Good Omens 2x01

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Das passiert in der Serie „Good Omens 2“
Nachdem Erziraphael (Michael Sheen) und Crowley (David Tennant) in der Serie Good Omens die Wiederkehr des Antichristen verhindert haben, führt der Erzengel ein beschauliches Leben in seinem Buchladen in London. Doch schon zieht neuer Ärger herauf, denn der Himmel hat entschieden, die Apokalypse über die Erde hereinbrechen zu lassen. Als sich der oberste Engel Gabriel (John Hamm) gegen die Vernichtung der Menschheit ausspricht, wird er ohne Gedächtnis verbannt und sucht sich ausgerechnet Erzis Buchladen für ein Exil aus. Und damit beginnen die Probleme erst...
Eine Überraschung
Die erste Staffel von „Good Omens“ gehörte 2019 zu den ganz großen positiven Überraschungen auf Amazon Prime. Gedreht nach dem gleichnamigen Roman von Terry Pratchett und Neil Gaiman, glänzte die sechsteilige Miniserie mit hohen Produktionswerten, tollen Darstellerinnen und Darstellern sowie reichlich Witz und Charme.
Dafür, dass die Geschichte sich nicht zu weit vom Original entfernte, sorgte niemand Geringeres als Gaiman selbst für den das Thema Himmel und Hölle offensichtlich ein Steckenpferd ist. Man denke nur an Hitserien wie American Gods, Lucifer und The Sandman, die alle überaus erfolgreich waren oder sind.
Herrlich ausgefallen
Obwohl alle genannten Shows mit wunderbar verrückten Ideen glänzen, spielt „Good Omens“ hier in einer eigenen Liga. Das traf bereits auf die erste Staffel zu, wird aber in der Fortsetzung noch einmal auf die Spitze getrieben. Allein die Darstellung der Hölle, wo die zur Verdammnis verurteilten Seelen mit Sprüchen wie „Hoch die Hände, Lebensende!“ aus knarzenden Lautsprechern empfangen werden, wäre beinahe schon einen eigenen Film wert.
Von derartigen Ideen, gespickt mit zahlreichen religionskritischen Spitzen, wimmelt es in Staffel zwei geradezu.
Doch auch der vielzitierte Amtsschimmel bekommt sein höllisches Fett weg. Wenn Shax (Miranda Richardson, Fate, the Winx Saga) etwa im Auftrag von Beelzebub (Shelley Conn) 10000 Dämonen zur Erstürmung des Buchladens beantragt, es aber mit dem genervten, beförderungswütigen Fegefeuerbeamten Furfur (Reese Shearsmith) zu tun bekommt, bleibt kaum ein Auge trocken.
Mit der Einbeziehung solcher Figuren beweist Neil Gaiman zudem, wie sehr er sich in die komplexe Höllenthematik eingearbeitet hat. Denn der Name Furfur ist nicht der Bibel, sondern der Ars Goetia aus dem 17. Jahrhundert entliehen, in der Furfur der Herrscher über 29 Legionen ist. In den Schriften ist er als klassischer Trickster charakterisiert, eine Eigenschaft, die der Showrunner auf charmante Art in die Figur einfließen lässt, als er mit drei Nazi-Zombies auf die Erde zieht, um Crowley des Verrats an Satan zu überführen.
Tolle Nebenfiguren

Überhaupt muss man Gaiman für die Charakterisierung seiner Nebenfiguren in Good Omens loben. Reese Shearsmith ist die Spielfreude in jeder Szene anzumerken und Shelley Conn beweist einen bemerkenswerten Mut zu Hässlichkeit und Frechheit. Sie porträtiert die zweithöchste Höllenfürstin in Richtung eines rebellischen, genervten, aber extrem bösartigen Teeniegirls - eine frische, neuartige Interpretation.
Die routinierte Miranda Richardson kann sich hier und da wiederum eine wohl dosierte Portion Overacting nicht verkneifen, womit sie sich dem Spiel von Michael Sheen und David Tennant auf geschickte Weise annähert. Dasselbe trifft auf Jon Hamm als Gabriel zu, dem der Gedächtnisverlust des obersten Erzengels gut zupasskommt. Es ist herrlich mitanzusehen, wie er in Folge eins, The Arrival (in der deutschen Version: „Nackte Tatsachen“) splitterfasernackt an Erzis Tür klopft und sich dümmlich grinsend zur gaffenden Menge umdreht.
Besonders ansprechend gelingt zudem der Nebenplot um Maggie (Maggie Service) und Nina (Nina Sosanya), die ihre Geschäfte in Nähe des Buchladens haben und sich mitten im Kampf zwischen Gut und Böse ineinander verlieben. Die Szenen wirken in keiner Weise aufgesetzt, sondern wurden von Gaiman in den Handlungsstrang so integriert, dass beide Figuren in den Finalfolgen eine wichtige Rolle einnehmen.
Abschließend seien noch Quelin Supulveda als himmlischer Schreibtischengel 38. Grades Muriel (ein Engel der Dominions), Gloria Obianyo als Uriel (einer der vier Erzengel), Liz Carr als Saraqael (ein Engel aus dem Ersten Buch Henoch) und Doon Mackichan als Erzengel Michael erwähnt, die allesamt einen tollen darstellerischen Job abliefern.
Der Aufbau der Serie „Good Omens 2“
Strukturell gliedern sich vornehmlich die ersten vier Episoden in zwei Haupt- und drei weitere Untergruppen. Der Main-Plot ist auf der Jetztzeit der Serie angesiedelt und unterteilt sich in die Blöcke London/Buchladen sowie ergänzenden Szenen in der Hölle und im Himmel auf.
Hinzu kommt ein Rückblick in diverse historische Epochen, in der Erzi und Crowley sich näherkamen. Die Einschübe beginnen mit einem Blick vor der Entstehung des Universums, der auch als Einstieg in die Fortsetzungsstaffel dient. Im zweiten Teil geht es ins biblische Land Uz, wo Crowley gerade genüsslich Hiobs Ziegenherde verdampft, weil Gott und Satan eine Wette um dessen Gottestreue in den Sinn kamen.
Folge Nummer drei entführt uns ins Jahr 1827, wo wir eine arme Leichendiebin dabei beobachten, wie sie ein frisches Grab aushebt, um den darin liegenden Toten an einen Chirurgen zu verkaufen. Die nächste Rückblende spielt dann 1941 in London, das soeben von den Nazis bombardiert wird und wo drei Spionen der Garaus gemacht wird, die anschließend zu Zombies und Dienern der Hölle werden.
Die Rückblenden sprühen nur so vor skurrilen Einfällen, obwohl sich der Sinn der kleinen Geschichtchen nicht immer sofort erschließt. Auf den zweiten Blick erkennt man jedoch, dass die Einschübe nicht planlos erfolgen oder zur reinen Streckung eines ansonsten zu dünnen Handlungsstrangs dienen. Vielmehr beleuchten sie die Beziehung der Hauptfiguren und ihre Taten, die mit zu der Situation in der Gegenwart führten.
Obwohl Rückschauen in die Vergangenheit von Protagonisten allgemein ein durchaus beliebtes und oft inflationär eingesetztes Stilmittel in der TV-Landschaft sind, liegt der Fall hier deshalb also doch ein wenig anders, gut so.
Die Haupthandlung

