Flack: Review der Pilotepisode

© zenenbild aus „Flack“ (c) Pop
Kennen gelernt hatten sich Anna Paquin und Stephen Moyer am Set von True Blood. Nun haben sie die gemeinsame Dramedyserie Flack ins Leben gerufen, die von der Publizistin Robyn handelt und ihre düstere, durch schwarzen Humor angereicherte Geschichte in London erzählt. Die von Paquin dargestellte Publizistin kümmert sich in ihrem Alltag um die kleinen und großen Laster ihrer Klienten, dabei sieht ihr eigenes Privatleben mehr als brüchig aus.
Mit einer starken, jedoch nicht ansatzweise einer Heldin gleichenden Frauenrolle kann „Flack“ die Zuschauer von der ersten Sekunde an in seinen Bann ziehen. Auf sechs Episoden der vom Sender Pop veröffentlichen Serie dürfen sich künftige Fans freuen.
It's just sugar, honey
Wenn die ersten Sekunden einer Pilotepisode von Stöhnen erfüllt sind und feststeht, dass die Schauspielerin Anna Paquin, die bereits aus True Blood für Szenen mit viel Haut bekannt ist, die Hauptrolle übernimmt, weckt das erst mal Erwartungen, die den Zuschauer vor den Bildschirm fesseln könnten. Wenn die Sexszene jedoch gar keine ist und sich dann auch noch als Wiederbelebungsversuch herausstellt, ist der spannende Einstieg schon mal gelungen.
Robyn muss den Prostituierten ihres Klienten und Fußballstars Patrick Andrews (Lloyd Everitt) wiederbeleben, nachdem der Drogenkonsum der beiden Überhand genommen hatte. Zum Glück behält sie einen kühlen Kopf und kann nicht nur beide vor einer Überdosis bewahren, sondern auch noch einen größeren PR-Skandal für den Prominenten abwenden. Da ist es besser, die Drogen zu konfiszieren und selbst erst mal eine Nase zu ziehen. Als fester Anker in ihrem Leben dient Robyn ihre Schwester Ruth (Genevieve Angelson), die mit ihrem geregelten Alltag, Ehemann und Kindern ein solides Leben führt. Da wird Robyns Päckchen Koks vor den Kindern auch schnell mal als Zucker ausgegeben.

Nach außen hin setzt Robyn stets ein Lächeln auf, die Fassade aufrechtzuerhalten ist schließlich ihr Job. Dieser beinhaltet auch die Betreuung der neuen und ziemlich naiven Praktikantin Melody (Rebecca Benson), deren unschuldige Art einen harten Kontrast zur rücksichtslosen PR-Szene bietet. Robyn bekommt zudem den berühmten Kochbuchautor Anthony Henderson (Max Beesley) zugewiesen, dessen regelmäßige Affären sein Image als treuen Familienvater gefährden. Ihre Kollegin Eve (Lydia Wilson) warnt sie sogleich vor: Dieser Mann schläft auch gern mit seinen Angestellten...
Der Schein trügt
Robyn ist das lebende Pendant zu ihrer Arbeit. Ihr äußerliches Erscheinungsbild und ihre Professionalität lenken gerne davon ab, dass sie eigentlich nicht ohne Kokain durch den Tag kommt, trotz starker Persönlichkeit mit ihrem Klienten schläft und ihrem Lebenspartner Sam (Arinzé Kene) vorgaukelt, ein Kind zu wollen, während sie gleichzeitig die Pille nimmt. Als sich die ersten Makel der starken Frau, die Anna Paquin grandios verkörpert, abzeichneten, kam bei mir zuerst Enttäuschung auf. Wie kann ein so sympathischer Charakter sein Leben dermaßen in den Sand setzen? Bis ich schließlich zu der Einsicht gelang, dass ihre menschliche und gebrochene Persönlichkeit um einiges interessanter und vielschichtiger ist und viel mehr Spielraum für den Verlauf der Story bietet. Themen wie Vergewaltigung, Belästigung und die Rolle der Frau, die immer noch mehr den gesellschaftlichen Zwängen unterliegt als ihr männliches Gegenstück, kommen dabei sowohl auf tiefgründiger als auch auf humoristisch-makaberer Ebene zur Sprache.
Die Episode Anthony punktet währenddessen durch ihre Konstruktion der Ereignisse, die Stück für Stück Aufschluss über die facettenreiche Person Robyns gibt und dabei die Komplexität der fehlerhaften menschlichen Natur nicht außer Acht lässt. Wie sie so geworden ist? Ihr Leben lang musste sie sich über die psychischen Probleme ihrer Mutter Sorgen machen. Nach deren Selbstmord fürchtet sie nun, dass sie das gleiche Schicksal ereilt.
Doch auch, wenn die Publizistin ihr Privatleben mehr schlecht als recht auf die Reihe bekommt, kann sie immerhin im Job ihr Talent unter Beweis stellen. Die Dramedy behandelt den Bereich Öffentlichkeitsarbeit dabei sehr kritisch, indem sie zeigt, wie scheinheilig ebendiese unter Umständen mit der Wahrheit umgeht. Letztendlich ist jeder käuflich, es braucht nur den richtigen Preis...

Fazit
Die neue Dramedy „Flack“ ist für jeden etwas, der eine Geschichte verfolgen will, die zum Denken anregt und sich selbst trotz ihrer Tiefgründigkeit nicht zu ernst nimmt. Gut getarnte Plottwists sorgen dabei regelmäßig für einen abwechslungsreichen und mitreißenden Verlauf, dessen Authentizität auch durch die glaubhafte Darstellung der Schauspieler unterstützt wird. Bitte weiter so!
Hier abschließend noch der Trailer zur Episode Anthony der Serie Flack (1x01):