Ellis 1x01

© Channel 5, ZDF
Das passiert in der 1. Staffel der britischen Serie „Ellis“
Die eigentlich in London stationierte DCI Ellis (Sharon D. Clarke) wird in der Serie Ellis immer dann gerufen, wenn die örtliche Polizei bei einem Mordfall überfordert ist oder wichtige Persönlichkeiten involviert sind. Mit scharfem Verstand, besonnen und akribisch geht die Ermittlerin in der ersten Staffel der Produktion jeder noch so kleinen Spur nach, um die Täter zu fassen...
Zurückgefahren, aber interessant
Eine gute Krimiserie geht immer, vor allem, wenn sie aus Großbritannien kommt. Dieser Ansicht ist zweifelsfrei auch das ZDF, das uns regelmäßig mit aktuellem Genrematerial versorgt. Der neueste Streich in dieser Richtung trägt den Titel „Ellis“ und feierte am 31. Oktober 2024 Premiere bei Channel 5. Positiv anzumerken ist dabei für Krimienthusiasten, dass die zweite Staffel des Formats schon seit Juni 2025 beschlossene Sache ist. Ein Anschauen ohne die sorgenvolle Frage im Gepäck, ob es weitergeht, ist also kein Thema. Außerdem gibt es die erste Season abgesehen von der ZDFmediathek auch als DVD-Box vom Crime-Experten Edel Motion, die den Release zudem mit einem interessanten Making-of-Featurette versehen haben.

Im Pilotfilm Blut und Wasser wird DCI Ellis entsandt, um den Mord an den jugendlichen Sportschwimmer Rowan Edwards aufzuklären, der morgens in einem See in einem halb versunkenen Auto mit Wunden am Hinterkopf gefunden wird. Das Brisante: Maggie, die Freundin des Getöteten, wird vermisst. Gemeinsam mit ihrem Assistenten DS Chet Harper (Andrew Gower) ermittelt sie sowohl im Kreis des Schwimmvereins als auch im Umfeld der Eltern. Dabei legt ihr der örtliche DCI namens Jim Belmont (Chris Reilly) alle möglichen Steine in den Weg, denn er mag es gar nicht, wenn man in seinem Revier wildert.
Der oben beschriebene Abriss stellt im Großen und Ganzen eine typische Ausgangssituation dar. Ein Cop aus der Großstadt wird in die Provinz beordert und stößt dort auf innerbehördliche Widerstände. Diese gilt es entweder zu überwinden, oder dank kluger Ermittlungen sowie der Einbeziehung vermeintlich feindlich gesinnter Kollegen und Kolleginnen zu überwinden.
Oft bildet das Abbauen von Vorurteilen eine adäquate Abwechslung zu dem präsentierten Whodunit-Fall. Genau das geschieht auch hier, wenn auch in zurückgefahrener Form. Ebenso zurückgefahren ist zudem die Geschichte um die vermisste Maggie, die etwa in der Mitte des Films gefunden wird.
Von nun an gilt es, einen Verdächtigen nach dem anderen auszuschließen, von denen es genretypisch einige gibt. Das Ganze passiert ohne großes Aufsehen und mit einer Chefermittlerin, für die Feingefühl gegenüber den Angehörigen der Opfer kein Fremdwort ist...

