Game of Thrones 4x09

Game of Thrones 4x09

Die vorletzte Episode der vierten Staffel Game of Thrones bietet seit langem mal wieder ein episches Schlachtenszenario. Lest in unserem Review zur Episode The Watchers on the Wall, wie der Kampf um Castle Black ausgeht.

Kit Harington (l.) und John Bradley (r.) in „Game of Thrones“ / (c) HBO
Kit Harington (l.) und John Bradley (r.) in „Game of Thrones“ / (c) HBO

Lange, lange haben wir der Night's Watch zugesehen und darauf gewartet, dass sie endlich mal in Aktion treten darf. Und was die Schlacht um Castle Black in der vorletzten Episode der vierten Staffel von Game of Thrones für ein Aufgebot an Waffen und Wesen mit sich führt, wird so schnell nicht in Vergessenheit geraten. Die gesamte Episode The Watchers on the Wall spielt sich auf der Mauer der Night's Watch ab, welche gleich von beiden Seiten angegriffen wird.

Love is a Battlefield

Um die Schwere der Schlacht Night's Watch gegen Wildlings darzustellen, wird zunächst wie so oft das angeblich einzige Thema herangezogen, für das es sich zu kämpfen lohnt: die Liebe. Die romantische Seite der Men of the Night's Watch wird anhand dreier Mannsbildern aufgezeigt.

Zu Beginn sehen wie Samwell (John Bradley) und Jon Snow (Kit Harington) in einem Dialog über die Liebeskunst. Jons Entjungferung durch Ygritte (Rose Leslie) macht ihn hier zum erfahrenen Mann, lässt ihn den Sexualakt als übermenschliche Erfahrung beschreiben und gleichzeitig die Tugenden der Men of the Night's Watch aufzählen. Der Nichtswissende wird in diesem Dialog zum Allwissenden.

Sam stellt dagegen den rein emotionalen Mann dar, der noch keinerlei sexuelle Erfahrung gesammelt hat, sich jedoch durchaus dafür interessiert, da er seine Liebe zu Gilly (Hannah Murray) nicht verleugnen kann, wie auch Maester Aemon (Peter Vaughan) unschwer erkennen kann. Ausgerechnet Sam sieht den sexuellen Akt nicht als Bruch mit den Regeln der Night's Watch und lässt den tugendhaften Jon Snow dagegen etwas prüde wirken.

Maester Aemon stellt das Bild des entsexualisierten, resignierten Mannes dar. Er blickt auf sein Leben vor der Night's Watch zurück und verweilt in Erinnerungen an seine wohl umtriebige Jugend. Dabei wird uns hier ein weiteres Mal ins Gedächtnis gerufen, dass Aemon der Onkel von Daenerys (Emilia Clarke) ist.

Sam bringt es schließlich auf den Punkt: Auf die Frage Pypars (John Bradley), wie er einen White Walker erledigen konnte, ohne Angst zu haben, antwortet Sam: „When you are nothing at all, there's no more reason to be afraid. - Wenn du nichts und niemand bist, gibt es keinen Grund mehr, ängstlich zu sein.“ Aber nun, da Gilly ebenfalls in Castle Black Unterschlupf gefunden hat, ist er kein niemand mehr; die Liebe wird zum Sinn gebenden Element.

We should have sealed the tunnel while we had the chance.

Nach einem etwas kitschig anlaufenden Beginn der Episode beginnt schließlich die Schlacht um Castle Black. Dabei wird die Mauer von beiden Seiten angegriffen: aus dem Süden von dem Wildlings-Bündnis rund um Tormund (Kristofer Hivju) und Styr (Yuriy Kolokolnikov), aus dem Norden von einem Bündnis aus Wildlingen und Riesen (!). Diese kommen nicht nur auf die Mauer zugepoltert, sie reiten auch noch auf Mammuts und schießen statt Pfeile Speere mit Bögen ab.

Es werden hier die ganz großen Geschütze aufgefahren, und nicht selten fühlt man sich an „Der Herr der Ringe - Die Zwei Türme“ erinnert. Es donnert das Signalhorn, oben auf der Mauer warten ängstlich die Verteidiger, während die Angreifer mutig drauf los stürmen. Statt Rammböcken oder Bomben benutzen die Riesen ihren Mammut, um das Tor am Fuße der Mauer aufzubrechen.

Als Anwort auf die Angreifer von unten hat die Night's Watch allerdings einiges zu bieten. Es werden brennende Ölfässer heruntergelassen, die die Feinde in rennende Fackeln verwandeln, und schließlich sogar eine Art riesiger Enterhaken benutzt, der wie ein Scheibenwischer die kletternden Wildlings von der Mauer putzt.

