Doctor Who 8x05

Doctor Who 8x05

Doctor's Four statt Ocean's Eleven: Der Doctor zieht mit einem kleinen Team los, um die sicherste Bank des Universums auszurauben. Warum er dies tut, weiß er selbst nicht so genau. Er und seine Mitstreiter haben vorher ihr Kurzzeitgedächtnis gelöscht.

Doctor's Four: Der Doctor und Clara auf dem Weg zum „Time Heist“. / (c) BBC
Doctor's Four: Der Doctor und Clara auf dem Weg zum „Time Heist“. / (c) BBC

Das passiert in der Doctor Who-Episode Time Heist:

Der Doctor (Peter Capaldi) will mit Clara (Jenna Coleman) eigentlich einen Ausflug durchs Universum - und nach Brighton - unternehmen. Doch Clara hat bereits andere Pläne: sie ist zum zweiten Mal mit Danny (Samuel Anderson) verabredet. Da klingelt allerdings auf einmal das Telefon der TARDIS. Sehr zum Erstaunen des Doctors, da nur sehr wenige Leute im Universum die Nummer der TARDIS kennen. Claras Protesten zum Trotz geht der Doctor an den Apparat.

Plötzlich finden die beiden sich in einem düsteren Raum wieder, zusammen mit Psi (Jonathan Bailey, Leonardo / Broadchurch) und Saibra (Pippa Bennett-Warner). Alle Vier haben durch den Kontakt mit einer uns seit The Snowmen wohlbekannten Wurmart das Kurzzeitgedächtnis verloren. Durch Tonaufnahmen, die sie offenbar vorher selbst angefertigt haben, erfahren sie, dass sie sich die Amnesie aus freien Stücken zugefügt haben. Eine mysteriöse Gestalt, die sich selbst „der Architekt“ nennt, setzt sie via Videoaufzeichnung in Kenntnis, dass ihre Mission darin besteht, die Bank von Karabraxos auszurauben, das angeblich sicherste Geldinstitut des Universums...

Wissen und Nicht-Wissen

Der Effekt, den eine Erzählung auf das Publikum hat, ist nicht zuletzt von der Wissensverteilung zwischen Zuschauern und Figuren abhängig. Weiß der Zuschauer genau so viel oder sogar noch mehr als die Figuren, sind das die besten Voraussetzungen für das Entstehen von Spannung (Paradefall „Der weiße Hai“: Wir sehen den Hai, während die Schwimmerin im Wasser noch vollkommen ahnungslos ist). Wissen die Figuren mehr als der Zuschauer, so sind Interesse und Neugier ein sehr wahrscheinlicher Resultat („Was verschweigt uns die Verdächtige X?“).

Steven Moffat und sein Sherlock-Kollege Steve Thompson entscheiden sich in Time Heist für die Variante Verwirrung stiften: Sie lassen Figuren und Zuschauer gleichermaßen im Dunkeln tappen. Beide, Figuren und Zuschauer, wissen bis kurz vor Schluss nicht, was hinter dem Bankraub steckt. Dass die Figuren ihre Erinnerungen löschen, um nicht vom Teller (sprachlich sehr schön doppeldeutig: es kann Bankkassierer, aber auch Erzähler/Wahrsager heißen) anhand der kriminellen Absicht aufgespürt zu werden, ist - bei allen damit verbundenen logischen Fallstricken - ja eine hübsche Idee. Nur leider ist es zugleich auch ein kräftiger Tritt in die Kniekehle der Spannung.

Spannungsfaktoren

Spannung erlebt das Publikum, wenn eine Figur exzellent motiviert ist - und dann auf (scheinbar) unüberwindliche Hindernisse trifft. Die Spannung in Time Heist leidet bedauerlicherweise an Problemen, die in beiden Zutaten auftreten: Die Figuren sind bedingt durch ihre Amnesie nur mäßig gut motiviert: Warum begehen sie den Bankraub überhaupt? Weil sie sich sagen, dass sie wohl einen guten Grund dafür gehabt haben müssen, sich auf den Plan einzulassen und ihre Erinnerungen zu löschen? Das ist das Gegenteil einer guten, emotional mitreißenden Motivation.

Auf der anderen Seite ist die Bank von Karabraxos weit davon entfernt die unbezwingbare Festung zu sein als die sie hingestellt wird. Keeley Hawes (Ashes to Ashes) müht sich zwar redlich als sinistere Gegenspielerin - und das sogar gleich im Doppelpack. Die Sicherheitsmaßnahmen der Bank erscheinen jedoch geradezu lächerlich lax. Wo sind die Überwachungskameras in allen Räumen und Gängen?

So frei, wie sich unsere vier Räuber in der Bank bewegen, und so ahnungslos, wie die Sicherheitsleute sind, wo die Vier sich gerade aufhalten, kann es mit der Security der Bank nicht weit her sein. Was nützt es, Atome zu zählen und die Kunden alle Nase lang, in irgendwelche Geräte hauchen zu lassen (mit sichtbar schlechtem Atem...), wenn man dann jedoch nicht einmal in der Lage ist, umgehend den Standort von Eindringlingen feststellen zu können?

