Fear the Walking Dead 4x16

Fear the Walking Dead 4x16

Mit der Episode Hoffnung schließt die Zombieserie Fear the Walking Dead ihre vierte Staffel ab. Bricht die Gruppe zu einer neuen Heimat auf oder gibt es neue Hürden? Allerdings kann auch die letzte Folge eine verkorkste zweite Staffelhälfte nicht mehr retten.

Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Folge „Hoffnung“ (c) AMC
Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Folge „Hoffnung“ (c) AMC
© zenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Folge „Hoffnung“ (c) AMC

16 Episoden lang haben die Showrunner Andrew Chambliss und Ian Goldberg jetzt bereits bei Fear the Walking Dead das Sagen und während die ersten acht Episoden durchaus vielversprechend waren und spannende neue Figuren gebracht haben, war schon in der zweiten Fuhre aus acht Episoden etwas die Luft entwichen. Hoffnung ist das Staffelfinale ihres ersten Jahres als Hauptkreative und ermöglicht, wie so oft, in der kommenden Staffel einen Neustart.

Zunächst sehen wir jedoch Althea (Maggie Grace) wieder, die aus dem Krankenhaus entkommen ist, allerdings von Zombies umzingelt wird, bis sie Zuflucht findet und auf Martha (Tonya Pinkins) trifft, die Zombie-Jim dabei hat. Statt dem Spuk hier mit ihrer Pumpgun ein Ende zu setzen, lässt sich Althea aber überrumpeln, was zwar keine direkten, aber dafür verzögerte Konsequenzen hat, denn so findet die Gruppe rund um June (Jenna Elfman) sie. Martha hat sich ihre Tapes angeschaut und findet gefallen an Altheas Stil, denn sie hat immer nur für die Gegenleistung der Story geholfen und sie somit stark gemacht. Althea nutzt sie als Überträgerin der Videobotschaft, die Morgan (Lennie James) erreichen soll, auf den sich Martha fixiert hat.

Morgan erzählt der Gruppe derweil von Alexandria und dem Kingdom, wo er bekanntlich zuletzt beheimatet war, sowie von König Ezekiel. Allerdings ist Morgan abgelenkt vom Video. Er will sich allein mit Martha treffen, während er John (Garret Dillahunt) die Wegbeschreibung nach Virginia anvertraut. Morgan glaubt, sie zu verstehen, weil er selbst einst wie sie war und er will versuchen, sie zur Vernunft zu bringen, auch wenn John einwirft, dass es bei manchen Menschen unmöglich ist, den Vernunftschalter wieder anzuschmeißen, wenn die Sicherung einmal durchgebrannt ist - wobei er allerdings eine Fischmetapher bemüht. Entsprechend will John ihn suchen kommen, wenn er nicht in zwei Tagen zurückgekehrt ist.

Die Reisegruppe macht erst einmal Rast an dem Ort, an dem Morgan einst nach dem Sturm gestrandet war und gönnt sich Kaffee und andere selten gewordene Wohlfühlmomente, ohne zu ahnen, dass zu viel Vertrauen gefährlich sein kann. Althea kann die Munition des Trucks nachladen, Charlie (Alexa Nisenson) sich mal wieder die Zähne putzen, Luciana (Danay Garcia) und Strand (Colman Domingo) sich eine Motivation zum Überleben überlegen und June und John sind einfach froh, wieder zusammen zu sein und feiern das mit einem Kuss.

Mile marker 54

Szenenfoto aus der Fear-the-Walking-Dead-Folge Hoffnung
Szenenfoto aus der Fear-the-Walking-Dead-Folge Hoffnung - © AMC

Morgan begibt sich auf den Weg zu mile marker 54, wo er auf Zombie-Jim trifft und sein Versprechen einhält. Martha stellt sich derweil tot oder hofft, dass sie sich bald in einen Zombie verwandelt. Das Verhalten dieser Figur soll natürlich durchgedreht sein, weil sie ihren Ehemann verloren hat, aber in meinen Augen gelingt es den Autoren nicht, bei uns hierbei die richtigen Emotionen zu entwickeln. Der unbelehrbare Morgan bietet ihr - oder besser gesagt zwängt ihr - Hilfe auf, denn in einem Polizeiauto nimmt er die verletzte und geistig verwirrte Frau mit, die immer noch an einer heftigen Schulter-/Brustwunde laboriert. Dafür hat Morgan auch Pillen gegen die Infektion im Gepäck.

Nebenbei wird Morgan per Walkie-Talkie von der Gruppe auf dem Laufenden gehalten, kann jedoch aus dieser Distanz nicht gehört werden. Morgan interessiert sich für Marthas Geschichte und kriegt diese auch zu hören, weswegen er versucht, ihr klarzumachen, dass das Schicksal ihres Partners nicht ihr Verschulden ist. Doch es hat sie so sehr verändert, dass sie anderen schadet, was auch Althea, June und Co bald spüren. Zuerst trifft es Al, die zusammenbricht, doch bald sind alle schwach und fast hilflos. Wie sich herausstellt, hat Martha die Trinkwasserflaschen mit Frostschutzmittel manipuliert, was die Überlebenden extrem schwächt. June bittet Morgan, schnellstmöglich zurückzukehren. Als er das tut, legt Martha ihn rein, denn den Moment, als er ihr die Tabletten durch die Trennscheibe des Polizeiautos reicht, nutzt Martha, um Morgans Hand festzuhalten und einen Unfall zu provozieren. Kurz darauf hat Morgan ein Stück Auto in seinem Bein, sein Motto auf der Stirn stehen und Martha freut sich, weil sie kurz davor steht, zur Untoten zu werden und Morgan somit stark machen zu können.

