Doctor Who 8x02

Doctor Who 8x02

Bin ich ein guter Mann? Der neue Doctor steht vor einer sehr grundsätzlichen Frage. Und das ausgerechnet in dem Augenblick, als jemand seine Hilfe braucht, von dem er bislang dachte, dass es sich um Oxymoron handelt: ein guter Dalek.

Der Doctor (Peter Capaldi) vor dem Nano Scaler. / (c) BBC
Der Doctor (Peter Capaldi) vor dem Nano Scaler. / (c) BBC

Das passiert in der Doctor Who-Folge Into the Dalek:

Ein Kampfflieger des Vereinten Galaktischen Widerstands flieht vor einem Dalekschiff. Gerade als der Flieger getroffen wird, rettet der Doctor (Peter Capaldi) die Pilotin, eine Rebellin namens Journey Blue (Zawe Ashton), aus ihrem explodierenden Gefährt. Nach einer kleinen Lektion in Sachen Höflichkeit bringt er sie auf ihr Mutterschiff, die Aristoteles, wo die Rebellen einen verletzten Dalek beherbergen. Dieser offenbart eine sehr überraschende Seite an sich: Es ist ein Dalek, der vom Treiben seiner eigenen Spezies angewidert ist und eine ausgesprochene Abneigung gegen seine eigenen Artgenossen entwickelt hat („Zerstört alle Daleks!“). Der Doctor kann es kaum fassen: ein guter Dalek!

Die Rebellen wollen, dass der Doctor ihm hilft. Gemeinsam mit der unbezahlbaren Clara (Jenna Coleman), Journey und zwei weiteren Rebellen lässt sich der Doctor in einem Nano Scaler miniaturisieren, um im Inneren des Daleks die notwendigen Reparaturarbeiten durchzuführen. Schon bald stellt sich der Trip in das Innere des Daleks jedoch als ein äußerst gefährliches Unterfangen heraus...

Do you use (the Nano Scaler) to shrink the surgeons so they can climb inside the patients?“ / „Exactly.“ / „Fantastic idea for a movie. Terrible idea for a proctologist...

Zunächst mal...

Liebe BBC, DAS ist die Folge, die wir gerne im Kino gesehen hätten! Into the Dalek ist ein Fest für die Augen: angefangen bei den wunderbar ausgefeilten Sets (vor allem im Dalek-Inneren), über die grandiose Kamera-Arbeit des neuen isländischen Doctor Who-DPs Magni Agustsson bis hin zu den tollen Spezialeffekten. Vor allem der Gang durch das Scanner-Auge des Daleks ist ein Effekt, der im Gedächtnis bleibt. Darüber hinaus blitzt, kracht und explodiert es fortwährend - und das dank des geschickten Einsatzes von Zeitlupen, die der Folge optisch epische Größe einhauchen. Mit anderen Worten: Into the Dalek wäre die Folge gewesen, für die ein Screening auf der großen Leinwand sicher einen Mehrwert bedeutet hätte.

Bei Deep Breath verhielt es sich dagegen eher umgekehrt. Dem Rezensenten zumindest gefiel die Folge besser, als er sie noch mal daheim auf dem kleinen Bildschirm gesehen hat. Nun ist es natürlich naheliegend, dass man eher den Staffelauftakt als irgendeine spätere Folge ins Kino bringt. Und natürlich war es auch richtig, dass die Einführung des neuen Doctors als eher figurenzentrierte Episode daherkommt. Trotzdem sollte die BBC vielleicht im Hinterkopf behalten: Wenn man Doctor Who ins Kino bringt, dann vielleicht eher mit Folgen, die - wie zuvor The Day of the Doctor - auch auf der Kinoleinwand Bestand haben.

Nur so ein Vorschlag.

The Best of Both Worlds

Und weil wir gerade bei Vorschlägen sind: Können Steven Moffat und Phil Ford nicht in Zukunft immer zusammen schreiben?

