Doctor Who 13x08

Doctor Who 13x08

Mit Legend of the Sea Devils gab es zu Ostern ein neues Special der UK-Serie Doctor Who. Unsere Time Lady, Dan und Yas landen im frühen 19. Jahrhundert in China, in welchem eine gewisse Madame Ching etwas aufweckt, was lieber schlafen gelassen werden sollte...

Craige Els im Sea-Devil-Kostüm in der Serie Doctor Who (c) BBC One
Craige Els im Sea-Devil-Kostüm in der Serie Doctor Who (c) BBC One
© raige Els im Sea-Devil-Kostüm in der Serie Doctor Who (c) BBC One

Legend of the Sea Devils

Zunächst einmal sorry für das späte Review. Irgendwie hatte ich dieses Special nicht mehr auf dem Schirm, obwohl ich mich auf die titelgebenden Sea Devils gefreut hatte. Schließlich sind diese zuletzt in der klassischen Serie aufgetreten („The Sea Devils“ und „Warriors of the Deep“ mit dem dritten beziehungsweise fünften Doctor) und wurden seitdem nicht wieder aufgegriffen. Wer diese possierliche Spezies nicht kennt, kann gerne mal beim dritten Doctor (Jon Pertwee) oder fünften Doctor (Peter Davison) vorbeischauen und besagte Episoden nachholen. An sich sind die Sea Devils aber ein Pendant zu den Silurianern, waren vor Urzeiten sehr wichtig, nur dass sie eben unter Wasser und nicht „unter Land“ zu Hause sind. Die Motivation ist aber mehr oder weniger die gleiche - Weltherrschaft und so.

Hier kannst Du „Doctor Who: Staffel 13 im Stream (OV)“ bei Amazon.de kaufen

Du kannst Doctor Who: Staffel 13 im Stream (OV) jetzt sofort bei Amazon Prime Video streamen.

Das gesagt, macht das Setting im chinesischen Piratenzeitalter mit Madame Ching (Crystal Yu) als Verkörperung von der realen Zheng Yisao direkt Lust auf mehr. Wenn dann noch die Flor de la Mar erwähnt wird und deren Schatz in den Mittelpunkt rückt, dürfte weitere Neugierde geweckt werden. Jedenfalls auf den ersten Blick, wenngleich Dans (John Bishop) Kostüm und die Erwartungen der Begleiter generell eher in der Karibik angesiedelt sind (Stichwort: Strand). Aber ein bisschen was zum Lachen muss es anfangs auch geben, ehe es in die Vollen geht. Daher kann und darf man zu Beginn der Episode sehr optimistisch sein - Piraten, „Seeteufel“ und Team TARDIS mittendrin. Klingt sehr vielversprechend, oder?

Das Ergebnis ist allerdings nicht besonders berauschend. Dazu fehlt es an allen Ecken und Enden. Aufgrund der kurzen Laufzeit ergibt sich oft der Eindruck, dass storytechnisch etwas fehlt oder übersprungen wurde. Die Gastfiguren lassen sich an einer Hand abzählen, der Bösewicht a.k.a. „Chief Sea Devil“ (Craige Els) erhält nicht einmal einen Namen und die aufwändigen CGI-Effekte sollen mit den vielen vernebelten Bildern offenbar vertuschen, wie unbeweglich die Darsteller in den Seeteufelchen-Kostümen wirklich sind (die zudem noch nicht einmal gut aussehen, da ist ein großes Monster besser gelungen). Man merkt förmlich, dass dieses Special unter pandemischen Bedingungen gedreht wurde und dafür ist es mitunter „zu groß“ angelegt. Charaktertechnisch stehen zuweilen Thirteen (Jodie Whittaker) und Yas (Mandip Gill) im Fokus, was halbwegs willkommen ist, aber mit Blick auf die Gastfiguren funktioniert leider nur wenig, so dass diverse Motivationswechsel bloß ein Schulterzucken beim Zuschauer bewirken.

Special mit Hindernissen

Zugegeben, Legend of the Sea Devils hat es bestimmt nicht einfach. Denn jedem Zuschauer dürfte klar sein, dass dieser „Zwischenstopp“ bloß ein kleiner Schritt auf das finale Special zu ist, bei dem unser aktueller Doctor erneut regenerieren wird. Das sollte dieses Abenteuer allerdings nicht daran hindern, eine eigenständige kleine Perle zu sein, wie es einst bei Planet of the Dead oder The Waters of Mars der Fall war.

