Fleishman Is in Trouble 1x01

© Fleishman Is in Trouble
Mit der achtteiligen Miniserie Fleishman Is in Trouble adaptiert die Autorin Taffy Brodesser-Akner ihren eigenen Bestsellerroman von 2019. Für die außergewöhnliche Inszenierung der mehr oder weniger alltäglichen Scheidungsgeschichte zeichnet unter anderem das „Little Miss Sunshine“-Duo Valerie Faris und Jonathan Dayton verantwortlich. Sie haben direkt bei der Auftaktepisode namens „Summon Your Witnesses“ die Regie übernommen. Bei der zweiten Folge, „Welcome to Paniquil“, war derweil Alice Wu („Nur die halbe Geschichte“) verantwortlich. Beide Ausgaben erschienen nun im Doppelpack am Donnerstag, den 17. November.
Auf den ersten Blick der stärkste Anzugspunkt der Serie ist natürlich der namhafte Cast, angeführt von Jesse Eisenberg („The Social Network“, „Zombieland“-Reihe), der den titelgebenden Leberarzt Toby Fleishman spielt. Lizzy Caplan (Masters of Sex) dient derweil als Voiceover-Erzählerin, ist aber auch eine alte Studienfreundin des Protagonisten, weshalb sie aus ihrer persönlichen Meinung keinen Hehl macht. Vor allem zur von Emmypreisträgerin Claire Danes (Homeland) gespielten Exfrau hat sie negative Einstellungen.
Kein Wunder also, dass Rachel sehr kaltherzig rüberkommt. Adam Brody (The OC) ist ebenfalls mit von der Partie.
Obwohl die bloße Inhaltsangabe zur Serie - ein Mann lässt sich scheiden und entdeckt die Welt der Dating-Apps für sich - zunächst eher fad klingen mag, lohnt es sich doch, ein bisschen dranzubleiben. Das Interessanteste ist tatsächlich die Perspektive, denn, nachdem wir jahrzehntelang Geschichten von Männern über Männer erlebt haben, und in der jüngeren Vergangenheit auch vermehrt von Frauen über Frauen, lernen wir diesmal das Leben eines Mannes durch die Linse einer Frau kennen. Und diese Frau (Caplans Libby als Vertreterin für die Autorin selbst) hat einen messerscharfen Blick, der viele frische Facetten erkennen lässt...
Verliebt, verlobt, verheiratet, geschieden
An einigen Stellen spricht die Serie, die sich für so vieles interessiert, nicht nur für den zentralen Scheidungsfall, das Thema Stringtheorie an. Es geht um die Idee, dass alles gleichzeitig geschieht. Und diese Gleichzeitigkeit ist das Grundgefühl, das die absichtlich unfokussierte Inszenierung vermittelt. So steigen wir auch inhaltlich mittendrin ein, denn die Ehe ist bereits zerbrochen. Toby begibt sich schon auf seine Dating-Abenteuer, mit einer schieren Überzahl an attraktiven Damen, dass man auch hier die Glaubwürdigkeit der Erzählperspektive hinterfragen sollte. Zumal der Hauptdarsteller vielleicht ein wenig falsch gecastet wurde - oder auch nicht, das ist pure Geschmackssache.
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Recht objektiv festhalten kann man jedenfalls, dass Caplan in ihrer Rolle ein wahrer Genuss ist. Gleich ab der ersten Szene, in der wir sie nicht nur hören, sondern auch sehen, nimmt die Serie langsam Fahrt auf. Wobei „Fahrt“ hier nur relativ ist, wirklich aufregend wird es nämlich nie, aber man versteht irgendwann den Ton und kann dann gemütlich mitgehen. Später gibt es sogar Rückblenden in die Zeit, als Toby, Libby und der von Brody gespielte Seth noch als Auslandsstudenten in Israel verweilen. Die Chemie der Drei stimmt auch „damals“ schon.
