Medical Officer aktiv und verbringt in der Reha wohl mehr Zeit mit ihrem Mann als in den letzten Monaten und Jahren, wobei dieser eher Interesse an einer Jüngeren hat und nicht beispielsweise an Erholungsurlauben... Ebenfalls dabei: Edwin Hodge als Malcolm A. Kingsley, der Sohn eines reichen finanziellen Unterstützers des Krankenhauses, der wohl ein love interest für Sam werden könnte und eine Position als Director of Finance übernimmt.
Der doppelte Doctor Griffith

Good Sam ist letztlich ein Starvehikel für Sophia Bush, die manche Serienjunkies wohl schon seit ihrer Rolle in One Tree Hill verfolgen und sie dann auch bei Chicago PD begleitet haben. In beiden Networkserien war sie durchaus Scene-Stealer und Fanfavorit, aber irgendwo auch zweite Geige. Nun kann sie beweisen, dass sie eine Serie tragen kann und im Prinzip stimmen die Grundvoraussetzungen, denn oftmals laufen CBS-Formate gut an, wobei, wie eingangs erwähnt, eigentlich Krimis hier besser laufen als Medicaldramen.
Vielleicht knackt man den „Fluch“ diesmal. Es wäre Bush zu wünschen, die ich eigentlich immer sympathisch finde. Beim Anschauen wurde mir eine andere verpasste Chance bewusst, denn vor einigen Jahren hätte sie wohl eine perfekte Mary-Jane Watson in den „Spider-Man“-Filmen abgeben können. Ob das mit 39 noch möglich ist (sofern man nicht den Story-Arc „Renew Your Vows“ rund um einen verheirateten Peter Parker, Mary Jane und dessen Tochter adaptiert), wage ich leider zu bezweifeln.
Isaacs geht auch immer als Darsteller, allerdings läuft der geniale Arzt, der es immer besser weiß als die jungen Kollegen, Gefahr, sich abzunutzen, wenn die Drehbücher nicht stimmen. Bei „House“ oder Scrubs wusste man aber auch, wie man die Nummer lange ausschlachten kann.
Der optimistische beziehungsweise humorige Ton des Auftakts gefällt mir bislang ganz gut, wenngleich in den letzten Minuten die dramatischen Offenbarungen dann doch zugenommen haben und so Griff zum „Underdog“ machen, der um seine Tochter, sein Comeback als Chirurg und den Respekt seiner Kollegen wird kämpfen müssen. Denn Sam macht ihm klar, dass sie nach dem Herauskommen seiner Affäre, vor allem als Doktor, einwilligt, sein proctoring (sprich: seinen überwachten Weg zurück in den OP) zu leiten, aber als Tochter Probleme mit seinen Eskapaden hat.
Der medizinische Fall dieser Episode geht in Ordnung, ist aber wohl nichts, was man nicht auch bei Grey's Anatomy, The Good Doctor, „House“ oder ähnlichen Formaten serviert bekommen würde. Vielmehr wird es in „Good Sam“ wohl um die interfamiliären Streitigkeiten gehen und darum, das junge Team in interessante Situationen zu verwickeln.
Fazit

Ich finde es schön, dass Sophia Bush endlich einmal eine echte Serienhauptrolle bekommt - in dem Sinne, dass ihr Charakter quasi im Namen der Produktion vertreten ist und so nicht im Ensemble untergeht. Ich hoffe, dass auch andere wegen ihres Charismas dem CBS-Format eine Chance geben oder vielleicht wegen Isaacs neugierig werden. Man kann gespannt sein, welche Einschaltquoten die Serie beim erfolgsverwöhnten, aber vor allem beim älteren Publikum beliebten Network erreicht und ob dort mal wieder ein Medicalformat eine längere Zukunft erlebt.
Die Pilotfolge ist solide, aber nichts Herausragendes, abseits der Vater-Tochter-Dynamik, die es so eher seltener gab.
Hier abschließend der Trailer zur Serie „Good Sam“:
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Verfasser: Adam Arndt am Donnerstag, 6. Januar 2022Good Sam 1x01 Trailer
(Good Sam 1x01)
Schauspieler in der Episode Good Sam 1x01
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