Morgan wird in dieser Staffel insgesamt als ziemlich hart im Nehmen und fast schon übermenschlich dargestellt, denn seine Verletzungen würden normale Menschen wahrscheinlich außer Gefecht setzen. Aber er kann immer wieder - und offenbar nur durch Willenskraft - große Distanzen zurücklegen und Reserven mobilisieren.

Martha stellt Morgan vor eine mutmaßliche Zwickmühle. Töten oder getötet werden. Stark sein oder schwach. Er weigert sich zunächst, Martha zu töten, weil das in seinem aktuellen Zustand ein No-Go ist, lässt sich aber so weit von ihr reizen, dass er sie würgt. Schließlich entfernt er das Metall aus seinem Bein, kettet Martha per Handschellen ans Auto und versucht, zur Gruppe zurückzukehren. Morgans Moral erinnert mich an Bruce Wayne in „Batman Begins“, denn er will sie zwar nicht eigenhändig töten, aber verhindern, dass sie jemanden anderen umbringt. Insgesamt wird sie aber doch sterben, nur eben mit Verzögerung - wie im Showdown des Superheldenfilms.

Kein Alkohol ist auch keine Lösung

Szenenfoto aus der Fear-the-Walking-Dead-Folge Hoffnung
Szenenfoto aus der Fear-the-Walking-Dead-Folge Hoffnung - © AMC

Die Frostschutzvergiftung lässt sich leicht behandeln, wenn man weiß, was es ist. Althea schaut sich ihre Aufzeichnungen an und wird durch eine bestimmte Aufnahme zum Weiterleben und Racheschwören motiviert. Dann kommt auch Morgan endlich durch, nachdem er - parallel zu seinem Weg aus dem Auftakt - den beschwerlichen Rückweg teils zu Fuß angetreten hat und kann der Gruppe so sagen, worunter sie leidet. Passenderweise ist draußen ein ganzer Laster voller Ethanol, zu dem sich die geschwächte Gruppe vorkämpfen will. Mit einer Ablenkung gelingt das auch halbwegs, allerdings führt Altheas Beschuss aus dem Truck dazu, dass man die Beute verliert und wieder am Anfangspunkt ist.

Morgan hört auch von diesem Scheitern und steht kurz vor dem Aufgeben, bis John und Co ihn motivieren. Althea stellt derweil sicher, dass ihre Tapes in Ehre gehalten werden, wenn sie sterben sollte. Allerdings schafft es Super-Morgan mit einem neuen Truck und der rettenden Idee doch noch zurück zur Raststätte. Es ist ausgerechnet das Bier von Brauer Jim, das das nötige Ethanol liefert und die Gruppe wieder auf Vordermann bringt.

Statt jedoch nach Alexandria will Morgan, der sich auch um die untote Martha kümmert, eine Mischung aus Polar Bear und Martha als seine vorläufige Motivation nutzen. Die Tagebücher des Truckers, die Luciana erhalten hat, verraten Morgan von dessen Lager in einer alten Jeansfabrik. Von da aus lässt sich ein neuer Unterschlupf bauen, der abgelegen ist, Menschen wie ihnen ein Zuhause gibt und auch im Sinne von Madison ein sicherer Hafen werden könnte. Sarah (Mo Collins) und Wendell (Daryl Mitchell) haben zunächst Zweifel an dem Plan, weil er vom eigentlichen Versprechen abweicht, lassen sich aber dann doch überzeugen. Bald wird ein neuer Fuhrpark aufgebaut und eine mobile Einhalt zur Rettung der Überlebenden etabliert - ganz im Sinne von Polar Bear.

Fazit

Szenenfoto aus der Fear-the-Walking-Dead-Folge Hoffnung
Szenenfoto aus der Fear-the-Walking-Dead-Folge Hoffnung - © AMC

Vieles an der Fear the Walking Dead-Folge Hoffnung mutet merkwürdig an. Als treue Zuschauer wissen wir, dass Morgan ein spezieller Charakter mit seiner ganz eigenen Philosophie ist und sich dadurch selbst gewisse Regeln auferlegt. Dass er hier so hartnäckig versucht, Martha zu drehen, nervt aber stellenweise schon sehr. Anders können die Autoren aber auch keine einzelne Figur vom Rest der Gruppe trennen, die später zur Rettung wird. Die Idee, die Gruppe zu schwächen, ist auch nicht verkehrt, aber die Umsetzung ist auch hier in meinen Augen etwas schwach. Unbedingt will man dabei die über acht Episoden aufgebaute neue Motivation fürs Weitermachen und Weiterhelfen aufbauen, was am Ende in der mobile Hilfegruppe mündet.

Martha war als Schurkin vom Start weg nicht nach meinem Geschmack. Durch ihre Panscherei mit dem Wasser hat sie tatsächlich am Ende noch einmal etwas losgetreten, das dann aber doch durch eine Reihe von Zufällen und glücklichen Fügungen - von denen es in dieser Halbstaffel überdurchschnittlich viele gab - aufgelöst wurde. Die nächsten acht Folgen widmen sich dann wohl also den Überlebensengeln. Mal sehen, wie das wird.

Verfasser: Adam Arndt am Montag, 1. Oktober 2018
Episode
Staffel 4, Episode 16
(Fear the Walking Dead 4x16)
Deutscher Titel der Episode
Hoffnung
Titel der Episode im Original
... I Lose Myself
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 30. September 2018 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 1. Oktober 2018
Autoren
Andrew Chambliss, Ian Goldberg
Regisseur
Mike Satrazemis

Schauspieler in der Episode Fear the Walking Dead 4x16

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?