Into the Dalek vereint den Einfallsreichtum und den Dialogwitz des Doctor Who-Showrunners mit dem dramaturgisch klar strukturierten, spannungsorientierten Erzählen des ehemaligen The Sarah Jane Adventures-Chefautors (dessen letzte Doctor Who-Folge übrigens The Waters of Mars gemeinsam mit Russell T. Davies gewesen ist, mit dem er aktuell auch bei Wizards vs. Aliens zusammenarbeitet). Es ist wirklich so, als käme in Into the Dalek das Beste beider Welten, der Moffat- und der RTD-Ära, zusammen.

Im Vergleich zum erzählerischen Durcheinander, das im vergangenen Jahr die „Wir erkunden das Innere von...“-Episode Journey to the Centre of the TARDIS gewesen ist, zeichnet sich Into the Dalek durch hinreichend klare Probleme und Motivationen aus: Die Rebellen wollen den einzigen guten Dalek retten und brauchen dafür die Hilfe des Doctors. Und der Doctor versucht das Gute im Dalek wiederzubeleben, nachdem dieser durch seine Reparatur wieder böse geworden ist und das Rebellenschiff von den Daleks überfallen wird.

Der gute Mann

Das ist ein tragfähiges Spannungsgerüst, auf welches das Charakterdrama passgenau aufsetzt: Der Doctor ist immer noch nicht wirklich er selbst. Obwohl er gegenüber Deep Breath natürlich wesentlich gefestigter erscheint, hat er die Regeneration immer noch nicht ganz überwunden, wie es scheint. Er fragt sich, ob er (moralisch) gut ist. Gründe, daran zu zweifeln, gibt es schließlich durchaus. Er rettet Journey zwar aus ihrem explodierenden Schiff. Das ist gut. Er zeigt danach allerdings bemerkenswert wenig Mitgefühl, als sie um ihren getöteten Bruder trauert. Das ist weniger gut. Er opfert einen der Rebellen an die Dalek-Antikörper, ohne mit der Wimper zu zucken. Das ist noch weniger gut.

Er ist ein härterer, düsterer Doctor. Von seiner Art her erinnert er ein wenig an Nine (Christopher Eccleston), der ebenfalls zu Beginn wenig Sinn dafür hatte, Einzelschicksalen (denken wir an Mickey in Rose) sonderlich viel Beachtung zu schenken. Allerdings gab sich Nine zumindest den Anschein (lächelnder) Freundlichkeit. Das entfällt bei Twelve.

Allerdings ist sich der Doctor seines Mangels wohlbewusst. Genau deshalb holt er sich Clara an seine Seite: Sie ist sein „carer“, sein Mitgefühl, seine Gewissensstütze. Ein Stück weit sogar seine Lehrerin. Und plötzlich ergibt ihre Berufswahl (in Staffel sieben war sie ja recht unvermittelt von Kindermädchen auf Lehrerin umgeschwenkt) einen Sinn! Sie ist es, die dem Doctor beibringt (oder ihn zumindest daran erinnert), was es heißt, der Doctor zu sein. Die ihm notfalls sogar eine Ohrfeige verpasst, um ihm seine Vorurteile auszutreiben - und ihn zu seinem (dem Doctor gemäßen) Optimismus anzuspornen. Der Doctor zu sein, heißt auch, an die Möglichkeit eines guten Daleks zu glauben.

Der gute Dalek

Eine zweite, in diesem Fall jedoch metaphorische Ohrfeige für den Doctor ist der Umstand, dass Rusty durch die mentale Verbindung mit ihm nicht nur einen Sinn für das Schöne und Gute aufnimmt, sondern auch den Hass, den der Doctor gegenüber den Daleks empfindet. Im Spiegel des Daleks erkennt der Doctor, was an ihm selbst nicht gut ist, was ihm an sich selbst missfällt. Der Hass auf die Daleks, den er an Rusty weitergegeben hat, ist das, was die Rebellencrew rettet. Zugleich ist es aber auch der Grund dafür, weshalb Rustys Feststellung, dass der Doctor selbst „der gute Dalek“ sei, eine nicht ganz unzutreffende Bemerkung ist.

Immerhin: Das „Zeugnis“, das er von Clara am Ende ausgestellt bekommt, lautet: „Er gibt sich Mühe...

Der gute Soldat?

