Firefly Lane 1x10

© irefly Lane (c) Netflix
Worum geht's in Ich bin immer für dich da?
Tully Hart (Katherine Heigl, Grey's Anatomy) und Kate Mularkey (Sarah Chalke, Scrubs) sind seit ihrer Jugend die besten Freundinnen. Die beiden Frauen, die nicht unterschiedlicher sein könnten, haben schon so alles Mögliche miteinander erlebt und durchgestanden. Dabei erzählt die Serie die Geschichte ihrer Freundschaft verteilt auf drei Handlungsebenen: ihrer Jugend (dem Beginn ihrer Freundschaft), ihrem gemeinsamen Berufseinstieg und ihr jetziges Leben in ihren Mittvierzigern. Es wird auch immer wieder ein kurzer Blick auf die Zukunft ihrer Freundschaft geworfen, die eher düstere Ausmaße annimmt.
Was passiert in der 1. Staffel der Netflix-Serie?
Tully (Ali Skovbye) und Kate (Roan Curtis) lernen sich in ihrer Jugend, in den 70ern, kennen, als Tully zusammen mit ihrer drogensüchtigen Hippie-Mutter Cloud (Beau Garrett) in die gleiche Straße wie Kate zieht - die Firefly Lane. Nach ersten Abneigungen aufgrund ihrer großen charakterlichen Unterschiede, freunden sich die beiden miteinander an: Tully ist ein energischer und euphorischer Wirbelwind, der sehr beliebt ist, aber auch sehr egozentrisch sein kann. Kate ist hingegen eine zielstrebige, schüchterne Streberin, die sich schwer tut Freundschaften zu schließen. Ihre Freundschaft entsteht, nachdem Tully völlig verstört von einer Party zurückkehrt. Auf dieser wurde sie von ihrem Date vergewaltigt, da sie es „selbst so wollte“ und auch einen Rock trägt, der es schwer machen würde, zu widerstehen - so ihr Date.
Ihre Freundschaft wird immer stärker und auch doofe Kommentare von Mitschülern können dieser keinen Schaden tun. So steht Tully immer wieder gegenüber ihren Mitschülern für ihre Freundschaft ein und lässt sich nichts gefallen: Zum Beispiel leiht sie Kate ihre Hose, nachdem diese ihre Tage bekommen hat und ihre Hose blutig geworden ist. Mitschülerinnen nehmen an Tully hätte diesen Perioden-Unfall gehabt und machen sich über sie lustig, woraufhin Tully sich gegen sie wehrt.
Die Freundschaft der Beiden erhält nur einmal einen Rückschlag: Tully hat sich dafür geschämt, dass ihre Mutter drogenabhängig ist. Da sich die beiden Jugendlichen noch nicht kannten, erzählt sie Kate, dass ihre Mutter Krebs hätte und deshalb so viel schlafen und die Drogen zu sich nehmen würde. Als ihr Geheimnis schließlich auffliegt, ist ihre Freundschaft beendet - das soll jedoch nicht lange anhalten. Die Beziehung zu ihrer Mutter, bereitet Tully immer wieder Probleme jeglicher Art: Sie fühlt sich nicht wertgeschätzt, wird nicht finanziell oder mental unterstützt, etc. Aus diesem Grund bezeichnet sie ihre Mutter später als tot - da sie für sie gestorben ist.
Studium und Berufseinstieg von Kate und Tully
Tully arbeitet in den 80ern bei einem Fernsehsender und besorgt Kate einen Job dort. Diese ist sofort schockverliebt in ihren Chef, Johnny Ryan (Ben Lawson) - einem charmanten und gutaussehenden Kriegsreporter. Dort sammelt Kate berufliche Erfahrung und erhält von Johnny auch Anerkennung für ihre Arbeit. Während Kate zufrieden ist mit ihrem Job, strebt Tully höhere Ziele an und möchte gerne Fernsehmoderatorin werden. Aus diesem Grund ergreift sie jede Chance, um vor der Kamera zu stehen. Dabei steht ihr jedoch die momentane Moderatorin des Fernsehsenders im Weg.
