Fear the Walking Dead 3x10

Fear the Walking Dead 3x10

In der Fear the Walking Dead-Episode Diviner wird die Wasserknappheit zu einem Problem, um das sich Madison und Walker kümmern. Dabei stoßen sie auf einen alten Bekannten, während auf der Ranch der Aufstand geübt wird.

Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „Diviner“ / (c) AMC
Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „Diviner“ / (c) AMC
© zenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „Diviner“ / (c) AMC

Madison (Kim Dickens) hat in Fear the Walking Dead nicht nur die Brokejaw-Ranch von Jeremiah Otto geerbt, sondern auch einige Probleme, die damit einher gehen. Verschwiegen hat er beispielsweise die Wasserprobleme, die Madison in der vorherigen Episode entdeckt hat und in Diviner direkt an Qaletaqa Walker (Michael Greyeyes) heranträgt. Schnell muss eine Lösung her, denn das Wasser reicht nach aktuellem Stand lediglich für sechs Wochen. Als Sofortmaßnahme wird eine Rationierung durchgesetzt, zwei Gallonen pro Tag, pro Person, was das überleben sichern sollte, aber nicht Faktoren wie Tiere oder individuelle Bedürfnisse berücksichtigt.

Walker und Madison wollen ihr Glück beim sogenannten Bazar versuchen, wo man - ähnlich wie damals beim Supermarkt - Waren gegen andere Ressourcen tauschen kann.

In der Abwesenheit der De-Facto-Anführer (wobei Jake mal wieder übergangen wird) werden Stellvertreter zu Sheriffs ernannt, die die Ordnung wahren sollen. Madison weiht vor ihrem Abgang, der mehrere Tage dauert, noch Tochter Alicia (Alycia Debnam-Carey) ein, mit der Bitte das Geheimnis nicht zu verraten, ehe sie mit einer Lösung zurück sind. Wir können uns alle wohl da schon denken, wie gut das klappen wird.

Nick und die Miliz

Nick (Frank Dillane) sitzt derweil seine Strafe in der Sweatbox ab und sieht Troy (Daniel Sharman), der ihn verhöhnt und ihm die Freiheit per Schlüssel verspricht. Da Troy allerdings erst in der Folge zuvor den Weg ins Exil antreten musste, haben wir als Zuschauer zweifel an Nicks Geist und es stellt sich tatsächlich als Manifestation seiner Schuldgefühle heraus. Das Vermächtnis von Troy beschäftigt Nick aber auch auf andere Weise, denn die Miliz, der er auch vor dem Friedensschluss angehört hat, existiert weiterhin und plant einen Aufstand gegen die Red-Hat-Nation, wenn es nötig sein sollte. Als Zeichen ihrer Aufmerksamkeit bringen sie Nick eine versteckte Waffe.

Nick ist in der moralischen Zwickmühle, wie er im Gespräch mit Schwester Alicia deutlich macht. Denn auf der einen Seite glaubt er, dass er die Miliz in Schacht halten kann, in dem er ihre Pläne kleinredet oder sie davon überzeugt die Füße still zu halten. Gleichzeitig weiß er um die teils rassistisch motivierten Gedanken gegen die Ureinwohner und ihr Volk und fühlt sich nicht wohl dabei, ihre Gallionsfigur zu sein. Allerdings: Ist er im Besitz der Waffe, kann sie niemand anderes abfeuern, so der Gedanke.

Moral-Schlamassel

Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „Diviner“
Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „Diviner“ - © AMC

Auf dem Weg zum Tauschhandel kann sich Walker gegenüber Madison eine Bemerkung zu ihrem Erziehungsstil und der fehlenden Disziplin ihrer Kinder nicht verkneifen, auch wenn sein Vergleich mit den Hunden tatsächlich etwas schief ist, aber doch irgendwie passt. Dreht man die Situation um, geht es den Clark-Kindern aber ähnlich. Alicia hält ihre Mutter für gebrochen, als sie Nick wegen dem Tod von Jeremiah befragt. Die junge Clark-Frau fühlte sich ausgeschlossen, als Nick und Madison ohne sie den Ranch-Patriarchen aus dem Weg geschafft haben, im Endeffekt ist sie jedoch glücklich, nicht in dieses Schlamassel involviert worden zu sein.

