Girls 4x10

Zunächst einmal Entwarnung: HBO hat die Serie Girls bereits im Januar um eine fünfte Staffel verlängert. Das muss man sich nach der Episode Home Birth vor Augen halten, denn die fühlt sich nach einem Serienfinale an, ein ungewöhnlich positives für diese Serie. Nicht einmal vor einem Zeitsprung schrecken die Serienmacher zurück.
I am pretty good, too
Ein großes Thema der Serie Girls allgemein und der Episode Home Birth im Besonderen ist die Selbstbestimmung, mit dem Augenmerk auf Frauen. Selten haben die Autoren sich um ein ernstes Thema gedrückt, dem sie dann einen amüsanten Dreh verpasst haben, ohne die echte Botschaft aus den Augen zu verlieren.
Die große Frage der Selbstbestimmung wird im vierten Staffelfinale mit den jeweiligen romantischen Beziehungen in Verbindung gebracht. Eine Beziehung erfordert oft Kompromisse von beiden Beteiligten, die große Frage ist, welche Nachteile noch okay sind und nach welchen Aspekten man sich dafür entscheidet.
Der Reihe nach: Marnie (Allison Williams) hat sich in einen Plot hereingearbeitet, der mittlerweile an eine romantische Komödie erinnert. Sie hat ihr Herz, ihre Karriere und ihr Leben an Desi (Ebon Moss-Bachrach) gehängt, einen Mann, den sie sexy, mysteriös und anziehend findet, der jedoch keine Gelegenheit ausgelassen hat, sich im Alltag nicht zu bewähren. Er hat ihr ganzes Geld ausgegeben, ohne mit ihr zu sprechen - und das ist nur das Schlimmste, wenn man die Tatsache außer Acht lässt, dass ihre Beziehung als Affäre seiner vorangegangenen Beziehung startete.
Doch er passt perfekt in Marnies Bild ihres Wunschlebens und sie zeigt oft, dass das das Wichtigste ist. Die Ästhetik ist ihr wichtig, so wichtig, dass sie einen essentiellen Umstand übersieht.
Fast jedes Fazit eines Liebesfilms lässt sich Marnie im Moment entgegenschreien. Desi ist der hübsche, aber unzuverlässige Mann, der sie nicht verdient hat. Ray (Alex Karpovsky) ist derjenige, den sie unterschätzt, der aber das Beste in ihr sieht, der für sie da ist, der alles richtig macht. Diese Konstellation hat sich über die letzten Episoden zusammengebraut und nun holen die Girls-Autoren das Letzte aus der Sache heraus. Ray darf endlich seine Abneigung für Desi herausschreien und dabei eine flammende Rede über Marnie halten. Am Ende ist er dann in einem wichtigen Moment an ihrer Seite, als Desi sie komplett im Stich lässt.
Ray hat die richtigen Worte für Marnie. Und die retten den Plot vor einem lahmen Happy End, zumindest ein Stück weit. Marnie sieht nicht ein, dass Ray eigentlich der Richtige für sie ist, sondern sie sieht ein, dass sie die Dinge, bei denen sie glaubte, Desi zu helfen, auch ganz alleine bewerkstelligen kann. Sie geht alleine auf die Bühne und wirkt dabei noch besser als bei den Auftritten des Duos, die wir bis jetzt gesehen hatten.
Die zweite, die sich mit der Zukunft ihrer Beziehung beschäftigen muss, ist Shoshanna (Zosia Mamet). Auch bei ihr könnten die Girls-Autoren kaum deutlicher sein. Sie erzählen zwar die Geschichten ihrer Figuren, doch in der Episode Home Birth scheint ziemlich deutlich die universelle Botschaft durch, die sie uns mitgeben wollen. Shoshanna steht zwischen der Wahl Job oder Liebe. Es muss schnell gehen, das zu etablieren, also lassen sie Scott (Jason Ritter) das wahrscheinlichste Szenario direkt präsentieren. Er sieht Shoshanna in einem Job, der sie unterfordert, es aber ermöglicht, in seiner Nähe zu sein, während er das wirtschaftliche Überleben des Paares sicherstellt.
Mit dieser Wahl konfrontiert reicht für Shoshanna ein Ratschlag, den Rays Boss ebenfalls ziemlich deutlich aus dem Ärmel schüttelt und als Referenz dabei Sheryl Sandberg anführt, die 2012 als erste Frau in den Facebook-Vorstand gewählt worden war. Shoshanna hätte auch Hannahs Mutter fragen können, die in einem kurzen Telefonat die Enttäuschung deutlich macht, die sich einstellt, wenn man sein Leben einem anderen widmet und dann nicht das bekommt, was man sich erhofft hat. Der bessere Weg ist also, seinen eigenen Weg zu gehen und darauf zu bestehen, dass der andere das in Kauf nimmt, wenn er es ernst meint.
Doch in der Episode lockern die Girls-Autoren ihre ernste Botschaft durch slapstickartige Szenen auf. Shoshanna und Marnie sollen erkennen, was das Richtige für sie ist, aber nicht jeder Weg ist automatisch richtig. Caroline (Gaby Hoffman) zum Beispiel ist in dieser speziellen Situation darauf angewiesen, dass ihre Freunde ihr diesen zeigen und sich zur Not auch mit Schreien durchsetzen.
