Doctor Who 5x01

Doctor Who 5x01

Am Samstag lief in Großbritannien die erste von 13 neuen Doctor Who-Folgen. Acht Millionen Zuschauer liessen sich den Auftakt von Matt Smith als elfter Doktor nicht entgehen. Für Serienjunkies.de-Redakteur Christian Junklewitz schien der Osterurlaub voll Ungeduld kein Ende zu nehmen...

Kleine Verspätung: Dem Doktor (Matt Smith) wird klar, wie lange Amy (Karen Gillan) auf ihn gewartet hat / (c) 2010 BBC
Kleine Verspätung: Dem Doktor (Matt Smith) wird klar, wie lange Amy (Karen Gillan) auf ihn gewartet hat / (c) 2010 BBC

Inhalt

Manche Wünsche, die man an den Weihnachtsmann sendet, werden wahr. Auch wenn es gerade Ostern ist. Die siebenjährige Amelia Pond, eine Vollwaise, die im Haus ihrer Tante lebt, hat sich mit einem Notfall-Wunsch an den Weihnachtsmann gewandt: Er möge doch bitte jemanden senden, der einen Riss in ihrer Zimmerwand behebt, durch den unheimliche Stimmen zu hören sind.

Amelia hat ihren Wunsch kaum ausgesprochen, als sie einen gewaltigen Lärm in ihrem Garten hört. Eine qualmende Polizei-Notrufbox hat dort nämlich gerade eine Bruchlandung hingelegt. Aus der Box klettert ein Mann, der großen Appetit mitbringt (allerdings nicht weiß auf was). Besagter Mann stellt sich Amelia als „der Doktor“ vor. Als er von dem Riss in Amelias Zimmerwand hört, ist er sofort Feuer und Flamme. Mit seinem - allerdings ebenfalls schon schwer lädierten - Sonic Screwdriver findet er heraus, dass es sich nicht nur um einen Riss im Mauerwerk, sondern in Wahrheit um einen Riss im Universum handelt. Als der Doktor den Riss öffnet, entdecken sie, dass auf der anderen Seite ein außerirdisches Gefängnis ist. Und das riesenhafte Auge des Gefängniswärters lässt sie wissen, dass Gefangener Null entkommen ist.

Der Doktor schliesst den Riss - und folgert, dass sich Gefangener Null in Richtung Erde abgesetzt haben muss. Bevor er sich jedoch auf die Suche nach jenem Gefangenen begeben kann, muss er sich um die TARDIS kümmern, deren Triebwerke kurz davor stehen, in Flammen aufzugehen. Der Doktor erklärt Amelia, dass die TARDIS eine Zeitmaschine ist - und er sie nur kurz mal in die Zukunft fliegen muss, er aber in fünf Minuten wieder zurück sein wird. Amelia, die auf ihre Tante nicht gerade gut zu sprechen zu sein scheint, packt ihren kleinen Kinderkoffer, zieht einen Mantel über und wartet im Garten darauf, dass der Doktor zurückkommt. Und wartet. Und wartet. Und wartet.

Der Doktor kommt zurück. Doch statt Amelia findet er im Haus eine junge Polizistin vor, die ihm zunächst einmal einen Schlag mit einem Cricket-Schläger versetzt, weil sie ihn für einen Eindringling hält. Sie ahnt nicht, wer der eigentliche Eindringling im Haus ist, bis der Doktor ihr rät, einen Blick aus dem Augenwinkel heraus zu riskieren: Gefangener Null hat sich nämlich in einem Zimmer des Hauses einquartiert. Dabei handelt es sich um eine schlangenartige Kreatur, die wahlweise auch die Gestalt anderer Lebensformen annehmen kann, zu denen sie eine psychische Verbindung aufgebaut hat.

Die TARDIS können der Doktor und die junge Polizistin zur Flucht nicht benutzen, da die TARDIS selbst in einer Art Regenerationsmodus ist. Und weitere Polizeikräfte zur Verstärkung sind nicht unterwegs, da Amy, so der Name der jungen Frau, gar keine Polizistin ist. Sondern ein „Kissogram“, also ein küssendes Glückwunschtelegramm, welches in unterschiedlichen Verkleidungen auftritt. Der Doktor merkt, dass seit seinem letzten Besuch ganze zwölf Jahre vergangen sind. Und Amy ist niemand anders als die kleine Amelia, der er versprochen hatte, in fünf Minuten zurück zu sein.

Zwölf Jahre und vier Psychiater später ist Amy auf den Doktor mächtig sauer: Sie hatte ihre Kindheitshoffnungen auf ihn gesetzt - und ist enttäuscht worden. Schließlich kam sie (nicht zuletzt dank der psychiatrischen Hilfe) darauf, dass es den Doktor gar nicht gibt. Und da taucht er auf einmal wieder auf.

