Frontier 1x01

Der Discovery Channel dürfte den meisten als Anlaufstelle für die unterschiedlichsten Dokumentationen, ob in Film- oder Serienform, geläufig sein. Fiktionale Produktionen gehören eher zur Seltenheit im Programm des international bekannten Kabel- und Satellitensenders, wobei es mittlerweile ein paar Ausnahmen in diesem Bereich gibt. So erinnere ich mich zum Beispiel gerne an die Miniserie Klondike zurück, eine sehenswerte Geschichte über den Yukon-Goldrausch Ende des 19. Jahrhunderts mit Richard Madden in der Hauptrolle. Der ehemaliger Game of Thrones-Kollege Maddens schlug nun ebenfalls seine Zelte bei Netflix und dem Discovery Channel auf und beide Parteien arbeiteten zusammen, um das neue Drama Frontier auf den Weg zu bringen.
In „Frontier“ übernimmt niemand Geringeres als Jason Momoa (Khal Drogo in HBOs Fantasyepos) die Hauptrolle, was durchaus als mittelgroßer Castingcoup bezeichnet werden kann. Momoa, ebenfalls Executive Producer von „Frontier“, ist nach diversen Film- und Serienproduktionen, (auch in dem weniger bekannten, aber gelungenen Sundance Channel-Drama The Red Road übernahm er eine der Hauptrollen) ein Schauspieler, der sich im Aufwind befindet. Spätestens mit Momoas Casting als Aquaman für kommende DC-Spielfilme, wird sein Bekanntheitsgrad noch weiter wachsen, wovon die „Frontier“-Macher nur profitieren können. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, als „Frontier“ noch vor dem offiziellen Start der ersten Staffel um eine zweite verlängert wurde.
Into the Wild
Doch wir wollen den Senderverantwortlichen hier mal nichts unterstellen, denn möglicherweise ist das Vertrauen in die Serienschöpfer Rob Blackie, Peter Blackie und Brad Peyton, der bei der Pilotepisode A Kingdom unto Itself auch die Regie übernahm, einfach sehr groß, ebenso wie in den gesamten Cast um Topstar Jason Momoa, sowie in die Geschichte, die in „Frontier“ erzählt werden soll. Diese braucht wiederum in der Auftaktfolge eine ganze Weile, um aus dem Quark zu kommen und dürfte trotz angenehmer Laufzeit (gut 45 Minuten) für so manche Zuschauer eine kleine Geduldsprobe darstellen. Es ist ja nicht so, dass „Frontier“ schlecht gemacht oder schrecklich langweilig ist. Der ersten Episode der sechsteiligen Premierenstaffel fehlt für große Teile schlichtweg eine ordentlich Portion Spannung, um durchweg fesseln zu können.
Trojan Horse
Dabei wirkt der brutale Anfang der Folge verheißungsvoll: Innerhalb weniger Minuten machen wir Bekanntschaft mit Jason Momoas Charakter Declan Harp, ein gnadenloser Fellhändler mit irischen sowie uramerikanischen Wurzeln. Die Pilotepisode von „Frontier“ setzt einiges daran, Harp als gefährliches Biest jenseits der Zivilisation zu etablieren, in dessen Kreisen man lieber nicht verkehren möchte. Und Momoa sorgt mit der für ihn typischen, elektrisierenden, angsteinflößenden Art dafür, dass dieser Plan hervorragend aufgeht. Leider gestaltet sich das Geschehen um Momoa und seinen Charakter herum, der in der Summe auf nicht sehr viel Screentime kommt, im wahrsten Sinne etwas blutleer.
Nach einer packenden Einführung in die erbarmungslose Welt des Fellhandels Ende des 18. Jahrhunderts an der Hudson Bay, in der sich die Hudson Bay Company, Franzosen, Amerikaner und Ureinwohner für die wertvollen Güter gegenseitig an die Gurgel gehen, flacht die Erzählung nämlich ein Stück weit ab. Dies liegt unter anderem daran, dass die Darstellerriege um Momoa, so solide und überzeugend sie auch ist, es nicht wirklich schafft, das gewisse Etwas mitzubringen und sich somit mein Interesse an den diversen Nebenfiguren und ihren Handlungssträngen (noch) in Grenzen hält.

