Fear the Walking Dead 5x09

Fear the Walking Dead 5x09

Die Fear-the-Walking-Dead-Episode Channel 4 unterscheidet sich von den meisten anderen Folgen und kommt größtenteils als Doku-Folge daher, die auch eine kleine Dauerwerbesendung für die Lebensaufgabe der Protagonisten ist.

Szenenfoto aus der Fear-the-Walking-Dead-Folge Channel 4 (c) AMC
Szenenfoto aus der Fear-the-Walking-Dead-Folge Channel 4 (c) AMC
© zenenfoto aus der Fear-the-Walking-Dead-Folge Channel 4 (c) AMC

Recht kurz war die Pause diesmal zwischen der ersten und der zweiten Hälfte der fünften Staffel von Fear the Walking Dead. Da sind wir üblicherweise längere Unterbrechungen gewohnt. Dafür ist die Folge Channel 4 zumindest stilistisch ungewöhnlich. Die Gruppe geht wieder ihrer Tätigkeit als mobiler Samariter nach und Althea (Maggie Grace) und Co haben sich dazu entschlossen, ihre Tätigkeit mit den Kameras festzuhalten, damit interessierte Hilfebedürftige sie kontaktieren können. So wirkt die Folge irgendwie teilweise wie The Office oder Modern Family mit Untoten und zahlreichen confessionals in die Kameras.

Zunächst gibt es ein paar Lebensweisheiten, etwa von John (Garret Dillahunt), der darüber philosophiert, dass Geld in der Zombie-Apokalypse so gut wie keine Rolle spielt und die Reichen nun mit ihrem Vermögen kaum mehr etwas anfangen können und stattdessen ihre Zeit quasi verplempert haben (außer sie haben als Prepper vorgesorgt, Vorräte angehäuft und somit für Sicherheit gesorgt). Seine Gruppe ist derweil mit Überlebensfähigkeiten gesegnet, hat aber Probleme, Hilfsbedürftige zu finden. Immerhin gibt es vereinzelte Gesuche, denen man nachgeht, seitdem einige das Flugzeug gesehen haben.

Was die Folge nicht erledigt und was die neuen Showrunner der Serie offenbar ohnehin nicht gerne machen: zuvor etablierte Cliffhanger auf normalem Wege auflösen. Oft gibt es stattdessen einen Sprung und die Konfrontation mit vollendeten Tatsachen. Logans (Matt Frewer) Angebot zur Zusammenarbeit wird nur am Rande angeschnitten, als Sarah (Mo Collins) davon erzählt, dass man ihn reingelegt hat und stattdessen sein Wissen einfach so für sich benutzt habe. Gleichzeitig sieht man am Ende der Folge, dass er sich doch wieder mit einer Gruppe verbündet, die gut bewaffnet ist. Ist er also doch nur ein Opportunist, der ständig die Lager wechselt oder wie soll man diese Figur verstehen? Das ist mir zu insgesamt zu Wischiwaschi, als dass mich das kümmert, obwohl die Autoren ihn immer mal wieder als Widersacher bemühen.

Sich selbst helfen

Worin die Gruppe weiterhin nicht so gut ist: neben dem Helfen auch sich selbst zu helfen und ein lebenswertes Leben aufzubauen. Das fällt besonders Morgan (Lennie James) und Alicia (Alycia Debnam-Carey) schwer: auf der einen Seite die Verantwortung zu tragen, aber auch ihre persönlichen Verluste immer wie ein Kreuz mit sich herumzuschleppen. Im Fall Alicia erfahren wir, dass sie seit dem Flug nicht mehr Untote gekillt hat und vielleicht kurzzeitig zur Pazifisten wird, wie es auch bei Morgan einst der Fall war. Zusammen machen sie außerdem seine Aikido-Übungen, auch wenn es ihr nicht besonders flüssig von der Hand geht. Eigentlich aber wird sie wieder auf etwas aufmerksam, was ihre Neugierde weckt. Irgendwer bemalt nämlich die Bäume der Region, worüber sie dann mehr erfahren will.

