Girls 2x07

Nach dem Heimatbesuch von Hannah (Lena Dunham) in der ersten Staffel bekommen wir mit der Episode Video Games Einblick in das Familienleben eines der anderen Girls. Wir treffen Jessas entfremdeten Vater (Ben Mendelsohn, „Tangle“) samt Lebensgefährtin und deren Sohn. Unterdessen gibt Hannah sich keine Mühe, die zweite Geige zu spielen. Video Games ist eine verwirrende Episode, die nicht nur mehr Licht auf Jessas (Jemima Kirke) Charakter wirft, sondern auch Hannahs (Lena Dunham) vertieft.
Mittelpunkt des Universums
Eines wissen wir von Hannah schon länger: Sie ist der unangefochtene Mittelpunkt ihrer eigenen Geschichte. Das geht weit über die Passion, ein Buch zu schreiben, hinaus. Sie kann sich selbst in den Momenten, in denen andere sich in größter Not befinden, nur schwer zurücknehmen. Hannah als moralische Unterstützung zu einem problematischen Familienbesuch mitzunehmen, ist eine gewagte Entscheidung von Jessa (Jemima Kirke). Doch sie geht auf. Denn schließlich ist auch Jessa niemand, dem man einfach das Händchen halten kann.
Hannah versucht die Aufmerksamkeit mit allen Mitteln auf sich zu ziehen, kämpft mit einer Harnwegentzündung und schläft mit Petulas Sohn, entjungfert ihn vermutlich gar.
Ihr fester Wille, jede sich bietende Erfahrung mitzunehmen, hält sie davon ab, angesichts von Jessas verrückter Familie einfach alles hinzuschmeißen und abzuhauen. Sie bleibt an der Seite ihrer Freundin, verhält sich jedoch wie deren eigensinniges, selbstbezogenes Kind. Diese Mischung gibt Jessa die Gewissheit, nicht verlassen zu werden, und bietet ihr gleichzeitig die Möglichkeit, ohne Rücksicht auf Hannah das zu tun, wonach sie sich fühlt.
Familienangelegenheiten
Jessa ist kein einfacher Mensch, das wissen wir. Doch die Episode Video Games bietet einen Blick in ihre Vergangenheit. Und mit diesem Wissen kann man vieles einfacher verstehen. Sie wurde von ihrem Vater alleine gelassen bei einer Mutter, über die wir schon öfter nebulöse Andeutungen gehört haben. Eine verantwortungsbewusste Mutter scheint sie nicht gewesen zu sein.
Jessas schwierige Familie lässt sie zunächst noch einzigartiger erscheinen als bisher. Dann kommt die intime Szene zwischen ihr und ihrem Vater, in der Jessa ihm vorwirft, sie verlassen und ihr nichts Vernünftiges über das Leben beigebracht zu haben. Und das sind wohl die konventionellsten Worte, die wir in der ganzen Serie Girls bisher von Jessa gehört haben.
Was die letzten Episoden angedeutet haben, scheint sich nun zu bewahrheiten: Die Freigeistigkeit und Sprunghaftigkeit, die wir an ihr kennen, ist keine Entscheidung, sondern die Folge einer schwierigen Vergangenheit. Ihre Reisen sind Fluchten.
Zwei Menschen
Auch wenn Hannahs Anwesenheit zunächst unpassend wirkt, so zeigt der Trip ins Ländliche doch auch scharf umrissene Unterschiede zwischen den beiden Freundinnen auf - und das zu beobachten, ist überaus spannend.
Hannah hat Verantwortungsbewusstsein von ihren Eltern mitbekommen, sie steigt aus einem Auto aus, dessen Fahrer nichts sehen kann. Ihre Wertvorstellungen befinden sich auf einem durchschnittlichen Level, während Jessa keine solche Erziehung durchlaufen hat.
Auf der anderen Seite hat auch Hannah ihre Entwicklung noch nicht abgeschlossen. Sie versucht sich zurechtzufinden in immer neuen Situationen und greift auch schon mal daneben, wie der Sex mit Jessas Stiefbruder zeigt.
Jessas Geschichte ist traurig, mehr dramatisch als komisch. Hannahs Anruf in der Heimat wiederum bietet ein amüsantes Gegengewicht zu dem, was wir von Jessas Vergangenheit erfahren.
Nach einem traumatischen Trip wie dem Besuch bei Jessas Vater bietet die Serie Girls keinen Wohlfühlanruf bei Hannahs Eltern, wie man es von anderen Serien gewohnt ist. Dafür ist auch Hannah zu sehr Hannah. Der Anruf zeigt, dass in ihrer Familie im Großen und Ganzen alles nach Plan läuft, übertriebene Gefühle, große Dankesreden sind weder notwendig noch angebracht. Hannah fordert mit ihrem emotionalen Ausbruch das Misstrauen ihrer Mutter heraus. Und nach allem, was wir von Hannahs Egozentrik bereits gesehen haben, hat sie wohl jedes Recht, misstrauisch zu werden.
Hannah hat eine durchschnittliche Jugend verbracht und sucht nun nach Abenteuern und dem Besonderen, was sie von anderen abheben könnte. Jessa ist einzigartig geworden, weil ihr der Weg in ein durchschnittliches Leben nicht offenstand.
Fazit
Es ist immer schade, wenn nicht alle Figuren zu ihrem Recht kommen, aber das Schöne an der Serie Girls ist auch, dass sie einen immer wieder überraschen kann. Kaum etwas folgt einem abgegriffenen Muster. Und das macht sie so interessant.
Für Hannah und Jessa ist Video Games eine großartige Episode, beide Charaktere zeigen Farben, die wir bisher nicht oder nur selten gesehen haben. Und das Gaststar-Aufgebot mit Rosanna Arquette (The L Word) als Petula und Ben Mendelsohn als Jessas Vater ist ebenfalls nicht zu verachten.
Verfasser: Serienjunkies.de am Montag, 25. Februar 2013(Girls 2x07)
Schauspieler in der Episode Girls 2x07
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