FlashForward 1x22

FlashForward 1x22

Nach nur einer Staffel ist in den USA am Donnerstag die SciFi-Serie FlashForward zu Ende gegangen. Einen Abschluss hat die Serie nicht gefunden, die Finalfolge endet mit einem Cliffhanger. Trotzdem war der Abschied gelungen, findet Serienjunkies-Redakteur Christian Junklewitz.

Inhalt

Niemand kann seinem Schicksal entkommen. Aber das Schicksal ist nicht immer das, womit wir gerechnet haben. Selbst wenn wir meinen, unser Schicksal zu kennen. Auf diese Formel könnte man wahrscheinlich die letzte Folge von FlashForward herunterbrechen.

Die Figuren landen zwar alle dort, wo sie sich in ihrem FlashForward gesehen haben. FĂŒr die meisten bringt der Moment, in dem ihre Vision eintritt, jedoch eine Überraschung mit sich: Wie zum Beispiel fĂŒr Lloyd Simcoe. Er schafft es zwar, Olivia zu ĂŒberreden, dass sie gemeinsam in ihr Haus fahren. Dort angekommen ist es jedoch nicht er selbst, sondern sein autistischer Sohn Dylan der die entscheidende Formel mit Lippenstift an den Spiegel schreibt.

Nicole hat miterleben mĂŒssen, wie sich Bryce nach ihrem GestĂ€ndnis doch fĂŒr Keiko entscheidet und zu dem japanischen Restaurant aufbricht. Sie selbst hat kurze Zeit spĂ€ter einen Autounfall, durch den sie in einem Fluss landet. Dabei stellt sich heraus: Der Mann, von dem sie glaubte, dass er sie umbringen wolle, ist in Wahrheit ihr Retter. Kleine, aber entscheidende Nuancen, die von unserer Erwartung abweichen.

Oder auch tatsÀchlich anders eintreten. Wie bei Janis, die ein Ablenkungsmanöver geschickt mit einem dringend benötigten Besuch im Krankenhaus kombiniert - und dort jenes Ultraschall bekommt, welches sie in ihrem FlashForward gesehen hat. Nur dass es in der eingetretenen RealitÀt ein Junge und kein MÀdchen ist.

FĂŒr FBI-Direktor Wedeck ist die VerĂ€nderung vor allem eine Wiederherstellung seiner WĂŒrde: Zwar landet er wieder auf der Toilette. Diesmal jedoch nicht mit einer Zeitung, sondern mit seiner Dienstwaffe - und macht in cooler Pose böse Jungs nieder. Denn das FBI-GebĂ€ude ist nach mehreren Bombenfunden evakuiert worden. Einzig der von Wedeck gerade aus dem Knast befreite Mark Benford stĂŒrmt zurĂŒck ins GebĂ€ude, um die Arbeit an seiner Pinnwand fortzusetzen. Doch Hellinger schickt ihm mit einem Kopfnicken eine Gruppe als BombenentschĂ€rfer maskierte AttentĂ€ter hinterher.

Benford zieht die FÀden an seiner Pinnwand so, wie es Gabriel begonnen hat. Und erhÀlt dadurch den Hinweis, dass der nÀchste FlashForward weniger als eine Viertelstunde entfernt ist. Und es gibt einen ganzen Haufen AttentÀter, den er vorher erst mal kalt stellen muss. Und dann sind da auch noch die Bomben im GebÀude.

Auch Simon und Demetri haben inzwischen mitbekommen, dass ein neuer FlashForward ansteht. Es ist ihnen zwar gelungen, in Simons altes Labor vorzudringen, wo Simon die gesuchten Hinweise gefunden hat, die sie zu den HintermĂ€nnern der FlashForwards fĂŒhren könnten. Gleichzeitig haben diese HintermĂ€nner jedoch in Simons Apparaturen eine Fernsteuerung eingebaut. Der Teilchen-Beschleuniger nimmt seine Arbeit auf. Simon kann es nicht stoppen, er kann nur seinen Ring anlegen, bevor es wieder passiert.

Der zweite globale Blackout setzt ein. Ein KĂ€nguruh hĂŒpft ĂŒber die Straße. Und das FBI-GebĂ€ude explodiert. Hat es Mark Benford rechtzeitig geschafft herauszukommen? Wir wissen es nicht. Wir sehen lediglich in einem der FlashForwards, wie eine deutlich Ă€ltere Charlie jemandem erzĂ€hlt, dass sie „ihn“ gefunden haben...

Kritik

Keine Frage: FĂŒr die Zuschauer ist das wohl die Ă€rgerlichste Art, wie man eine Serie zu Ende gehen lassen kann. Mit einem offenen Cliffhanger. Beziehungsweise gleich mehreren. Denn aufgelöst wurde in Future Shock so gut wie gar nichts: Wir wissen nicht, wer hinter den FlashForwards steckt. Oder was ihr eigentlichen Ziel ist. Wirtschaftliche und/oder politische Interessen? Alles ist mal angedeutet, aber nicht aufgelöst worden.

