Gentefied: Review der Pilotepisode der Netflix-Serie

© entefied (c) Netflix
Als Gentefied am Freitagmorgen auf Netflix veröffentlicht wurde, gehörte das nicht zu den groß angekündigten und lang erwarteten Terminen der Serienwoche. Trotzdem könnte die Serie begeistern, die im lockeren Ton mit dramatischen Noten von einer amerikanisch-mexikanischen Familie im Osten von Los Angeles erzählt.
Wovon handelt die Serie?
Im Mittelpunkt der Dramedy stehen drei Cousins und ihr Großvater Pop (Joaquín Cosio, Narcos). Ana (Karrie Martin) ist Künstlerin und lebt bei ihrer Mutter Beatriz (Laura Patalano) mit ihrer kleinen Tochter Nayeli (Bianca Melgar). Ihre Freundin Jessika (Julissa Calderon) ist Aktivistin und hilft den Cousins so mit Ratschlägen weiter. Erik (Joseph Julian Soria, The Oath, Animal Kingdom) lebt bei Pop. Beide kümmern sich gemeinsam mit ihrem Großvater um das Familiengeschäft, einen kleinen, aber feinen Taco-Laden, der bei Stammkunden einen guten Ruf genießt. Doch das alles hilft nicht als der Vermieter (Gaststar Wilmer Valderrama, That '70s Show, NCIS) die Miete verdoppelt. Die Gegend im Osten von Los Angeles ist im Aufwind, die Hipster halten Einzug und verdrängen damit die Alteingesessenen, wie eben Pop und seine Familie.
Mitten in das Gentrifizierungsdrama platzt Chris (Carlos Santos), der frisch zurück aus Idaho, mental schon auf dem Weg zum Sternekoch ist. Er bewirbt sich um einen Platz an einer Kochschule in Paris. Das Geld dafür verdient er sich in der Küche eines Gourmet-Restaurants. Unterdessen wohnt er ebenfalls bei Pop und wird von seinen Cousins mehr oder weniger akzeptiert.
In der Pilotepisode Casimiro wird es ernst, die Miete ist zwei Monate im Rückstand und der Vermieter führt bereits Investoren durch den Laden. Während Pops auf Hilfe von Chris hofft, der mit seinen Ideen und Wissen neuen Schwung in den Laden bringen soll, stößt das bei Erik auf taube Ohren. Er glaubt nicht an den Cousin, der auf dem Weg zu einem besseren Leben ist und die anderen zurücklassen wird.
Wie kommt es rüber?
Die Netflix-Dramedy Gentefied ist aus einer Webserie entstanden, die von Marvin Lemus und Linda Yvette Chavez erschaffen wurde. Zum Produzentenstab gehört unter anderem Superstore-Star America Ferrera. Im halbstündigen Format glänzt die Story noch mehr. Denn die Frage hinter dem lockeren Ton und dem bunten Hintergrund ist tief: Wann ist ein Taco kein Taco mehr, also wörtlich und metaphorisch gesehen. Chris versucht den Laden seines Großvaters konkurrenzfähig zu machen. Die Kundschaft hat sich verändert und Hipster wünschen sich nun öfter was Neues, zum Beispiel Curry im Taco. Alleine die Vorstellung lässt Pop entsetzt zurück. Wie sehr darf man sich verbiegen um sich nicht vertreiben zu lassen?
Gleichzeitig muss Chris sich immer wieder vorwerfen lassen, kein Mexikaner zu sein. Weil er sich angeblich für etwas besseres hält als die anderen, aber auch wenn er versucht, etwas Neues ins Viertel, in den Laden, in die Tacos zu bringen. Er ist der, der es geschafft hat oder besser gesagt, dabei ist, es zu schaffen und sich weigert, sich dafür zu schämen oder dafür seine Kultur abzulegen.
Die Serie schafft es, all diese Themen unterhaltsam und locker zu verpacken und dabei nicht das Gefühl aufkommen zu lassen, es gäbe eine allgemeingültige Wahrheit zu schwierigen Themen.
Fazit
Zwischen Vida, One Day at a Time, She's Gotta Have It und anderen Serien trifft Gentefied einen Themenkomplex, der gerade Buzz hat in der Serienwelt. Dabei schneiden die drei Morales-Kinder und ihr Pop im soliden oberen Mittelfeld ab. Unterhaltsam, durchdacht und stark gespielt, aber mehr ein Binge für graue Tage als ein herausragendes Highlight.