Fear the Walking Dead 3x07

© zenenfoto aus der âFear the Walking Deadâ-Episode âThe Unveilingâ / (c) AMC
Die Entwicklung mancher Figur in der dritten Staffel von Fear the Walking Dead ist schon etwas kurios oder sogar befremdlich. TatsĂ€chlich muss man im Hinterkopf behalten, dass Madison (Kim Dickens) ihren Partner verloren hat und RachegefĂŒhle hegt. Allerdings riskiert sie mit ihrem Verhalten das Leben zahlreicher Menschen, darunter ihre Kinder, gleich mit. Ihr LĂŒgenkonstrukt kann und wird sich nĂ€mlich unweigerlich rĂ€chen, wie die aktuelle Episode The Unveiling bereits zeigt.
Jake (Sam Underwood) ist derjenige auf der Ranch, der eine friedliche Lösung im Sinn hat und diplomatisch einen offenen Krieg vermeiden will. Qaletaqa Walker (Michael Greyeyes) hegt einen Groll, der noch vor der Zombieapokalypse angefangen hat und im Gericht - zu ungunsten der Ureinwohner - geklĂ€rt wurde. Wenig hilfreich ist fĂŒr den stolzen Ureinwohner der Fakt, dass Alicia (Alycia Debnam-Carey) Jake gefolgt ist und sich in die Verhandlungen einmischt, wobei sie die angeblich von Walker getötete GrĂŒnderfamilie ins Spiel bringt. Walker macht jedoch keinerlei BemĂŒhung, das in irgendeiner Form richtigzustellen.
Die Tankstelle mit angeschlossenem Diner fungiert als Hauptquartier seiner Gruppe, dabei gibt es keinen nennenswerten Zaun oder eine Àhnliche Sicherung, was spÀter damit kommentiert wird, dass man sich nicht an sein Volk anschleichen könne. Da Walker gerade dabei war, ein Schwein zu schlachten, werden die Verhandlungen also mit einem Essen kombiniert, weswegen wir zufÀllig erfahren, dass Ofelia (Mercedes Mason) von ihm gerettet und unter seine Fittiche genommen wurde. Besonders kommunikativ zeigt sie sich in dieser Folge jedoch nicht. Vielmehr liebt sie es nun, in kryptischen Hinweisen zu sprechen.
Walker ist weiterhin daran interessiert, das Land zurĂŒckzubekommen, welches ihm - traditionsbedingt - zusteht. Alicia hĂ€lt derweil Ofelia eine gerechtfertigte Standpauke, weil sie durch ihren Alleingang und das Mitnehmen des Trucks den Rest der Gruppe, die sich damals im Hotel aufgehalten hatte, in Gefahr gebracht hat. Eine anstĂ€ndige Entschuldigung bleibt jedoch aus.
Parley