Fresh off the Boat
Ich kann die Idee der Serienmacher, die Pilotepisode von Frontier so aufzubauen, durchaus nachvollziehen und verstehen. Ein junger Bursche aus London namens Michael (Landon Liboiron), der sich nach einer fehlgeschlagenen Diebestour auf einem Boot gen Nordamerika wiederfindet, dient als unser Stellvertreter, die Augen und Ohren der Zuschauer, über die wir in diese Welt eintauchen. Letzten Endes schafft es Michael auch in die Gegenwart von Declan Harp, den er für dessen Konkurrenten und ehemaligen Lehrmeister ausspionieren soll. Die Episode hört dann aber leider genau dort auf, wo es am spannendsten wird - als es zur Konfrontation zwischen dem „Monster“ aus der Wildnis und dem jungen Protagonisten kommt, der noch nicht im Ansatz begreifen kann, in was für einen Schlamassel er sich hier verstrickt hat.
Alles zwischen Declans Auftritt am Anfang und am Ende der Folge (zwischendurch tritt er noch einmal kurz auf) wirkt sehr klassisch und simpel, die Handlung ist derweil des Öfteren extrem vorhersehbar und bietet im Grunde genommen nicht viel Neues. Die Darbietungen der Darsteller sind allesamt auf einem guten Niveau, manchmal wünschte ich mir aber, dass einige von ihnen mal ein wenig ausbrechen und etwas anderes machen würden, als das, was wir in „Frontier“ die meiste Zeit zu sehen bekommen. Vielen Szenen fehlt einfach das Feuer, die Energie oder die Spannung, um mich komplett zu begeistern und bedingungslos mitfiebern zu lassen. Zwischendurch lässt man einfach die Zügel schleifen, interessiert sich weniger für die Charaktere und mehr für banale Exposition, was der Pilotepisode leider anzumerken ist.
Mad Men
Ich werde früher oder später schon verstehen, warum wer mit wem verfeindet ist oder welche Parteien ihre Finger im blutigen Spiel des nordamerikanischen Fellhandels haben. Informationen dieser Art kann man geschickt verteilen und müssen nicht in einem Ruck übermittelt werden, insbesondere, wenn man diese Zeit in die Figuren investieren könnte. Wenn man einen derartig außergewöhnlichen, einzigartigen Charakter wie Declan Harp hat, der auch noch von einem sehr fähigen Schauspieler verkörpert wird, dann sollte man ihn vielleicht auch etwas mehr ins Rampenlicht befördern.
Disputed Territory
Man beraubt sich ein Stück weit seiner eigenen Stärke, weil man denkt, dass der gezielte Einsatz von Jason Momoa letzten Endes einen größeren Effekt haben könnte. Ich persönlich hätte einen Großteil von A Kingdom unto Itself aber viel lieber an der Seite des spannendsten Charakters der gesamten Serie verbracht, als mit den eher stereotypischen Nebenfiguren. Die Serienschöpfer haben nun aber ihre schwerste Aufgabe hinter sich: die Pilotepisode. Und auch wenn mich diese nicht komplett überzeugen konnte, sehe ich reichlich Potential für die Zukunft von „Frontier“. Jetzt geht es nämlich erst richtig in die Vollen (so hoffe ich zumindest), dürften wir doch mehr über Harp und seine Motivation erfahren, welche Ziele er verfolgt und was für Konflikte dies nach sich ziehen wird.
Visuell macht die neue Dramaserie bereits jetzt schon einiges her. Die Dreharbeiten in der kanadischen Wildnis haben sich definitv ausgezahlt und tragen ganz wunderbar zur Authentizität der Geschichte bei. Gleiches gilt für die exzellente Ausstattung. Ohnehin stellt die hier gezeigte Zeitepoche ein hochinteressantes Kapitel in der nordamerikanischen Geschichte dar, das in den fiktionellen Welten von Film und Fernsehen bisher nur vereinzelnd (siehe zum Beispiel kürzlich erst „The Revenant“) ergründet wurde. Frontier kann zu einer sehr eigenen, einzigartigen und komplexen Erzählungen avancieren, in der die unterschiedlichsten Themen, (das Wahrnehmen und Verteidigen einer kulturellen Identität oder schlichtweg persönliche Selbsterfüllung) als narrativer Treibstoff genutzt werden können. Nach einem etwas holprigen Start steht „Frontier“ jetzt erst am Beginn einer potentiell hochinteressanten und aufregenden Reise.
Trailer zu „Frontier“:
Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 15. November 2016Frontier 1x01 Trailer
(Frontier 1x01)
Schauspieler in der Episode Frontier 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?