All the good memories come back
Hannah (Lena Dunham) und Ratschläge sind eine Sache für sich. SERIENJUNKIES.DE®-Leser ScreenTimeBandit bringt es in seinem Kommentar zur Episode Daddy Issues auf den Punkt: „Besonders interessant war für mich ja wieder, wie Hannah alle freundlichen Ratschläge offiziell abschlägt, aber gleichzeitig wie ein Schwamm in sich aufsaugt. Nur um dann im nächstbesten Moment vermeintlich erwachsen und reif wirken zu können.“ Genau so haben wir sie kennengelernt.
Die Entwicklung der Girls-Figuren ist nicht gleichmäßig, dafür sind sie zu realistisch gezeichnet. Um Hannah als die vernünftige in der Story darzustellen, braucht es schon jemanden vom Format einer Caroline in einer Ausnahmesituation.
Für Hannah liegt der Konflikt anders. Sie opfert ihre Träume nicht einem Mann, sie ist nach Iowa gegangen, als sie die Chance hatte und sie ist zurückgekommen aus Gründen, die ausschließlich mit ihr zu tun hatten. Doch die Ablehnung von Adams (Adam Driver) Angebot am Ende über den Brutkasten seiner Nichte hinweg ist trotzdem eine Herausforderung für sie. Adam war Hannahs erste echte Beziehung, doch im Ende der Episode Home Birth liegen alle die Ratschläge vergraben, die die Girls-Macher uns und Hannah über die vierte Staffel hinweg mitgeben wollten. Der Schlüssel zu Hannahs Erfolg oder Misserfolg liegt in dem Maß, wie sie sich auf das Drama einlässt. Das haben ihr unter anderem Fran (Jake Lacy), Marnie und ihr Direktor gesagt. Selbst in Mimi-Roses Text hat man gehört, dass das Drama meist nur auf die Verbindung zu anderen zurückzuführen ist.
Hannah hat sich jedes Mal taub gestellt und das neu Gelernte maximal genutzt, um andere in die Enge zu treiben. Doch irgendwo ganz tief drinnen reift auch bei Hannah meist eine Veränderung heran, die sich nach Möglichkeit im passenden Moment zeigt. Sie geht nicht zurück in das Drama, das ihre Beziehung zu Adam die meiste Zeit war.
Hannah selbst sagt, dass man sich im Nachhinein an die guten Dinge einer Beziehung erinnert. Die Girls-Autoren weisen uns in der Episode Home Birth auf eine Situation hin, die einen der großen Momente der Beziehung markierte, nämlich zu dem Tag, an dem Adam die Tür von Hannahs Apartment eintrat, um sie zu retten und ins Krankenhaus zu bringen. Fast das exakt Gleiche macht er jetzt für seine Schwester Caroline.
Das lässt nur einen Schluss zu: Auch die guten Zeiten, die die beiden zusammen hatten, waren vom Drama bestimmt. Von außen war uns lange klar, dass das halbe Date, das sie mit Fran hatte, ihr besser getan hat als jeder Tag mit Adam, bei dem wir anwesend waren. Fran hätte ihr die Stabilität geben können, die sie braucht, um klarzukommen. Doch Fran hat auch schon die eine oder andere Erfahrung in seinem Leben gesammelt und weiß, dass er das nicht alleine stemmen kann. Er hat Hannah deutlich gesagt, was das Problem ist. Und die letzten Minuten der Episode Home Birth zeigen, dass Hannah aus ihrer erwachsenen Entscheidung am Brutkasten Profit schlagen kann. Sechs Monate sind die Zeit, die sie braucht, um Fran zu beweisen, dass sie das Drama hinter sich lassen kann. Und so, wie es aussieht, klappt es bestens.
Doch mit Blick auf die bereits bestätigte fünfte Staffel dürfen wir uns sicher sein, dass keine Idylle von langer Dauer sein wird. Vor allem, wenn sie schon fast so verstörend romantisch wirkt wie in dieser Girls-Episode.
Fazit
Das Staffelfinale Home Birth bringt das unmöglich Erscheinende: eine idyllische Beziehung für Hannah. Gut, dass die Girls-Autoren uns nicht mit Details nerven. Wir erfahren, was der große Knackpunkt war, über den Hannah hinwegkommen musste, um zu dieser Beziehung fähig zu sein. Man darf ihr die kleine Dramapause gönnen, aber zum Start der fünften Staffel wird der Happy-End-Ton wohl wieder abgeebbt sein.
Shoshanna bekommt ihren Traumjob, Marnie steht nach allem, was wir wissen, kurz davor, es nach Charlie und Desi endlich alleine zu schaffen. Selbst Jessa (Jemima Kirke) hat zum ersten Mal einen echten Plan: Sie will Therapeutin werden. Es ist vielleicht nicht der beste, aber immerhin ist es einer.
Verfasser: Serienjunkies.de am Montag, 23. März 2015Girls 4x10 Trailer
(Girls 4x10)
Schauspieler in der Episode Girls 4x10
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