Girls 4x09

In der Episode Daddy Issues zeigt sich, dass es einen Unterschied gibt zwischen erwachsen sein und erwachsen spielen. Dieser Unterschied ist oft nicht so einfach auszumachen. Manchmal bedarf es der Spiegelung in anderen, um der Wahrheit nÀher zu kommen. Manchmal trifft einen die Erkenntnis ganz von alleine. Und meistens hat die ganze Sache gar nichts mit dem Alter zu tun.
I will be here.
Wie meistens in der Serie Girls kann man ein groĂes Thema erkennen, das ĂŒber den einzelnen Storylines einer Episode schwebt. In Daddy Issues ist das die Frage, ob das eigene Leben RealitĂ€t oder reine Fiktion ist. Manchmal geht es dabei um jahrzehntelange LebenslĂŒgen, doch da die Hauptfiguren in ihren Zwanzigern sind, geht es auch darum, ob man wirklich erwachsen ist und was nur ein Spiel ist. Hannah (Lena Dunham) lebt nicht mehr zu Hause, sie trifft sich mit ihrem Vater in einem Restaurant zum Essen - und doch ist klar, dass er zahlen wird, denn sie ist immerhin in diesem Kontext das Kind.
Ăhnlich fĂŒhlt es sich an, wenn wir Marnie (Allison Williams) in ihrem Verlobungswahn zusehen. Sie sagt Dinge, die sie in Filmen ĂŒber Verlobungen gesehen hat, sie verhĂ€lt sich, als stammten all ihre Vorbilder aus dem Kino der 1990er Jahre.
Ray (Alex Karpovsky) hingegen hat ein ganz anderes Problem. Er hat fĂŒr diese Wahl gekĂ€mpft und wie wir in der Episode Daddy Issues erfahren, kommt er damit ans Ziel. Doch er vertraut der ganzen Sache zunĂ€chst nicht, er will sich nicht freuen, bevor er Gewissheit hat.
Marnie hingegen will ihr Geheimnis nicht teilen, doch es wirkt, als wolle sie damit vor allem die Deutungshoheit behalten. Es ist ihr wichtig, es Ray mitzuteilen, und anschlieĂend will sie aufs Podest steigen und es von den DĂ€chern schreien. Diese Verlobung fĂŒhlt sich nicht an wie etwas Dauerhaftes, was von den Girls-Autoren noch dadurch bestĂ€rkt wird, dass wir vom Verlobten in der Episode Daddy Issues so gut wie nichts sehen.
Die Stunde der Wahrheit trifft Marnie, als Ray seine Siegesrede hĂ€lt. Er hĂ€lt eine Rede, bei der jeder Ehemann sich glĂŒcklich schĂ€tzen könnte, sie als EhegelĂŒbde zu stemmen. Mit seiner Rede davon, auch da zu sein, wenn der andere eine falsche Abbiegung nimmt, trifft er Marnie ins Mark. Schon vor der Verlobung haben wir gesehen, dass Marnie in der Beziehung nicht glĂŒcklich ist. Nun kann sie sich zurĂŒcklehnen und davon trĂ€umen, was gewesen wĂ€re, wenn sie Ray gewĂ€hlt hĂ€tte, der wirklich fĂŒr sie dagewesen wĂ€re und nicht wie Desi (Ebon Moss-Bachrach) ihre gesamte Ersparnis in eine Kiste nicht notwendiger Musikinstrumente gesteckt hĂ€tte.
Ray mag Marnie aufrichtig, das haben wir bereits gesehen. Trotzdem ist seine Rede auch eine Manipulation, die sich nur in Nuancen von dem unterscheidet, was Ace (Zachary Quinto) mit Mimi-Rose (Gillian Jacobs) macht. Ace nutzt jedoch eine andere Person, um an sein Ziel zu gelangen - nicht gerade die feine Art. Auch deshalb kann man mit Ray mitfĂŒhlen, wĂ€hrend Ace nicht noch einmal auftauchen mĂŒsste.