Und als wäre das noch nicht genug, erhält die Erde auch noch Besuch von den Atraxi, die auf der Suche nach dem Gefangenen Null sind - und die Erdbewohner via Rundfunk wissen lassen, dass sie den Planeten in Flammen aufgehen lassen werden, wenn sie ihn nicht finden. Der Doktor schätzt, dass ihre Waffen in zwanzig Minuten einsatzbereit sein werden. Und nur er kann die Katastrophe verhindern. Allerdings hat er keine TARDIS. Und auch sein Sonic Screwdriver gibt den Geist auf.

Zum Glück ist da jedoch Rory, der (Quasi-) Freund von Amy. Was der Stand ihrer Beziehung ist, darüber scheinen sie sich selbst nicht ganz klar, geschweige denn einig. Rory ist Krankenpfleger im örtlichen Krankenhaus - und schon seit einiger Zeit einem merkwürdigen Phänomen auf der Spur: Koma-Patienten, die nicht nur reden, sondern bisweilen auch Spaziergänge durch den Ort unternehmen. Bevor sie dann wieder im Koma liegen. Der Doktor weiss sofort, was Sache ist: Gefangener Null bedient sich der Gestalten der Komapatienten, zu denen er eine psychische Verbindung aufgebaut hat.

Es gelingt dem Doktor, den Gefangenen Null in eine Falle zu manövrieren: Durch ein vom Doktor geschriebenes Computer-Virus wird jede Anzeige auf der Erde auf Null geschaltet, was die Aufmerksamkeit der Atraxi erwecken - und sie dazu veranlassen soll, die Quelle des Computervirus aufzuspüren: Rorys Handy, mit dem dieser zuvor Fotos von allen menschlichen Gestalten des Gefangenen geschossen hat. Tatsächlich gelingt es den Atraxi auf diese Weise, ihres Gefangenen wieder habhaft zu werden. Allerdings hat Gefangener Null vorher noch eine beunruhigende Information für den Doktor: Er war es nicht, der den Riss im Raum-Zeit-Gefüge verursacht hat. Und es ist nicht der einziger Riss im Universum: „Die Pandorica öffnet sich. Die Stille wird sich ausbreiten.

Die unmittelbare Bedrohung der Erde ist zwar abgewendet. Aber der Doktor hat noch ein Wörtlichen mit den Atraxi zu sprechen, die immerhin den ganzen Planeten in ein Flammenmeer verwandeln wollten. Nachdem er sich im Krankenhaus ein paar neue Kleidungsstücke unter den Nagel gerissen hat, macht er den Außerirdischen klar, wer er ist - und dass sie sich besser nicht mit ihm anlegen sollten, weil er die Erde beschützt. Woraufhin die Atraxi auch schleunigst das Weite suchen.

In diesem Moment entdeckt der Doktor, dass ein neuer TARDIS-Schlüssel in seiner Tasche materialisiert hat. Das kann nur eines bedeuten: Die TARDIS ist fertig. Er kann es kaum abwarten, mit ihr einen Rundflug zu unternehmen - und lässt (schon wieder) Amy Pond zurück. Als der Doktor mit der TARDIS wieder in Amys Garten landet, sind - ohne dass ihm das klar ist - zwei Jahre vergangen. Er lädt sie ein, mit ihm mitzukommen. Lange genug hätte sie darauf schließlich gewartet. Amy ist überwältigt, als der Doktor ihr den Innenraum der neuen TARDIS zeigt. Sie stimmt zu, ihn zu begleiten, als der Doktor ihr offenbart, dass er genug davon habe, mit sich selbst zu reden. Allerdings besteht sie darauf, dass er sie am folgenden Tag zurückbringen müsse. Was sie ihm verschweigt: Am nächsten Tag soll sie allem Anschein nach vor den Traualtar treten...

Kritik

Mit The Eleventh Hour verhält es sich ein wenig wie mit dem Gericht, welches dem Doktor in der Folge schließlich eine Gaumenfreude bereitet: Im Kern ist sie ein richtig leckeres Fischstäbchen, welches jedoch dann und wann in eine nicht ganz so appetitliche Soße getunkt wird.

Doch zuerst das Positive: Und das heisst ganz klar Matt Smith. Was sich schon in seiner Regenerationsszene angedeutet hat, findet sich in The Eleventh Hour klar bestätigt: Der 27-jährige liefert eine großartige Performance - voller Energie, Irrwitz und Charisma. Nicht eine Sekunde lang habe ich daran gezweifelt, dass er der Doktor ist.

Eine der gelungensten Szenen der Folge zeigt auf dem Dach des Krankenhauses eine Projektion der Atraxi, in der zunächst sämtliche seiner Vorgänger zu sehen sind, bevor Matt Smith als Doktor Nr. 11 durch die Projektion hindurch in Richtung Kamera geht. Und wir als Zuschauer darin nur noch einmal visuell bestätigt sehen, was die knapp 60 Minuten zuvor bereits bewiesen hatten: Dass Matt Smith eine würdige Fortsetzung dieser legendären Ahnenreihe darstellt.

