Game of Thrones 6x09

Es war einer dieser Kriege, eine dieser Schlachten, die im Laufe der sechsten Staffel von Game of Thrones mehrfach angedeutet und letztlich auch direkt angesprochen wurden. Es mag zwar noch nicht der „Great War“ gewesen sein, der uns in der Fantasyserie noch bevorsteht, der Kampf zwischen Feuer und Eis. Doch The Battle of the Bastards ist auf seine ganz eigene Art und Weise großartig. Erneut obliegt es Miguel Sapochnik, der in der letzten Staffel das Großereignis Hardhome zu verantworten hatte, einen der Höhepunkte der aktuellen Staffel auf Film zu bannen.
Und „Seven Hells“, dies ist ihm gelungen. „The Battle of the Bastards“ zählt ohne Frage zu den größten, logistisch aufwändigsten, packendsten Episoden, die „Game of Thrones“ jemals hervorgebracht hat - und kann sich deshalb auch ein paar dramaturgische Kniffe leisten, die so oder so ähnlich ein jeder hat kommen sehen. Aber wie so oft ist es in „Game of Thrones“ (und generell in Serien oder Filmen) nicht das „Was“, das hier entscheidet.
Es ist das „Wie“, die Umsetzung eines großen Fantraums und die Wahrwerdung eines gewaltigen Versprechens der Serienmacher: „The Battle of the Bastards“ wird all seinen Erwartungen gerecht und überflügelt diese an manchen Stellen sogar, in denen das Herz des Beobachters kurz stillsteht und man wie festgebunden dem Geschehen folgt, mitfiebert und bangt, obwohl man doch eigentlich weiß, was passieren wird. Die Kunst ist es, die Zuschauerschaft trotzdem zu erreichen. Und das schaffen David Benioff, D. B. Weiss und Miguel Sapochnik mit Bravour.
Come, Bastard
Lange Zeit wurde kommuniziert, dass es sich in dieser Episode einzig und allein um die Schlacht im Norden um Winterfell drehen würde, der Kampf zwischen Jon (Kit Harington) und Sansa (Sophie Turner) auf der einen und Ramsay (Iwan Rheon) auf der anderen Seite. Bilder und Trailer vorab suggerierten Ähnliches, doch dann wurden Gerüchte laut, dass auch Meereen seine Zeit bekommen würde, was in „The Battle of the Bastards“ nun tatsächlich der Fall ist.
So werden wir Zeugen von zwei Handlungssträngen, die beide unglaublich schwere Geschütze auffahren und auf visueller Ebene vollends überzeugen. Die Serienmacher ruhen sich jedoch nicht auf den atemberaubenden Schauwerten ihres Produkts aus. Zwischendurch finden sie auch immer wieder Zeit für sehenswerte, nachhaltige Charaktermomente, die aufgrund nuancierter Darbietung der Darstellerriege oftmals nicht weniger Gänsehautmomente genieren, als das bisweilen wahnsinnige Schlachtengetümmel, das sich uns in dieser Folge erschließt.
Und hier liegt wohl die eigentliche Stärke der Episode: Es ist eben nicht nur das unbeschreibliche Äußere von „The Battle of the Bastards“, das mit jeder Millionenproduktion aus Hollywood mithalten kann. Es sind auch die Feinheiten zwischendurch, die intensiven Ruhephasen sowie das smarte foreshadowing und weitere spannende Versprechen für die Zukunft der Serie, die die neunte Episode der sechsten Staffel von „Game of Thrones“ zu einem Erlebnis machen. Sicherlich werden sich einige über die eine oder andere vorhersehbare Wendung echauffieren und sich auf die unermüdliche Suche nach dem Haar in der Suppe begeben. Und es ist legitim, etwaige Kritik zu äußern. Hört man aber auch nur ein wenig auf sein Fanherz (auch das muss als Kritiker erlaubt sein), ist „The Battle of the Bastads“ über jeden Zweifel erhaben.

