The First Lady: Review der Pilotepisode

The First Lady: Review der Pilotepisode

Die oberflächliche Anthologieserie The First Lady verschwendet das enorme Talent von Viola Davis, Michelle Pfeiffer und Gillian Anderson. Der Neustart von Showtime bringt keine nennenswerten neuen Einblicke in das Weiße Haus.

Viola Davis in der Serie The First Lady (c) Showtime
Viola Davis in der Serie The First Lady (c) Showtime
© iola Davis in der Serie The First Lady (c) Showtime

Die neue Showtime-Serie The First Lady ist ein Paradebeispiel dafür, was passiert, wenn man an alles denkt, außer an ein gutes Drehbuch, mit dem ja eigentlich alles losgeht. Das Anthologieformat, das in seiner zehnteiligen Auftaktstaffel die US-Präsidentengattinnen Michelle Obama, Betty Ford und Eleanor Roosevelt ins Zentrum stellt, war als Idee wohl so verlockend, dass über die genaue Umsetzung allem Anschein nach nicht groß nachgedacht wurde. So bleibt das Ganze so sehr an der biografischen Oberfläche und emotional so distanziert, dass man sich genauso gut die Wikipedia-Artikel der drei Damen durchlesen kann (über die die meisten von uns sowieso schon genug wissen).

Schade ist vor allem, dass so achtlos mit dem seltenen Talent der drei Hauptdarstellerinnen Viola Davis (How to Get Away with Murder), Michelle Pfeiffer („Scarface“, „Batmans Rückkehr“) und Gillian Anderson (Sex Education, The Crown, The X-Files) umgegangen wurde. Nur Pfeiffer scheint halbwegs frei aufspielen zu können, was vermutlich daran liegt, dass ihre First Lady Betty Ford noch am interessantesten geschrieben wurde (zudem ist ihr Kostüm etwas dezenter).

Die Inszenierung der dänischen Emmypreisträgerin Susanne Bier (The Undoing, The Night Manager) wirkt dem sichtbar hohen Produktionsbudget angemessen. Trotzdem greifen die vielen Einzelteile bei „The First Lady“ in der knapp einstündigen Auftaktepisode, That White House (1x1), fast nie richtig ineinander. Die Schuld liegt beim Skript, dem es vor allem an intelligenten Brücken zwischen den drei nebeneinander ablaufenden Zeitebenen mangelt. Kreiert wurde das Format vom routinierten Produzenten, aber noch eher unerfahrenen Autor Aaron Cooley.

Worum geht's?

Jede der drei Damen hat zu ihrer Ära einen eigenen Konflikt, wenngleich alle auf dieselbe Ursache zurückzuführen sind: der Job ihrer Gatten. In den frühen 2000er Jahren hadert Michelle Obama (Davis) überhaupt mit der Kandidatur ihres Mannes Barack (O. T. Fagbenle), die für die gesamte Familie mit großen Umstellungen verbunden ist. Der smarte Juniorsenator aus Chicago ist nicht zufällig der Erste im Bewerberfeld, der vom Secret Service unter Schutz gestellt wird. Auch für die zwei kleinen Töchter ist es zunächst ein Schock, als plötzlich das Haus von Männern in schwarzen Anzügen umringt wird.

Die Dynamik zwischen dem Obama-Ehepaar läuft genau, wie man es sich klischeemäßig ausmalen würde: Er missversteht ihre Sorge als eine Art Eifersucht, dass sie ihm seinen Erfolg nicht gönnen würde - bis sie sich schließlich beide hinter die historische Bedeutung seines möglichen Sieges stellen. Michelle wirkt bei all dem absolut souverän und dadurch wieder unnahbar, was eine solche Serie, die sie von ihrer persönliche Seite zeigen will, eigentlich überwinden sollte. Barack Obama kommt hingegen wie ein alberner Kindskopf rüber, zumal Fagbenle in meinen Augen keine Glanzleistung bietet. Es ist aber auch schwer, Personen zu spielen, die wir alle noch so klar vor Augen haben.

