Doctor Who 9x03

Doctor Who 9x03

Eine Basis am Grunde eines tiefen Sees ist ohnehin kein sonderlich gemütlicher Ort. Mit Geistern in den Korridoren wird es nur noch schlimmer. Zum Glück kommen der Doctor und Clara vorbei. Doch auch sie stellt die Situation vor eine ziemlich große Herausforderung.

Kaum ein Bild ist typischer für „Doctor Who“ als der Doctor (Peter Capaldi), der durch einen Korridor läuft... / (c) BBC
Kaum ein Bild ist typischer für „Doctor Who“ als der Doctor (Peter Capaldi), der durch einen Korridor läuft... / (c) BBC

Das passiert in der Doctor Who-Folge Under the Lake (1):

Schottland im 22. Jahrhundert: Eine Militärsiedlung ist nach dem Bruch eines Staudamms unter den Wassermassen verschwunden. Zwanzig Jahre später hat die Firma Vector Petroleum auf dem Grund des dadurch entstandenen Sees eine Förderstation eingerichtet, nachdem an dieser Stelle große Ölvorkommen entdeckt worden sind. Die Besatzung der Station macht eines Tages eine ganz erstaunliche Entdeckung: Sie findet im See eine Art Raumschiff, welches außerirdischen Ursprungs zu sein scheint. Bei der näheren Untersuchung des Schiffs bricht jedoch ein Feuer aus und Moran (Colin McFarlane), der Leiter des Teams, wird getötet. Es dauert jedoch gar nicht lange, da sehen seine Leute ihn schon wieder umherwandeln: Wie es scheint als Geist. An seiner Seite: eine weitere gespenstische Erscheinung.

Zwei Tage später trifft der Doctor (Peter Capaldi) auf der Station ein. Die TARDIS, das merkt der Doctor deutlich, würde am liebsten sofort wieder verschwinden. Doch er und Clara (Jenna Coleman) machen sich an die Untersuchung der Anlage. Sie stoßen auf die Geister, welche ihnen jedoch nichts tun. Ganz im Gegenteil: sie führen sie regelrecht zu jenem Raumschiff im Hangar. Erst danach versuchen die Geister die beiden Neuankömmlinge zu töten. Der Doctor und Clara können sich jedoch in einen Raum retten, in dem die Besatzung der Station sich verborgen hält. Dabei handelt es sich um einen Farraday'schen Käfig, in den die Geister nicht eindringen können. Auch der Tagesmodus der Station stellt eine wirksame Abwehr gegen die Kreaturen dar. Zumindest bis diese einen Weg finden, die Zeitkontrolle der Station zu manipulieren...

Stimmungsschwankungen

The Witch's Familiar (2) war in der Vorwoche - im Gegensatz zu den meisten Lesermeinungen - so gar nicht auf meine Gegenliebe gestoßen. Woran das auch immer gelegen haben mag: Möglicherweise hat eine Rolle gespielt, dass ich durch die Cologne Conference so sehr im Festivalstress steckte, dass ich mich auf Doctor Who gar nicht so recht einlassen konnte. In dieser Woche konnte ich mich nun endlich wieder ganz auf die Serie konzentrieren - und hab auch wieder richtig Lust auf Doctor Who verspürt.

Rezensenten geht es hier nicht anders als anderen Zuschauern: Manchmal ist man von anderen Dingen abgelenkt, so dass man gar nicht wirklich in Stimmung für eine bestimmte Serie ist. Und dann wieder gibt es Zeiten, da brennt man richtig auf eine Serie.

Ein klassisches Szenario

Dieser Umstand hat Under the Lake (1) sicherlich zum Vorteil gereicht. Man muss aber auch sagen, dass es - und ich hoffe, dass ich hier nicht wieder ganz allein dastehe - eine tolle Episode ist, die beste Doctor Who-Unterhaltung bietet.

Klar, das zu Grunde liegende Szenario „Doctor kommt auf eine Basis, deren Crew nach und nach von einer Gefahrenquelle dezimiert wird“ haben wir in der Serie schon gefühlt 100.000 mal gesehen. Trotzdem ist es in Under the Lake (1) bemerkenswert gut und spannend umgesetzt.

Die Crew

Das verdankt sich vor allem zwei Faktoren: Die Charakterisierung der Crew ist ausgesprochen gut gelungen. Doctor Who steht ja immer vor dem Problem, eine große Anzahl von (Gast-) Figuren möglichst schnell einführen zu müssen, was zur Folge hat, dass das Publikum zu ihnen kaum eine emotionale Beziehung herstellen kann. Autor Toby Whithouse (Being Human, The Game (2014)) schafft es in Under the Lake (1) durch viele kleine Details - man denke etwa an den Armstubser, den O'Donnell (Morven Christie) Bennett (Arsher Ali) versetzt - Beziehungen anzudeuten und den Figuren dadurch Leben einzuhauchen.

Eine ganz großartige Entscheidung ist in diesem Zusammenhang etwa auch, dass die zweite Kommandierende an Bord, Cass (Sophie Leigh Stone), taubstumm ist und auf einen der Zeichensprache mächtigen Begleiter, Lunn (Zaqi Ismail), angewiesen ist. Das ist einerseits großartig in den thematischen Rahmen der Folge integriert, in welchem Kommunikation und Verstehen (Was bedeuten die Zeichen an der Wand? Was versuchen die Geister uns zu sagen?) ja eine sehr große Rolle spielen. Andererseits hebt es Cass als Figur hervor und macht sie unverwechselbar.