Rebirth
Bevor es in den Norden geht, widmen wir uns dem bereits erwähnten Handlungsstrang in Meereen, wo in der letzten Episode Daenerys (Emilia Clarke) zum genau richtigen Zeitpunkt in die Stadt zurückkehrte. Während die Belagerung durch die Sklavenhalter von Astapor und Yunkai nach wie vor im Gange ist und Tyrion (Peter Dinklage) ein paar Ausflüchte für sein Versagen sucht, setzt die Mother of Dragons einen eisigen Blick der Erbarmungslosigkeit auf: Sie ist fest entschlossen, die Sklavenhalter büßen zu lassen, sie will keine Gnade walten lassen und ihre Gegner komplett ausrotten. Da bekommt es Tyrion nachvollziehbarerweise etwas mit der Angst zu tun, erinnert er seine Herrscherin doch nicht umsonst an ihren manischen Vater Aerys II., den Mad King, und dessen explosive Wildfire-Pläne für King's Landing. Interessant übrigens, dass der verrückte König und sein Teufelszeug mal wieder erwähnt werden, so kurz vor dem Staffelfinale in der nächsten Woche...
Was dann wie ein sehr diplomatischer Ansatz aussieht, ist letztlich die von vielen erwartete Machtdemonstration. Daenerys führt ihren Feinden, die sich sehr siegessicher fühlen, ihre Macht vor Augen, steigt auf Drogon, der von Viserion und Rhaegal flankiert wird, und brennt Teile der feindlichen Flotte nieder. Die in Reih und Glied fliegenden Drachen rufen sehr bewusst das abschließende Bild der vierten Folge der dritten Staffel (And Now His Watch Is Ended) hervor, als Daenerys mit ihren drei noch sehr jungen, kleineren Drachen die Sklaverei in Astapor beendete.
Nun fegt sie über die gegnerischen Schiffe hinweg und wir Zuschauer trauen unseren Augen kaum, was sich hier abspielt. Die monströsen Drachen, allein die interessanten Perspektiven von den Belagerungsschiffen aus, das brennende Meereen - noch vor dem eigentlichen Höhepunkt im Norden von Westeros präsentiert man uns fantastische Aufnahmen, die komplett fesseln. Selbst der kurze Blick auf die von Daario (Michiel Huisman) angeführte, heranstürmende Dothraki-Horde lässt das Herz schneller rasen, auch wenn wir sie nicht wirklich in Aktion sehen.
Dracarys
„Garniert“ werden diese mitunter sehr epochalen Momentaufnahmen mit ein paar sehr lässigen Dialogszenen. Grey Worm (Jacob Anderson) darf in einer kleinen Szene glänzen und auch Tyrion ist im Handumdrehen wieder im Aufwind. Der Name von Daenerys Targaryen wird nun wohl endgültig in den Slaver's Bay etabliert sein. Tyrion gefällt mir persönlich in The Battle of the Bastards ohnehin wesentlich besser als noch zuvor, was vielleicht daran liegt, dass er eben nicht mehr das Kommando hat und wieder als Berater von Daenerys fungiert. In dieser Rolle ist er, wie wir sehen können, sehr wertvoll, tauchen doch plötzlich Yara (Gemma Whelan) und Theon (Alfie Allen) am Hof der Mother of Dragons auf. Hier hätte mir zumindest eine Aufnahme von der Ankunft der Greyjoy-Geschwister gefallen, kommt die Szene im Thronsaal doch schon ein wenig von jetzt auf gleich.
Auf der anderen Seite finde ich gut, dass Daenerys keine Hilfe von Yaras Flotte erhalten hat, die als strahlende Rittersfrau am Horizont angesegelt kommt. Daenerys braucht niemanden, um ihre Machtposition in der Slaver's Bay zu festigen. Das schafft sie auf beeindruckende Weise im Alleingang. Yara und Theon sind nun dafür da, den nächsten Schritt ihres Planes auf den Weg zu bringen: die Rückkehr nach Westeros. Tyrions Wissen über die Greyjoys und Theon im Speziellen ist eine wichtige Informationsquelle für Daenerys, die jedoch wie so oft sehr pragmatisch denkt. Ihr habt Schiffe? Und die könnten mit den übrig gebliebenen Booten der Sklavenhalter ausreichen, um mit meinen Truppen in die alte Heimat zu schippern? Na dann sprecht weiter, meine lieben Überraschungsgäste.
