Doctor Who 8x13

Doctor Who 8x13

Der Weihnachtsmann baut einen Unfall. Eine Nordpol-Expedition steckt in Schwierigkeiten. Und Clara und der Doctor haben sich ein paar Wahrheiten zu sagen. Ist es RealitÀt oder nur ein Traum? Egal. Unterhaltsam ist's. So viel ist sicher.

Promofoto fĂŒr „Doctor Who“-Weihnachtsspecial „Last Christmas“
Promofoto fĂŒr „Doctor Who“-Weihnachtsspecial „Last Christmas“

Das passiert im Doctor Who-Weihnachtsspecial Last Christmas:

Clara (Jenna Coleman) wird an Heiligabend durch ein GerĂ€usch aus dem Schlaf gerissen. Auf dem Dach ihres Hauses hat sich ein kleiner „Verkehrsunfall“ ereignet. Der Schlitten des Weihnachtsmanns (Nick Frost) ist mit einem Schornstein kollidiert. Er und zwei Elfen (Dan Starkey, Nathan McMullen) sind gerade dabei, die auf dem Dach verstreuten Geschenke aufzusammeln. Clara kommt aus dem Staunen nicht heraus. Der Weihnachtsmann ist real! Und um den Abend noch erstaunlicher zu machen, landet plötzlich auch der Doctor (Peter Capaldi) mit der TARDIS auf dem Dach - und drĂ€ngt Clara dazu, mit ihm zu kommen. Ihr eigenes Leben, ja, das Leben aller hĂ€nge davon ab, ob sie an den Weihnachtsmann glaube.

Die beiden fliegen zu einer Forschungsstation am Nordpol, die ein kleines Alien-Problem hat: Außerirdische Kreaturen, die sich am Gesicht eines Menschen festsaugen, haben sich mehrerer Crewmitglieder bemĂ€chtigt. Die anderen versuchen zu ĂŒberleben, indem sie nicht an die Wesen denken. Die Außerirdischen können nĂ€mlich telepathisch spĂŒren, wenn sie von jemand anderem wahrgenommen oder vorgestellt werden. Das Hereinplatzen des Doctors macht die Strategie der Stationscrew jedoch hinfĂ€llig. Umgehend sehen sie sich einer neuen Alien-Attacke ausgesetzt. Zum GlĂŒck werden sie jedoch vom Weihnachtsmann gerettet. Aber kann das ĂŒberhaupt sein? Oder ist das alles nur ein Traum - und sie selbst lĂ€ngst Opfer der außerirdischen Traumkrabben?

Starker Gegner, starker Plot

Last Christmas ist spielend eines der besten, wenn nicht gar das beste Doctor Who-Weihnachtsspecial aus der Ära von Steven Moffat. Einer seiner grĂ¶ĂŸten Schwachpunkte in der Vergangenheit ist stets - in regulĂ€ren Folgen, besonders aber in den Weihnachtsspecials - der Plot gewesen. Ein jahrhundertelanges Patt (The Time of the Doctor) ist keine gute Grundlage fĂŒr eine spannende Geschichte. Und die Great Intelligence (The Snowmen) war leider alles andere als ein großartiger Gegner. Um nur mal an die beiden letzten Weihnachtsspecials zu erinnern.

Die StĂ€rke eines Plots bemisst sich hĂ€ufig nicht zuletzt an der StĂ€rke des Antagonisten. Und genau in diesem Punkt versteht es Last Christmas zu ĂŒberzeugen. Außerirdische, welche die Gehirne der Befallenen auffressen, sind eine einfache, aber spannungstechnisch ĂŒberaus effektive Bedrohung, welche die Folge vom Anfang bis zum Ende trĂ€gt. Wie ein GerĂŒst, auf dem die ineinander verschachtelten TrĂ€ume aufsetzen. Bei allem „Dreamy Weamy“ gerĂ€t nie die Bedrohung aus dem Fokus, die von den Traumkrabben ausgeht. Dadurch steckt in der Geschichte ein hoher Level an Spannung und Dringlichkeit.

Alien

Dazu tragen natĂŒrlich auch die „Alien“-Referenzen bei - sowohl im Design der Kreaturen als auch in der Ausgestaltung einzelner Szenen (etwa Claras Begegnung mit der Traumkrabbe im Labor) -, welche von Moffat auch augenzwinkernd angesprochen werden („There is a horror movie called Alien? That's really offensive!“), womit all jenen der Wind aus den Segeln genommen sein dĂŒrfte, die ihn gerne des Ideenklaus aus Spielfilmen bezichtigen. NatĂŒrlich bedient sich Moffat immer mal wieder bei berĂŒhmten Vorbildern. Und vor allem die „Alien“-Filme haben es ihm angetan (Nr. 1 und 2 sind allerdings auch der unĂŒbertroffene Goldstandard in Sachen SciFi-Horror). Dadurch, dass er dies in Last Christmas ganz offen anspricht, wird aus dem vermeintlichen Ideenklau eine huldvolle Verneigung und Hommage.

Traumgespinst, LĂŒgengebĂ€ude

Das Szenario der verschachtelten TrĂ€ume ist sehr gut an die Situation des Doctors und Claras angepasst. Die beiden großen LĂŒgner finden sich in einer Lage wieder, in der sie alles hinterfragen mĂŒssen - und in der (sogar recht zĂŒgig) die LĂŒgen aus Death in Heaven auffliegen. Um Claras Gedanken von den Aliens abzulenken, spricht der Doctor von Danny (Samuel Anderson) und was dieser möglicherweise gerade mit anderen Frauen treibt (ohne zu wissen, dass Danny tot ist). Das trĂ€gt ihm nicht nur eine weitere Ohrfeige Claras ein, sondern auch ihr GestĂ€ndnis, dass sie gelogen hat. Sie wollte ihm die Abreise nach Gallifrey leichter machten, deshalb hat sie so getan, als wĂ€re Danny zurĂŒckgekommen. Der Doctor wiederum gesteht ihr, dass er Gallifrey gar nicht gefunden hat, weil er es ihr leichter machen wollte, bei Danny zu bleiben.

Ich persönlich liebe diesen herrlich funktional dysfunktionalen Aspekt in ihrer Beziehung. Sie belĂŒgen einander, weil jeder dem anderen keine BĂŒrde sein will. Ja, so was kommt durchaus in Beziehungen (unterschiedlicher Art) vor. Das ist also gar nicht so weit hergeholt.

Und das Abenteuer geht weiter

Als der Doctor am Ende Clara von der Traumkrabbe befreit und sie darunter als alte Frau zum Vorschein kommt, da sieht es fĂŒr einen Moment tatsĂ€chlich so aus, als sei der Moment des Abschieds von Clara gekommen. Ich bin sehr froh, dass dies nicht der Fall gewesen ist. Nicht nur, weil ich Clara als Figur sehr mag, sondern fast mehr noch, weil es nach dem Abschied des elften Doctors (Matt Smith) in The Time of the Doctor wieder mal Zeit fĂŒr ein nicht-depressiv endendes Weihnachtsspecial gewesen ist. Außerdem: wozu macht man eine Folge mit dem Weihnachtsmann, wenn es am Ende nicht ein kleines Weihnachtswunder geben dĂŒrfte?

Kein Weihnachtswunder gibt es fĂŒr Danny Pink: Er kommt in Claras Traum noch mal zu einem Auftritt. Die Sequenz lĂ€sst jedoch keinen Zweifel daran: Er ist tot. Und es ist Zeit fĂŒr Clara, Abschied zu nehmen und loszulassen.

Warm ums Herz

Zwei Dinge, die mir am Finale des Weihnachtsspecials sehr gefallen haben: Erstens, dass der Doctor tatsĂ€chlich nicht in der Lage zu sein scheint, Claras Alter wahrnehmen zu können. In der vorangegangenen Staffel hatte das immer einen latent beleidigenden Zug gehabt. In Last Christmas gibt es dafĂŒr nun gewissermaßen den Ausgleich, als die alte Clara in den Augen des Doctors wieder jung aussieht, weil er zwischen beiden keinen Unterschied sieht.

Zweitens, die Szene, in welcher der Doctor Clara einlĂ€dt, mit ihm zu kommen. Die beiden haben nun wahrlich keinen leichten Start miteinander gehabt: Clara hat sich nur Ă€ußerst schwer mit dem neuen Doctor arrangieren können. Und er selbst hat sich auch eher schwer mit der Companion getan, die er da von seiner VorgĂ€nger-Inkarnation „geerbt“ hat. Hier, am Ende von Last Christmas, fassen die beiden den Beschluss, miteinander aufzubrechen. Nicht weil sie qua Regeneration in die Situation geworfen worden sind. Nicht weil Matt Smith sie darum gebeten hat. Sondern aus eigenem Entschluss. Ja, wir beide wollen miteinander durch Raum und Zeit reisen. Das ist - neben der Umarmung auf dem Schlitten des Weihnachtsmanns - die Szene, bei der mir zumindest wahrhaft weihnachtlich warm ums Herz geworden ist.

Morgen kommt der...

Apropos Weihnachtsmann: Nick Frost gibt eine Glanzvorstellung als „Beardy Weirdy“ ab. Zwischendurch gibt es ein, zwei Momente, in denen der Zuschauer so ein wenig die Sorge haben darf, dass zwischen ihm und dem Doctor ein Ă€hnliches GezĂ€nk wie in Robot of Sherwood zwischen dem Doctor und Robin Hood ausbricht. Diese Sorge erweist sich jedoch zum GlĂŒck als unbegrĂŒndet. Ihr VerhĂ€ltnis ist zwar schon von einer spannungsreichen Konkurrenz geprĂ€gt (etwa als der Doctor klarmacht, dass der Weihnachtsmann keine wissenschaftlichen ErklĂ€rungen abzugeben hat). Das ist witzig, jedoch nie albern in Szene gesetzt.

Sehr gelungen sind auch die verschiedenen Parallelisierungen, die zwischen beiden Figuren vorgenommen werden: zum Beispiel, die Bemerkung des Weihnachtsmanns, dass sein Schlitten „innen grĂ¶ĂŸer“ ist, oder der Moment, in dem sich der Doctor der Annahme erwehren muss, dass er genau wie Santa ein Traumkonstrukt ist.

Der Nebencast - die Elfen (darunter Strax-Darsteller Dan Starkey) und die Stationscrew - fĂŒgen sich sehr gut in die Episode ein. In Erinnerung bleiben wird besonders Shonas (Faye Marsay) Tanzeinlage zu „Merry Xmax Everyone“ beim Betreten der Krankenstation.

Kritteleien

Ja, ĂŒber Unstimmigkeiten im Plot könnte man diskutieren. So ist zum Beispiel etwas verwirrend, dass der Doctor in der Teaser-Sequenz (als er Clara vom Dach abholt) genau zu wissen scheint, was vor sich geht. Jedenfalls behauptet er es gegenĂŒber dem Weihnachtsmann. In der Station ist er jedoch zunĂ€chst nicht im Bilde, was es mit den außerirdischen Kreaturen auf sich hat. Da man aber nahezu jedem Einwand mit dem Hinweis auf die Traumlogik der Szenen begegnen könnte, verzichte ich an dieser Stelle darauf, mögliche Inkonsistenzen nĂ€her zu sezieren.

Ein kritischer Hinweis sei allerdings noch in Richtung der Spezialeffekte gestattet: Die Animation der Rentiere sieht nicht unbedingt ĂŒberzeugend aus. Vor allem auf das westernmĂ€ĂŸige AufbĂ€umen des Rentiers, als der Weihnachtsmann der Stationscrew zur Hilfe kommt, hĂ€tte man auf diesem Hintergrund vielleicht lieber verzichten sollen.

Fazit

Die Weihnachtsspecials von Doctor Who stehen ja bisweilen vor dem Problem, wie man eine spannende Geschichte und den Weihnachtsbezug miteinander in Einklang bringt. Last Christmas löst dieses Problem vorbildhaft - mit spannender Unterhaltung, die den Weihnachtsmann nahtlos in die Geschichte einspinnt und ein (zumindest fĂŒr Clara-Fans) freudestrahlendes und zu Herzen gehendes Ende bereithĂ€lt.

P.S.: Das neue Outfit des Doctors gefÀllt mir sehr gut! Die Kapuzenweste unter dem Frack lÀsst ihn viel lockerer und auch mehr nach Abenteuerer aussehen.

Verfasser: Christian Junklewitz am Freitag, 26. Dezember 2014

Doctor Who 8x13 Trailer

Episode
Staffel 8, Episode 13
(Doctor Who 8x13)
Deutscher Titel der Episode
Hereingeschneit
Titel der Episode im Original
Last Christmas
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Donnerstag, 25. Dezember 2014 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 25. Dezember 2014

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