Cover more ground

Das mobile Einsatzkommando selbst wächst und gedeiht. Es gibt mehr Trucks und Vehikel, die herumfahren, mehr Kisten, die verteilt werden und mehr Grund, der abgegrast werden kann. Nur geht das Benzin tatsächlich zur Neige - aber dennoch behilft man sich irgendwie. Dwight (Austin Amelio) will seinem Leben zwar einen neuen positiven Spin geben und freut sich, dass er diesmal an die richtige Gruppe geraten ist. Ebenso glaubt er, dass er on the road vielleicht doch noch eine Chance hat, irgendwann Sherry (Christine Evangelista) aufzuspüren, auch wenn sie ihm geschrieben hat, dass er die Suche einstellen soll. Außerdem weigert er sich bisher, trotz des Top-Angebots von Daniel (Ruben Blades), sich die Haare schneiden zu lassen.

Grace (Karen David) und June (Jenna Elfman) kümmern sich um die mobile Versorgung der Gruppe und der Hilfesuchenden in Sachen Medizin sowie Nahrung und sie führen auch eine Liste über die Vorräte, was in dieser Serie in letzter Zeit eher vernachlässigt wurde. Durch Daniels Lager dürfte man aber sicherlich ganz gut versorgt sein. Die Frage der Ehe zwischen June und John geistert auch herum, aber das eilt nicht, während June glaubt, dass man im Prinzip schon im Geiste verheiratet sei. June macht es sich außerdem zur neuen Aufgabe, irgendwo eine neue permanente oder längerfristige Bleibe zu finden. Grace sorgt sich derweil um ihre Gesundheit wegen der Strahlenbelastung, der sie ausgesetzt war, denn es könnte jeden Moment dazu kommt, dass es ihr rapide schlechter geht. Bis dahin will sie sich jedoch nützlich machen und sucht daher nach Zutaten für ein schmackhaftes Pad Thai. Das Rezept dafür befand sich lange Zeit an ihrem Kühlschrank.

Tess, Ben und ein Inhalator

AMC
AMC - © AMC

Für Morgan bedeutet der eingegangene Notruf von Tess eine Veränderung, denn ihre Situation weckt alte Gefühle in ihm. Sie hat sich zusammen mit ihrem Sohn und ihrem Ehemann Ben über all die Jahre in deren Haus verschanzt, was durchaus eine Leistung ist. Man hatte Vorräte oder Ben ist ausgezogen, um benötigte Dinge zu besorgen. Doch die Besonderheit ihrer Situation ist schnell erklärt: Im Vorgarten hat der Ehemann Landminen verteilt, die die Untoten oder Angreifer fernhalten sollen, was offenbar eine lange Zeit gut gegangen war. Nun sollte Ben einen neuen Inhalator für seinen Sohnemann besorgen, ist aber von diesem Shopping-Trip nicht wieder zurückgekehrt, was Tess dazu gebracht hat, die Helfer anzufunken. John kümmert sich um die Streuner, während die Minen erst recht spät zur Sprache gebracht werden. Die ganze Situation ist wieder so eine „Make-it-or-Break-it-Sache“. Sollte die Hälfte der Gruppe hier wirklich so fahrlässig ihr Leben für eine/-n oder zwei andere aufs Spiel setzen? Sollte man sich vielleicht eine Taktik überlegen? Oder sollte man, wie Morgan irgendwann, einfach blind drauflosrennen und natürlich auf eine Mine treten, die jedoch von Althea erkannt wird? Hier ist wieder mehr Glück und Plot Armor im Spiel, als einem lieb sein kann. Tess, die zwei Jahre nicht aus dem Haus kam, kommt natürlich genau dann mit einem Pin für die Mine, als Morgan sie fast - tödlich - versucht zu entschärfen. Althea hat zwar rudimentäre Kenntnisse solcher Sprengfallen, ist sich aber nur fünfzig Prozent sicher, was sie ihm rät. Trotz des nun wieder eingesteckten Pins und jetzt, da alle in Sicherheit sind, geht das Ding natürlich dennoch in die Luft...