The new reality
Erfreulich ist darüber hinaus, wie hervorragend Daenerys und Yara zusammenpassen, die über ein paar Parallelen in ihrer Familiengeschichte verfügen. Daenerys ist natürlich auch angetan, dass Yara eine ähnlich ambitionierte Frau wie sie ist (die Offen- und Direktheit Yaras scheint ihr auch zu gefallen) und sich in einer von Männern dominierten Welt durchzusetzen weiß. Innerhalb weniger Sekunden ist eine sehr gute Chemie zwischen den beiden zu spüren, die Lust auf mehr macht.
Und tatsächlich lässt sich Daenerys auf dieses Bündnis ein, unter der Bedingung, dass Yaras Ironborn ihren Lebensweg des Plünderns, Brandschatzens und Vergewaltigens aufgeben. Yara willigt ein und kommt somit ihrem Onkel Euron zuvor, der Daenerys eh nur ausnutzen wollte. Und so stehen wir vor einer neuen, spannenden Ausgangslage, die dazu führen könnte, dass wir Daenerys mit Yara an ihrer Seite in Staffel sieben in Westeros sehen könnten. Oder kommt es sogar noch in der nächsten Folge zur großen Überfahrt? Die Vorfreude ist so oder so gewaltig. Es geht nach Hause.
Das Thema Heimat ist, wie vielen in dieser Staffel bestimmt schon aufgefallen ist, ein roter Faden, den die Serienmacher für ihre verschiedenen Handlungsstränge immer wieder aufgreifen. Auch die Handlung um Jon und Sansa im Norden von Westeros steht in diesem Zeichen, kehren die beiden doch zu ihrer Heimat Winterfell zurück, um diese zurückzuerobern und ein Stück weit Gerechtigkeit für die gescholtene Familie der Starks zu erlangen. Wie erwartet überschlagen sich die Ereignisse im „Battle of the Bastards“ jedoch, was die „Mission“ des neu formierten Team Stark erschwert. Hinzu kommen verschiedene Agenden, so zum Beispiel bei Sansa, die natürlich ihre Rache an Ramsay will, während Jon etwas mehr an den gefangenen Rickon (Art Parkinson) denkt.

Men of mercy
Der Einstieg in diesen Handlungsbogen ist eher ruhig, aber ungemein intensiv. Ein paar Verhandlungen mit Ramsay fruchten nicht, dieser lässt sich trotz Jons Provokationen nicht aus der Reserve locken (ein Zweikampf unter Männern fällt aus) und weiß um seine Vorteile auf dem Schlachtfeld. Während Jon sich etwas von den Drohgebärden seines Gegenübers beeindrucken lässt - immerhin hat Ramsay Rickon als Geisel - redet Sansa Klartext: Sie können hier noch so lange stehen und giftige, provozierende Bemerkungen austauschen, es kommt so oder so zur Schlacht. Und du, Ramsay Bolton, wirst diese nicht überleben. Unbeeindruckt und auf ihrem Gaul thronend macht Sansa kehrt und reitet davon. Nur der erste von vielen superben Sansa-Momenten in dieser Episode.
Im Lager von Team Stark ist man dann am Tüfteln: Wie kann man Ramsays Armee am besten etwas entgegensetzen? Während Tormunds (Kristofer Hivju) taktisches Verständnis, nun ja, ausbaufähig ist, hat Sansa nicht Unrecht, wenn sie ihrem Halbbruder vorwirft, er würde sie nicht zu Rate ziehen. Sie weiß am besten, wie Ramsay tickt, sie weiß, dass Rickon eh längst verloren ist und dass Bolton-Scheusal seine perversen Spielchen treiben wird. Jon darf sich darauf nicht einlassen, sonst haben sie gleich verloren. Aber irgendwas muss er halt tun und so wird es auch schon einmal etwas lauter zwischen den beiden. Warum Sansa Jon hier nicht von ihrem Ass im Ärmel (Littlefingers Soldaten aus dem Vale) erzählt, um so die Situation zu entspannen, dürften sich viele fragen. Es ist eine bewusste Entscheidung und ein Plan, wie ihn nur Sansa, die bei Littlefinger in die Schule ging, fassen könnte. Doch dazu später mehr.
The North watches
Noch vor der Schlacht kommt es zu ein paar scheinbar nebensächlichen Unterhaltungen, die aber dennoch ihre Daseinsberechtigung haben. Das Gespräch zwischen Tormund und Davos (Liam Cunningham) - eine wunderbare Charakterkombination, vor allem der rotbärtige Wildling macht großen Spaß („Happy shitting.“) - zeigt, dass auch diese beiden sich nicht unähnlich sind und zuvor den falschen Anführern folgten, wobei Tormund kein schlechtes Wort auf Mance Rayder kommen lässt. Für Davos ist die Rückkehr zum Ort von Stannis' Lager derweil ein emotionaler Tiefschlag, wie die Aufnahmen des gedankenverlorenen Schmugglers am Scheiterhaufen von Shireen zeigen.
Ob Davos Rachegelüste hegt und Melisandre (Carice van Houten) zur Rechenschaft ziehen will? Eine kleine Szene zum Ende der Folge suggeriert zumindest, dass er nicht vergessen wird, was die rote Priesterin Shireen angetan hat. Melisandre selbst wirkt indes immer noch wie ein kleines Häufchen Elend, sämtliches Selbstbewusstsein ist aus ihr gewichen. Eine weitere Wiederbelebung möchte Jon Snow im schlimmsten Falle nicht, doch Melisandere ist auch nur ein Instrument ihres Lord of Light, der von ihr als einzige Option in diesen dunklen Zeiten proklamiert wird.
Die letzten Vorbereitungen sind dann jedoch getroffen, es ist angerichtet. Wir befinden uns auf den kargen Feldern vor Winterfell, der Winter ist da, man kann die ungemütliche Kälte förmlich spüren. Matschiger, zertretener Boden, ein zusammengewürfeltes Heer von Jon und Sansa auf der einen, eine uniformierte, einheitliche Truppe Ramsays auf der anderen Seite. Die Luft lässt sich beinahe schneiden, so dicht ist die Atmosphäre. Doch da beginnen sie, die von Sansa angesprochenen perversen Spielchen Ramsays, der seine Geisel Rickon vorführt und diesem scheinbar die Freiheit schenkt. Was folgt, ist eine furchtbar unangenehme, aufwühlende Szene, bei der man Rickon am liebsten laut zuschreien möchte, er solle sich doch etwas klüger bewegen...
Battle plans
Ramsay feuert aus der Distanz Pfeil um Pfeil auf Rickon (ich habe übrigens keine Zweifel daran, dass Ramsay Rickon mit dem ersten Schuss hätte töten können, hätte er es gewollt) und Jon rast von seinen Emotionen gepackt seinem Halbbruder entgegen, um ihn zu retten. Perfekt inszeniert erwischt es Rickon natürlich auf den letzten Metern - und Jons Wut kennt keine Grenzen mehr. Es passiert genau das, was Sansa prophezeit hat: Nicht Ramsay wird aus der Reserve gelockt, Jon fällt auf die Methoden des Ekels rein, wird durch einen Pfeilhagel sogar von seiner Armee abgeschlossen, doch er wäre ohnehin auf Ramsay zugestürmt. Während sich manch einer vielleicht über Jons Irrationalität aufregt, bin ich schon mittendrin und sehe unseren „Helden“ einer vernichtenden Kavallerie gegenüberstehen, bereit, seinem Schöpfer gegenüberzutreten.