Ebenfalls ganz klar auf der Positivseite zu vermerken: Amy Pond als die neue Begleiterin. Sicher, nicht alle Fans werden gleich mit ihr warm werden, was einen auch nicht überraschen sollte, immerhin kommt sie in der ersten Folge als sehr abweisend herüber. Aber das hat seinen Grund: Sie hat sich einen dicken emotionalen Panzer zugelegt, nachdem sie als Kind einmal alle Hoffnung auf einen Mann in einer blauen Box gesetzt hat, der ihr ein Versprechen gab - und es dann nicht gehalten hat. Die Szene, in der Amelia ihren kleinen Koffer packt und sich in den Garten setzt, war in bester Moffat'scher Tradition ergreifend. Und das emotionale Fundament für die Beziehung zwischen dem Doktor und Amy, welche sehr interessant zu werden verspricht.

Sein großes Talent als Comedy-Autor liess der neue Chefautor von Doctor Who dann in einer Reihe von köstlichen Einzelmomenten aufblitzen, wie beispielsweise dem Umstand, dass alle Menschen im Umfeld von Amy den Doktor aus ihren Kinderzeichnungen erkennen - er selbst allerdings mit seinem Gesicht noch nicht ausreichend vertraut ist, um sich selbst zu erkennen, als Gefangener Null auch seine Gestalt annimmt. Herrlich auch der Augenblick, als der Doktor noch mal ins Zimmer des im Internet unkeusche Dinge treibenden Jeffs zurückkommt: „Oh, and delete your internet history!

Ganz ungetrübt ist die Freude über The Eleventh Hour allerdings nicht. Und das liegt hauptsächlich an dem - gelinde gesagt - schwachen Alien-Plot: Außerirdische, die auf der Suche nach einem entflohenen Gefangenen sind - und damit drohen, die ganze Erde zu vernichten? Das war angefangen bei der Grundidee bis hin zur außerirdischen Botschaft, die über alle Kommunikationsmittel verbreitet wird, ein Gemengelange aus Smith and Jones, dem Auftakt von Staffel 3, und The Hitchhiker's Guide to the Galaxy von Douglas Adams (dessen Beteiligung an Doctor Who in den 70er Jahren erst jüngst ein BBC-Radio-Special gewidmet war).

Das an sich wäre ja noch gar nicht einmal so schlecht. Wenn es der Geschichte gelungen wäre, ein Mindestmaß an Spannung zu erzeugen. Aber dafür blieb die Bedrohung - sowohl durch den Gefangenen Null als auch durch die Kristall-Raumschiff mit Riesen-Auge unten dran - zu abstrakt und zu sehr im Bereich der Andeutung (das regelmäßige Zurschaustellen der Fangzänge - Hmm, der gefräßige Plapperkäfer von Traal? - oder das tiefe Bellen von Hund und Herrchen).

Auch darüber hinaus zeigte Moffat in The Eleventh Hour ein - ansonsten ja bewunderungswürdiges - Umweltbewusstsein, was seine Bereitschaft zum Recycling angeht: So waren sowohl das Mädchen, welches der Doktor erst später als erwachsene Frau wiedersieht, als auch die Vertreibung der Außerirdischen durch Hinweis auf seine vergangenen Heldentaten zwei Plot-Elemente, die Moffat bereits in früheren Doctor Who-Folgen (The Girl in the Fireplace und Forest of the Dead) benutzt hat. Das ist per se nicht schlimm. Nur vielleicht etwas schade in einer Folge, die ja eigentlich so etwas wie einen Neuanfang markieren sollte.

Apropos Neuanfang: Zum Vorspann will ich mich lieber nicht äußern, bevor mir nicht selbst klar ist, ob er wirklich schlecht - oder nur eine Sache der Gewöhnung ist. Der übrige Soundtrack aus der Feder von Murray Gold - allen voran das Doktor-Thema, das auch schon in diversen Trailern zu hören war - ist dagegen wieder einmal vorzüglich.

Fazit

Alle berechtigte Kritik soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass The Eleventh Hour ein sehr unterhaltsamer Auftakt der neuen Staffel von Doctor Who gewesen ist. Matt Smith und Karen Gillan haben ihren Einstand als Doktor und Companion auf jeden Fall mit Bravour bestanden. Einzig bei der Story gibt es noch etwas Luft nach oben. Vielversprechend sind auf jeden Fall die Andeutungen hinsichtlich des übergreifenden Handlungsbogens zur kommenden „Stille“.

Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 6. April 2010
Episode
Staffel 5, Episode 1
(Doctor Who 5x01)
Deutscher Titel der Episode
Rose
Titel der Episode im Original
The Eleventh Hour
Länge der Episode im Original
47 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Samstag, 3. April 2010 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 21. Dezember 2011
Autor
Gary Coleman
Regisseur
Adam Smith

Schauspieler in der Episode Doctor Who 5x01

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