Fear the Walking Dead 3x06

© zenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „Red Dirt“ / (c) AMC
In der dritten Staffel von Fear the Walking Dead hat sich mit Nick Clark (Frank Dillane) und Jeremiah Otto (Dayton Callie) ein (Ex-)Suchti-Paar gefunden, dass sich gut ergänzt. Bei Nick sorgt Jeremiahs Anwesenheit für eine Besinnung auf die Familie (und er lernt nebenbei, zu schießen). Denn er lässt Luciana (Danay Garcia) ziehen, ohne sein Leben zu riskieren und wartet in der Folge Red Dirt auf die Rückkehr von Mutter Madison (Kim Dickens), die bekanntlich nur knapp mit dem Leben, dafür aber mit kaputten Füßen zurückkehrt, und keine positiven Nachrichten für die Bewohner der Brokejaw Ranch dabei hat.

Troy (Daniel Sharman) möchte nicht vor versammelter Mannschaft über die Schmach sprechen. Entweder, um den Anschein zu wahren, dass die Ranch sicher ist und so die Moral hochzuhalten oder weil er selbst keine Schwäche zeigen will. Doch seine Begleiter sehen das anders und erzählen von der traumatischen Begegnung mit Qaletaqa Walker (Michael Greyeyes), der sie quasi dazu aufgefordert hat, das Land zu verlassen und den Ureinwohnern zu überlassen. Das gibt auch Mike zu verstehen. Bleiben bedeutet den Tod riskieren, was dessen Familie nicht möchte. Welch Ironie!
Familienrat
Im Familienrat der Ottos gibt es dann ein vertrautes oder sagen wir eher erwartetes Bild. Denn Troy will Rache, während Jeremiah die Hitzköpfigkeit des Sohnemanns kritisiert und Jake (Sam Underwood) es mit Diplomatie versuchen möchte. Zwischendrin befindet sich Madison, die das Ganze beobachtet und sich Informationen einholt, dabei aber von Jeremiah feindselig angeraunt wird. Jeremiah ist der Meinung, dass das Land rechtlich gesehen ihm gehört, weil er es von seinen Vorfahren übernommen hat. Ob diese damals jedoch einwandfrei in den Besitz davon gekommen sind, steht auf einem anderen Blatt.
Wieder einmal bemüht sich das Oberhaupt der Ranch außerdem, zu betonen, dass es hier nicht um Rassismus geht, der im Zentrum des Konflikts steht, wobei die Autoren mit der sehr dünnen Grenze spielen. Im Endeffekt soll Jake wieder seine PR-Maschine zum Laufen bringen und die Leute beschwichtigen.
Clark-Agenda

Während Nick sich um die Mutter und ihre geschundenen Füße kümmert und auch Alicia (Alycia Debnam-Carey) ihren töchterlichen Pflichten nachgeht, ist es doch interessant, einmal genauer hinzuschauen, was die junge Clark eigentlich für eine Rolle spielt. Denn während Madison den Konflikt aufbauscht und dabei auch Troy einspannt und manipuliert - auch wegen des Mordes an Travis -, scheint Alicia das Gegenteil zu versuchen, nämlich Frieden zu stiften, indem sie Jake subtil instrumentalisiert.
Und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Er bringt ihr das Schießen bei, bietet ihr intellektuelle, aber auch körperliche Stimulation und ist ihr Hoffnungsschimmer auf eine Welt, die nicht immer auf Gewalt aufgebaut ist. Darum beschäftigt sie auch die Nachfolgefrage. Wer übernimmt eigentlich, wenn Jeremiah nicht mehr da ist? Jake ist tatsächlich der Meinung, dass auch jemand wie Alicia das Kommando annehmen könnte, nur müsste man erst einmal die ganzen Libertarianer überzeugen.

Madison versucht derweil (vergeblich), die Gruppe zusammenzuhalten, denn eine der übrig gebliebenen Gründerfamilien rund um Mike und Gretchen will die Segel streichen. Das Lager wird gecheckt und auch sonst herrscht Aufbruchstimmung, was nicht alle gerne sehen.
Das alles während die Ureinwohner ihre Absichten bestärken, indem sie drohende Feuer entzünden. Jeremiah ist unschlüssig, wie er vorgehen soll. Mindestens acht von ihnen sind umgekommen, was offenbar in dreißig Jahren auf der Ranch nicht ansatzweise vorgekommen war. Allerdings kämpft Jeremiah nicht einmal um Gründerfamilien und gibt ihnen keinen Grund zu bleiben. Während Papa Otto also bereit ist, sie ziehen zu lassen, kämpft und droht Troy ihnen, da er glaubt, sie schulden der Familie etwas für das jahrelange Asyl. Bevor das ausartet, gehen allerdings Jake und auch Jeremiah mit den Fäusten dazwischen.

