Hold the Sunset 1x01

© ast der Serie „Hold the Sunset“ (c) BBC One
Monty-Python-Mitglied John Cleese hat sich mit Filmen wie „Monty Python and the Holy Grail“ und „Life of Brian“ oder der klassischen Britcom Fawlty Towers unauslöschlich als einer der Titanen der Comedy-Zunft etabliert. Der 78-jährige Engländer muss niemandem mehr etwas zu beweisen - schon gar nicht TV-Kritikern, die seine Enkel sein könnten. Bei allem Respekt muss man sich aber doch fragen, warum der Comedian ausgerechnet mit Hold the Sunset, dem Serienäquivalent einer lauwarmen Tasse geschmacklosem Tee, seine TV-Rückkehr antreten musste.
In der Pilotepisode Bubbly überrascht die Witwe Edith (Alison Steadman) ihren Nachbarn Phil (Cleese) damit, nach Jahren des Fragens endlich seinen Heiratsantrag anzunehmen. Doch ehe die beiden Pläne schmieden können, ihren Lebensabend in wärmeren Gefilden zu genießen, kommt Ediths 50-jähriger Sohn Roger (Jason Watkins) hereingeschneit. Er hat seine Familie verlassen und seinen Job als Bänker an den Nagel gehängt, um sich neuzuerfinden. Er zieht in sein altes Kinderzimmer und verhält sich sofort wieder wie ein verwöhnter Teenager. Phil riecht eine Midlife-Krise, doch Edith bringt es nicht übers Herz, ihren Jungen vor die Tür zu setzen. So wird das späte Glück ein weiteres Mal verschoben.

Autor Charles McKeown, der seit den frühen 80ern nichts mehr zu Papier gebracht hat, schreibt Phil als sarkastischen und ebenso scharfsinnigen wie scharfzüngigen Gentleman. Doch so sehr das Drehbuch auf seine geistreiche Bissigkeit besteht, so sehr wird deutlich, wie wenig Zähne und Cleverness das Ganze besitzt. Neunzig Prozent der Episode findet am selben Küchen-Set statt, von dessen Tisch sich der müde wirkende Cleese kaum ein Stück weg bewegt. Die Gags, oder was man so nennen kann, beinhalten einen viel zu langen Kommentar darüber, wie kompliziert doch das Recyceln von Müll geworden ist (mein Gottchen!) und das Feststecken des Sohnes im Fensterrahmen, während er vor seinem Ehemonster Sandra (Rosie Cavaliero) Reißaus nimmt. Wenn wir schon nicht vor Lachen sterben, rafft uns vielleicht das Fremdschämen dahin.
Fazit
Nicht jede britische Comedy muss ein entlarvendes Stück über die gesetzte Mittelklasse wie „Keeping Up Appearences“ („Mehr Schein als Sein“) sein, nicht jede Sitcom wird ein Geniestreich wie Blackadder und nicht jedes Zusammenspiel bringt einen innovativen Hit wie Peep Show hervor. Bei einer Legende wie John Cleese ist es nichtsdestotrotz deprimierend mitanzusehen, wie weit abgeschlagen selbst vom heutigen Mittelmaß sich sein neues Projekt bewegt. Dass hier nichts als Spurenelemente eines seichten Amüsementversuchs zu holen sind, könnte man weniger talentierten Komikern wie seinen comedybefreiten Co-Stars leichter verzeihen.
Sehr gute Zuschauerzahlen zur Pilotepisode und der Sendeplatz suggerieren, dass ein älteres Publikum durchaus gefallen am geradezu leblosen „Hold the Sun“ finden konnte, oder zumindest ein gewisses Maß an Interesse am Material und den Beteiligten bestand. Für all jene, die doch noch einen Funken Leben oder zumindest einen Puls in ihrer Comedy benötigen, funkelt einzig die Aussicht auf Naturgewalt Joanna Scanlan, die im weiteren Verlauf als Rogers Schwester Sandra auftauchen soll, als kleiner Lichtblick für den Rest der Staffel.
Verfasser: Mario Giglio am Freitag, 23. Februar 2018(Hold the Sunset 1x01)
Schauspieler in der Episode Hold the Sunset 1x01
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