Good Omens 1x01

Good Omens 1x01

Die Romanadaption Good Omens tischt ihren Zuschauerinnen und Zuschauern eine wunderbar absurde, wenngleich recht einfache Prämisse auf, die wiederum sehr charmant und britisch trocken verpackt ist. Das Herzstück dieser ungewöhnlichen Erzählung bilden Michael Sheen und David Tennant, wahrhaftig Engelchen und Teufelchen in dieser speziellen Geschichte.

„Good Omens“ (c) Amazon
„Good Omens“ (c) Amazon
© ??Good Omens“ (c) Amazon

Diese Kritik bezieht sich auf die ersten drei Episoden von „Good Omens".

Ich erinnere mich noch sehr gut daran, als ich das Buch „Good Omens. The Nice and Accurate Prophecies of Agnes Nutter, Witch“ - im Deutschen: „Ein gutes Omen. Die freundlichen und zutreffenden Prophezeiungen der Hexe Agnes Spinner“ - von Terry Pratchett und Neil Gaiman das erste Mal gelesen habe. Es war vor ein paar Jahren in einem zehntägigen Sommerurlaub, irgendwo in der schwedischen Pampa, fernab von den digitalen Ablenkungen und elektronischen Zeitfressern dieser Tage. Es war fast schon eine kitschig-romantische Situation, in der ich mich wiederfand: Ich, die verwitterte Holzveranda eines kleinen, schwedenroten Sommerhäuschens und ein Buch, das ich mir vor allem aufgrund meines damals noch relativ frischen Interesses an Neil Gaiman (American Gods) und dessen literarischen Schaffens auf Verdacht geordert hatte. Da saß ich nun, völlig frei von Erwartungen, geschweige denn Vorstellungen, was sich in diesem Roman verbergen würde. Und es war gut.

Ich würde mich selbst nicht als die größte Leseratte bezeichnen, doch „Good Omens“ habe ich förmlich verschlungen. Pratchett, welcher tragischerweise vor wenigen Jahren verstorben ist, und Gaiman sind zwei im positivsten Sinne sehr eigentümliche Autoren, die für außergewöhnliche Geschichten und Welten stehen, was die Kombination dieser beiden Freigeister nur noch umso spannender macht. „Good Omens“ ist fantastisch im Sinne einer Fantasy-Erzählung, im gleichen Maße aber auch auf seine ganz eigene Art geerdet und lebensnah, ebenso wie beißend komisch, satirisch oder einfach nur skurril und völlig absurd. Dieses durch und durch unterhaltsame Buch, mit seinen durch und durch unterhaltsamen Charakteren, ob nun menschlicher oder über- beziehungsweise unterirdischer Natur, hatte es mir sofort angetan.

Ich bin also ehrlicherweise mit Blick auf die Amazon-Adaption von Good Omens, die am heutigen Freitag, den 31. Mai ihre Weltpremiere feiert, ein wenig befangen. Bevor sich Gaiman mit Regisseur Douglas Mackinnon für diese sechsteilige Miniserie zusammengetan hat, wurde bereits vor einigen Jahren spekuliert, dass sich Terry Gilliam dem Titel in Form einer Serie annehmen könnte. Daraus wurde jedoch nichts, bis Gaiman letztlich 2017 dem Wunsch Pratchetts nachkam, der seinen Freund und Ko-Autor posthum in einem Brief darum bat, das gemeinsame Projekt - die Adaption von „Good Omens“ als Film oder Serie - zu Ende zu führen. Und so trommelte Neil Gaiman mit der Hilfe seiner beiden Produktionspartner Amazon und der BBC (in Großbritannien wird die Miniserie demnächst wöchentlich auf BBC Two ausgestrahlt) einen beeindruckenden Cast zusammen, um diese „ineffable story“ zu verfilmen.

Und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Insbesondere all diejenigen, die mit der Buchvorlage vertraut sind, dürften ein wohliges Gefühl verspüren, Michael Sheen und David Tennant dabei zusehen zu können, wie sie in die Rolle des Engels Aziraphale und des Dämons Crowley schlüpfen. Diese beiden versuchen, das Ende der Welt zu verhindern, denn: In „Good Omens“ steht die Apokalypse bevor, die letzte große Schlacht zwischen Himmel und Hölle, die finale Entscheidung, ob das Gute oder das Böse triumphieren wird. In dieser fürchterlichen Gleichung stellt natürlich auch der Antichrist eine wichtige Variable dar. Nach einem kleinen Fauxpas weiß aber niemand mehr so recht, wo sich besagter Satansbraten im Jahr der Apokalypse aufhält (das ist hier übrigens 2018, während die Handlung im Buch Ende des 20. Jahrhunderts spielt), da der Junge bei der Geburt falsch ausgetauscht wurde. Und ohne Antichrist ist der Tag des jüngsten Gerichts weitaus schwieriger herbeizuführen, als man glauben würde.