Nicht nur aufgrund ihres beruflichen Frusts, sondern auch wegen ihrer Neigung zu Drogen zu greifen, bezeichnet Johnny Tully als das „unglücklichste Mädchen“, das er kennt. Tully greift immer wieder auf Drogen oder Männer zurück, um ihre Emotionen und Gedanken zu betäuben. Zu ihren Männern gehörte u.a. ihr Professor, der ihr bei ihrer Moderatoren-Performance am College geholfen hat, und Johnny. Letzteres nimmt Kate ihr echt übel, da sie an ihm interessiert war. Zu der Zeit ist sie jedoch mit dem sympathischen Kameramann Mutt (Brendan Taylor) zusammen, an dem sie jedoch eigentlich gar kein Interesse hat. Die jungfräuliche Kate ist nur mit ihm in einer Beziehung, da er verfügbar war, eine sichere Option darstellte und ihr immer wieder betont hat, wie sehr er sie mag. Der Mann, den sie eigentlich möchte, scheint für sie unerreichbar und sie ist auch viel zu unsicher, um einen ersten Schritt auf ihn zuzugehen.
Nachdem er eine traumatisierende Erfahrung im Ausland gemacht hat, bei dem auch ein Freund von ihm vor seiner Nase umgebracht wurde, wird Johnny klar, dass er in Kate verliebt ist. Das gesteht er ihr auch im volltrunkenen Zustand und möchte sie küssen. Kate verhindert das jedoch, da sie möchte, dass sie sich beide an ihren ersten gemeinsamen Kuss erinnern werden. Wie erwartet, hat Johnny am nächsten Tag einen Filmriss und erinnert sich nicht mehr an sein Liebesgeständnis. Auf der Hochzeit ihres Bruders Sean (Quinn Lord) - der eigentlich schwul ist, was er aber nicht zugeben möchte und deshalb eine Frau heiratet - konfrontiert Kate schließlich Johnny mit seinem Liebesgeständnis.
Die gegenwärtige Freundschaft zwischen Tully und Kate
Zwischen den Beiden muss sich alles gut entwickelt haben, denn Kate und Johnny haben die letzten 15 Jahre eine glückliche Ehe miteinander geführt. Momentan, 2003, befindet sich das Paar jedoch in einer Trennung. Das liegt unter anderem daran, dass Johnny seinen Beruf als Kriegsreporter wieder aufnehmen möchte. Aufgrund der Trennung begibt sich Kate, die die letzten Jahre wegen ihrer gemeinsamen Tochter nicht gearbeitet hat, wieder auf Jobsuche. Im Gegensatz dazu hat Tully in den letzten Jahren einen ultimativen Karriereschub erfahren und zählt momentan mit ihrer eigenen Talk-Show The Girlfriend Hour zu den berühmtesten und erfolgreichsten Fernsehmoderatorinnen. Dadurch steht sie oft im Rampenlicht. Dabei spielt auch die Presse eine Rolle, die immer wieder versucht Negatives über sie zu verbreiten. Darunter befindet sich auch Kates neue Chefin, die ein junges Magazin leitet. Diese betitelt sie als eiskalten Menschen, da ihre Mutter Cloud sehr wohl noch am Leben ist und Tully sich nicht (finanziell) um sie kümmert. Dabei hat Tully versucht ihrer Mutter Geld zu geben, doch diese wollte es aus Stolz nicht annehmen und irgendwann hat Tully den Kontakt abgebrochen.
Eines Abends lernt Tully den jungen und charmanten Max (Jon-Michael Ecker) kennen, der vom Aussehen stark an Matt Bomer erinnert. Sie ist eher der Typ für flüchtige Sex-Beziehungen. Das ist auch der Grund, warum sie sich wehrt, als ihre „Beziehung“ anfängt ernst zu werden und sie Gefühle füreinander entwickeln (könnten). Als sie jedoch erfährt, dass sie von ihm schwanger ist, gibt sie ihnen nochmal eine Chance und es wird für sie beide ein wahr gewordener Traum. Endlich hat Tully auch mal eine Beziehung, in der sie geliebt wird, sich wohl fühlt und auch selbst Gefühle entwickelt. Ihr Glück hält jedoch leider nicht lange an: In ihrer Hochzeitsnacht, erleidet Tully eine Fehlgeburt. Danach versucht sie ihre Gefühle mit sich selbst oder mit ihren Freunden anstatt mit ihrem Ehemann auszumachen. Dabei vergisst sie, dass auch er ein Kind verloren hat. Dass sie ihn aus dem Haus jagt, bringt das Fass zum Überlaufen. Schließlich wird das zum Problem, was Max die ganze Zeit befürchtet hat: Sie kann sich ihm gegenüber nicht emotional öffnen und keine Partnerschaft entstehen lassen. Aus diesem Grund geht er auch nicht auf ihr Versöhnungs- und „Neustart“-Angebot nicht ein.