Michelle Pfeiffer in The First Lady
Michelle Pfeiffer in The First Lady - © Showtime

Dieses Problem haben Pfeiffer und Aaron Eckhart („The Dark Knight“, „Olympus Has Fallen“) als Ehepaar Ford nicht. Auch wird Betty nicht ganz so übermenschlich dargestellt wie Michelle Obama, was sie zu einer viel spannenderen Figur macht. Sie ist eine liebende und auch lustige Mutter und eine überaus unterstützende Ehefrau, die sich jederzeit schützend vor ihren Gerry werfen würde, der politisch von niemandem richtig ernst genommen wird. Gleichzeitig hat Betty ihre ganz eigenen Probleme, darunter ihre Alkoholsucht, die schon früh durchscheint. Anfang der 1970er erlebt sie außerdem den Sexismus noch in seiner schlimmsten Form, genauso wie die reißerischen Medien.

Von solchen Dingen weniger betroffen scheint paradoxerweise Eleanor Roosevelt (Anderson), obwohl ihre Erzählung noch mal fünfzig Jahre früher beginnt. Ihr Mann Franklin, gespielt vom 24-Star Kiefer Sutherland, kriegt damals seine niederschmetternde Poliodiagnose. In diesem Moment ist völlig unvorstellbar, dass er ab 1933 zum wichtigsten US-Präsidenten des 20. Jahrhunderts werden wird. Die Serie erklärt uns, dass er diesen Erfolg vor allem seine tapferen Frau zu verdanken hat, die wirklich als enorm einflussreich galt. Hier liegt die Tragik jedoch darin, dass er ihr keinen offiziellen Regierungsposten einräumt, sondern sie mit dem Titel „First Lady“ abspeist, der für sie völlig bedeutungslos ist.

Wie ist es?

Alle drei Lebensgeschichten in The First Lady setzen also viele Jahre vor der eigentlichen Zeit im Weißen Haus an, obwohl wir auch schon zu sehen kriegen, wie Michelle und Barack von den Bushs zur Amtsübergabe 2008 empfangen werden. Hier läuft vieles durcheinander, und es kommen auch noch Rückblicke in die Kindheit der Titelheldinnen dazu. Gerade deshalb wären verbindende Elemente wichtig gewesen, clevere Übergänge, die die zeitliche Distanz überwinden. So fühlt sich das Ganze sehr chaotisch an - und weil die meisten Szenen keine allzu großen Erkenntnisse bringen, irgendwie belanglos.

Auch hat es einen Beigeschmack, dass der Blickwinkel der Showtime-Serie tatsächlich der zu sein scheint, dass hinter jedem großen Mann eine große Frau steht. Das mag eine progressive Heldengeschichte für ältere Generationen gewesen sein, doch heutzutage sind wir eigentlich schon etwas weiter (könnte man zumindest meinen). Es gäbe ja auch historische Stoffe von Frauen, die selbst Präsidentin werden wollten. Man denke nur an Victoria Woodhull, die sich schon 1873 bewarb, oder an Shirley Chisholm als erste schwarze Kongressabgeordnete Ende der 1960er.

Wer sich ein sehenswertes filmisches Porträt einer First Lady wünscht, sollte lieber einen Blick in das brillante Pablo-Larrain-Werk „Jackie“ aus dem Jahr 2016 werfen. Ohne ständige Sprünge wie bei „The First Lady“ wird Natalie Portman dort reichlich Platz gegeben, um ganz neue Facetten der ebenfalls so berühmten Jackie Kennedy zu zeigen. So was hätte man sich auch für Michelle Obama, Betty Ford und Eleanor Roosevelt gewünscht.

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Hier abschließend noch der Trailer zur nun gestarteten Showtime-Serie The First Lady:

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