Moralisch ist Alicia von den Clarks wahrscheinlich diejenige, die die weißeste Weste hat und sich um pazifistische Lösungen aktiv bemüht, wobei ihr Jake (Sam Underwood) viel Inspiration anbietet. So spricht sie das Problem rund um die doppelten Wasseransteher an, während Ofelia (Mercedes Mason) von dem Miliz-Problem berichtet. Ressentiments sind in beiden Gruppen leider tief verwurzelt, wie das kleine Kind zeigt, das das Wasser von Ofelia aus der Hand schlägt. Ofelia ist ebenfalls Walkers Ansicht, wonach die Kontrolle der eigenen Leute Priorität besitzen sollte, weil sich so Konflikte vermeiden lassen.

Aggressoren waren bislang (sieht man vom Angriff auf den Helikopter ab, der wahrscheinlich Altlasten als Hintergründe hatte) zumeist die Brockjaw-Rancher und auch in dieser Episode wird ein Plan geschmiedet, der in einem Blutbad enden könnte.

Bazar

Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „Diviner“
Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „Diviner“ - © AMC

Der Bazar ist in einem Stadion beheimatet (wurde hier das aus Staffel eins mit einer neuen Funktion versehen?) und befindet sich unter der Anführerschaft eines gewissen Proctor John. Ähnlichkeiten zu Negan und seiner Sanctuary sind wahrscheinlich bei Typen seines Schlages Zufall, denn er lässt Leute, die bei ihm in der Schuld stehen, als Zombie-Abwehr an den Zaun ketten.

Was Fear the Walking Dead gut macht - und ich würde sogar behaupten, besser als The Walking Dead -, sind Mikrokosmen und neue Gesellschaftssystem aufzuzeigen, die sich nach der Zombie-Apokalypse etablieren.

Der Bazar scheint sehr gut strukturiert und organisiert zu sein, zumindest ist es die Eintrittskontrolle. Denn rein darf man nur, wenn man etwas Wertvolles hat, das man gegen Zeit im Inneren anbieten kann. In Madisons Fall ist es das Walkie-Talkie, mit dem sie eigentlich mit Alicia im Kontakt bleiben wollte, was gleich zwei Tage ermöglichen würde.

Innen geht es dann eher chaotisch zu. Es wird geschrien, alle preisen ihre Waren und Dienstleistungen an und so mancher findet, dass es an der Zeit für Augentattoos ist. In diesem Teil von Nordamerika häufen sich solche Tauschsystem tatsächlich eher, als an der Ostküste des Landes, wo TWD spielt, wo es häufig daraus hinausläuft, Unterschlüpfe zu suchen oder von anderen zu übernehmen.

Bei FTWD gibt es oft Menschen zu sehen, die sich in der Situation bereichert haben und Dinge bunkern. So auch Marie Lu, von der Walker und Madison 10.000 Gallonen Wasser erstehen möchten. Allerdings kann sie mit Müh und Not die Hälfte anbieten und ist dabei entweder nicht ehrlich, weil sie meint, dass das alles ist, was sie hat oder aber dumm, weil sie ihre ganzen Vorräte abgeben würde. Wie überlebt sie selbst ohne Wasser? Darum sollte man davon ausgehen, dass sie lügt und mehr für sich herausschlagen will.

Das Geschäft droht aber zu platzen, als Madison Victor Strand (Colman Domingo) erblickt und ohne Nachzudenken für ihn kämpft, obwohl er sich wieder einmal in Schwierigkeiten gebracht hat. Hier ist er also nach der Daniel-Sache gelandet.

Madison hat mehr Glück als Verstand, denn Victor erwähnt direkt den Tijuana-Staudamm, wobei er mit den Betreibern im Clinch liegt. Noch weiß er nicht, dass Trumpfkarte Ofelia in Madisons unmittelbarer Nähe ist. Victor, Walker und Madison müssen sich heimlich davonstehlen und in Strands geheimen Zimmer nächtigen, wo die beiden Weggefährten ein wenig Zeit haben, um sich auf den aktuellen Stand zu bringen.

