Eldorado KaDeWe - Jetzt ist unsere Zeit: Review zur Pilotepisode der ARD-Serie

© ast der Serie Eldorado KaDeWe - Jetzt ist unsere Zeit (c) Das Erste
Die deutsche Vergangenheit, besonders die oft vernachlässigten Jahre zwischen den Kriegen, haben in der jüngeren Fernsehgeschichte so manchen Autoren inspiriert. Nun bringt Das Erste mit Eldorado KaDeWe - Jetzt ist unsere Zeit eine Clique von vier jungen Menschen dieser Zeit auf die Mattscheibe, die allesamt eine Verbindung zum berühmten Kaufhaus des Westens haben.
Wovon handelt die Serie Eldorado KaDeWe - Jetzt ist unsere Zeit
Im Mittelpunkt der Serie stehen vier junge Menschen, die alle eng mit dem Luxuskaufhaus KaDeWe verbunden sind. Allen voran ist da die Angestellte Hedi (Valerie Stoll), eine junge Frau aus sehr einfachen Verhältnissen mit dem Willen, es nach oben zu schaffen. Andere Probleme haben die beiden Kinder des KaDeWe-Gründers, Harry (Joel Basman) und Fritzi Jandorf (Lia von Blarer). Ersterer kehrt tief traumatisiert aus dem Krieg zurück und ist trotz allem siegessicher, die Chefetage aufmischen zu können. Seine Schwester hat sich den Respekt der Verantwortlichen mit guten Ideen und einem Blick auf die Zukunft gesichert. Richtig ernst genommen wird sie im Berufsumfeld und besonders von ihrem Vater trotzdem nicht, weil sie eben eine Frau ist.
Der Vater setzt zunächst alle seine Hoffnungen in den jungen Prokuristen Georg (Damian Thüne), der auf Nummer sicher gehen will und das Kaufhaus mit dem durch die schweren Jahre bringen möchte, was die Bevölkerung jetzt braucht - und nicht mit dem, was sie sich wünscht.
Über den Lauf der Pilotepisode lernen wir die vier immer besser kennen und auch sie kommen sich untereinander näher. Hedi und Fritzi lernen sich in einer Umkleide kennen und schnell entstehen bei der reichen Fritzi tiefere Gefühle für die Angestellte. Während die beiden sich zart berühren, beginnt ein Überfall auf das KaDeWe durch bewaffnete Räuber. Noch bevor jemand reagieren kann, greift Harry zur Waffe und macht mit den Eindringlingen kurzen Prozess. Der Kriegsrückkehrer hat etwas erlebt an der Front, davon können wir also ausgehen. Doch sein Selbstvertrauen ist von dem Erlebten nicht in Mitleidenschaft gezogen worden.
In der Firma muss er jedoch feststellen, dass der biedere Georg, auf den sein Vater alles setzt, seine Marketingabteilung geschlossen hat. Denn laut Georg kommt das KaDeWe nur mit Vorsicht, Zurückhaltung und der Besinnung auf das Wesentliche durch die mageren Nachkriegsjahre. Das sieht Harry anders und setzt im Verlauf der Pilotepisode zu einer großen Unternehmerrede an, darüber, dass die Bevölkerung auch am Hungertuch etwas zum Träumen brauche und der Luxus immer das Standbein des Kaufhauses gewesen sei und weiter sein müsse. Das strategisch klug herbeigerufene Publikum aus weiblichen Angestellten applaudiert dem charismatischen Firmenerben und auch der Vater kann sich dem nicht entziehen. Mit Harrys Rückkehr richtet das KaDeWe sich neu aus, auf alte Werte und große Träume.
Die Unterfütterung der Grundidee mit starken Projekten und vor allem den Blick in die Zukunft und auf die Bedürfnisse der Bevölkerung hat jedoch vor allem Fritzi. Sie wird von Georg geschätzt, ihr eigener Vater hält sie jedoch immer wieder entgegen ihrer Fähigkeiten zurück - weil sie eben nicht der goldene Sohn ist, sondern die Tochter. Und für die ist vor allem eine Hochzeit in der Zukunft vorgezeichnet.
Harry versucht, den eher zurückhaltenden Georg für seine Vision des Genusses zu gewinnen und bringt ihn dazu, mit ihm ein Bordell zu besuchen. Während wir sehen, wie unwohl sich Georg dort fühlt, blüht Harry geradezu auf, wieder in seinem Element zu sein. Bis ihn mitten im Akt ein Flashback an seine gefallenen Kameraden übermannt und wir sehen, dass er tatsächlich nicht ohne Trauma durch den Ersten Weltkrieg gekommen ist.
Wie kommt es rüber?
Was an der Produktion „Eldorado KaDeWe - Jetzt ist unsere Zeit“ im Gegensatz zu einigen anderen Serien mit Geschichtsthema auffällt, sind die Hausarbeiten, die die Produzenten gemacht haben. Ob die Vergangenheit des Kaufhauses an sich, die täglichen Folgen der Inflation oder die Chancen und Grenzen der Frauen in den Zwanziger Jahren, alle Themen werden durchleuchtet. Der Wissensunterbau fügt sich manchmal unauffällig schön, manchmal zentral-auffällig in die Geschichte der vier jungen Menschen ein und sorgt für einen Authentizitätsfaktor, der nicht selbstverständlich ist.
Die Viererfreundschaft, die die Serie entwickeln will, liegt in der Pilotepisode noch in weiter Ferne. Interessant sind vor allem die Zweierbeziehungen, die etabliert werden, allen voran natürlich Hedi und Fritzi. Doch stärker als im Zusammenspiel sind die Charaktere zunächst auf eigene Faust. Beide haben Geheimnisse, die man ihnen nicht ansieht, und die man Frauen nicht selbstverständlich zutraut. Fritzi ist tief in einem feministischen Netzwerk verstrickt, in dem man die Zukunft klar vor Augen sieht und von deren mitreißendem Unternehmergeist sich selbst Harry nicht ganz fernhalten kann. Hedi auf der anderen Seite entspricht äußerlich ganz dem lieb lächelnden Klischee, mit ihrer Fürsorge für ihre Schwester, ihrer untertänigen Stelle im Kaufhaus und ihrem freundlichen Verlobten. Doch sie hat begriffen, wie sie ihren Körper und Sex einsetzen kann, um voranzukommen - und sie tut es nicht nur ohne Schuldgefühle, sie tut es, weil sie es gerne tut. Ob sie in Fritzi nun auch eine Chance auf einen eigenen Aufstieg sieht, wird zunächst nicht deutlich. Mit ihren Absichten den Männern gegenüber hält sie hingegen nicht hinterm Berg.
Die Zwangsfreundschaft zwischen Georg und Harry steht im Spannungsverhältnis der Zukunft des Kaufhauses, was sie mit der Geschichte über eine Unternehmensführung in der Nachkriegszeit, die später zur Zwischenkriegszeit werden wird, verbindet. Die guten Recherchen und die starke Umsetzung machen das zu einem weiteren Pluspunkt, auch wenn die Pilotepisode die beiden Frauen wesentlich mehr in den Fokus rückt.
Neben der Freundschaft der vier glänzt die Serie zunächst mit der Entwicklung einzelner Charaktere in einer außergewöhnlichen Welt, die uns mit einem Auge fürs Detail ans Herz gelegt wird. Dazu kommen schöne Bilder einer High-End-Produktion und ein starker Cast. Hier darf man durchaus mal dranbleiben.
Alle Episoden sind übrigens bereits in der Mediathek des Ersten zu finden.