Kommunikationshilfen

Dabei hilft auch, dass Cass clever ist. Und ich meine doctor-clever. Sie ist eine der wenigen (Gast-) Figuren, denen Nr. 12 mit Respekt begegnet. Auch das zeichnet sie aus. Zugleich bildet sie mit Lunn ein Gespann, welches fast ein bisschen an den Doctor und Clara erinnert. Nicht zuletzt deshalb, weil auch Clara - in einer der witzigsten Szenen der Episode - als eine Art Kommunikationshilfe des Doctors fungiert. Sie hat ihm nämlich einige Karten vorbereitet, mit denen er die sozial angemessenen Worte für eine Situation finden soll.

Wer bei den Karten auf Pause drückt, wird übrigens einen wunderschönen Verweis auf Toby Whithouses erste Doctor Who-Folge (School Reunion) finden, in der sich Sarah Jane (Elisabeth Sladen) darüber beschwert hatte, dass der Doctor (damals noch Tom Baker) sie in Aberdeen und nicht in Croyden abgesetzt hat („The Hand of Fear“).

Whithouse for Showrunner?

Ich will an dieser Stelle wirklich keine Nachfolgediskussion für die Rolle des Doctor Who-Showrunners vom Zaun brechen. Zumal Steven Moffat erst kürzlich für eine zehnte Staffel unterschrieben hat. Sollte der Posten aber doch einmal frei werden, dann wäre, wenn man sich so seine Doctor Who-Arbeiten anschaut - angefangen bei School Reunion, über The Vampires of Venice und The God Complex bis hin zu Under the Lake (1) - Toby Whithouse vielleicht gar nicht mal die schlechteste Wahl!

Bedrohliche Gespenster

Doch zurück zum Thema: Die Charakterisierung der Stationscrew ist also sehr gelungen. Daneben ist Under the Lake (1) aber auch deshalb so spannend, weil die Geister wirklich bedrohlich herüberkommen. Das bedingt bei ihrem Äußeren (allen voran die leeren Augenhöhlen, durch die man mitunter bis ins leere Schädelinnere blicken kann). Und es setzt sich bis zu ihren Gewalttaten hin fort. Die Ermorderung von Carter Burke (Paul Reiser)... äh sorry... Prichard (Steven Robertson) in der Luftschleuse kommt für Doctor Who-Verhältnisse schon sehr brutal daher. Zusammengenommen ergibt sich damit eine Atmosphäre höchster Gefahr.

Der Doctor in Aktion!

Was Under the Lake (1) ferner auszeichnet, ist die Rolle des Doctors. In The Magician's Apprentice (1) war er über weite Strecken abwesend. In The Witch's Familiar (2) hing er lange Zeit nur quatschend mit Davros rum. In Under the Lake (1) ist er dagegen back in action. Voller Witz, Intelligenz und Tatendrang steht er als Handlungsträger im Mittelpunkt. Es mag Clara sein, die ihn anfangs mit ihrer Abenteuerlust antreibt. Es ist jedoch der Doctor, der die Geister zu durchschauen sucht - und sie mit seinem Plan in die Falle lockt.

Das ist der Doctor, wie ich den Doctor gerne sehen möchte!

Was die Rolle von Clara angeht, so scheint ihm allerdings nicht ganz wohl zu sein. Sie geht so sehr in ihrer Abenteuerlust auf, dass es dem Doctor unheimlich wird. Er schlägt ihr sogar vor, sich vielleicht ein Hobby oder eine neue Beziehung zu suchen. Diese Fürsorge, die er ihr gegenüber an den Tag legt, steht in einem auffallenden Kontrast zu seiner Rede gegenüber der Stationscrew, in der er sie regelrecht dazu verführt, sich ins Abenteuer zu stürzen - und nicht die Sicherheit zu suchen.

Cliffhanger

Der Cliffhanger von Under the Lake (1) ist einfach nur großartig: Schon der Moment, in dem der Doctor und Clara von den steigenden Wasserfluten getrennt werden und sich durch das Glas der Bullaugen hindurch jeweils mit einer Geste ihrer Hand verabschieden, ist ungemein mitreißend inszeniert. Der Doctor plant, in die Vergangenheit zu reisen, um zu sehen, wie das außerirdische Raumschiff überhaupt hierher gelangt ist. Doch etwas geht schief. Im letzten Bild sehen Clara, Cass und Lunn, dass sich der Doctor selbst in einen Geist verwandelt hat...

Fazit

Ich gebe 4,5 Sterne, weil ich immer gerne noch etwas Luft nach oben lasse. Im Grunde fällt mir jedoch nichts ein, was ich an dieser Folge kritisieren könnte. Ein richtig schönes, spannendes, vielleicht auch klassisch zu nennendes Doctor Who-Abenteuer, welches beim Anschauen einfach nur Spaß gemacht und Lust auf die kommende Folge (Before the Flood (2)) bereitet hat. Was will man mehr?

Verfasser: Christian Junklewitz am Montag, 5. Oktober 2015

Doctor Who 9x03 Trailer

Episode
Staffel 9, Episode 3
(Doctor Who 9x03)
Deutscher Titel der Episode
Spuk im See
Titel der Episode im Original
Under the Lake
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Samstag, 3. Oktober 2015 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 10. Dezember 2015
Regisseur
Daniel O'Hara

Schauspieler in der Episode Doctor Who 9x03

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