In der Zwischenzeit nimmt Kate alles Selbstbewusstsein zusammen und steigt wieder in den Dating-Ring. Sie steht schon seit längerem auf den Single-Vater einer der Freundinnen ihrer Tochter, Travis (Brandon Jay McLaren). Ihr Interesse besteht gegenseitig und sie wagen erste, unsichere und nervös süße Schritte zusammen. Trotz alledem kehrt Kate in Johnnys letzter Nacht vor seinem Antritt als Kriegsjournalist zu ihm zurück und sie verbringen eine letzte schöne Nacht miteinander.
Durch seinen Antritt als Kriegsjournalist könnte sich auch das Verhältnis zwischen Kate und Tully in der Zukunft verschlechtert haben. Denn bei seinem Kriegs-Aufenthalt werden er und seine Truppe. Man weiß zwar nicht, wie sein Zustand aussieht, jedoch treffen sich Kate und Tully in der Zukunft bei einer Beerdigung, bei der sie ein äußerst schlechtes Verhältnis zueinander haben. Hierbei handelt es sich jedoch um die Beerdigung von Kates Vater. Johnny ist jedoch nicht an ihrer Seite.

So kommt Firefly Lane herüber
Der deutsche Name Ich bin immer für dich da repräsentiert zwar das zentrale Thema der Netflix-Serie. Nichtsdestotrotz erscheint er mir in dem Sinne unpassend gewählt, dass er so kitschig klingt und manche Menschen abschrecken könnten und das vielleicht auch getan haben. Hierzu habe auch ich gehört, da ich mich auf eine solch kitschige Serie nicht einlassen wollte. (Durch die bekannten Gesichter der Serie, habe ich sie mir dann doch angeschaut und nichts bereut.)
Der deutsche Titel ist also insofern passend gewählt, dass der Fokus der Serie auf der Freundschaft zwischen Tully und Kate liegt, die über ihre 30-jährige Freundschaft schon so alles Mögliche miteinander durchgestanden haben. Ebendiese Beziehung bildet das Herzstück und den Leitfaden der Serie. Die Momente, in denen die Freundschaft der beiden gezeigt und thematisiert wird, zählen mit zu den Stärksten von Firefly Lane. Dadurch entsteht ein Gefühl der Beständigkeit und des Wohlgefühls, das die Netflix-Serie zu einer tollen Feel Good-Serie macht.
Abgesehen davon spricht die Serie in dem Sinne ein großes Publikum an, da sie beinahe jede Alters-Zielgruppe anspricht. Firefly Lane enthält Coming of Age-Elemente in den 70ern, spricht dann Menschen im Studenten-Alter an bis einschließlich Menschen in ihren Vierzigern. Natürlich ist nicht jeder an Geschichten von Figuren im eigenen Alter interessiert. Nichtsdestotrotz kann es ein ausschlaggebender Faktor sein. Zudem fand ich diese Abwechslung der verschiedenen Themen, mit denen ein Mensch im Laufe seines Lebens in Kontakt kommt, sehr angenehm. Wenn einem ein Handlungsstrang nicht gefallen hat, wurde man schnell durch eine andere Zeitebene „erlöst“.
Dabei sind diese Zeitebenen stets durch ein gemeinsames Thema miteinander verbunden, was ich ein äußerst schönes Element fand, um eine Verbindung zwischen den einzelnen Handlungssträngen herzustellen. So geht es zum Beispiel in einer Episode um Tullys Geburtstag (in jeder Zeitebene), Weihnachten und das Thema Schwangerschaft.