Nick (Frank Dillane) und Madison fĂ€llt auf, dass Alicia verschwunden ist, wĂ€hrend Jeremiah (Dayton Callie) der Abgang von Jake aufgefallen ist. Allerdings will er nicht noch einmal einen Suchtrupp losschicken, wohingegen Nick Lust auf Action hat und sich laut Jeremiah doch nĂŒtzlich machen und der Miliz anschlieĂen soll.
Luciana scheint aus den Augen und damit auch aus dem Sinn zu sein. Nicks Charakterisierung in der dritten Staffel erscheint mir wie eine 180-Grad-Wende, verglichen zu Staffel zwei. Ob das daran liegt, dass ihm die Familie wichtiger ist als seine Freunde oder etwas anderes dahintersteckt, ist mir nicht ganz klar. NatĂŒrlich kann sich durch den Verlust von Travis auch in ihm etwas verĂ€ndert haben. Dass es aber keinerlei Impuls gibt, nach Luci zu suchen beziehungsweise nicht mal ein Wort aus seinem Mund dazu, passt nicht zu dem Nick, den wir bislang gesehen hatten.
Dass er hingegen mit Troy (Daniel Sharman) kokettiert, als es darum geht, Teil der Miliz zu werden, ist typisch Nick. Etwas Wissen anzudeuten, ohne konkret auszusprechen, was es ist - nĂ€mlich das Wissen rund um den Mord an der GrĂŒnderfamilie -, ist man vom bauernschlauen Nick jedenfalls gewohnt.
Jake handelt mit Walker ein Abkommen aus, bei dem Geiseln getauscht und Tribut erbracht werden sollen. UrsprĂŒnglich soll Jake bleiben und Alicia die Bedienungen weitergeben, doch die junge Clark ĂŒberredet Jake dazu, dass sie bleibt, was fatale Folgen hat. Die Black-Hat-Ureinwohner fordern Wasser, was in dieser Welt Mangelware ist, und Jake ihnen auch geben möchte, doch Jeremiah hat starke Bedenken, weil bei einer DĂŒrre dann seine Gruppe ohne Reserven dastehen wĂŒrde. DafĂŒr haben sie nun Ofelia als Austauschgeisel, die aber entweder am Stockholm-Syndrom leidet, indoktriniert wurde oder tatsĂ€chlich daran glaubt, dass Walker und Co keine bösen Absichten haben. Ob sie vom Travis-Vorfall weiĂ?
Pony Warriors
Alicia bekommt von Walker derweil eine kleine Tour durch das Areal, wobei Walker voller Stolz davon spricht, dass sie einen Hubschrauber, zufĂ€llig der, in dem sie, Jake und Travis saĂen, abgeschossen haben und durch fĂ€hige Schrauber am Aufbau einer Air Force arbeiten. Der Hubschrauber wird zum Tschechows'schen Hubschrauber und könnte eventuell noch von Bedeutung werden. Hier dient er vor allem fĂŒr Alicia als Ventil, um ihrem Geiselnehmer ihren Hass auszudrĂŒcken. Wobei ihr individueller Schmerz sehr viel kleiner sein dĂŒrfte als der Gruppenschmerz, den die Ureinwohner in all den Jahren angesammelt haben. Allerdings hĂ€lt Alicia ihn weiterhin fĂŒr einen Heuchler, der gerne den Noblen gibt.
Was die Autoren von Fear the Walking Dead in meinen Augen recht interessant gestalten, ist es, die Apokalypse pro Staffel oder Halbstaffel durch verschiedene Weltanschauungen oder Religionen zu filtern. Die AusfĂŒhrungen von Walker zur Bedeutung der Apokalypse und der Glaube, dass die Ureinwohner nach einer groĂen Katastrophe ein Anrecht auf die Welt haben, weil alle Unreinen fortgewaschen werden. Die Frage, die sich stellt, ist, wer entscheidet, wer zu dem Kreis der Erlauchten gehört. Denn beide Seiten sehen sich schlieĂlich - wie so oft - im Recht.
Ohne RĂŒcksicht auf Verluste

Madison ist blind vor Wut und will ihre Tochter sofort wiederhaben. Es ist wirklich bemerkenswert, wie militant sie inzwischen geworden ist - auch, was ihre Wortwahl angeht. Die Autoren mĂŒssen bei ihr wirklich Acht geben, sie nicht zur lupenreinen Schurkin zu machen. Schon jetzt können viele Zuschauer ihre Handlungen kaum noch nachvollziehen. Dass sie eine Rolle innerhalb dieser Brokejaw-Community spielt, scheint im Moment auch nicht mehr gegeben zu sein. Denn sie manipuliert, wie es ihr gefĂ€llt, fĂ€llt egoistische Entscheidungen zugunsten ihrer Familie und riskiert dabei das Wohlergehen aller anderen, die nicht Clark heiĂen.
Jeremiah glaubt bei dem Angebot Walkers zwar auch an eine Falle, gibt sich aber abwartend. Man könnte es auch passiv nennen. Denn hinter seinem RĂŒcken erpresst Madison dann Troy in eine geheime Rettungsaktion, an der auch Nick und sie teilnehmen. Zu den weiteren MerkwĂŒrdigkeiten und Unklarheiten der Episode gehört der zeitliche Ablauf der VorgĂ€nge. Denn plötzlich steht Alicias Befreiung an, die nicht ohne eine Handvoll Opfer auf der Seite der Natives ablĂ€uft.
Jeremiahs GesprĂ€ch mit Ofelia auf der anderen Seite scheint derweil nicht den gewĂŒnschten Effekt zu haben - oder vielleicht doch? Jeremiah versucht, deutlich zu machen, dass er keinen Krieg will, es klingt jedoch wie eine Drohung.
FĂŒr Jake bedeutet Alicias Alleingang eine deutliche Verschlechterung seiner Verhandlungsbasis, dennoch - und gegen den Rat seines Bruders, der in dem Fall Recht haben dĂŒrfte - will er das Wasser als Geste zusammen mit Ofelia abliefern. Ofelia versucht, Alicia zu warnen und will sie wieder mitnehmen, um sie in Sicherheit zu wissen. SpĂ€testens hier sollte man den Braten riechen, dass es einen geheimen Plan gibt...
Jake kassiert PrĂŒgel, als er wieder auf dem Reservatsgebiet auftaucht und verliert auĂerdem beinahe seinen Skalp, bis Ofelia einschreitet und er noch einmal verschont wird. Die Drohungen vonseiten Walkers werden hingegen immer deutlicher. Die Ottos leben gefĂ€hrlich, wenn sie sich erneut blicken lassen.
Die trojanische Ofelia