Er hat es geschafft, Jessa (Jemima Kirke) in die Ecke zu drĂ€ngen, und das schien lange nicht möglich. Jessa ist jemand, der auf den GefĂŒhlen anderer herumtrampelt. Nun wird sie durch Ace zum Gegenstand einer einfach gestrickten Manipulation. Doch in dieser Position ist sie ĂŒberhaupt nur gelandet, weil sie dafĂŒr gesorgt hat, dass Mimi-Rose und Adam (Adam Driver) zueinanderfinden, was ebenfalls eine eiskalte Manipulation zum Nachteil ihrer Freundin Hannah war.
Das Essen der vier ist schwer zu ertragen, auch wenn wir wissen, dass Jessa kein Kind von Traurigkeit ist. Immerhin nimmt sie in letzter Sekunde noch Adam mit, damit er nicht weiter erniedrigt wird.
Der kleine Ausflug aus der Gruppe heraus hat weder ihm noch Jessa gut getan. Vielleicht haben sie auf lange Sicht jedoch etwas mitgenommen, etwas aus der Sache gelernt, nachdem sie einmal auf der anderen Seite standen.
How can you be okay?
Hannahs Eltern mĂŒssen sich der Tatsache stellen, dass sie ihr gemeinsames Leben auf einer LĂŒge aufgebaut haben, die nun in sich zusammenstĂŒrzt. Auch auf Hannah wirkt sich diese neue Offenbarung aus. Hannah grĂŒndet ihr Selbstbewusstsein auf ihre Toleranz, also versucht sie mit aller Macht, genau das zu zeigen. Doch die Sache wird schwieriger, je nĂ€her die RealitĂ€t rĂŒckt.
In Hannahs Plot sind mittlerweile drei Generationen verstrickt. Sie selbst als jemand, der zwischen Kindheit und Erwachsensein steht, je nach Perspektive. Und wie gewohnt macht Hannah alles falsch, was einem so einfallen kann. Sie sucht emotionale UnterstĂŒtzung bei jemanden, dem sie eigentlich eine StĂŒtze sein sollte. Und gegenĂŒber ihren Eltern bestĂ€rkt sie immer wieder, wie erwachsen sie eigentlich sei.
Hannah ist in einem Zwischenzustand gefangen. Sie ist kein Kind mehr, in vielerlei Hinsicht steht sie auf eigenen FĂŒĂen, doch gerade ihren Eltern gegenĂŒber ist sie immer noch die SchutzbedĂŒrftige. Nichts davon sieht sie ein und stĂŒrzt sich damit wieder einmal in unnötiges Drama, zum Beispiel ihrem Schuldirektor gegenĂŒber. Noch gibt es Gelegenheiten, in denen sie die Erwachsene spielt, aber es ist an der Zeit, dass sie Verantwortung ĂŒbernimmt, auch wenn sich das noch fremd anfĂŒhlt.
Fazit
Manchmal ist es nicht einfach zu erkennen, was echt ist. Die Episode Daddy Issues spielt uns verschiedene Situationen durch, die sich Ă€hnlich sind und doch so unterschiedlich anfĂŒhlen. Das Einzige, was wirklich ehrlich zu sein scheint, ist Rays und Hannahs GestĂ€ndnis am Ende der Episode, dass sie ihre Freude nur spielen.
Wir sehen Manipulationen und Verwirrungen, bis wir kaum noch unterscheiden können, was was ist. Am Ende steht die Einsicht, dass alles im Leben aus verschiedenen Perspektiven unterschiedlich aussieht.
Promo zur Episode âHome Birthâ (4x10) der US-Serie âGirlsâ:
Verfasser: Serienjunkies.de am Montag, 16. MĂ€rz 2015Girls 4x09 Trailer
(Girls 4x09)
Schauspieler in der Episode Girls 4x09
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