Was hat es mit dem Intervall auf sich, in dem sich FlashForwards ereignen bzw. ereignen können? DafĂŒr gab es möglicherweise eine ErklĂ€rung. Aber ganz ehrlich: Selbst Zuschauern, die dem Techno-Babble von Science-Fiction-Serien gegenĂŒber aufgeschlossen sind, dĂŒrften Schwierigkeiten gehabt haben, den AusfĂŒhrungen von Lloyd Simcoe zu diesem Thema (nicht nur im Laufe dieser Folge, sondern eigentlich wĂ€hrend der gesamten Serie) zu folgen.

Ebenfalls ungeklĂ€rt ist das weitere Schicksal der Figuren: Spricht Charlie im FlashForward wirklich von ihrem Vater? Heißt das, dass Mark jetzt Jahre ĂŒber verschwunden bleibt? Und was ist mit Janis? Wir sehen nur, wie sie von Hellingers Assistentin aus dem Krankenhaus entfĂŒhrt wird.

So viele offene Fragen. Und keine Antworten. ABC hat FlashForward den Stecker zu einem so spĂ€ten Zeitpunkt gezogen, als es nicht mehr möglich war, die Serie mit einem runden Ende aufzulösen. Schließlich war die Serie, wie es heißt, auf einen fĂŒnfjĂ€hrigen Handlungsbogen angelegt. DafĂŒr findet man in 45 Minuten nicht mal eben den Knoten, der alles wieder zusammenbindet.

Nicht nur Ă€rgerlich, sondern wirklich traurig ist ja, dass die Serie genau in dem Augenblick eingestellt wurde, als sie anfing richtig gut, das heißt spannend zu werden. Das Drehbuch der Finalfolge, welches sĂ€mtliche Figuren an den Ort ihres FlashForwards bringt, der jeweiligen Situation jedoch fast durchweg einen neuen Spin gibt, ist genial konstruiert - und macht große Lust auf mehr. Genial ist das Buch vor allem deshalb, weil es der Staffel dadurch sehr gekonnt eine Zirkelstruktur verleiht (vom FlashForward bis zu dessen ErfĂŒllung), was die Frustration des offenen Endes deutlich abmildert.

Gleichzeitig sind jedoch auch im Finale noch deutlich die Spuren jenes melodramatischen Erbes zu beobachten, welches die Serie in der ersten HĂ€lfte der Staffel so belastet und gebremst hat: Allen voran der Handlungsstrang um Bryce und Nicole. Da haben uns die Autoren die beiden jetzt ĂŒber mehrere Folgen erfolgreich als ein Paar verkauft, fĂŒr das man sogar langsam Sympathien hegen konnte, da lĂ€sst Bryce sie im Stich, um unbedingt die Frau aus seinem FlashForward zu treffen - und ĂŒberlĂ€sst Nicole derweil ihrem ungewissen Schicksal. Wenn er glaubt, dass die FlashForwards tatsĂ€chlich wahr werden, dann gilt das ja schließlich auch fĂŒr ihren FlashForward.

Das wĂ€re nun kein Problem, wenn uns die Autoren Bryce als Mistkerl zeigen wollten. Das ist aber offensichtlich gar nicht ihre Absicht. Denn sie bemĂŒhen sich ja schon redlich, so etwas wie romantische Magie in dem Handlungsfaden um ihn und Keiko aufkommen zu lassen. Diese Magie kann jedoch nicht entstehen, so lange wir als Zuschauer denken mĂŒssen, dass sich Bryce vollkommen falsch verhĂ€lt.

Vielleicht wÀre es besser gewesen, sich von Figuren, die so rein gar nichts zur Haupthandlung beitragen, beizeiten zu trennen. Andererseits hÀtte man das möglicherweise auch von Aaron und seiner Tochter gedacht. Nur dass die beiden ja, wie wir noch einmal deutlich in Countdown gesehen haben, sehr wohl in die Haupthandlung involviert sind.

Fazit

Die Fehler, die zu Beginn der Serie gemacht wurden ###news0###, haben sich böse in den Einschaltquoten gerĂ€cht. Das ist wirklich schade. Denn zuletzt war FlashForward eine sehr spannende SciFi-Serie, die es absolut verdient gehabt hĂ€tte, eine Fortsetzung zu finden. Das Ende war (u.a. mit der Explosion des FBI-GebĂ€udes) Ă€hnlich spektakulĂ€r wie der Auftakt - und hat dem Zuschauer wenigstens das GefĂŒhl gegeben, dass die Serie auf einem (kreativen) Höhepunkt geschlossen hat.

Als jemand, der unbedingt erfahren will, wie sich das Ganze (jedenfalls annÀherungsweise) auflöst, hab ich mir gleich nach Sichtung des Finales den Roman von Robert J. Sawyer bestellt.

Verfasser: Christian Junklewitz am Samstag, 29. Mai 2010
Episode
Staffel 1, Episode 22
(FlashForward 1x22)
Deutscher Titel der Episode
Die Zukunft passiert
Titel der Episode im Original
Future Shock
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 27. Mai 2010 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 5. Juli 2010
Autoren
Timothy J. Lea, Scott M. Gimple
Regisseur
John Polson

Schauspieler in der Episode FlashForward 1x22

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?