Die Hauptfigur: Ellis
Interessant ist übrigens, dass wir lange Zeit so gut wie nichts über die Hauptfigur der neuen Serie erfahren. Ellis geht zielgerichtet vor und ermittelt hartnäckig. Sie scheut sich nicht, direkte Fragen zu stellen, auch wenn es gilt, die Wahrheit aus den Jugendlichen eines Schwimmvereins herauszuholen, die allesamt etwas zu verschweigen haben.
Fragen nach ihrem Privatleben beantwortet sie aber nicht, genauso wenig lässt sie sich auf Einladungen zu einem Feierabendrink ein. Tatsächlich erscheint die Polizistin erstaunlich unnahbar. Das mag hinderlich für den Aufbau einer Beziehung zur wichtigsten Person einer Serie klingen, dank des leisen Scores, solide geschriebener Dialoge und der starken schauspielerischen Leistung von Sharon D. Clarke entsteht aber dennoch der so wichtige und für das weitere Anschauen unerlässliche Sympathiefaktor.
Mit ausschlaggebend für den positiven Gesamteindruck ist last, but not least der von Andrew Gower gespielte Detective Sergeant Chet Harper, der als milderndes Element zu Ellis angesehen werden kann. Zwar begeht er manchen Denkfehler, doch er sorgt auch dafür, dass seine Chefin geerdet bleibt und ihr kollegiales Umfeld nicht vollkommen aus den Augen verliert. Denn wenn sie sich einmal in einen Fall verbissen hat, gibt sie nicht auf, bis der Täter gefasst ist.
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Abwechslung
Es ist also nicht so sehr der menschelnde Aspekt, wie wir ihn beispielsweise aus dem Cozy-Crime-Format Inspector Barnaby kennen oder der komödiantische wie in Father Brown. In „Ellis“ stehen die Ermittlungen unanfechtbar im Vordergrund. Das ist ein stabiles Fundament für gute Krimikost, wenn auch hier und da das Persönliche und das Individuelle fehlt.
Als Zuschauerin oder Zuschauer fühlt man sich beim Mitermitteln durchaus wohl und weiß die gegebene Komplexität der Drehbücher zu schätzen. Mehr holen die Autoren aber weder aus der Prämisse noch aus den Figuren heraus. Mit anderen Worten hat man fraglos seinen Spaß, nach dem Genuss der drei Einstiegsfolgen aber auch nicht das Gefühl, unbedingt mehr sehen zu müssen. Dafür gibt es zu viele andere Serien mit einem eindeutigen Alleinstellungsmerkmal, das sich hier aber nicht sofort erkennen lässt.

Für Abwechslung ist aber dennoch gesorgt. Sowohl die Detective Chief Inspector als auch einige der Protagonisten haben mit Vorurteilen gegen ihre Person zu kämpfen. Diese betreffen sowohl die Tatsache, dass Ellis sich zwangsläufig immer wieder in laufende Ermittlungen einmischt, als auch das Geschlecht, die Hautfarbe oder die sexuellen Identitäten der jeweiligen Personen. Für ein spannendes, auflockerndes Konfliktpotential ist also gesorgt. Weiterhin darf man resümieren, dass sich die Autoren in den ersten drei Fällen einiges einfallen lassen haben, um das Publikum ein ums andere Mal in die Irre zu führen.
Manchmal scheint die Lösung zum Greifen nah und glasklar ersichtlich, doch nur einige Minuten später entpuppt sich der angebliche Täter als unschuldig oder zumindest nicht schuldig am aktuellen Mord. Denn so mancher Verdächtiger hat anderweitigen Dreck am Stecken, den es aufzudecken gilt, nur um die jeweilige Person als Mörder ausschließen zu können.
Ein zwischen Ellis und Harper in der Pilotfolge geführter Dialog spricht für dieses Prinzip Bände. Sie spricht mit ihm über die Musikrichtung Funk, um ihm folgende Weisheit zu vermitteln: „Es ist wie bei einem Fall. Es sind nicht die physischen Beweise, die einen Fall ausmachen. Es sind die Menschen dazwischen und die Dinge, die all diese Menschen verbinden. Hass, Liebe Angst.“ Damit ist das Kernthema der Serie gut abgesteckt.
Fazit
„Ellis“ ist keine Überfliegerserie, trotzdem aber vernünftige, unterhaltsame Krimikost für Genrekenner und Fans interessanter Mitratefälle. Sharon D. Clarke ist ein starkes Zugpferd. Die Aktrice macht ihre Sache als hartnäckige, aber auf ihre Art mitfühlende Ermittlerin hervorragend, vor allem, wenn man bedenkt, dass sie ihre Figur zunächst mit einer dünnen Hintergrundgeschichte handeln muss.
Andererseits hat das den Vorteil, dass sich die Filme voll und ganz auf die Geschichte der Opfer und Täter konzentrieren, was wiederum ein immersives Gefühl schafft und dazu animiert, dabeizubleiben. Erfrischend ist abschließend die Tatsache, dass die oben erwähnte DVD-Box so früh erschienen ist und ein Making-of aufweist. Für mich als Sammler ist das auf jeden Fall ein Bonuspunkt.
Zusammengenommen gibt es dafür von uns
vier von fünf Zeugenaussagen.
Verfasser: Reinhard Prahl am Donnerstag, 14. August 2025Ellis 1x01 Trailer
(Ellis 1x01)
Schauspieler in der Episode Ellis 1x01
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