Eingedellt

Einzig der Teller strahlt eine Aura der Bedrohung aus. Was allerdings auch genau darauf zurückgeht, dass Moffat und Thompson hier eine ganz klassische Spannungskonstruktion wählen: Zuschauer und Figuren sehen beide zu Beginn, wie der Teller den (fälschlich?) verdächtigten Bankkunden scannt und dann sein Gehirn „in Suppe verwandelt“. Wir sehen das beeindruckende, furchteinflößende Äußere des Tellers. Wir sehen das schockierende Resultat seines Wirkens (der nach Innen eingedellte Schädel!). Und damit wissen wir (und ebenso die Figuren), welche Gefahr von ihm ausgeht. Entsprechend spannend sind die weiteren Begegnungen mit ihm.

Auf die Strecke der gesamten Episode gerechnet ist das jedoch leider zu wenig.

Team Not-Dead

Ich sage das mit dem aller-, allergrößten Bedauern, weil die Grundidee eines Zeitreise-Raubzugs eigentlich ganz wunderbar und großartig ist. Und einen herrlichen Mix aus Spaß und Nervenkitzel verspricht. Doctor Who meets „Ocean's Eleven“. Davon ist in der fertigen Folge allerdings nur in Ansätzen etwas zu spüren. Am ehesten gelingen der Episode noch die humorigen Augenblicke („Come on, Team Not-Dead!“).

Der harte Doctor

Auch die Charaktermomente sind nicht schlecht: Die wahrscheinlich eindrücklichste Szene der Episode ist die von Twelve offensiv zur Schau gestellte emotionale Distanzierung. Er legt Psi nahe, sich jetzt erst mal an ihn zu halten, eine Schulter zum Ausweinen könne er später noch suchen. Das ist hart, das ist gefühllos, das ist von einem geradezu unmenschlichen Pragmatismus. Und es könnte zugleich die bislang größte schauspielerische Glanzleistung von Peter Capaldi in der Rolle des Doctors gewesen sein.

Zugleich wird in Time Heist deutlich, warum der Doctor trotz dieser Härte immer noch sympathisch ist: Weil er die gleiche Härte, die er gegen andere zeigt, auch gegen sich selbst übt. Zum Beispiel als er davon spricht, dass er den „Architekten“ hasst (und das zu einem Zeitpunkt, als wir bereits ahnen können, dass er selbst der „Architekt“ ist). Oder auch in seinen abschätzigen Bemerkungen über seine vergangene (Schal, Fliege) und aktuelle Kleidung („Es sollte schlicht wirken, sieht aber aus wie bei einem Zauberer“).

Paradoxa und andere Kopfschmerzen

Bereits die vergangene Folge Listen hatte reichlich Anlass für Diskussionen über Zeit-Paradoxa geliefert „62407“. Diese können bei Time Heist nahtlos fortgeführt werden. Denn natürlich steht am Ende der Folge mal wieder ein Paradox: Der Doctor erhält einen Telefonanruf, der ihn auf eine Mission führt, an deren Ende er die Telefonnummer der TARDIS herausgibt, was überhaupt erst den Anruf ermöglicht... Ob man das jetzt nun als Kreis auffasst oder nicht: Auf Dauer sind diese Zeit-Paradoxa einfach ungemein frustrierend. Man tappt 40 Minuten im Dunkeln - und am Ende bekommt man eine Auflösung präsentiert, die dem herkömmlichen logischen Denken zuwiderläuft - und damit ein gutes Stück weit die geistige Arbeit ad absurdum führt, die man als Zuschauer in die Folge investiert hat.

Apropos ad absurdum: Unklar bleibt auch, warum der zweite Einbruch überhaupt notwendig war. Immerhin hat es der Doctor doch ganz allein geschafft, die Koffer in der Bank zu verteilen. Dabei war offensichtlich auch der Teller kein Problem für ihn. Wozu dann noch der zweite Einbruch mit Psi und Saibra und der ganzen Vergessensnummer?

Fazit

Vielleicht hatte ich einfach zu hohe Erwartungen an Time Heist. Von der Grundidee und vom Trailer her sah es wie eine richtig coole Folge aus. Und es gab auch Einiges, was mir sehr gefallen hat (der Auftakt mit dem Time Vortex, der in eine Waschmaschinen-Drehung übergeht; die vielen Bilder von guten alten Bekannten, deren Erinnerungen Psi „hochlädt“...). Gestört hat mich jedoch - und ich weiß, dass sich das langsam wie eine alte Leier anhören muss - der Plot, der für mehr Verwirrung als Spannung sorgt. Und der statt eines Payoffs, der das alles rechtfertigen würde, am Ende doch nur wieder ein Paradox anzubieten hat.

Verfasser: Christian Junklewitz am Montag, 22. September 2014

Doctor Who 8x05 Trailer

Episode
Staffel 8, Episode 5
(Doctor Who 8x05)
Deutscher Titel der Episode
Verschlusssache
Titel der Episode im Original
Time Heist
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Samstag, 20. September 2014 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 20. September 2014
Autoren
Steve Thompson, Steven Moffat
Regisseur
Douglas Mackinnon

Schauspieler in der Episode Doctor Who 8x05

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