In Into the Dalek lernen wir noch eine weitere Figur kennen, die wegen ihrer dunkleren Seiten mit sich ringt: Danny Pink (Samuel Anderson) ist ein ehemaliger Soldat und mittlerweile Lehrer an der gleichen Schule wie Clara. Einerseits ist er auf sein Soldatentum durchaus stolz (und betreibt den Sportunterricht als eine Art Kadetten-Drill). Andererseits bereitet es ihm sichtbar Kummer, als seine Schüler ihn fragen, ob er schon mal jemanden getötet hat. Die Frage „Bin ich ein guter Mann?“ scheint also auch Danny umzutreiben.

Zugleich ist er in Into the Dalek für den Comic Relief zuständig - durch seine unbeholfene Reaktion auf Clara, die augenscheinlich an ihm interessiert ist. Nun ließe sich darüber streiten, ob es eine allzu gute Idee ist, nach Amy (Karen Gillan) und Rory (Arthur Darvill) so bald schon wieder ein Paar an die Seite des Doctors zu stellen. Allerdings steht ja noch gar nicht fest, ob die Serie mit Clara und Danny wirklich in diese Richtung gehen wird. So oder so dürfte es auf jeden Fall sehr spannend werden, wie Danny und der Doctor, der sich in dieser Folge mal wieder nicht gerade als größter Freund des Soldatenberufs gezeigt hat, aufeinandertreffen.

Die gute Gastgeberin?

Ein Wiedersehen gibt es in Into the Dalek mit Missy (Michelle Gomez), jener seltsamen, übermäßig theatralischen Empfangschefin des „Himmels“, in dem sie in dieser Episode Gretchen (Laura Dos Santos) begrüßt, die sich für den Doctor, Clara und Journey geopfert hat. Nicht nur Bösewichte finden also Eingang ins Missys Paradies, was ihren Part in dieser Staffel umso rätselhafter erscheinen lässt.

Einigen Kommentatoren war in der vergangenen Woche aufgefallen, dass der Garten, in dem Missy herumtanzt (und der auch in dieser Woche im Hintergrund der Kuchentafel zu sehen ist) derselbe ist, in dem Amy schon in The Girl Who Waited eine halbe Ewigkeit verbracht hat. Doch, ob wir daraus wirklich schlussfolgern sollen, dass wir uns wieder auf Apalapucia befinden? Möglich.

© BBC (Montage: SJ)
© BBC (Montage: SJ)

Es ist fraglos derselbe Drehort. Wenn man sich jedoch anschaut, wie viel Mühe sich die Macher gegeben haben, den Garten umzudekorieren, dann scheint es jedoch mindestens genau so wahrscheinlich, dass es sich um einen produktionsbedingten Zufall handelt. Schließlich dürfte die Zahl der Gärten, die als (Ferien-) Paradies durchgehen könnten, auch in Südwales begrenzt sein.

Fazit

Gerne wird - nicht zuletzt in Kritiken - ein Gegensatz zwischen plot- und figurengetriebenem Erzählen aufgemacht. Into the Dalek zeigt, welch wunderbare Unterhaltung daraus entsteht, wenn ein starker, stringenter Plot und Figurenentwicklung zusammenkommen.

So wünscht man sich Doctor Who: spannend, nachdenklich und mit Daleks, die wirklich ernst zu nehmende Gegner sind.

Wenn ich so darüber nachdenke, dann fällt mir allerdings doch ein kleiner, winzig kleiner Kritikpunkt ein: Rusty ist nicht der erste gute Dalek, den der Doctor getroffen hat. Oder hat er etwa schon Dalek Caan (The Stolen Earth (1)/Journey's End (2)) vergessen?

P.S.: Hmm...?

Ob das wohl Zufall ist? Oder haben diese Formeln eine tiefere Bedeutung?

© BBC (Montage: SJ)
© BBC (Montage: SJ)


Verfasser: Christian Junklewitz am Montag, 1. September 2014

Doctor Who 8x02 Trailer

Episode
Staffel 8, Episode 2
(Doctor Who 8x02)
Deutscher Titel der Episode
Mission Dalek
Titel der Episode im Original
Into The Dalek
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Samstag, 30. August 2014 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 30. August 2014
Autoren
Phil Ford, Steven Moffat
Regisseur
Ben Wheatley

Schauspieler in der Episode Doctor Who 8x02

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?