Friedefeld: Kritik zum Start der deutschen Animationsserie

Friedefeld: Kritik zum Start der deutschen Animationsserie

In der ARD Mediathek können wir mit dem Neustart „Friedefeld“ ein spannendes Experiment beobachten: eine Animationsserie aus Deutschland. Nicht nur rein oberflächlich erweist sie sich als erfolgreich, denn die Sitcom trifft auch gut den Zeitgeist.

Ausschnitt aus der Animationsserie „Friedefeld“
Ausschnitt aus der Animationsserie „Friedefeld“
© BR/Little Dream Entertainment

In der Krimiserien-Nation Deutschland sind in den letzten Jahren auch andere Seriengenres salonfähig geworden, wie die Pionierprojekte Dark (Mysteryserie), Hohlbeins - Der Greif (Fantasyserie), Tribes of Europa (Sci-Fi-Serie), Hausen (Horrorserie), Kleo (Actionserie) oder Die Discounter (Comedyserie/Mockumentary) beweisen. Natürlich müssen sie nicht alle restlos überzeugen, aber allein der Versuch ist durchaus mal aller Ehren wert. Wobei eine Nische bislang weitestgehend unerforscht blieb, nämlich die der Animationsserie für Erwachsene. Doch auch das soll sich nun ändern...

Das Regie- und Autorenduo Alfonso Maestro und Tillmann Orion Brehmer hat für den Bayerischen Rundfunk (BR) und den Südwestrundfunk (SWR) den animierten Neustart Friedefeld auf die Beine gestellt, der seit diesem Wochenende in der ARD Mediathek mit der zehnteiligen Auftaktstaffel zur Verfügung steht. Linear im BR gezeigt wird die Ko-Produktion der Häuser brave new work und Little Dream Entertainment mit jeweils fünf Folgen am Stück ab 23.15 Uhr am Donnerstag, den 25. April und 2. Mai.

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Die Geschichte dreht sich um die „halben Drillingen“ Paul (David Kross, „Der Vorleser“), Ludwig (Johannes Lange) und Barbie (Jacqueline Belle), die von drei verschiedenen Frauen am selben Tag zur Welt gebracht und durch die „unfreiwillig-perfekt getimten Verhütungspannen ihres Vaters untrennbar miteinander verbunden wurden“, wie es in der offiziellen Inhaltsangabe heißt. Obwohl sie später alle unterschiedliche Lebenswege eingeschlagen haben, was sich dann wohl doch durch kleinste Variationen im Genmaterial erklären lassen könnte.

So startet die deutsche Animationsserie „Friedefeld“

Paul ist ein Faulpelz und Krypto-Bro, der mit der engagierten Umweltschützerin Berthe (Nora Becker) zusammen ist. Was sie an ihm findet (außer, dass er der Protagonist ist), erschließt sich in der Pilotepisode namens Alles auf E nicht. Das dürfte ein ganz bewusstes Sitcom-Klischee sein, das die Macher hier bedienen - auch, wenn dieses durch die AMC-Satire Kevin Can F*** Himself vor ein paar Jahren eigentlich begraben wurde. Ehrlicherweise kann man auch hier schon ein baldiges Beziehungsende wittern.

Ausschnitt aus der Animationsserie „Friedefeld“
Ausschnitt aus der Animationsserie „Friedefeld“ - © BR/Little Dream Entertainment

Zwei Tropfen lassen das Fass für Berthe überlaufen: Zum einen ist da die Sache mit dem Zusammenziehen. Denn während sie Paul immer wieder anbettelt, endlich bei ihm einziehen zu dürfen, kommt und geht sein Halbbruder Ludwig, wie er gerade will. Ihn kann man als brillanten Lebenskünstler bezeichnen, der jede Woche eine neue Mission findet, wie er die Welt zu einem besseren Ort machen kann. In dieser Episode ist es die Entdeckung einer Weltformel, die er mittels Trap-Rap unter die Leute bringen will.

Der zweite Trennungsgrund geht passenderweise auf Pauls Halbschwester Barbie zurück, bei der es sich tatsächlich um die taffe Topmanagerin eines großen deutschen Automobilherstellers handelt. Sie ist das Feindbild für Berthe, weshalb es ihr umso mehr wehtut, als Paul heimlich einen Greenwashing-Slogan für den Konzern textet, um sich seine digitalen NFT-Sneaker leisten zu können. Er hintergeht alles, woran sie glaubt. Kann er das wieder geradebiegen?

Darum gefällt uns der Serienstart von „Friedefeld“

Zunächst das vermeintlich Einfachste: Die neue deutsche Animationsserie „Friedefeld“ sieht ziemlich gut gemacht aus. Optisch erinnern die Figuren ein wenig an Bob's Burgers oder Central Park, also lange dürre Gestalten ohne sonderlich hervorstechende Merkmale - ein simpler, aber auch solider Stil. Das Voice-Acting überzeugt ebenfalls, zumal man die eigentlich bekannteste Stimme Kross' kaum wiedererkennt. In weiteren Sprechrollen sind übrigens Phil Laude als Franjo, Rajko Geith als Jan, Faye Süßenbach als Gigi und Frank Gustavus als Drillingsvater Gerd zu hören.

Was uns besonders überrascht hat, ist, wie schlau die Serie geschrieben ist. Bei Comedy „Made in Germany“ denkt man oft an die immer selben Witze, die seit Jahrzehnten wiederholt werden. Der Humor scheint hier recht locker; nicht jeder Gag wird mit einer Punchline reingehauen, manchmal geschieht das Ganze entspannt und en passant. Auch fühlt sich „Friedefeld“ eindeutig deutsch an, wobei jedoch das Deutschland der Gegenwart abgebildet wird - nicht etwa die „Hausmeister-Krause“-haftige Spießigkeit der 90er, sondern die Post-Corona-Gesellschaft mit antigrünen Grabenkämpfen und Technologieschüben aus Übersee.

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Eine gute Idee war es sicherlich, die Geschichte in einer mittelgroßen Stadt anzusiedeln, die repräsentativer für das ganze Land sein kann als ein Berlin oder München. Und auch die Autobranche ins Spiel zu bringen, bietet den Autoren jede Menge Angriffsfläche für subversive Kritik. Fraglich bleibt nach der ersten Folge noch, ob uns Paul, Ludwig und Barbie wirklich ans Herz wachsen werden, denn dieser Faktor entscheidet bei Animationsserien maßgeblich darüber, ob man dran bleibt oder nicht. So oder so sind wir glücklich über das geglückte Serienexperiment „Friedefeld“...

Vier von fünf NFT-Sterne!

Hier abschließend noch der aktuelle Trailer zur neuen Serie „Friedefeld“:

Diese Serie passen auch zu «Friedefeld»