Aziraphale und Crowley, im Großen und Ganzen für ihre jeweiligen „Arbeitgeber“ zuständig, was das bunte Treiben auf dem blauen Planeten angeht, haben indes ganz andere Sorgen: Sie wollen nicht, dass die Welt untergeht. Auf dieser ist das ungleiche Duo in all den Jahrhunderten, ach was, Jahrtausenden nämlich inzwischen sehr heimisch geworden. Es wäre doch ein Jammer, wenn jetzt alles enden würde und der Engel und der Dämon all die schönen Dinge aufgeben müssten, die die Menschheit hervorgebracht hat, oder? Also schließen sich die Stellvertreter des Lichts und der Dunkelheit klammheimlich zusammen, um dem Ende aller Tage einen Riegel vorzuschieben. Dafür muss der Antichrist gefunden werden. Doch sie sind nicht die einzigen, die hier involviert sind und sich auf einer wichtigen Mission befinden: Eine gewissenhafte Nachfahrin der prophetischen Hexe Agnes Nutter mischt ebenfalls mit, ebenso wie ein paar verpeilte Hexenjäger, weitere Engel und Dämonen, satanistische Nonnen, ein trügerischer Höllenhund sowie die vier Reiter der Apokalypse, die man in dieser Form noch nie gesehen hat. Das kann ja heiter werden...

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Und heiter wird es definitiv, auch wenn ich jede/-n verstehen kann, der bei dieser groben Umschreibung des Inhalts von Good Omens ein wenig verwirrt aus der Wäsche schaut. Es handelt sich grundsätzlich um eine durchaus spezielle Miniserie, deren sehr eigenwillige Welt sich einer/-m jedoch relativ schnell erschließt. Es ist ratsam, ein wenig Bereitschaft an den Tag zu legen, um sich auf diesen teilweise wilden und sehr launigen Höllenritt einzulassen. Denn erst dann kann sich der hohe Unterhaltungswert der Geschichte so richtig entfalten, vor allem, wenn Michael Sheen und David Tennant auftreten und mit der eigenwilligen Dynamik zwischen ihren beiden grundverschiedenen Charakteren „Good Omens“ auf ein himmlisches Niveau heben. Mit den zwei Hauptdarstellern hat man einen Volltreffer gelandet und so verwundert es kaum, dass es vor allem die dritte Episode ist, in der die gemeinsame, sehr lange Lebensgeschichte des Engels und des Dämons beleuchtet wird, die von den im Vorfeld insgesamt drei bereitgestellten Folgen der Serie besonders hervorsticht.

Sheen und Tennant spielen sich als zugeknöpfter, fast schon anstrengend gütiger Engel auf der einen und dämonischer, lässiger Lebemann auf der anderen Seite gekonnt die Bälle zu. Sie dienen in dieser Kombination als extrem kurzweiliger Katalysator einer Geschichte, die eigentlich recht fatalistisch anmutet, bedenkt man doch nur, dass die Apokalypse kurz bevorsteht - ein Umstand, der uns zwischendurch immer wieder mit kleinen Zeittafeln in Erinnerung gerufen wird, wann es denn jetzt endlich so weit ist. Doch das ist eben die Stärke der beiden Hauptfiguren und der Erzählung von Gaiman und Pratchett selbst: Man behandelt ein riesiges, im Normalfall alles überschattendes Thema mit einer derartigen Lockerheit und manchmal gar unbeeindruckter Beiläufigkeit, dass man als Außenstehende/-r nicht anders kann, als über beide Ohren zu grinsen. Der alles entscheidende Kampf zwischen Gut und Böse wird so natürlich trivial dargestellt, als würden sich zwei Hobbymannschaften zu einem unbedeutenden Sonntagskick auf dem Dorfplatz treffen. Am Spielfeldrand gibt es derweil Bratwurst und allerlei Kaltgetränke. Und wenn wir mal ganz ehrlich sind, kommen die meisten doch eh nur deswegen.

