Golden Boy: Review der Pilotfolge zur fünfteiligen Dramaserie auf One

Golden Boy: Review der Pilotfolge zur fünfteiligen Dramaserie auf One

Die Pilotfolge des fünfteiligen serbischen Fußball-Mafia-Dramas „Golden Boy“ aka „Zlatni decko“, die nun bei ONE ins Free-TV kommt, basiert auf wahren Ereignissen. Sie erzählt die Geschichte des Absturzes eines jungen Fußballtalents auf recht derbe, aber auch spannende Art und Weise...

Poster zur Serie „Golden Boy“
Poster zur Serie „Golden Boy“
© WDR/Luka Milićević

Das passiert in der Serie „Golden Boy“

Denis Markovic (Denis Muric) ist in Golden Boy (2022) ein talentierter junger Profifußballer, den sein Erfolg allerdings arg zu Kopf steigt. Auf dem Platz zeigt er sich unbeherrscht und in seiner Freizeit darf es auch gerne mal eine Nase Kokain sein. Als er eines Tages den Bogen überspannt, fliegt er aus dem Verein.

Nachdem sein Manager Caki (Andrija Kuzmanović) dummerweise auch die letzte Gage am Roulettetisch durchgebracht hat, bekommt Denis ein großes Problem. Denn die serbische Mafia hat an ihm Interesse und erpresst Caki nun dazu, das Management an die Verbrecherorganisation zu übergeben.

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Maskuline Attitüden

Eins sei an dieser Stelle vorweggenommen: Die Pilotfolge von „Golden Boy“ macht auf eine derbe Weise Spaß, ist aber nicht unbedingt etwas für jedermann und jedefrau. Die Miniserie beruht auf den Themen Fußball und organisiertes Verbrechen und stammt zudem aus einer Region, in der noch immer ein offensichtlich traditionelles Rollenverständnis vorherrscht.

So dienen Frauen zumindest in den ersten 45 Minuten lediglich als sexistisch geprägtes Beiwerk. Über eine solche Darstellungsweise kann man sicherlich streiten, andererseits verfolgt das Ganze den Sinn, Denis ausuferndes und ekstatisches Leben in aller Drastik auf den Bildschirm zu bringen.

Denis ist hoch talentiert und ein Garant für Tore. Damit stünde einem Leben als reicher Profisportler eigentlich nichts im Weg - außer Denis selbst. Die Serie zeichnet das Bild von einem Menschen aus relativ armen Verhältnissen, der nie gelernt hat, mit Erfolg und Geld umzugehen und deshalb mit der Situation, ein angehender Star zu sein, vollkommen überfordert ist.

Er hält sich für den nächsten Maradonna, der für jeden Verein unentbehrlich ist und der deshalb tun und lassen kann, was immer er will. Dass vor allem im Sport aber ein möglichst sauberes Image zählt, ist ihm fremd, weshalb er immer wieder aneckt und am Ende den Bogen überspannt.

Charakterisierungen

Schauspieler Denis Muric gelingt es in der Produktion Golden Boy (2022) sehr gut, die Aggressivität und den Hang zur Selbstzerstörung seiner Figur darzustellen. Er versprüht einerseits die unbändige Lebensfreude der Jugend, andererseits aber auch die ihr oftmals eigene Unvernunft, die hier allerdings ins Extreme ausufert.

Sicherlich stellt der Charakter eine Art Traumideal für viele junge Männer dar, die in ihrem Sport gut sind und insgeheim davon träumen, Millionäre des runden Leders zu werden. Doch er zeigt auch, wie schnell dieser Traum ausgeträumt sein kann, wenn man sich nicht darüber bewusst ist, viel investieren zu müssen.

Die Serie, so viel ist möglicherweise aus unserem Interpretationsansatz herauszulesen, ist also durch und durch maskulin. Sie richtet sich klar an ein vorwiegend männliches Publikum, das einer gewissen Derbheit und dem kritisch zu betrachtenden Bild von Frauen als It-Girls und allzeit bereite „Partyluder“ aus dramaturgischen Belangen heraus nicht gänzlich ablehnend gegenübersteht.

Wer damit umgehen kann, erlebt allerdings eine durchaus spannende Serie. Nach Denis' Rauswurf aus dem Verein beginnen die Probleme nämlich erst. Sein Manager Caki ist ein notorischer Spieler und bringt die letzten ausgezahlten Gagen an diversen Spieltischen durch. Zudem hat er sich von einem kaltblütigen Gangsterboss eine Menge Geld geliehen, die jener nun zurückfordert.

Schauspieler Andrija Kuzmanović verleiht seiner Figur eine angenehme Warmherzigkeit, die ihn allerdings nicht daran hindert, in große Schwierigkeiten zu geraten. Das wird spätestens klar, wenn die Verbrecher vor seiner Tür stehen und er in Morgenbekleidung und Pantoffeln flieht. Natürlich wird er erwischt und muss seinen Managervertrag übergeben, um nicht die Hand mit einem Holzhammer zertrümmert zu bekommen.

In solchen Momenten, oder auch, wenn Denis in einer Disco ekstatisch mit reichlich Alkohol, Drogen und Frauen feiert, zeigt „Golden Boy“ in aller Eindringlichkeit auf, wie nah Stars sich oft am Abgrund bewegen und wie schnell sie den Boden unter den Füßen verlieren können.

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Der Stil

Hier offenbart die Miniserie dann auch stark geschriebenes Fernsehen in einer klugen Inszenierung, die eng am Protagonisten bleibt und deshalb die entsprechenden Szenen eindringlich gestalten kann.

Wenn in der erwähnten Disco beispielsweise Denis in der Halbnahen oder sogar in der Nahen mit leichten Dreh- und Wackelbewegungen in Aufsicht beim Drogenkonsumieren gezeigt wird und die Kamera dies mit Unschärfeeinstellungen untermauert, entsteht unweigerlich ein Gefühl des Unbehagens. Innovativ ist auch eine Szene, in der die Kamera aus der Vogelperspektive drei Kabinen einer schmutzigen Toilette zeigt, wobei Denis in der Mitte eine Sexaffäre nach der anderen auslebt.

Nicht, dass Denis ein schlechter Mensch wäre, im Gegenteil hat er eigentlich ein gutes Herz und beschenkt auf der Straße einen Obdachlosen großzügig. Andererseits schwingt sowohl bei ihm als auch bei den serbischen Mafiamitgliedern stets eine testosterongeschwängerte Aggressivität mit, in der ausgerechnet Caki wie ein Fremdkörper wirkt.

Dass Denis' Geschichte nur in den Abgrund führen kann und wie er sich gegebenenfalls dort wieder herauswindet, wird die Serie ganz sicher in den nächsten vier Episoden offenbaren. Spannend dürfte es auf jeden Fall werden.

Fazit

Die Pilotfolge der Serie „Golden Boy“ macht Spaß und beweist, dass es auf dem osteuropäischen Markt in Sachen Fernsehen viel zu entdecken gibt. Denis' Absturz, seine Erlebnisse mit seinem Freund und Manager Caki, aber auch die Verwicklungen in die Machenschaften der serbischen Mafia sorgen für Spannung und derbe Kurzweil. Anderseits präsentiert die fünfteilige Miniserie zumindest in der Debütepisode ein problematisches Frauenbild, über das man im Sinne der nun einmal klischeehaft männlichen Tonalität hinwegsehen können muss, um die Geschichte genießen zu können. Vier von fünf Fußbällen.

Einen Trailer zu „Golden Boy“ findet Ihr hier.

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