Kurze Zeit spĂ€ter - wieder ist der Zeitablauf nicht ganz klar - wird eine ĂŒbel zugerichtete Ofelia bei der Brokejaw-Ranch abgeliefert und von den Ottos aufgenommen. Allerdings ahnt da noch niemand, dass sie eine Doppelagentin sein könnte, weswegen sie fahrlĂ€ssigerweise in die KĂŒche gelassen wird, wo sie Gelegenheit hat, die Miliz zu vergiften.
Troy hört nach den VorfĂ€llen auf Vater und Bruder und hĂ€lt sich zurĂŒck. Man will in den vom Zaun definierten Grenzen bleiben. Doch genau das dĂŒrfte der Plan des Feindes sein. Per vergiftetem Essen soll sich die Gruppe von selbst zerstören, indem möglichst viele der starken KĂ€mpfer, also die Miliz, zu Untoten werden und den Rest ausschalten.
In gewisser Weise hat Madison das zu verantworten, als sie Troys Mord an der GrĂŒnderfamilie deckt und fĂŒr ihre Anti-Red-Hat-Stimmung instrumentalisiert - und vor ihrer Tochter Alicia geheim hĂ€lt.
Langsam, aber sicher wirkt die Vergiftung bei den Soldaten und offenbar betrifft sie auch Nick. Ich halte es aber fĂŒr unwahrscheinlich, dass es ihn ebenfalls erwischt.
Fazit

Es fĂ€llt immer schwerer, Madison Sympathie entgegenzubringen und ihre Handlungen haben direkten negativen Einfluss auf ihre Kinder, wobei Alicia zumindest versucht entgegenzuwirken. Vielleicht muss auch erst Nick ernsthaft in Gefahr schweben, damit sie einsieht, auf welchen gefĂ€hrlichen Pfaden sie wandelt. Womöglich ist es aber auch schon zu spĂ€t. Man muss sich fragen, was ihre Absicht ist. Gibt es doch einen Masterplan, der in der zweiten Folge angedeutet wurde - nĂ€mlich die Ăbernahme der Ranch? Oder passiert alles doch eher zufĂ€llig und sie ist schon lange nicht mehr unter Kontrolle? Die Drohkulisse ist auf beiden Seiten existent. Wer hat am Ende die Nase vorn?
Die Folge an sich hat vor allem anfangs einige SchwÀchen und LÀngen und wird erst spÀter deutlich interessanter. Mit welchen Ereignissen wird das Halbstaffelfinale die Zuschauer wohl konfrontieren?
Trailer zur Episode Children of Wrath der US-Serie Fear the Walking Dead (3x08):
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 10. Juli 2017Fear the Walking Dead 3x07 Trailer
(Fear the Walking Dead 3x07)
Schauspieler in der Episode Fear the Walking Dead 3x07
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