
Mit So You're Not an English Teacher legt das neue Crime Noir Good Behavior einen soliden Piloten hin, der zwar einerseits eine spannende Prämisse zu etablieren weiß, sich jedoch ab und an zu sehr in narrativen Klischees verliert. Es bleibt abzuwarten, in welche Richtung sich Lettys (Michelle Dockery) Weg auf Messers Schneide in der ersten Staffel entwickeln wird.
Der Plot
Der zentrale Plot dreht sich um die ehemalige Gefängnisinsassin Letty, die sich zwar einerseits auf der untersten Hierarchienebene durch unterbezahlte und von sexueller Belästigung striezenden Jobs kloppt, aber andererseits einem Leben als Diebin und Hochstaplerin fröhnt, welches ihr wesentlich mehr Spaß und Geld einbringt. Nach dieser kurzen Charakterzeichnung sehen wir dabei zu, wie Lettys Leben durch eine moralische Zwickmühle gestört wird, in der sie durch Zufall Zeugin eines geplanten Mordes wird.
So nimmt sie Kontakt zu dem Auftragsmörder Javier (Juan Diego Botto) auf, mit dem sie, natürlich rein aus Recherchegründen, in die Kiste steigt, um den Aufenthaltsort der bedrohten Ehefrau herauszubekommen. Während sie diese zwar in Sicherheit bringen kann, schafft sie es jedoch nicht, auch Javiers Kopf aus der Schlinge zu ziehen, der anscheinend von den gerufenen Polizisten aufgegriffen wird. Letty fällt zurück in ein tiefes Loch aus Verdrängung, Drogen und Schuldgefühlen, bis schließlich Javier auftaucht und sie unter seine Fittiche nimmt.
Das funktioniert:
Vor allem das kurzweilige Tempo und die überzeugende Darstellung Dockerys ist es, was dem Piloten Leben einhaucht. Wenn Dockery am Ende der Episode zur improvisierten Meth-Pfeife greift, schafft sie den Spagat zwischen anmutender Eleganz und bevorstehendem Abrutsch in das Leben einer methabhängigen „White Trash“-Frau mit Leichtigkeit. Auch der Plot entwickelt sich durch die Chemie zwischen ihr und Javier nicht ganz so vorhersehbar, wie man zunächst zu glauben vermag.
Eine Stärke des Piloten ist es, das Verhältnis zwischen Javier und Letty zunächst im Unklaren zu lassen, wenngleich auch ihr Verhältnis mich etwas zu sehr an das zwischen Jessica Jones (Krysten Ritter) und Kilgrave (David Tennant) erinnert. Sind die beiden wirklich zwei korrupte Seelen auf Augenhöhe, oder hintergehen sie sich ständig und versuchen einander zu dominieren?
Das funktioniert leider nicht:
Natürlich ist ein Serienpilot immer zu gewissen Anteilen der Exposition des Themas verschrieben, jedoch wirken dabei vor allem die Erzählstränge, die dem Zuschauer Lettys missliche Lage verdeutlichen sollen, zu sehr wie unmotivierte Nebenschauplätze. Das wird besonders anhand der Dinner-Szene vor dem Abspann und durch den Besuch bei ihrer Mutter deutlich. Ihr dachtet, Letty ginge es durch ihre selbstzerstörerische Art noch nicht schlecht genug? Dann wartet auf die sexuelle Belästigung und das ihr entrissene Kind!
Fazit
Wer Lust auf ein solides Crime Noir hat, dass das Rad vielleicht nicht gerade neu erfindet, jedoch durchaus an Spannung und überzeugenden Darstellern aufzutrumpfen weiß, der wird an Good Behavior sicherlich seinen Spaß haben. Ich persönlich konnte nicht ganz warm mit der Pilotepisode werden und wurde vor allem das Gefühl nicht los, hier bereits Altbekanntes zu sehen. Es bleibt somit abzuwarten, ob die Krimiserie es im Laufe der ersten Staffel schaffen wird, ihre eigene Farbe zu finden.