Kommen wir damit zum Kern und werfen einen Blick darauf, wie Neil Gaiman die Geschichte von Erziraphael und Crowley weiterdenkt. Da die Debütstaffel von Good Omens eine in sich abgeschlossene Story bot, war klar, dass man hier nicht ansetzen konnte. Außerdem lagen zwischen der Produktion der ersten und zweiten Staffel einige Jahre, was ein weiterer Hemmfaktor für eine nahtlose Wiederaufnahme gewesen sein dürfte.
Stattdessen entschied sich der Autor klugerweise dazu, einige Jahre später anzusetzen. Erzi führt ein beschauliches Leben im besagten Londoner Buchladen, während Crowley in seinem höllischen Bentley durch das Land cruised. Als Aufhänger dient diesmal das „Armageddon, Teil 2“, wie Erzengel Gabriel es auf einer Konferenz mit dem himmlischen Kollegium nennt.
Für seine Weigerung, an der Vernichtung der Welt teilzunehmen, landet der einzige Engel der Obersten Ordnung in der Verbannung, wobei sich die Gründe dafür in der Staffel erst nach und nach erschließen. Das Gesamtkonstrukt ist geschickt geschrieben und mit einigen netten Plotpoints versehen, die die Spannung steigern, ohne dass der Humor zu kurz kommt.
Die abschließenden Teile fünf und sechs mit den Titeln The Ball („Straßenparty“) und Every Day („Der Weg nach oben“) erweisen sich dabei innerhalb des homogenen Storytellings als großes Finale. Schlüsselszenen, die zum Verständnis des Gesamtgebildes beitragen mischen sich auf unterhaltsame Weise mit spaßig inszenierten Actionszenen, in denen mehr als nur einige niedere Dämonen zur sprichwörtlichen Hölle fahren. Besonders lustig: Nina und Maggie gehen Erzi helfend zur Hand, indem sie die Höllendiener mit Feuerlöscherschaum und Enzyklopädien an der Eroberung des Buchladens hindern.
Für diejenigen Lesenden, die die Staffel bisher noch nicht gesehen haben, wollen wir aus Spoiler-Gründen nicht noch näher ins Detail gehen - ein Heidenspaß ist jedoch garantiert.
Fazit

Wie schon Staffel eins ist auch die Fortsetzung der Serie „Good Omens“ wieder kongenial geschriebene, inszenierte und produzierte Unterhaltung. Jede der sechs Episoden macht auf ihre ganz eigene Weise Spaß, wobei das Gesamtkonstrukt stimmig bleibt.
Die Rückblenden in die Vergangenheit sind fantasievoll witzig und die Darstellung von Himmel und Hölle schwankt zwischen herrlich überzogenen Klischees und bissig zynischem Humor. Die schauspielerischen Leistungen sind durch die Bank stark, wobei vor allem Sheens und Tennants Vortrag BAFTA Award verdächtig ist. Dafür, und weil sich das Warten ohne Wenn und Aber gelohnt hat, gibt es von uns viereinhalb von fünf Höllenqualen.
Hier der Trailer zur zweiten Staffel der britischen Fantasyserie „Good Omens“, die beim Streamingdienst Amazon Prime Video angeschaut werden kann:
Verfasser: Reinhard Prahl am Montag, 31. Juli 2023(Good Omens 2x01)
Schauspieler in der Episode Good Omens 2x01
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