Jons Armee kommt gerade so dazwischen und so scheppert und knallt es an allen Ecken und Enden, Pferde prasseln auf Pferde, Mensch auf Mensch, Lanzen zerbersten, Schwerter singen ihr grässliches Lied des Todes, Rüstungen werden durchbrochen. Wie bereits in Hardhome trifft Miguel Sapochnik mitten ins Schwarze - so und nicht anders stelle ich mir eine gnadenlose, blutige Schlacht vor, in der naturgemäß der Überblick verloren geht. Immer wieder kehren wir zu Jon zurück, der sich irgendwie durchkämpft, wie von Geisterhand von dem unaufhörlichen Pfeilbeschuss von Ramsay Bogenschützen (skrupellos lässt er auch seine eigenen Leute niederschießen) verschont wird und seine Truppen in dieser aussichtslosen Schlacht anführt.

Patience
Rein emotional gesehen sowie vom logistischen Aufwand her betrachtet und von der Seite aus, wie der Kampf der Bastarde umgesetzt wird - etwas Besseres wird man nur schwer finden. Nun müssen aber auch ein paar Dinge angesprochen werden, die jeder etwas anders sieht. Ich persönlich kann mich mit den vielen Zweckdienlichkeiten dieser Schlacht arrangieren, überzeugt doch das Endergebnis auf ganzer Linie. Genauso kann ich nachvollziehen, wenn einige die taktische Vorgehensweise Jons bemängeln, den Umstand, dass er nie wirklich getroffen wird (er ist der „Auserwählte“...) und so weiter. Aber fällt das alles wirklich so schwer ins Gewicht? Oder macht man sich durch solche Gedanken nur unnötig viel kaputt?
Ich halte mich viel lieber an diesem bahnbrechenden Scharmützel fest, das mir Wun Wun in unvergesslicher Manier präsentiert, in dem Tormund und seine Wildlings sich unentwegt gegen eine Übermacht stemmen und selbst Davos sich auf seine alten Tage ins Getümmel stürzt, weil er überzeugt ist, dass dies das Richtige ist. Es ist nicht nur viel Blut und Schmerz in dieser Schlacht, sondern auch Herz und Wille, was aufwiegelt, motiviert und bis zur letzten Sekunde mitfiebern lässt.
Not enough
Es wird dann aber wortwörtlich eng für Jon und Co, die von Ramsays Infanterie eingekreist und langsam abgeschlachtet werden. Die Leichenberge türmen sich, Jon gerät selbst in arge Bedrängnis und so scheint fast sein letztes Stündlein geschlagen, obwohl wir alle wissen, dass da noch etwas kommen muss. Tormund duelliert sich erfolgreich mit Smalljon Umber (Dean S. Jagger), doch was bringt dieser Teilerfolg, wenn um einen herum alle gemeuchelt werden? Doch wie erwartet vernehmen wir ein Horn und wie aus dem Nichts stürmt eine gewaltige Reiterei unter dem Banner der Arryns aus dem Vale heran, die Ramsays Fußtruppen niedermäht. Sansa, die während der Schlacht gar nicht zu sehen ist, sitzt auf ihrem Pferd - natürlich an der Seite von Littlefinger (Aidan Gillen) - und weiß, dass die Schlacht gewonnen ist, ebenso wie Ramsay weiß, dass er verloren hat.
Besonders interessant ist hier vor allem der kurze Augenblick zwischen Sansa und Jon. Sansa lächelt zunächst kurz - beim Anblick Jons, der beinahe gestorben wäre, blickt sie jedoch beschämt weg. Es war von Anfang an ihr Plan gewesen, Ramsay über Jon aus der Reserve zu locken. Hätte Jon von Beginn an Littlefingers Soldaten gehabt, hätte Ramsay sich wohl nie auf eine offene Schlacht eingelassen. So gehört Sansa nun der Überraschungsmoment, Ramsays restliche Truppen sind wehrlos gegen die Kavallerie des Vales. Doch Sansa hätte fast einen großen Preis für diesen Erfolg, für diese Rache bezahlt, blicken wir noch einmal auf den gebeutelten, blutverschmierten Jon. Oder war Sansa gar bereit dazu, Jon notfalls zu opfern, um ihr Ziel zu erreichen? Ich traue ihr in diesem Moment alles zu.