Was ebenfalls erstaunlich gut funktioniert, sind die Szenen, die an Tobys Arbeitsplatz spielen. Stärkere Serien und vor allem starkes Writing erkennt man immer daran, dass auch die vermeintlichen Nebensächlichkeiten mit genauso viel Mühe bedacht werden wie das Herzstück einer Geschichte. Soll heißen: Wenn Toby arbeitet, geht es wirklich um die Arbeit. Wir lernen sogar Einzelheiten über sein Fach kennen, und wir kriegen eine wunderbare Erklärung, warum er sich als Arzt ausgerechnet für die Leber interessiert. Kurz gesagt: Das Entgiftungsorgan verzeiht dem Körper viele Fehler. Sie gibt nicht nur zweite, sondern auch dritte und manchmal sogar vierte Chancen. Und genau das braucht Toby jetzt.
Was immer eine Rolle spielt, ist die Frage, was genau zwischen ihm und Rachel falsch gelaufen ist. Wie gesagt: Man erhält als Zuschauer:in durch die zunächst sehr einseitige Darstellung der Ereignisse den Eindruck, dass die Frau das Problem war. Toby hat zufällig eine herzlose Person geheiratet. Aber kann auch das nicht ganz erklären, warum die erfolgreiche Talentmanagerin einfach so verschwunden ist, ohne eine Spur zu hinterlassen. Das macht sogar den beiden Kindern große Angst, die der Vater kaum besänftigen kann. Ohnehin hat Toby gerade nicht das beste Verhältnis zu ihnen, vor allem zur pubertierenden Tochter, die gern ihr eigenes Handy hätte, was er angeblich aus medizinischen Gründen ablehnt.
Auch diese politischen Prinzipien sind fester Teil des Gesichts des modernen Mannes, der in der Serie porträtiert wird. Am lustigsten ist dabei die Szene, als Toby seine Kinder in die Hamptons fährt, wo sie das Wochenende in einer Ferienvilla verbringen. Doch bevor sie eintreten, sagt er ihnen, dass sie ihre Privilegien nicht für selbstverständlich halten dürfen. Ein bisschen obligatorische Kapitalismuskritik gehört auch dazu. Aber das Ganze wirkt für Toby eher wie ein Coping-Mechanismus dafür, dass er weniger Geld verdient als seine Frau, was ihn als modernen Mann natürlich gar nicht kümmert...
Fazit
Es ist gar nicht so leicht, den Finger draufzulegen, was die Serien-Adaption Fleishman Is in Trouble auszeichnet. Die Story selbst ist sicher nicht, warum man dranbleibt. Und auch die Figuren sind keine schillernden Sympathieträger (außer der Charakter von Lizzy Caplan vielleicht). Die Inszenierung - mit den Kopfüberaufnahmen der Bauten von Manhattan wie auf dem Buchcover - sticht schon deutlicher hervor, genauso wie der Erzählstil, der eben eine seltsame Gleichzeitigkeit und Meinung erkennen lässt.
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Das wirklich Einzigartige ist der Blickwinkel von Brodesser-Akner, den die Autorin schon so erfrischend in die literarische Vorlage einfließen ließ. Auch die Tatsache, dass die Serie immer wieder ihren eigenen Fokus verschiebt, sorgt dafür, dass es selten langweilig wird. Jeder dürfte irgendeinen Aspekt im Leben des Toby Fleishman finden, der einen interessiert oder sogar auf persönliche Resonanz stößt. In den USA lief das vom Kabelsender FX beauftragte Format zuerst beim Streamingservice Hulu an, wo zum Jahresende das Finale erwartet werden kann. Hierzulande wirkt eine Deutschlandpremiere bei Disney+ wahrscheinlich (Genaueres weiß man leider noch nicht).
Von uns gibt es daher vier von fünf Lebern.
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Scheidungsserie „Fleishman Is in Trouble“ bei Disney+:
Verfasser: Bjarne Bock am Dienstag, 22. November 2022Fleishman Is in Trouble 1x01 Trailer
(Fleishman Is in Trouble 1x01)
Schauspieler in der Episode Fleishman Is in Trouble 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?