Fear the Walking Dead 5x16

Fear the Walking Dead 5x16

Die fünfte Staffel von Fear the Walking Dead ist zu Ende gegangen und das Momentum der Serie scheint ins Stocken zu geraten. Was kann die Zombie-Serie noch retten? Oder ist es Zeit, ernsthaft über ein Ende nachzudenken?

Szenenfoto aus der fünften Staffel von Fear the Walking Dead (c) AMC
Szenenfoto aus der fünften Staffel von Fear the Walking Dead (c) AMC
© zenenfoto aus der fünften Staffel von Fear the Walking Dead (c) AMC

Es ist schon erstaunlich, dass manche von uns schon um die 15 Staffeln von Serien aus dem The Walking Dead-Universum verfolgt haben. Fear the Walking Dead hat nun jüngst die fünfte Staffel beendet, die wir bis zum Midseason-Auftakt hier auch noch wöchentlich betreut haben. Urlaubsbedingt habe ich dann danach unterbrochen, was vielleicht auch gut war, denn der zweiten Staffelhälte fehlte Esprit und ein wirkliches Ziel. Die Figuren rund um Morgan (Lennie James), Alicia (Alycia Debnam-Carey), Strand (Colman Domingo), John (Garret Dillahunt) oder June (Jenna Elfman) haben es sich zur Aufgabe gemacht, anderen in ihrer Region zu helfen, um das Leben insgesamt lebenswerter zu machen.

Ein Antagonist war dabei Logan (Matt Frewer), der früher zusammen mit Clayton den LKW-Hilfsconvoy etabliert und betrieben hatte, dann aber inmitten der Staffel von der neuen Antagonistin Virginia (Colby Minifie) umgebracht wird, als sie ihre Macht und Überlegenheit gegenüber Morgans Gruppe demonstrieren will. Sekundär geht es in der Staffel insgesamt auch um Treibstoffvorräte, mit denen der Convoy betrieben wird und so auf Notrufe reagieren kann, die eingehen, nachdem man ein Video mit den Geschichten der Überlebenden, das Althea (Maggie Grace) gedreht hat, überall verbreitet hat.

Doch im Kern bleiben die Figuren in den acht letzten Folgen der Staffel in einer Stasis gefangen. Morgan wird an seine Frau erinnert und hegt Gefühle für Grace (Karen David), die er sich nicht traut auszusprechen. Alicia ist seit der Landung unter die pazifistischen Künstler gegangen und weigert sich, Untote aus dem Verkehr zu ziehen - wie einst Morgan. John und June lieben einander und wollen richtig heiraten, sind aber auch gleichzeitig oft in die Western-Action verwickelt, die sich abspielt. Dwight (Austin Amelio) gibt die Suche nach seiner Frau Sherry (Christine Evangelista) weiterhin nicht so wirklich auf, unterstützt aber die Agenda der Gruppe, wo er nur kann. Daniel (Ruben Blades) hat in Charlie (Alexa Nisenson) eine neue Ersatztochter gefunden, während diese die Bekanntschaft mit dem Rabbi Jacob Kessner (Peter Jacobson) macht, der Serienzuschauer etwas an eine Wiederholung von Father Gabriel (Seth Gilliam) aus „TWD“ erinnert und später auch die offizielle Hochzeitszeremonie von June und John betreut. Ich muss aber leider sagen, dass Spannung dabei selten auftaucht.

Bonanza?

Wenn man die Serie nicht wöchentlich betreut, dann ändert sich auch schnell die Grundaufmerksamkeit, die man ihr widmet und dabei fallen dann die Längen und Unzulänglichkeiten noch etwas mehr auf. Man merkt nicht nur am Score, dass die aktuellen Showrunner Andrew Chambliss und Ian Goldberg ihren Spaß am Western haben, sondern auch an den Set-Pieces und den Schurken der neuen Staffel, was an sich erst mal nicht verkehrt ist. Neben dem LKW-Convoy ist Virginia und ihre Crew gerne zu Pferd unterwegs. Daneben bieten sich auch die Szenen rund um John und seine Cowboy-Skills einige Möglichkeiten, den Zombie-Western raushängen zu lassen, was aber im Endeffekt etwas zum Gimmick verkommt.

Was mich aber am meisten stört unter den aktuellen Showrunnern, ist das ständige Im-Kreis-Drehen: Vertraut man Logan? Ist er eine Gefahr? Was ist mit den Benzinvorräten? Schafft man es allein oder arbeitet man zusammen? Sollte man Virginia trauen? In dieser Staffel brachte das in meinen Augen nahezu erzählerischen Stillstand, der meinen Genuss der Serie nicht förderte.