Nach dieser Situation gibt Madison Troy schon wieder ein Gefühl von Unterstützung, als dieser die Waffen in der Vorratskammer sichert und von seiner Enttäuschung gegenüber seinem langjährigen Freund und Wegbegleiter erzählt. Ob ihr Interesse an ihm aufrichtig ist oder sie ihn weiterhin nur manipuliert und ausnutzt, ist mir nicht immer klar. Vielleicht respektiert sie tatsächlich seine große Loyalität zur Sache und der Familie - etwas, das sie von ihren Kindern nicht immer erfahren hat.
New Ranch Order
Troy inspiriert das kurze Gespräch - zumindest scheinbar - zu einer Einsicht und einer neuen Ansage gegenüber den Kameraden von der Miliz. Es soll um die Sicherheit der Leute da draußen gehen, die man mit dem Leben beschützen will, denn es ist alles, was einem noch geblieben ist.
Jeremiah zweifelt derweil an der Sache und greift wieder zur Flasche, weil seine langjährige Arbeit zu zerfallen droht, was Nick aus nächster Nähe beobachtet, als er mit der alten Pistole in den Boden schießt, auf dem viel Blut vergossen wurde. Jeremiah leugnet also nicht, dass hier gewisse Ungerechtigkeiten stattgefunden haben. Die Frage ist nur, ob das noch von Belang ist. Eine Nacht später tut Nick so, als wäre nichts passiert, zumindest gegenüber Jeremiah, wobei er diese Information vielleicht zu einem anderen Anlass verwenden kann.
Let's talk awkwardly about sex, baby
Madison erfährt derweil, dass Alicia und Jake eine Beziehung gestartet haben und bringt einige schnelle Aufklärungstipps unter, während die Tochter ihr sagt, dass Verhütung durch die Vorratskammer vorerst kein Problem darstellt. Ob Alicia jedoch aufrichtig ist, als sie sagt, dass sie Jake mag, aber ihn nicht liebt, ist eine andere Frage. Jake will nämlich persönlich mit Walker verhandeln und weiht niemanden außer sie darüber ein. Allerdings hilft ihre explizite Bitte an ihn, nicht zu gehen, nicht dabei, Jake umzustimmen.
Gewisse Ereignisse, die folgen, machen das jedoch zu einem gefährlichen Unterfangen, bei dem sich nun wiederum Alicia auf eigene Faust einmischt.
Horsing around

Das Wiederauftauchen eines Pferdes sorgt dafür, dass Jeremiah zusammen mit Madison und Nick losfährt, um eine Vermutung zu untersuchen. Jeremiah vermutet nämlich, dass die Gründerfamilie tot ist, weil das Tier sonst nicht wieder da wäre, und vermutet die Ureinwohner als Täter.
Die Familie rund um Mike hat sich bereits zu Untoten verwandelt und wird entsprechend aus dem Verkehr gezogen, wobei Madison jedoch zögert, die Tochter zu erschießen, weil sie sie an Alicia erinnert. So muss Nick einschreiten und das übernehmen.
Jeremiah ist derweil überfragt, was zu tun ist, weil er der festen Überzeugung ist, dass Walker und seine Leute beim Blackhat-Reservat waren.
Nick und Madison wissen es besser: Die Tat geht auf das Konto des rachsüchtigen und unberechenbaren Troys.
Doch sie bewahren das Geheimnis für sich und Madison nutzt die Situation, um den Brokejaw-Ranchern bei der Rückkehr eine Rede zu halten, weitere Familien den Abgang madig zu machen und auf eine Auseinandersetzung mit den Blackhats einzuschwören.
Madison wird also immer skrupelloser und Troy in dieser Sache auch ein wenig ähnlicher. Nick durchschaut ihre Lüge, bleibt jedoch an ihrer Seite und spielt vorerst mit. Und das alles, während Troy ihr gegenüber geständig ist und zugibt, die Familie verfolgt und ermordet zu haben, wobei sie sich seinen Wahnsinn ebenfalls zu Nutzen machen möchte.
Stellt sich allerdings die Frage, ob Madison glaubt, dass sie die Schlacht gewinnen können oder ob sie es - wie zum Staffelbeginn angekündigt - nur darauf anlegt, das Kommando zu übernehmen und zwei feindliche Lager aufhetzt, um sich dann zu neutralisieren. Allerdings ist das sehr riskant, weil sie und ihre Familie so auch inmitten der Schusslinie sind.
Fazit

Die Fear the Walking Dead-Folge Red Dirt bringt zwar, wenn man es herunterbricht, einige interessante Entwicklungen mit sich, dennoch verläuft die Episode gefühlt etwas zäh und tempoarm, besonders im Vergleich zu den direkten Vorgängern.
Madisons fast schon kamikazemäßige Einstellung verwundert auf der einen Seite schon, ist jedoch mit Vergeltungsgedanken für den Ex nachvollziehbar.
Es zeichnet sich ab, dass etwas Katastrophales mit Jake und Alicia geschehen könnte (eher mit Jake denn mit Alicia), denn wann wurde ein moralisches Zentrum, wie Jake es ist, im Franchise mit dem Überleben belohnt? Die Doppelfolge zum Mid Season-Break wird es zeigen.
Aktuell hat die Serie jedoch ein Pacing- oder Balanceproblem. Denn abgesehen davon, dass Ofelia in dieser Staffel weiterhin null Sekunden Screetime hat (und es eigentlich auch niemanden interessiert, der Fakt mich aber amüsiert), scheint auch die Handlung rund um die Staudamm-Survivor keine Berührungspunkte mit den Clarks zu haben, was inzwischen merkwürdig anmutet. Die Familie ist zwar zusammen, dennoch erzählen die Kreativen rund um Dave Erickson zwei getrennte Serien, was auf Dauer nicht funktionieren kann.
Trailer zur Episode The Unveiling (3x07) der Serie Fear the Walking Dead:
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 3. Juli 2017Fear the Walking Dead 3x06 Trailer
(Fear the Walking Dead 3x06)
Schauspieler in der Episode Fear the Walking Dead 3x06
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