Friends with Better Lives 1x01

Ich würde mich nicht als humorlosen Menschen bezeichnen. Ich kann über viele intelligente Komödien lachen, kann mich aber auch wunderbar bei Prollcomedys oder völlig abstrusen Formaten amüsieren. Bei Friends with Better Lives, dem neuen Comedyprojekt von Friends-Produzentin Dana Klein, habe ich kein einziges Mal gelacht. Vielmehr empfand ich nach kurzer Zeit schon Mitleid mit den (zumeist namhaften) Schauspielern, die sich an solch unsympathischen Figuren abarbeiten müssen.
Nut cheese for everyone
Die neue CBS-Comedy stellt eine Prämisse in ihr Zentrum, die von vornherein ausschließt, dass dieses Format warme und gutherzige Momente generiert. Wie der Titel unschwer erkennen lässt, geht es hier um einen Freundeskreis, dessen einzelne Mitglieder sich eigentlich gar nicht wirklich ausstehen können. Neid auf das Leben der anderen ist hier das hervorstechende Merkmal. Dies führt unweigerlich zu der Frage, wie es überhaupt möglich sein soll, über solch ein Leitthema eine witzige Serie zu machen.
Neid ist ein zutiefst menschliches Gefühl. Wer kennt es nicht, dass er sich im Stillen über einen Glücksmoment im Leben eines Freundes ärgert, während er ein freundliches Gesicht aufsetzt und demjenigen zu seinem Erfolgserlebnis gratuliert? Gerade, weil wir (vor allem in westlich-industriellen Gesellschaften) im ständigen Vergleich miteinander leben - „Mein Haus. Mein Auto. Mein Boot.“ -, sind wir von Neid und Missgunst ständig umgeben. Diese Gefühle sind das Öl, das die kapitalistische Maschinerie am Laufen hält.
Vertreter der Republikanischen Partei in den USA und ihre Medienorgane haben es zu ihrem Mantra erhoben, dass der Mensch ohne soziale Unterschiede (aka krasse Missstände) keinen Antrieb verspüre, sich selbst an den eigenen Haaren aus seiner Armut zu befreien. Die ewige Wiederholung dieser Rhetorik dient der Verfestigung einer Ideologie, die arme Menschen als „Moochers“ („Schmarotzer“) bezeichnet und reiche Menschen als „Job Creators“ („Arbeitsplatzbeschaffer“). Ohne Pause dröhnt diese gut geölte Maschine ihre Phrasen in die Welt, wonach nur derjenige den sozialen Aufstieg schaffe, der gewillt sei, hart zu arbeiten. Die Realität sieht freilich anders aus.
In Friends with Better Lives haben sämtliche Charaktere ein gut situiertes Leben - und trotzdem beneiden sie ihre Freunde. Bobby (Kevin Connolly) und Andi (Majandra Delfino) sind seit sieben Jahren verheiratet und haben ein Kind (das in der Pilotepisode kein einziges Mal auftaucht). Ihr Sexleben ist etwas eingeschlafen, was ihnen von der frischverliebten Jules (Brooklyn Decker) schmerzlich vorgeführt wird. Sie hat im Urlaub nämlich die Liebe ihres Lebens kennengelernt, den Australier Lowell (Rick Donald).
I haven't cried since 1997
Glück und Pech liegen in der Auftaktepisode sehr nahe beieinander: Während sich Jules und Lowell Hals über Kopf verloben, muss Will (James Van Der Beek) hinnehmen, dass seine Ehe mit Val in die Brüche geht. Will und Bobby sind beste Freunde, gemeinsam betreiben sie eine gynäkologische Praxis und Will findet bei Bobby nach seiner Trennung Unterschlupf. An all diesen Charakteren kann man mit viel Wohlwollen manch positive Charaktereigenschaft finden - bei einer Figur fällt jedoch auch das flach.
Die erfolgreiche, selbstbewusste, Harvard-studierte Managerin Kate (Zoe Lister Jones) will in der Pilotepisode unbedingt beweisen, dass ihr Singledasein nicht ihrer Oberflächlichkeit geschuldet ist. Am Ende verliert sie die Wette. Sie kann einfach nicht darüber hinwegsehen, dass Jimmy (Jason Pace) einen halben Kopf kleiner ist als sie. Bei anderen hatte sie zu beanstanden, dass ihre Genitalien schlecht rochen, sie rote Haare hatten, am ganzen Körper behaart waren oder nur über ein Testikel verfügten.
Auf diesem Niveau bewegt sich der Witz der gesamten Auftaktepisode. Am Ende darf Andi nach einer geplatzten Hochzeitstagsüberraschung die Moral aussprechen: „We just have to face the fact that this is where we are right now. It's not exciting, it's not romantic, it just is what it is.“ Leider können auch diese (sehr simplen) Sätze nicht darüber hinwegtäuschen, dass Moral mit dieser Serie nichts zu tun hat. Hier schafft es eine Gruppe von gut situierten Freunden nicht, dem anderen auch nur einen Glücksmoment zu gönnen. Was daran lustig sein soll, entzieht sich meiner Kenntnis.
Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 3. April 2014(Friends with Better Lives 1x01)
Schauspieler in der Episode Friends with Better Lives 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?