Wie gipfelte das alles im Staffelfinale?

Humbug's Gulch

Die Gruppe hat sich im Staffelfinale End of the Line Johns ehemalige Jagdgründe beim Humbug's Gulch als neue potentielle Heimat ausgesucht. Allerdings ist dieser Ort von Untoten bevölkert. Das weckt Alicias Kampfgeist, die den Pinsel gegen ihre alte Waffe tauscht und auch der Rest der inzwischen 40-köpfigen Gruppe scheint gewillt, sich ins Zeug zu legen. Morgan hat sich jedoch entschlossen, Virginia um Hilfe zu rufen, ehe man entschieden hatte, es auf eigene Faust zu versuchen, was sie in eine Zwickmühle bringt. Also fasst man den Plan, die große Herde als mögliche Waffe gegen Virginia zu nutzen. Das klappt jedoch nur halbwegs. Dwight hat zwar einige Pferde gefunden, die bei der geplanten Aktion Gold wert sind, erwischt aber selbst eines, das bei den Untoten nicht mehr gehorcht. Entsprechend müssen John, June, Morgan und Grace dem Gestrandeten helfen, der sich eigentlich schon wieder fürs Wohl der Gruppe opfern wollte. Stattdessen werden die Untoten in einen reißenden Bach in der Nähe gelockt. Somit geht die nützliche Herde verloren und die verbliebenen Optionen werden durchgesprochen. Es scheint, dass man um einen Pakt mit Virginia nicht umhin kommt und Humbug's Gulch aufgeben muss.

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Bevor Virginia jedoch einreitet, richtet man den Ort noch einmal schön her und zelebriert die Hochzeit von John und June, wofür Dwight sogar seinen eigenen Ehering zur Verfügung stellt. Tatsächlich mag ich die kleine Zeremonie inklusive Daniel, Charlie und Grace als musikalische Unterstützung ganz gerne. Aber ich mag den Schmalz rund um June und John ohnehin.

Die Feier wird am Ende durch Ginny unterbrochen, die sich Morgans Forderungen für die Gruppe anhört: Es sollen alle 40 Menschen in ihre Gruppe integriert werden und die medizinische Versorgung erhalten, die sie brauchen. Das gilt besonders für Grace, die wegen der lange Zeit erlittenen Strahlung immer mehr zu leiden scheint. Widerwillig gibt Ginny nach und sorgt für den Abtransport der Anwesenden. Warum genau man hier so viele von ihnen voneinander trennen muss, verstehe ich schon mal nicht. Vielleicht will man einfach nur vorsichtig sein und vermeiden, dass sie sich verbünden und unnötigen Ärger machen. Natürlich ist das auch eine erzählerische Konfliktquelle, wenn die Frischvermählten oder Daniel und Katze Skidmark beziehungsweise Charlie gezwungen werden, einzeln ins Ungewisse zu fahren.

Für Grace bringt Ginny sogar einen Arzt mit, der sie sich einmal genauer anschauen soll. Dabei kommt heraus, dass sie nicht wegen der Strahlung leidet, sondern im dritten oder vierten Monat schwanger ist...

Für Morgan scheint Virginia derweil keine weitere Verwendung haben zu wollen, denn, als alle anderen weg sind, schießt sie ihm in die Brust. Es sieht ganz und gar nicht gut aus für Morgan, der stark blutet und kaum noch stehen kann. Der zweite Schuss ins Gesicht, der Morgan endgültig ins Jenseits befördern soll, gelingt ihr zwar wegen einer Platzpatrone nicht, er ist aber ohnehin schon schwer genug verletzt.

Sollte Morgan das irgendwie überstehen, wäre es ein Wunder. Denn sie lässt ihn leiden und fährt davon, während eine Gruppe von Untoten im Anmarsch ist. Nur: Die Franchise-Macher haben bei solchen Momenten - vor allem in der Mutterserie The Walking Dead - so sehr ihre Glaubwürdigkeit verloren (siehe Glenn (Steven Yeun) oder Rick (Andrew Lincoln)), dass man selbst eine so aussichtslose Situation wahrscheinlich erst dann für voll nimmt, wenn man Morgans Leiche oder seine untote Gestalt sieht. Allerdings hatte man darauf auch bei Madison (Kim Dickens) verzichtet.

