Flashpoint 5x13

Flashpoint 5x13

Am vergangenen Donnerstag ist in Kanada die fĂŒnfte und letzte Staffel der Polizeiserie Flashpoint zu Ende gegangen. Ein Abschied genau zum richtigen Zeitpunkt und mit einem fulminanten Schlussakkord.

Der Cast von „Flashpoint“ in der fĂŒnften und letzten Staffel. / (c) CTV
Der Cast von „Flashpoint“ in der fĂŒnften und letzten Staffel. / (c) CTV

Zum Abschluss hat es Flashpoint einmal richtig krachen lassen. Das zweiteilige Serienfinale Keep the Peace - Part 1 / Keep the Peace - Part 2 war fĂŒr die Serie insofern ungewöhnlich, da man sich sonst viel eher auf die „alltĂ€glichen“ EinsĂ€tze des Sondereinsatzkommandos SRU konzentriert hat. Das Szenario, mit dem die Spezialpolizisten im Serienfinale konfrontiert werden, ist dagegen ganz und gar außergewöhnlich - und erinnert einen vom Zuschnitt und von der Dimension der Geschichte her eigentlich mehr an 24. Ein Terrorist zĂŒndet Bomben in verschiedenen HochhĂ€usern Torontos - und löst damit in der Stadt Chaos und Panik aus. Es ist das Äquivalent zum 11. September oder einem anderen katastrophenhaften Terrorakt, welches hier durchgespielt hat.

Und das Team One steckt mitten drin: WÀhrend Greg Parker (Enrico Colantoni) und seine Leute versuchen, die Bomben zu finden und zu entschÀrfen, sind sie zugleich auch auf der Suche nach dem Verantwortlichen.

Ohnmacht

Vor allem der erste Teil des Finales ist von einer geradezu beklemmenden Spannung: Erst der Bombenfund in der Notrufzentrale der Stadt, dann die erfolgten Bombenexplosionen in verschiedenen GebÀuden der Stadt - all das lÀsst die Mitglieder der SRU genau so hilflos und ohnmÀchtig aussehen wie alle anderen. Sie wissen nicht, wer dahinter steckt. Und sie wissen nicht, was noch alles passieren wird. Alles, was sie zunÀchst tun können, ist, bei der Bergung und Rettung der Opfer mitzuhelfen.

Das Team wird hier mit einer grĂ¶ĂŸeren Herausforderung konfrontiert als je zuvor. Ein Szenario, fĂŒr das es kaum ein realistisches Training gibt. Was tun, wenn eine ganze Stadt das Ziel eines Terrorangriffs ist? Wenn man nicht weiß, wie es um die eigenen Liebsten steht? Es ist ein noch nie dagewesener Druck, unter dem das Team steht. Unter diesen UmstĂ€nden fĂ€llt es gar nicht so leicht, sich an Regeln, Vorschriften und Protokolle zu halten, wie es das Team sonst tut. Sam (David Paetkau) lĂ€sst sich fast zu einem tödlichen Heldenakt hinreißen. Und selbst Parker hört, getrieben von der Sorge um das Team Drei, nicht auf die Anordnungen der Feuerwehr - und bringt sich selbst damit in akute Gefahr.

Profis, keine DraufgÀnger

Letztlich unterstreicht die Serie damit jedoch nur einen Punkt, den sie in den letzten vier Jahren immer wieder erzĂ€hlt hat: die Bedeutung der ProfessionalitĂ€t. In anderen Serien besteht die Konfliktlösung hĂ€ufig darin, dass sich Figuren nicht an die ihrem Berufsbild gemĂ€ĂŸen Regeln und Vorschriften halten. Sie folgen ihrem Instinkt, einem BauchgefĂŒhl - und das bringt die Lösung. Flashpoint - und das ist fast ein Alleinstellungsmerkmal der Serie - verkehrt das ins genaue Gegenteil „28511“. Die Figuren halten an ihrem professionellen Verhaltenscode fest, auch wenn es gegen jeden Instinkt spricht. Genau daraus resuliert gerade das Drama: dieser Belastung Tag fĂŒr Tag standzuhalten. Das wurde in Broken Peace, der Eröffnung der fĂŒnften Staffel, deutlich, als Ed (Hugh Dillon) das MĂ€dchen erschießt, obwohl das BauchgefĂŒhl, welches Raf (Clé Bennett) spĂ€ter in der Team-Besprechung artikuliert, einem eigentlich gesagt hĂ€tte, sie gewĂ€hren und ihren gewalttĂ€tigen Vater erschießen zu lassen.

Doch Ed hat natĂŒrlich völlig Recht, wenn er sagt: „Wir suchen uns nicht aus, welchen Regeln wir folgen und welchen nicht. Das machen die Bad Guys.“ Das Team kann nur als Team funktionieren, wenn sich alle an die vereinbarten Verfahrensweisen halten. FĂŒr heldenhafte AlleingĂ€nge und Extratouren ist in Flashpoint kein Platz. Damit setzt sie sich wohltuend von vielen anderen Krimi- und Actionserien ab. Und ist doch nicht minder spannend.

