
Mit Easy präsentiert der Independent-Regisseur Joe Swanberg eine achtteilige Miniserie, die sich in jeder ihrer Episoden verschiedenen Charakteren in Chicago widmet. In der Pilot-Episode The F**cking Study steht dabei das Ehepaar Kyle (Michael Chernus aus Orange Is the New Black) und Andi (Elizabeth Reaser aus „Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht - Teil 2“) im Fokus. Das Paar überprüft in der Episode sein Sexualleben auf eine kontroverse Studie hin.
Der Plot
Diese These, die Kyle und Andi auf einer Party aufschnappen, besagt, dass Paare, mit einer klassischen Rollenverteilung (ein zur Arbeit gehender Mann und eine Hausfrau) besseren Sex haben. Kyle und Andi stellen dabei das Gegenbeispiel dar: Während Andi das Geld nach Hause bringt, hat Kyle seine Schauspielerkarriere zugunsten ihrer beiden Kinder geopfert und die Rolle des Hausmanns eingenommen. Die Frage, der sich also die Pilot-Episode von Easy widmet, lautet: Ist Kyles und Andis Sexleben dazu verdammt, in der gegenwärtigen Situation ein ödes Dasein zu fristen oder schaffen es die beiden, die Ausnahme zur in der Studie aufgezeigten Regel zu bilden?

In der die Episode einleitenden Fragestellung werden dabei im Freundeskreis verschiedene Ansätze präsentiert, was zu einer Abnahme der Libido in der besagten Studie führen kann. Zu diesen gehört unter anderem die These, dass nicht etwa der Job des Mannes der ausschlaggebende Punkt ist, sondern das Selbstbewusstsein, mit dem sich dieser der Frau präsentiert. Damit greift Swanberg das philosophische Kernthema auf, ob der Mensch lediglich auf die gesetzten gesellschaftlichen Kodierungen seines Alltags reagieren oder ob er diese auch verändern kann.
Die Machart
Nach einer kurzen Einleitung, im Zuge derer wir erfahren, dass das Sexualleben von Kyle und Andi in bester „American-Beauty“-Manier nur noch aus der Selbstbefriedigung eines jeden in der Ehe besteht, stellt der Halloween-Abend, den die beiden dazu nutzen wollen, durch ein bisschen Rollenspiel etwas Pepp in die Beziehung zu bringen, den zentralen Moment dar. Immer wieder werden die beiden durch verschiedene Anrufe oder Schwierigkeiten, in die richtige Stimmung zu kommen, unterbrochen, bis sie schließlich von ihren nach Hause kommenden Kindern unterbrochen werden.
Diese Wiederholung des sich in das Sexualleben drängenden Alltags wirkt zwar irgendwann etwas redundant, überzeugt jedoch trotzdem durch einen gewissen Charme, der sich auf die gesamte Episode übertragen lässt. Statt sich der besonderen Beziehung von Klempner-Kyle und Sexy-Housewife-Andi zu widmen, gibt sich das Paar am Ende des Abends dennoch seiner eigenen Lust hin, die sich vor allem dadurch auszeichnet, dass sich Kyle einfach nimmt, was er will und dadurch seine dominante Ader wieder entdeckt.
Am nächsten Morgen wird dieser, für das wieder entdeckte Selbstbewusstsein stehende Akt auch schnurstracks von Seiten seiner Frau belohnt, indem sie ihrem Ehemann wieder sichtbar zugewandter wirkt, ihn ausschlafen lässt und mit einem reichlichen Frühstück überrascht. War es also nur das Selbstbewusstsein Kyles, das die Ehe wieder aufgefrischt hat, oder brauchten die beiden doch die durch ihre Kostüme symbolisierte Verteilung klassischer Rollenklischees?
Fazit
Die Antwort auf diese Frage lässt Swanberg offen, da er in seinem Auftakt keine zu generalisierenden Pauschal-Aussage verfolgt, sondern sich stattdessen einer individuellen Charakter-Studie widmet, die sich einem klaren Urteil entzieht. Die Pilot-Episode mag dadurch zwar recht nah am Zeitgeist angesiedelt sein und das Thema authentisch und charmant angehen, der besonders zündende Moment bleibt jedoch aus.

Stattdessen scheint Easy nach der Pilot-Episode eher in das Spektrum von Netflix-Serien wie Master of None angesiedelt zu sein und sich auf intelligente und ruhige Weise Themen gegenwärtiger Rollenklischees zu widmen, statt auf große Lacher und Pauschalisierungen zu setzen. Dabei ist natürlich zu berücksichtigen, dass die folgenden sieben Episoden gänzlich andere Charaktere präsentieren, wobei abzuwarten bleibt, wie Swanberg im Zuge dieser seinen roten Faden gestaltet. Ausgehend von der Pilot-Episode jedoch würde ich auf jeden Fall eine klar Schau-Empfehlung aussprechen, wenngleich ich mir vorstellen könnte, dass sich auch Easy am besten als klassische „Netflix-and-chill“-Serie konsumieren ließe.