In der für Game of Thrones typisch malerischen Ausschlachtung von Gewaltszenen werden dabei auch in der vorletzten Episode der vierten Staffel die stilistischen Stärken aufgezeigt. Besonders Kamerafahrten aus der Ich-Perspektive des Wolfes Ghost oder die Totale des aufräumenden riesigen Enterhakens müssen hier betont werden.

Doch auch die musikalische Untermalung überzeugt. Neben einem einschüchternd basslastigen Soundtrack sticht dabei vor allem ein umgewandeltes musikalisches Thema hervor: Als Jon Snow sich entscheidet, im Alleingang an den Fuß des Aufzugs zu gehen und gegen die Feinde zu kämpfen, erklingt eine wesentlich düstere Version des bekannten Game of Thrones-Intros.

Who's left to give orders?

Am Ende der Schlacht sehen wir zwar die Night's Watch als Sieger hervorgehen, jedoch nicht ohne erhebliche Verluste. Im Zuge der Verteidigung der Mauer werden uns dabei verschiedene Modelle des Anführers der Night's Watch aufgezeigt.

Zu Beginn hat noch Alliser Thorne (Owen Teale) das Ruder in der Hand. Er gesteht Jon gegenüber jedoch seine eigene Fehler und definiert Führerschaft dabei als Durchsetzungsvermögen gegen jeden, der Zweifel an den Entscheidungen des Machthabenden hegt. Er verzichtet somit auf sein eigenes Urteils zu Gunsten seiner Position.

Während sich die Wildlings aus dem Süden dem Fahrstuhl nähern, sieht er es schließlich als seine Aufgabe, selbst zu kämpfen - und ist nach dem Duell mit Tormund nicht mehr zu sehen. Sein Nachfolger, Janos Slynt (Dominic Carter) wartet gar nicht lange und verzieht sich direkt vom Schlachtfeld. Dabei trifft er auf der Suche nach einem sicheren Unterschlupf auf Gilly, die sich mit ihrem Kind zurückgezogen hat.

Schließlich liegt es an Jon Snow selbst, die Führung der Night's Watch in die Hand zu nehmen. Er kämpft sich durch die Reihen des Gegners und wird Opfer des neu entdeckten Mutes von Sam: Nachdem dieser dem kleinen Olly (Brenock O'Connor) mit Verweis auf seinen Bogen neuen Kampfesmut einhaucht, führt Olly letztlich aus, was Jon selbst nicht konnte: Er erschießt Ygritte (Rose Leslie). Natürlich nicht, ohne dass diese nochmal ihre Catchphrase äußern kann: „You know nothing, Jon Snow. - Du weiß gar nichts, Jon Snow.

Am Ende der Schlacht steht somit Jon selbst an der Spitze der Night's Watch. Er lässt Tormund als Gefangenen wegsperren und zieht sein Résumé. Die Wildlings sind so stark, weil das ehemalige Night's Watch Mitglied Mance Rayder (Ciarán Hinds) als King-Beyond-the-Wall hinter den einzelnen Stämmen steht. Laut Jon falle mit Mance auch der Zusammenhalt der Wildlings. Er macht sich also alleine in den Norden auf, um Mance umzubringen.

Fazit

Nachdem Game of Thrones mit der vorherigen Episode The Mountain and the Viper in die gesamte Breite aus Intrigen, Action und Charakterentwicklung ging, schwächelt The Watchers on the Wall etwas. Der Fokus wird hier natürlich auf die Schlacht um Castle Black gelegt, jedoch hinken die Verweise auf die Liebesbeziehungen der Akteure etwas hinterher und kippen dabei nicht zu knapp in den Kitsch ab.

Nichtsdestotrotz ist die Episode stilistisch kurzlebig und führt eine ganze Reihe von Wesen und Kampfmethoden auf, die zwar so manche Dialogschwäche übertünchen, jedoch nicht die gesamte Folge retten können. Die Fokussierung auf einen einzigen Plot wird der Episode dabei zum Verhängnis. Die Erzählzeit, die sich nicht mit Schlachtszenen füllen lässt, wird mit bedeutungsschwangeren Dialogen überbrückt. Bleibt zu hoffen, dass dies lediglich dem Auftakt zu einem Finale dient, das sich mit Episoden wie The Laws of Gods and Men oder The Mountain and the Viper messen lassen kann.

Verfasser: Henning Harder am Montag, 9. Juni 2014

Game of Thrones 4x09 Trailer

Episode
Staffel 4, Episode 9
(Game of Thrones 4x09)
Deutscher Titel der Episode
Die Wächter auf der Mauer
Titel der Episode im Original
The Watchers on the Wall
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 8. Juni 2014 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 28. Juli 2014
Regisseur
Neil Marshall

Schauspieler in der Episode Game of Thrones 4x09

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