Keep the Peace - Part 1 treibt diesen Punkt auf die Spitze, als Ed Donna (Jessica Steen) von den TrĂŒmmern abzieht, unter denen vermutlich sein Sohn liegt, damit sie der in diesem Augenblick fĂŒr das Allgemeinwohl wichtigeren Spur des TĂ€ters folgt. Die Priority of Life, die in der Serie schon verschiedentlich thematisiert wurde, wird hier bis in die letzte Konsequenz durchgehalten.

Wer ist der NĂ€chste?

Der zweite Teil des Finales kann mit dem ersten nicht ganz mithalten, was vor allem daran liegt, dass nach Donnas Tod am Ende von Teil 1 die Autoren etwas zu viel Zeit damit verbringen, das Spiel zu spielen „Na, wer wird wohl als NĂ€chster sterben?“. Dieses Teasing ist stellenweise ein bisschen zu offensichtlich. Als Zuschauer ist man versucht zu rufen: „Ja, wir wissen, es ist Eure letzte Folge, Ihr könntet jeden von ihnen sterben lassen. Das mĂŒsst Ihr jetzt nicht so dick auftragen!

Trotzdem ist das Finale, in dem Parker fast umzukommen scheint, natĂŒrlich schon sehr spannend und vor allem spektakulĂ€r aufgezogen. Wie er die schmutzige Bombe zu entschĂ€rfen versucht, wĂ€hrend er gleichzeitig mit dem Bombenleger in eine Schießerei verwickelt ist - und dabei nicht von einer, nicht von zwei, sondern von drei Kugeln getroffen wird und trotzdem mit dem EntschĂ€rfen weitermacht, ist schon sehr cool - und gibt Enrico Colantoni die Gelegenheit, sich zum Abschluss mal als richtiger bad ass zu zeigen. Über 70 Folgen hinweg hat Parker sich durch psychologisch knifflige Verhandlungen und GesprĂ€che aus der AffĂ€re gezogen. Hier hat er es jedoch mit einem Gegner zu tun, der gegen jede Psychologie immun ist. Und so muss Parker in diesem Fall Pistolenkugeln sprechen lassen.

BittersĂŒĂŸ

Das Ende von Keep the Peace - Part 2 lĂ€sst sich wohl am besten als bittersĂŒĂŸ beschreiben. Team One kommt ein Jahr nach den BombenanschlĂ€gen auf Toronto noch einmal im alten Besprechungsraum zusammen. Wir sehen viele Happy Ends: Sam und Jules (Amy Jo Johnson) sind Eltern geworden; Mike (Sergio Di Zio) hat es geschafft, Winnie (Tattiawna Jones) herumzukriegen; und natĂŒrlich am wichtigsten: der Boss ist noch am Leben - und offenbar glĂŒcklich mit Marina (Sonya Salomaa) liiert. Zugleich ist es aber auch ein sehr trauriger Moment: Das Team One, so wie wir es kannten, gibt es nicht mehr. Ist nur noch eine Erinnerung an der Fotowand. Und doch ist es auch eine sehr schöne Art zu gehen: Die Geschichte von Team One ist abgeschlossen und nun beginnt fĂŒr die Figuren ein neues Kapitel. Es ist eine gelungene Mischung aus Abschluss und Neuanfang, welche den Zuschauer traurig, aber nicht am Boden zerstört (wie es etwa beim Tod des Teams der Fall gewesen wĂ€re) zurĂŒcklĂ€sst.

Dem Rezensenten sind am Ende ein paar TrĂ€nen in die Augen geschossen, was ein sehr gutes Zeichen ist. Ein Zeichen dafĂŒr, dass Flashpoint genau zum richtigen Zeitpunkt gegangen ist, so lange die Serie noch nicht zu verbraucht war, so dass man bei ihrem Ende nur noch „Endlich!“ geseufzt hĂ€tte. Die Serie hat die Geschichten, die sich in ihrem thematischen Rahmen erzĂ€hlen ließen, erzĂ€hlt und ist nicht wegen fallender Einschaltquoten, sondern nach reiflicher Überlegung der Autoren und Produzenten aus eigenem Entschluss zum Ende gebracht worden. Einen besseren und wĂŒrdigeren Abgang kann man sich fĂŒr eine Serie nicht wĂŒnschen.

Fazit

Auf dem heimischen Markt ein anhaltender Erfolg und zugleich ein internationaler Verkaufsschlager: Mit Flashpoint haben die Kanadier eindrucksvoll bewiesen, dass sie Procedurals auf US-Niveau produzieren können. Inhaltlich hat sich die Serie dabei jedoch stets vom US-amerikanischen „Erst schießen, dann Fragen stellen“ und dem damit einhergehenden DraufgĂ€ngertum abgegrenzt und stattdessen eine dezidiert kanadische („Keep the Peace!“) Ausrichtung gefunden. Damit hat Flashpoint ein Beispiel gegeben, welches ĂŒber die Grenzen Kanadas hinaus Vorbildcharakter hat.

Verfasser: Christian Junklewitz am Sonntag, 16. Dezember 2012
Episode
Staffel 5, Episode 13
(Flashpoint 5x13)
Deutscher Titel der Episode
Den Frieden bewahren (2)
Titel der Episode im Original
Keep the Peace - Part 2
Erstausstrahlung der Episode in Kanada
Donnerstag, 13. Dezember 2012 (CTV)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 22. April 2013

Schauspieler in der Episode Flashpoint 5x13

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