Duncanville: Review zur Pilotfolge

© zenenfoto aus dem Auftakt von Duncanville (c) FOX
FOX ist weiterhin das einzige große US-Network, das ein Herz für Animationsserien hat. Immerhin haben die animierten Comedys davon abgesehen in letzter Zeit auch häufiger ein Zuhause bei Kabelsendern oder bei Streamingdiensten erhalten, der Sender ist also längst nicht mehr der einzige Anbieter für Comedyserien für ältere Zuschauer. Nach Bless the Harts folgt nun Duncanville von Amy Poehler (Parks and Recreation) sowie Mike und Julie Scully (The Simpsons) als neue Ergänzung im Zeichentrickblock des Senders am Sonntag.
Worum geht es in Duncanville?
Im Mittelpunkt der Serie steht der titelgebende 15-jährige Duncan (Poehler), der ziemlich durchschnittlich und vielleicht auch ein wenig langweilig ist. Dennoch sorgt er immer wieder für Ärger, vor dem ihn seine Mutter Annie (ebenfalls Poehler) bewahren muss. In der Auftaktfolge geht es darum, dass die Eltern ihn dazu bringen möchten, seinen Führerschein zu machen. Eigentlich hat er keine Lust auf mehr Verantwortung, ehe er erfährt, dass sein Schwarm Mia (Rashida Jones) jemanden gebrauchen könnte, der mobil ist. Sie selbst arbeitet für eine Pizzakette, ist dabei auf ihr Rad angewiesen und will den Arbeitgeber, der gegen LGBTQ-People ist, außerdem von innen heraus zerstören, indem sie jede Pizza betatscht.
Also nimmt Duncan doch noch ein paar Fahrstunden, allerdings nicht bei seinem Vater Jack (Ty Burrell), der als Klempner arbeitet, sondern bei seiner Mutter, der Verkehrspolizistin Annie, die ihn kurz darauf außerdem zum Fahrer ihres Buchclubs macht, da die Damen dort gerne mal einen über den Durst trinken. Duncan lernt also zu fahren, um sich eines Nachts zu einem Konzert zu schleichen, damit er Mia beeindrucken kann. Dabei ist er jedoch dafür verantwortlich, dass der Baum Li'l Oakie zu Schaden kommt, mit dem die Eltern viele positive Erinnerungen verbinden. Eine nett gemeinte Geste bringt derweil eine Zikadenplage ins Haus der Familie und zwingt sie dazu, im Auto zu leben, bis der Schädlingsbekämpfer die Sache im Griff hat.
Die Familie wird komplettiert durch Kim (Riki Lindhome), die ständig am Smartphone oder Laptop hängt, und ebenso durch die kleine Schwester Jing (Joy Osmanski), die ihren großen Bruder so lieb hat, dass sie ihn am liebsten einmal heiraten möchte. Der Auftakt stellt uns außerdem Duncans Freunde vor: Klassenclown Bex (Betsy Sodaro), der Möchtegerninfluencer Yangzi (Yassir Lester) und Wolf (Zach Cherry), welcher manchmal ein wenig unheimlich herüberkommt.
Einfach nur eine weitere animierte FOX-Comedy?

Die Formel der Serie ist also nichts bahnbrechend Neues, denn eine Familie aus der Vorstadt mit drei Kindern kennen wir seit The Simpsons im Zeichentrickbereich und es scheint außerdem eine beliebte FOX-Formel zu sein, wenn man an Family Guy, Bob's Burgers, American Dad und einige andere denkt, die es da in den letzten Jahren so gab.
Am ehesten, so ist mein Ersteindruck, lässt sie sich tonal mit Bob's Burgers vergleichen, weil innerhalb der Familie doch sehr viel Wert auf gegenseitige Liebe gelegt zu werden scheint. Man kommt miteinander aus, auch wenn man sich ab und an freundlich neckt, will aber doch das Beste füreinander, auch wenn Duncan einiges verbockt. Eine weitere Serie, in der die Figuren ständig fies zueinander oder immer nur zynisch und abgebrüht sind, wie etwa bei Family Guy oder South Park, hätte ich persönlich momentan auch nicht unbedingt gebracht.
Im Laufe der Jahre habe ich viele Animationspiloten von FOX gesehen und stelle immer wieder fest, dass der Auftakt selten ein großer Homerun ist, das gilt auch wieder für Duncanville. Duncan hat als 15-Jähriger eine blühende Fantasie, die etwa in Träumen dargestellt wird, in denen sich die Welten von „Free Solo“ und „Wonder Woman“ vermischen oder der Pilot aus dem Film „Sully“ selbst am Episodenende zum Flieger wird. Das passt zur Animationsmarke von FOX ganz gut, ist aber noch stark ausbaufähig.
Das Sprecherensemble rund um Poehler, Burrell, Jones und andere macht einen soliden Eindruck, hat mich aber noch nicht zum Eskalieren vor Lachen gebracht. Die Sympathie ist jedoch geweckt und die Einstiegsschwelle für mich beispielsweise etwas leichter, als sie noch bei Bless the Harts war. Trotzdem ist der Humor in meinen Augen wieder etwas zu willkürlich und zu sehr auf austauschbaren Popkulturreferenzen ausgelegt. Für mich sind es meistens aber nicht die Anspielungen auf Comics, Filme oder Serien, die mich bei Zeichentrickcomedys abholen, sondern - und das kann Bob's Burgers hervorragend - eine Mischung aus eigenwilligem, dabei aber doch herzlichem Familienhumor, der mich immer wieder zurückkehren lässt.
Fazit

„Duncanville“ ist stellenweise durchaus unterhaltsam und charmant, muss aber in den nächsten Folgen mehr bieten, um die Zuschauer in Zeiten von Peak-TV bei der Stange zu halten. Denn anders als noch in den 90ern und Anfang der 2000er gibt es inzwischen genug Alternativen im Bereich der Animation. Schön finde ich dennoch, dass die Familienbande stark und positiv besetzt ist und man hierbei echte Zuneigung spürt. Der Animationsstil ist einfach, aber zumindest nicht abstoßend, wie es bei anderen Neustarts der Vergangenheit der Fall war, und die Sprecher machen ebenfalls Lust auf mehr. Alles in allem: kein perfekter Einstieg, aber ein guter mit Luft nach oben.
Hier der Trailer zu „Duncanville“: