Doctor Who 8x11

Doctor Who 8x11

Auch Fußgänger müssen sich in Acht nehmen, wenn sie am Straßenverkehr teilnehmen und gleichzeitig mit dem Handy telefonieren. Es kann sonst leicht passieren, dass sie sich in der Nethersphere wiederfinden. Und von dort ist es gar nicht so leicht, zu entkommen.

Missy (Michelle Gomez) und der Doctor (Peter Capaldi) / (c) BBC
Missy (Michelle Gomez) und der Doctor (Peter Capaldi) / (c) BBC

Das passiert in der Doctor Who-Episode Dark Water:

Clara (Jenna Coleman) hat Danny (Samuel Anderson) viel zu sagen. Vielleicht hätte sie damit jedoch warten sollen, bis er bei ihr in der Wohnung steht. Denn schon ein emphatisches „Ich liebe dich“ am Handy sorgt dafür, dass Danny eine Unachtsamkeit im Straßenverkehr unterläuft - und er von einem Auto überfahren wird. Danny ist tot. Und Clara ist zu allem entschlossen. Sie will, dass der Doctor (Peter Capaldi) den Unfall per Zeitreise rückgängig macht. Da sie jedoch genau weiß, dass sich der Doctor darauf nicht einlassen wird, kidnappt sie ihn und die TARDIS - und droht damit, alle Schlüssel zu seinem Raumschiff zu vernichten. Glücklicherweise hat der Doctor sie jedoch durchschaut und in einen Traum umgeleitet.

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Zurück in der Realität fühlt sich der Doctor zwar von Clara verraten, trotzdem ist er bereit, ihr zu helfen. Er will sich mit ihr gemeinsam auf die Suche nach dem Jenseits begeben, um zu schauen, ob sie Danny dort finden und möglicherweise zurückholen können. Durch eine telepathische Verbindung zwischen Clara und der TARDIS landen sie in einem höchst eigenartigen Mausoleum, in dem Skelette in Glastanks voller Wasser sitzen. Sie ahnen nicht, dass es eine besondere Art von Wasser ist, das etwas vor ihrem Blick verborgen hält.

In Empfang genommen werden der Doctor und Clara von der rätselhaften Missy (Michelle Gomez), die sich ihnen als Begrüßungs-Android vorstellt, in Wahrheit jedoch jemand ganz anderes ist...

Offene Fragen

Eigentlich würde ich es vorziehen, mit dem Urteil über Dark Water zu warten, bis der zweite Teil des Staffelfinales, Death in Heaven, gelaufen ist, da Teil eins zahlreiche Fragen offen lässt, von denen jetzt noch nicht gesagt werden kann, ob Teil zwei eine zufriedenstellende Antwort finden wird oder nicht.

Das beginnt bei Claras Zettelsammlung. Ihr scheint ja etwas aufgefallen zu sein, was ihre Abenteuer mit dem Doctor betrifft. Und was sie selbst nicht in das allerbeste Licht rückt. Bevor sie das jedoch näher erläutern kann, gerät ihr Liebster in den Unfall.

Die Nethersphere

Dann sind da die Erklärungen bezüglich der Nethersphere. Missy schnappt sich also das Bewusstsein von Menschen, die dabei sind zu sterben, speichert es in einem Time-Lord-Datenkern ab, um es dann in Cybermen-Körper zu packen, wobei jedoch eine Verbindung zu den „Ursprungs“-Körpern (sprich: Leichnamen) erhalten bleibt. Die naheliegende Frage lautet natürlich: warum? Welchen Plan verfolgt sie damit? Warum braucht sie unbedingt die Seelen der Verstorbenen? Bislang kamen die Cybermen doch auch so ganz gut zu Rande.

Anders als von vielen Fans angenommen, sammelt Missy nicht nur die Verstorbenen, die im Zusammenhang mit den Abenteuern des Doctors ums Leben gekommen sind, sondern alle Verstorbenen. Bemerkenswert ist dabei, dass sie sich ja, anders als es Dark Water nahelegt, keineswegs nur auf Menschen beschränkt. In Deep Breath hatte sie sich schließlich mit dem Half-Face Man eines der Uhrwerk-Wesen geholt. Und mit Gretchen aus Into the Dalek ist auch jemand aus der Zukunft dabeigewesen.

Noch mehr Fragen

Fragen über Fragen. Und hier noch ein paar mehr: Der Einfall, Danny im Jenseits zu suchen, erscheint selbst für den Doctor ziemlich weit hergeholt. Wie kommt er bloß auf diese Idee? (Zumal er später im 3W-Institut ja davon spricht, dass es eigentlich unmöglich sei, die Toten zurückzuholen.) Und warum ist er nicht sofort in der Lage, Missy als einen Time Lord (pardon: Time Lady) zu erkennen? Hieß es nicht vorher in der Serie, dass der Doctor in der Lage sei, die Existenz anderer Time Lords zu spüren? Hier geht Missy sogar auf intime Tuchfühlung mit ihm und lässt ihn nach ihrem Herz (beziehungsweise Plural: ihren Herzen) fühlen, und er begreift nicht, was Sache ist.

Ob es für all das Erklärungen gibt oder nicht, wissen wir nach Death in Heaven.

Eine gute Companion?

Eine Sache wissen wir jedoch ungeachtet aller offenen Fragen auch so: Dark Water ist eine ungemein düstere Episode, welche die Dunkelheit nicht nur im Titel trägt. Dass Clara den Doctor entführt und zu erpressen versucht, ist schon ein ungemein heftiges Szenario. Eine Companion, die, wenn auch nur kurzzeitig, zur Antagonistin wird, ist etwas, das wir - die Old-Who-Fans mögen mich korrigieren - so noch nicht gesehen haben. Wir haben es in der achten Staffel eben nicht nur mit einem Doctor zu tun, der härter und gefühlskälter als seine Vorgänger ist, sondern auch mit einer Begleiterin, die zum Äußersten entschlossen ist.

Der Doctor hatte in der achten Staffel schon mehrfach die Gelegenheit, sich die Frage zu stellen, ob er ein guter Mann ist. Claras fungierte dabei anfangs als sein Gewissensersatz. Nun stellt sich jedoch mehr und mehr die Frage, ob Clara überhaupt so gut ist, wie wir bislang dachten. Mit ihrer Haltung zu Beginn, dass der Doctor ihr etwas schulde, erinnert sie fast ein wenig an Ten, der gegen Ende seiner Inkarnation davon überzeugt gewesen ist, dass das Universum ihm etwas schulde.

Der Soldat

Auch in anderer Hinsicht nimmt Doctor Who mit Dark Water eine grimmige Wendung: Im Zuge seiner Jenseits-Erfahrung sehen wir Flashbacks von Dannys Kriegseinsatz - und erfahren, dass er damals einen vielleicht zwölf oder dreizehn Jahre alten Jungen erschossen hat. Düsterer kann eine Familienserie kaum werden.

Missy - Mistress - Master

Zu den großen, unvergesslichen Momenten der Folge gehört neben der Konfrontation auf dem Vulkan und der anschließenden, ungemein berührenden Verzeihensgeste des Doctors natürlich die zweistufige Enthüllung der Identität von Missy. Mit der ersten Stufe erfahren wir, dass sie eine Time Lady ist, was zunächst die Spekulationen zu unterfüttern scheint, dass es sich um die Rückkehr der Rani handelt. In der zweiten Stufe wird jedoch klar, dass sich Missy von Mistress ableitet. Der weiblichen Form von The Master.

Das ist in jeder Hinsicht ein gelungener Coup. Es bereitet - zusammen mit dem entgeisterten und entsetzten Gesichtsausdruck von Peter Capaldi - einen herrlichen Gänsehautmoment. Und ist ein grandioser Spin der wiederkehrenden Diskussionen rund um das Geschlecht des Doctors. Auch im Vorfeld der Regeneration von Matt Smith zu Peter Capaldi ist schließlich darüber diskutiert worden, ob es nicht an der Zeit wäre, die Rolle des Doctors von einer Frau verkörpern zu lassen. Dass Regenerationen auch zu einer Umwandlung des Geschlechts führen können, ist in Doctor Who - etwa durch die Folge The Doctor's Wife - bereits hinlänglich etabliert. Anstelle des Doctors macht Steven Moffat jedoch erst mal dessen größten Gegenspieler, den Master, zur Frau.

Cybermen

Der Rückkehr der Cybermen fehlt dagegen so ein bisschen das Überraschungsmoment. So nett es sicherlich auch gedacht war, den berühmten Abstieg der Cybermen über die Treppen an der Londoner St Paul's Cathedral aus „The Invasion“ (1968) nachzustellen, so ist dieser visuelle Einfall teuer erkauft worden.

Denn selbst der spoiler-aversivste Fan konnte kaum die Fotos und Presseberichte ignorieren, die im Umfeld der Dreharbeiten entstanden sind; entsprechend hat die BBC auch in der Promotion der Episode (mit eigenen Fotos und Trailern) gar nicht erst versucht, aus der Rückkehr der Cybermen ein Geheimnis zu machen. Das nimmt ihrem Auftritt ein bisschen die Wirkung.

Klasse gemacht ist derweil das Emblem des 3W-Instituts, welches dem Auge eines Cybermans nachempfunden ist. Mir ging es als Zuschauer so, dass mir die Form auf Anhieb bekannt vorkam, ohne dass ich sie hätte zuordnen können.

Als der Doctor jedoch sagt: „Irgendetwas Offenkundiges entgeht mir hier!“ und sich dann die Schiebetüren mit dem Logo hinter ihm schließen, so dass man als Zuschauer den Eindruck bekommt, als würde man direkt in die Augen eines Cybermans schauen (unterlegt mit dem musikalischen Thema, das die Cybermen seit ihrem ersten Post-2005-Auftritt in der zweiten Staffel begleitet), da sticht natürlich förmlich ins Auge, was es mit dem Emblem auf sich hat.

Fazit

Wie gesagt: eine abschließende Bewertung der Folge wird erst nach Abschluss des Staffelfinales möglich sein. Die Sternbewertung ist deshalb auch nur als Provisorium zu verstehen. Allein der Zungenkuss zwischen Missy/Master und Doctor ist jedoch schon einmal mindestens einen Extra-Stern wert...!

Haben der St Paul%26#039;s Cathedral schon einmal einen Besuch abgestattet: die Cybermen © BBC
Haben der St Paul%26#039;s Cathedral schon einmal einen Besuch abgestattet: die Cybermen © BBC
Verfasser: Christian Junklewitz am Montag, 3. November 2014

Doctor Who 8x11 Trailer

Episode
Staffel 8, Episode 11
(Doctor Who 8x11)
Titel der Episode im Original
Dark Water
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Samstag, 1. November 2014 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 1. November 2014
Autor
Steven Moffat
Regisseur
Rachel Talalay

Schauspieler in der Episode Doctor Who 8x11

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