Fine women
Team Stark ist also siegreich, die Tore von Winterfell sind ebenfalls schnell durchbrochen dank einer letzten, aufopferungsvollen Tat Wun Wuns (Ian Whyte), der dann von Ramsay mit einem finalen Pfeil niedergestreckt wird. Für diesen scheint dies alles immer noch ein Spiel zu sein und so fordert er Jon heraus, der jedoch nicht aufzuhalten ist. Nur beim Anblick Sansas hält Jon inne, sonst hätte er wohl Ramsay zu Klump und Matsch geprügelt. Doch Ramsay ist Sansas Trophäe. Sie hat sich diese Rache verdient, nach all den Dingen, die er ihr angetan und nachdem sie das Zünglein an der Waage in diesem Krieg gespielt hatte. Die Übernahme Winterfells gestaltet sich im Vergleich zur Schlacht indes fast schon gespenstisch ruhig. Das ist Krieg: Tausende Menschen sind gestorben, darunter geliebte Familienmitglieder, wie zum Beispiel Rickon. Gründe zum lauten Feiern gibt es nicht. Die Wunden müssen geleckt werden. Doch Zeit für Genugtuung und Vergeltung ist immer.

So bekommt Sansa ihre Rache an Ramsay, die wahrscheinlich der Meinung vieler nach noch viel zu glimpflich ausfällt. Doch es passt zu Sansa, die kalt, bestimmt und ohne mit der Wimper zu zucken Mad Dog Ramsay seinen eigenen Hunden zum Fraß vorwirft. Dieser hat Spuren auf ihr hinterlassen, die sie nie vergessen wird, nie vergessen kann. Aber Sansa ist stark, stärker als jemals zuvor. Sie kann diese Leidenszeit hinter sich lassen, sie kann Ramsays Vermächtnis auslöschen, sie wird sich nicht von dieser furchtbaren Vergangenheit runterziehen lassen. Während Ramsay von seinen Jagdhunden zerfleischt wird, dreht Sansa sich mit einem selbstsicheren, selbstbewussten Grinsen um und schreitet davon. Eine vollwertige Spielerin des „Game of Thrones“. The true Lady of Winterfell. Sie ist wieder zu Hause.
Fazit
Die Tradition verlangt es: Mal wieder präsentieren uns die Macher von Game of Thrones ein absolutes Erlebnis kurz vorm Ende der aktuellen Staffel. Dabei setzt man in The Battle of the Bastads vor allem visuell neue Maßstäbe für das Fernsehen: die packenden Schlachtenszenen, die tollen Kamerafahrten und ausgefallenen Perspektiven, der Aufwand, ein solches Mammutprojekt zu stemmen, die emotionale Tragweite der Geschehnisse. Benioff, Weiss und Regisseur Miguel Sapochnik begeistern auf mehreren Ebenen.
Man kann hier durchaus ein paar kleinere „Schandflecken“ finden, die bei mir persönlich aber wenig bis gar nicht ins Gewicht fallen. Dafür ist diese Highlightepisode schlichtweg zu großartig, auch mit Blick auf starke Charaktermomente zwischendurch, den fantastischen Cast (eine große Verbeugung vor den Powerfrauen dieser Staffel) sowie den Hauch von foreshadowing, der mich sehr freudig auf das Finale der sechsten Staffel von „Game of Thrones“ blicken lässt.
Trailer zur nächsten „Game of Thrones“-Episode, „The Battle of the Bastards“ (6x10):
Verfasser: Felix Böhme am Montag, 20. Juni 2016Game of Thrones 6x09 Trailer
(Game of Thrones 6x09)
Schauspieler in der Episode Game of Thrones 6x09
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?