Deal or no deal

Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „Diviner“
Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „Diviner“ - © AMC

Während Walker sich Inkognito auf dem Markt umschaut und - beabsichtigt oder nicht - Strand ausliefert, muss dieser im Anschluss seinen Dienst am Zaun antreten. Als Retourkutsche bedient sich Madison jedoch seiner Tauschutensilien und befreit Strand von seiner Schuld. Das merkt Walker erst, als sein neu eingefädelter Deal mit Wu platzt. Doch Madison argumentiert, dass sie die langfristigere Lösung mit dem Damm im Auge hat und nebenbei ihren alten Bekannten aus der Patsche helfen kann.

Hier ist nun die Frage, ob sie es wie Daniel bereuen wird, auf Victor zu setzen oder ob durch Ofelia vielleicht ein Deal ausgehandelt werden kann. Ofelia mag zwar zurück sein und als Walkers Vertraute eine neue Rolle bekleiden und bisweilen Ausschlag dafür geben, dass Situation nicht eskalieren, dennoch werde ich den Eindruck nicht los, dass man sie auch etwas besser in Szene setzen und charakterisieren könnte. Es wurde zwar der ehrenhafte Versuch unternommen, sie zum Badass und einer moralisch graueren Figur zu machen, aber noch immer ist ihre Screentime minimal und ihr erzählerischer Einfluss marginal.

Streit um den Brunnen

Auf der Brokejaw-Ranch stellt Alicia die Frau zur Rede, die sich zu viel Wasser nimmt, weil sie meint, dass die Red-Hat-Nation, das so vorgemacht hat und kippt ihr Wasser zurück. Die Situation eskaliert und Alicia kann offenbar nicht anders, als mit der Wahrheit um die Wasserknappheit rauszurücken, was in einem Handgemenge mündet und der Drohung, dass Ofelia und Co den Brunnen fortan übernehmen wollen. Das ruft Nick und seine Pistole auf den Plan, denn nach der Waffenkammer wäre es die nächste Schlüsselressource, die sie kontrollieren. Ofelia ist der Meinung, dass es nicht zur Eskalation kommen sollte, doch die Miliz überlegt schon, was der nächste Schritt ist.

Nick schmettert einiges ab, was zu Blutvergießen führen würde, ihm gefällt aber die Idee, die Waffen aus ihrem Besitz zu stehlen, weil - so zumindest seine Denke - so keiner zu schaden kommt. Die durchaus gewaltbereite Miliz zeigt ihm aber die andere Möglichkeit auf, es könnte nämlich auch zum maximalen Blutvergießen kommen.

Doch dazu muss es gar nicht kommen, wenn es nach Alicia geht, die außerhalb der Ranch eine Gruppe mit einer Wünschelrute beobachtet. Sie versuchen eine neue Wasserquelle auszuheben, während die Miliz rund um Nick ihren Schleichplan umsetzt, dabei aber schon längst von Crazy Dog und Ofelia erspäht wurde.

Nick sieht seinen Fehler ein und bricht den Plan ab, um seiner Schwester und den anderen Grabenden zu helfen. Tatsächlich endet die Episode dann mit einem wunderschönen Bild, in dem die Differenzen zugunsten einer Lösung, die allen helfen könnte, über Bord geworden werden.

Fazit

Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „Diviner“
Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „Diviner“ - © AMC

Fear the Walking Dead ist in meinen Augen immer wieder für Überraschungen gut, die mein Interesse wecken. Ob es nun Konzepte wie der Bazar und dessen Organisation sind oder starke Bilder, wie das am Episodenende, die mich über manche Ungereimtheit hinwegsehen lassen können, wie Madisons blinde und fahrlässige Unterstützung von Strand, die fast ihre gesamte Gruppe sabotiert.

Natürlich hat sie Strand ihr Leben zu verdanken und anders als Daniel, hat er sie nicht dreist belogen, dennoch ist es sehr gewagt auf den Staudamm zu setzen, über den sie wahrscheinlich nicht allzu viele Informationen hat, während ihre Kinder beweisen, dass sie trotz aller Differenzen und den Umständen, in denen sie leben, noch Güte und Solidarität für andere besitzen.

Verfasser: Adam Arndt am Montag, 11. September 2017
Episode
Staffel 3, Episode 10
(Fear the Walking Dead 3x10)
Deutscher Titel der Episode
Der Wahrsager
Titel der Episode im Original
Diviner
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 10. September 2017 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 11. September 2017
Autor
Ryan Scott
Regisseur
Paco Cabezas

Schauspieler in der Episode Fear the Walking Dead 3x10

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