Morgans Abgang würde aber passen und die Serie nach zwei Staffeln wieder in eine neue Richtung lenken. Man verliert zwar ein weiteres Franchise-Urgestein, weil er neben Rick die dienstälteste Figur ist, aber immerhin hat er unter anderem durch den „FtWD“-Exkurs ein deutlich längeres Leben als sein Comic-Pendant erhalten. Allerdings fand ich seine Figur am interessantesten, als er auf sich allein gestellt und weder Teil von Ricks Gruppe oder in der Anführerrolle war, was für mich zu repetitiv war. Es mag zwar ein netter Kontrast sein, nicht immer alles mit brachialer Gewalt zu lösen, wie ein Rick oder wie Daryl es tun würde, doch ganz ernst konnte man die Figur irgendwann auch nicht mehr nehmen.

Tragisch ist es natürlich auch, dass er stirbt, kurz nachdem er Grace seine Gefühle gestehen kann, aber das kann man, wie seine letzten Worte an die Gruppe per Walkie Talkie, auch als erzählerischen Motor für die Zukunft nutzen.

Fear the Walking Future

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AMC - © AMC

Doch was bringt die Zukunft? Gibt es einen Rückbezug auf Alicia, die zusammen mit Daniel und Strand das letzte Überbleibsel aus Staffel eins ist? Setzt man auf Dwight als „TWD“-Überläufer? Bei ihm hat die Suche nach Sherry ein finales Ziel, das man sehr gut einfach erzählen könnte, wenn man wollte. Was zuletzt als Stilmittel und Plotelement klar überstrapaziert wurde, sind die Videoaufnahmen von Althea, die die Folgen teilweise zu einer Art nervige Mockumentary gemacht haben. Sollte es davon Fans geben, bitte ich um Meldung. Die intendierte Abwechslung von der Formel hat so für mich nicht funktioniert. Zudem ist der Cast aktuell auch zu groß und er besteht aus so mancher Figur, die einem als Zuschauer egal ist oder kaum noch eine Funktion hat. Strand ist ein Schatten seiner selbst, aber man muss sehen, ob seine eine Anmerkung zur Zerstörung von Virginia von innen heraus Früchte trägt oder im Sand verläuft. Daniel habe ich oft eigentlich gern gesehen, wurde erzählerisch aber auch fast neutralisiert. Luciana ist abwechselnd Kindergärtnerin oder Geisel. Althea ist derweil im Stand-by-Modus, um vielleicht irgendwann die Storyline mit dem Helikopter weiterzuerzählen, der lose mit dem Verbleib von Rick Grimes zusammenhängen könnte. Aber: Wären Figuren aus „Fear the Walking Dead“ für irgendwen ein Argument, ein Kinoticket zu lösen? All das verstärkt den Eindruck der Ziellosigkeit.

Eine Zukunft in Form einer sechsten Staffel ist schon sicher. Aber dennoch sollte man womöglich langsam überlegen, ob man die in den Quoten und offenbar auch bei den Zuschauern immer weniger gut ankommende Serie noch weiter verlängern sollte. AMC selbst scheint weiterhin nur Dollarzeichen zu sehen, weil neben den Rick-Kinofilmen für Frühjahr 2020 auch noch eine dritte Serie geplant ist.

Doch selbst die Hardcore-Fans dürften dessen inzwischen ein wenig überdrüssig sein. Anders wäre es wahrscheinlich, wenn auf kreativer Ebene noch Innovation betrieben werden würde. Und obwohl mir die Mutterserie in der neunten Staffel wieder Spaß machte, würde ich einem anständigen Ende auch nicht abgeneigt sein. Robert Kirkman hat es mit der Comicreihe meisterlich vorgemacht. Ohne großes Vorabtheater kam dort einfach die letzte Ausgabe heraus.

Fazit

Fear the Walking Dead hat frische kreative Impulse dringend nötig. Leider gehörte die zweite Hälfte der fünften Staffel zu den schwächsten der bisherigen Serie und drehte sich einfach ständig im Kreis. Trotzdem hält AMC an der Serie und dem Franchise stoisch und mit allen Kräften fest. Die Frage dabei bleibt letztlich: Wie lange soll das noch gutgehen?

Verfasser: Adam Arndt am Dienstag, 1. Oktober 2019
Episode
Staffel 5, Episode 16
(Fear the Walking Dead 5x16)
Deutscher Titel der Episode
Am Ende
Titel der Episode im Original
End of the Line
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 29. September 2019 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 30. September 2019
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 30. September 2019
Autoren
Ian Goldberg, Andrew Chambliss
Regisseur
Mike Satrazemis

Schauspieler in der Episode Fear the Walking Dead 5x16

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