Mineswiper

AMC
AMC - © AMC

Es ist ein actionreicher Einfall, um die Untoten zu involvieren und sie in die Luft zu sprengen, aber irgendwie auch wieder etwas hirnrissig. Denn solche Landminen sind eine ziemliche Garantie dafür, dass etwas schiefgehen muss - wenn man etwa einfach mal vergessen sollte, wo sie sind oder wenn einem der Erwachsenen, die hier leben, etwas passiert. Der Dokustil kommt in dieser Szene auch etwas an seine Grenzen beziehungsweise hat mich etwas gestört, weil jeweils ein anderer Filter genutzt wurde. Zudem nervte mich dabei Altheas Beharren darauf, auch bei größter Gefahr draufhalten zu wollen. Natürlich ist das der Lebenszweck dieser Figur, dass die Geschichten nicht nur Geschichten bleiben, sondern auch von der Nachwelt gesehen werden, aber vielleicht sollte man gerade dann etwas mehr Nachdenken, was denn nun Priorität hat. Morgan kann mit Tess sehr gut mitfühlen, weil er sich selbst damals mit Sohn Duane (Adrian Kali Turner) lange in einer ähnlichen Situation befunden hatte, weswegen er auch versteht, warum es so lange dauert, ehe sie sich raustraut.

Natürlich stellt sich heraus, dass der Ehemann von Tess einer der Untoten in der Region ist, genauer gesagt, derjenige, der Alicia attackiert hat, was Morgan ihr später auch über das Walkie-Talkie mitteilen muss und sie somit zur Einsicht bringt, dass sie sich wahrscheinlich nicht viel länger abschotten kann...

Pad Thai

Zur Feier des Tages wird Pad Thai am Lagerfeuer gegessen, wobei auch Tess und ihr Sohn dabei sind. Hierbei verbalisieren alle Figuren ihre Ziele für die unmittelbare Zukunft: ob das nun das Zulassen eines neuen normalen Lebens ist, ein neues Zuhause zu finden, seine neue Chance zu nutzen, die verstorbene Tochter stolz zu machen oder die Geschichten auf den Tapes zu teilen. Im Endeffekt wirkt die Folge dann wie eine Mischung aus The Office und einem langen Infomercial, das durch einen Epilog mit Logan abgeschlossen wird. Denn seine Gruppe zwingt den Mann, der sich das Tape anschaut und vielleicht mehr zu den Benzinplänen weiß, die Gruppe wegen erbetener Hilfe zu rufen. Dem uns bisher Unbekannten durchlöchern sie erst einmal mit viel zu vielen Kugeln das Gefährt. Erinnerung: Wir befinden uns knapp nach dem Krieg mit den Saviors und Kugeln sind noch nicht ganz Mangelware, aber man sollte wohl trotzdem nicht so verschwenderisch damit umgehen... Das wirkt schon sehr überzogen und cartoonhaft. Und irgendwie drehen wir uns durch dieses Ende schon wieder etwas unnötig im Kreis.

Fazit

AMC
AMC - © AMC

Das Experiment, die Folge als Mockumentary zu gestalten, lockert die Sache etwas auf, bringt aber auch einige Probleme mit sich, die gewisse Logikfragen vielleicht noch mehr ins Auge springen lassen als ohnehin schon. Die Serie war zuletzt nicht um Situationskomik verlegen, aber man muss darauf achten, dass man nicht völlig im Klamauk endet und jede Woche nur noch Stuntideen einbaut und sich dadurch doch irgendwie immer wieder auf der Stelle oder sogar im Kreis zu bewegen. Ich hatte, wie meistens, meinen Spaß, aber ich finde, dass man aktuell ein wenig zu kleinschrittig unterwegs ist und finde Logan, wie er aktuell gestaltet ist, auch nicht interessant genug als Antagonisten.

In eigener Sache: Wie es in den kommenden Wochen mit den Reviews zur Serie weitergeht, kann ich aktuell noch nicht sagen, weil ich zwei Wochen im Urlaub sein werde, denn eigentlich war die Pause sonst immer länger. Entweder hole ich, wenn Zeit dafür ist, die verpassten Episoden nach oder vielleicht wird es auch nur eine Halbstaffelkritik am Ende der Staffel geben.

Hier kannst Du „Fear the Walking Dead: 5. Staffel im Stream“ bei Amazon.de kaufen

Verfasser: Adam Arndt am Montag, 12. August 2019

Fear the Walking Dead 5x09 Trailer

Episode
Staffel 5, Episode 9
(Fear the Walking Dead 5x09)
Deutscher Titel der Episode
Kanal 4
Titel der Episode im Original
Channel 4
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 11. August 2019 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 12. August 2019
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 12. August 2019
Autor
David Johnson
Regisseur
Dan Liu

Schauspieler in der Episode Fear the Walking Dead 5x09

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?