Galavant 1x08

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Vier Wochen lang konnten wir den Klängen der ABC-Musicalcomedy Galavant lauschen, doch nach nur acht Episoden ist die erste Staffel auch schon wieder vorbei. Was zurückbleibt sind ein Haufen Ohrwürmer, eine Hand voll fulminanter Gastdarsteller, so manches Märchenklischee, das hervorragend auf die Schippe genommen wurde und ein mächtiger Cliffhanger. Es bleibt zu hoffen das letzterer auch aufgelöst werden kann und es eine weitere, zweite Staffel dieses eher ungewöhnlichen Formates geben wird.
Nana nana nana, nana nana nana, nana nanananana GALAVANT!
Ich gebe zu, dass ich nach der Pilotepisode Pilot etwas kritisch war, ob die Mischung aus Märchenparodie und Musical über acht Episoden trägt. Natürlich schafft es auch nicht jedes Lied, im Ohr zu bleiben und jeder Gag, die Lachmuskeln anzusprechen, jedoch schaffen es vor allem die überzeugenden Darstellungen der Haupt- und Nebencharaktere, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, zu denen natürlich Galavant (Joshua Sasse) und König Richard (Timothy Omundson), jedoch auch Kultfiguren wie Vinnie Jones' Darstellung des Gareth oder der von vornherein zum Tode verurteilten Koch (Darren Evans).
Während sich die Geschichte von Galavant und seinen Mitreisenden, Prinzessin Isabella (Karen David) und dem Knecht Sid (Luke Youngblood), im Zuge der ersten Staffel recht schnell in Richtung des Königshauses Richards bewegt und dabei so manch skurrilen Zwischenstopp einlegt, muss sich letzterer vor allem mit der nicht vorhandenen Liebe seiner frischen Gemahlin Madalena (Mallory Jansen), dessen Liebhaber und Hofnarren Jester (Ben Presley), seinem älteren Bruder Kingsley (Rutger Hauer) und seiner eigenen, von ihm geforderten Männlichkeit auseinander setzen.

Dabei gehören zum Beispiel das eher untypische Duell im Lanzenstechen zwischen Gal und dem von John Stamos herrlich überzogenen Ser Jean Hamm in der Episode Joust Friends, das Treffen mit dem von Hugh Bonneville dargestellten Piratenkönig, der mit seiner Crew und seinem Schiff in der Episode Comedy Gold nicht nur an Land verebbte, sondern auch einen herrlich, schmissigen Shanty präsentiert, oder der von dem Musikparodisten Weird Al Yankovic in Completely Mad... Alena angeführte Chor aus singenden Mönchen zu den Highlight der singenden Gastdarsteller in der Serie.
Dagegen bleibt die Gastrolle des von Ricky Gervais dargestellten Zauberers Xanax eher etwas blass, auch Rutger Hauer schafft es leider nicht, sich als dominanter Thronerbe Kingsley so richtig warmzulaufen. Man merkt der Serie in solchen Momenten an, dass große Namen zwar den Wert von Galavant steigern sollen, dabei jedoch nicht so recht jedem der vorbeihuschenden, großen Namen gerecht werden können. Hier wäre in einer potentiellen, zweiten Staffel sicherlich noch Luft nach oben.
This is my moment in the sun - Der tiefe Fall des hohen Egos
Besonders im Verlauf der späteren Episoden der ersten Staffel wird dabei vor allem deutlich, dass Galavant den Verfall der Patriarchie und männlichen Helden aufzeigt. So erfahren wir zum Beispiel, dass Gal durch seinen Vater (Anthony Head) lernte, sich selbst stets ins Rampenlicht zu stellen und auf seinen großen, heldenreichen Moment zu warten, was jedoch in der Realität gänzlich anders aussieht. Die der Parodie zugrunde liegende Gattung des Heldengesangs wird als anachronistisch aufgezeigt, indem der Kampf der beiden Gegenspieler Galavant und Richard um die schöne Madalena verworfen wird und letztere stattdessen zur neuen Antagonistin wird.
So wird aufgezeigt, wie wenig hinter dem Heldenmythos um Galavant steckt, wie er in der Episode Two Balls die Klassenhierarchie hinterfragt und wie er sich schließlich von Madalena abkehrt und in Isabella verliebt. Er verliert sein eigenes Ego aus dem Auge und strebt stattdessen eine gleichberechtigte Beziehung zu letzterer an. Währenddessen wird Richards Streben nach Macht ebenfalls reflektiert und abgebaut. So stellt sich heraus, dass er den Thron nur bekam, weil sein Bruder keine Lust darauf hatte und er zum Beispiel noch Jungfrau ist.

Ähnlich wie Galavant sieht er es als seine Pflicht, in den bestehenden Klischees der Märchen- und Heldenwelt zu agieren und deshalb als König in verschiedene Länder einzumarschieren und seinen Reichtum zu vermehren. Die beiden als Gegenpole eingeführten Charaktere nähern sich somit zum Ende der ersten Staffel einander an und werden von Gareth schließlich in die Hand von Piraten gegeben, um aus dem Königshause zu fliehen. Madalena hat indes für sich selbst einen anderen Plan, ermordet Kingsley hinterrücks und letztendlich wird Gareth somit in bestem „Deus Ex Machina“-Erzählmuster zum neuen König.
Als wäre dies als Cliffhanger nicht genug, retten sich zum Schluss der Finalepisode It's All in the Executions noch die restlichen Nebenrollen bestehend aus Isabella, dem Koch, Gwynne (Sophie McShera), Jester und Isabellas Eltern zu Isabellas viel zu jungen und ihr versprochenen Cousin Harry (Kemaal Deen-Ellis), wo dieser Isabella schnurstracks in einer Polly-Pocket-ähnlichen Kammer einsperrt, um sie bei sich zu behalten. Am Ende der ersten Staffel gibt es somit zweierlei Bösewichte, welche durchaus zu hinterfragen wären: Ein junger Prinz, der eindeutig an die orientalische Kultur angelehnt ist, sowie eine machtbesessene und dominante Frau.
Fazit
Zwar schafft es Alan Menken nicht, mit jedem seiner Songs einen vollen Hit zu landen, aber das ist bei der Dichte an Liedern, zu denen vor allem das Titellied, der Piratenshanty, der Choral der Mönche sowie das betrunkene Duett zwischen Gal und Richard zu den stärkeren gehören, kein allzu großer Abbruch. Neben den ins Ohr gehenden Melodeien sind es dazu die selbstironischen Texte und verschiedenen musikalischen Themen, die Galavant zu keinem Standardmusical à la Glee werden lassen, sondern dabei helfen, seinen eigenen Stil zu finden.

Dazu kommen noch die angesprochenen Themen wie der Verfall des narzisstischen Heldentypos und das Aufzeigen der Schwächen des Serienbösewichts, die es schaffen, mit den bestehenden Klischees dieses Genres kreativ umzugehen. Zwar mag nicht jede dieser Ideen neu sein, jedoch sollte der Mut, ein derartig außergewöhnliches Serienformat umzusetzen, belohnt werden, weshalb ich mich sehr über eine zweite Staffel freuen würde. Während dabei an den Witzen und Gastrollen gefeilt werden könnte, zeigen vor allem die Musik und der Spielspaß der Darsteller auf, wieviel aus einer einfachen Märchenparodie herauszuholen ist.
Verfasser: Henning Harder am Dienstag, 27. Januar 2015(Galavant 1x08)
Schauspieler in der Episode Galavant 1x08
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