Dieser spezielle Charme zieht sich durch jede einzelne Folge der Miniserie und ist bezeichnend für die Herangehensweise von Pratchett und Gaiman sowie deren Philosophie und Anschauung, die sie in ihrem Buch vertreten. Vermeintlich gigantischen, schrecklich ernst zu nehmenden Problemen werden nonchalant und mit einer gehörigen Prise allerfeinsten trockenen britischen Humors die Zähne gezogen. Somit verwundert es auch kaum, dass Gaiman zuletzt selbst zu Protokoll gegeben hat, „Good Omens“ würde vielleicht sogar noch viel mehr in unsere heutige Zeit passen als ins Jahr 1990, in welchem der Roman erstveröffentlicht wurde. Um uns herum brechen gerade mehrere Welten in sich zusammen und da tut es durchaus gut, humorvoll ein wenig Abstand zu gewinnen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: dass die Welt, in der wir leben, sicherlich nicht perfekt, aber eigentlich schon ein ziemlich cooler Ort ist, um den es durchaus schade wäre, wenn er von jetzt auf gleich nicht mehr existieren würde.

Wenn selbst zwei nominelle Erzfeinde gemeinsame Sache machen, wenn auch aus eher egoistischen Gründen, dann sollten wir doch in der Lage dazu sein, zusammen den Tag des jüngsten Gerichts - ob nun durch die Hand einer übergeordneten Entität oder durch uns Menschen selbst - abzuwenden, oder? Es verbirgt sich mehr Sozial- und Menschheitskritik in „Good Omens“, als man es für möglich halten würde, selbst wenn die meisten Protagonistinnen und Protagonisten alles andere als menschlich sind. Neben ein paar herrlichen Schelten, die manch gläubige/-r Christ/-in als äußerst gotteslästerlich bewerten würde, setzt sich die Miniserie allen voran zum Ziel, mit der Unergründlichkeit des menschlichen Wesens hart ins Gericht zu gehen, das sich selbst in Engeln und Dämonen wiedererkennen lässt, die doch über den Dingen stehen sollten. Aber nein, diese Menschlichkeit, mit all ihren Vorzügen und Macken, ist es, die „Good Omens“ nicht nur sehr unterhaltsam und grotesk, sondern auf ganz besondere Weise auch sehr greifbar macht.

Der Amazon-Neustart schwächelt in den ersten drei Episoden ironischerweise ein wenig, wenn es um die eigentlichen Menschen der Erzählung geht, was ein wenig dadurch bedingt wird, dass Good Omens sehr frei und gefühlt nach Laune den Plot vorantreibt, stets in die Richtung, in die es eine/-n eben gerade verschlägt. So kann der Eindruck entstehen, dass die Erzählung etwas ziellos ist, doch dieses dramaturgische Mäandern ist nicht unbeabsichtigt. Im Zusammenspiel mit einem manchmal für die technischen Errungenschaften des aktuellen Serienzeitalters eher schlichten, wenn nicht sogar scheinbar minderwertigen visuellen Stil entwickelt das Format einen angenehm einzigartigen Flair, der hauptsächlich dazu dient, den verschiedenen Charakteren eine unnachahmliche Kulisse zu geben, vor der sie auftreten können. „Good Omens“ ist smart (einer sehr smarten Literaturvorlage sei Dank), inspiriert, hervorragend besetzt (ein kleiner Vorgeschmack: Frances McDormand als Stimme Gottes, Jon Hamm als stilsicherer Erzengel Gabriel, Michael McKean als schrulliger Hexenjäger, um nur ein paar weitere prominente Namen zu nennen), sehr kurzweilig und wie bereits das Buch vor fast 30 Jahren hervorragend nah am Puls der Zeit.

Und überhaupt: Wer hätte es für möglich gehalten, dass die Apokalypse so witzig sein kann?

Hier abschließend der Trailer zur neuen Serie „Good Omens“:

Verfasser: Felix Böhme am Freitag, 31. Mai 2019

Good Omens 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Good Omens 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Am Anfang
Titel der Episode im Original
In the Beginning
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Freitag, 31. Mai 2019 (Amazon Prime Video)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 31. Mai 2019
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 31. Mai 2019
Autor
Neil Gaiman
Regisseur
Douglas Mackinnon

Schauspieler in der Episode Good Omens 1x01

Darsteller
Rolle
Michael Sheen
Frances McDormand

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