Ich finde es auch erwähnenswert darauf hinzuweisen, wie unterschiedlich die zwei Frauen sind, wie unterschiedlich ihre Hintergründe und auch ihre Entwicklungen sind. Dabei ist es spannend ebendies über die Jahre mitzuverfolgen und zu vergleichen. Durch diese unterschiedlichen Lebensstile und -wege werden auch unterschiedliche Themen angesprochen, sodass auch hier wieder eine gewisse Abwechslung und Diversität entsteht.
Dabei stehen neben lebensbegleitenden Themen wie das 1. Mal, die erste Verliebtheit, der erste Job, die Ehe, Kinder, etc. auch schwierigere Themen auf dem Plan. Diese werden vor allem in Tullys Lebensraum verhandelt. So geht es hier zum Beispiel zuerst um Drogenmissbrauch und die dadurch fehlende Erziehung der Mutter. Tully wird aber auch als Teenager Opfer einer Vergewaltigung. In ihren Zwanzigern wird sie beinahe Opfer von sexueller Nötigung, wie sie leider viel zu oft im Showbusiness vorkommt. Schließlich muss sie sich dem Herrn, der sie beinahe sexuell genötigt hätte, doch noch unterwerfen, als er 15 Jahre später ihre Show The Girlfriend Hour aufkauft. In dieser Sendung findet auch ein unglaublich starker Moment statt, bei dem Tully offen über ihre Fehlgeburt spricht und darum bittet, dass sich andere Frauen ihr gegenüber offenbaren. So entsteht auf einmal ein offenes Gespräch über die Erfahrung einer Fehlgeburt in einem sicheren Raum unter Gleichgesinnten. Fehlgeburten werden leider noch viel zu wenig in Serien thematisiert, obwohl sie so oft vorkommen. Aus diesem Grund finde ich es gut, dass und wie das Thema Fehlgeburt hier angegangen wurde. Die Message, dass Frauen damit nicht alleine sind, sich nicht schämen müssen und darüber reden können und müssen, finde ich inspirierend.

Schade finde ich es jedoch, dass diese Themen lediglich angesprochen, aber nicht gänzlich thematisiert und hinterfragt werden. Hier hätte für meine Bedürfnisse gerne noch mehr in die Tiefe gegangen werden können, da man heutzutage leider allzu viel sexuelle Übergriffe in Fernsehserien sieht, diese jedoch in keinen größeren Kontext gesetzt werden. Dafür wird sich schlichtweg nicht die Zeit genommen. So ist es auch der Fall in Ich bin immer für dich da. Durch die vielen Zeitebenen und die dazugehörigen Handlungsstränge kann sich nicht allzu viel Zeit für ein einzelnes Thema genommen werden. Das trifft also nicht nur auf die benannten Themen, sondern insgesamt auf die Handlungsstränge zu. Das ist jedoch nicht als so negativ zu bewerten wie es hier nun vielleicht herüberkommen mag.
Durch die verschiedenen Zeitebenen wirkt der zukünftige Handlungsstrang in gewisser Hinsicht als Spoiler und als Lockmittel. So möchten wir als Zuschauer natürlich wissen, wie es zu der zerrütteten Beziehung zwischen Tully und Kate kommt. Oder wie Kate und Johnny schließlich zusammenkommen werden. Das birgt gleichzeitig Chance und Gefahr. So kann sich zum Beispiel der Weg dorthin oder die Auflösung auch als Enttäuschung erweisen. Manchmal kann dieses Hin- und Herspringen zwischen den Zeitebenen aber auch zu Verwirrung bzw. Überforderung führen, die das Verfolgen eines Handlungsstrangs bzw. einer Zeitebene erschwert.
Fazit
Firefly Lane ist eine tolle Feel Good-Serie, die durch ihre vielen Zeitebenen und die unterschiedlichen Hauptdarstellerinnen verschiedene Zielgruppen anspricht. Die vielen Zeitebenen sind aber auch nicht nur vorteilhaft, da so bei den Themen nicht so sehr in die Tiefe gegangen werden kann wie das vielleicht nötig gewesen wäre. Dabei spricht die Serie auch viele wichtige frauenbezogenen Themen an, was ein Plus von Ich bin immer für dich da darstellt. Nichtsdestotrotz ist die Netflix-Serie sehr bingeable und gut verzehrbar.
Verfasser: Maike Karr am Sonntag, 21. Februar 2021
(Firefly Lane 1x10)
Schauspieler in der Episode Firefly Lane 1x10
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