Leider schaffen es die Autoren Ella Road und Chris Chibnall aber nicht, diesem Special etwas Besonderes zu verleihen. Die Auftritte der Seeteufel und die Ausflüge in die Geschichte (mit teils realen Figuren, etc.) sind natürlich nett, aber dem ganzen Drumherum und auch dem Kern der erzählten Story fehlen gleich mehrere Aspekte. Der wichtigste dabei dürfte die Motivation der Gastfiguren sein, die ihre Gesinnung gleich mehrfach wechseln.

Hier kannst Du „Doctor Who“ bei Amazon.de kaufen

Du kannst Doctor Who jetzt sofort bei Amazon Prime Video streamen.

Nehmen wir Ji-Hun (Arthur Lee), der anfangs vor dem Bösewicht niederkniet und seine Crew über Bord schickt. Darunter auch ein gewisser Lei Bao (der Darstellername wird leider nicht im Abspann genannt), der später zu den Vorfahren von Ying Wai (David K.S. Tse) zählen soll und angeblich von Ji-Hun (wie der Rest der Crew) gerettet wurde. Häh? Nach einer Rettung sah das jedenfalls nicht aus, eher nach einem „über die Planke schicken/werfen“. Ji-Huns Crew bestand wohl aus guten Schwimmern. Da fehlt einfach der Plan (kleinere Rückblick hätten vielleicht geholfen), um Ji-Huns Bestreben deutlich zu machen. Dass er sich am Ende opfert, okay. Aber selbst dort stellt sich die Frage, wie er zur passenden Zeit am passenden Ort auftaucht.

Madame Ching bleibt ebenfalls ein Rätsel. Ihr anfängliches Vorgehen lässt sie ebenfalls als Bösewicht dastehen, denn ohne ihren Eingriff (der ihr ein kurioses Stückchen Stein aus der Statue beschert, auf das nicht weiter eingegangen wird) sorgt dafür, dass ein ganzes Dorf inklusive Ying Wais Vater abgeschlachtet wird. Obendrein steuert sie ihr Schiff ganz allein und droht den blinden Passagieren Dan und Ying (die einfach mal rüber geschwommen sind) mit dem Tod. Dann wieder Kurswechsel, weil sie doch eine kleine Crew benötigt und uns erläutert wird, dass ihre Söhne und Crew von einer anderen Piratenfraktion festgehalten werden, die ein Lösegeld fordert. Aha.

Ying Wai ist auch ein Phänomen. Anfangs will er seinen Vater rächen, der zwar nicht durch die Hand von Madame Ching gestorben ist, aber durch ihr Handeln (wie der Rest des Dorfes). Außerdem trägt er das Juwel, welches das Seemonster (welches plötzlich verschwindet, nachdem es drei Kanonenkugeln abgewehrt hat) anlockt. Klar, der freut sich am Ende, wenn Madame Ching ihm anbietet, ein Mitglied ihrer Crew zu werden. Das war schon immer sein Traum, oder?

Arthur Lee in Doctor Who (2005). Ausschnitt aus der Episode Legend of the Sea Devils der britischen Serie Doctor Who
Arthur Lee in Doctor Who (2005). Ausschnitt aus der Episode Legend of the Sea Devils der britischen Serie Doctor Who - © BBC One

Unstimmigkeiten

Damit hört es aber nicht auf. Ich hatte bereits Bauchschmerzen, als der Doctor und Yas den armen Dan zurücklassen, um ins Jahr 1533 zu reisen. Das passt mal überhaupt nicht zu unserer Time Lady, die ihre TARDIS nicht so recht zu steuern vermag. Aber gut, Dan schlägt sich irgendwie durch und die gewonnenen Infos sind doch nützlich, also Schwamm drüber.

Da ist man eher von den „Lücken“ geplagt, die sich bereits zu Beginn auftun. Weshalb haut der „Chief Sea Devil“ noch anfangs gleich ab und springt (kuriose Szene) auf sein fliegendes Schiff, wenn er noch nicht das gefunden hat, wonach er sucht? Weshalb wird der harmlose Fischer vom Monster verschlungen, welches angeblich das Juwel als Ziel hat? Wie entkommen unser Doctor, Yas und Ji-Hun den Fängen des Bösewichts, ehe sie sich auf Madame Chings Schiff schwingen? Da klaffen so große Lücken im Skript und in der Story, dass einem tatsächlich der mögliche Spaß entgeht. Die Liste ließe sich an dieser Stelle sicher noch viel weiter fortführen, aber darauf verzichte ich lieber.

Team TARDIS

Beim Doctor und ihren Begleitern gibt es allerdings Fortschritte zu verbuchen. Okay, Dan wird etwas vernachlässigt, wenngleich er ein paar Fußabdrücke (oft humoristischer Natur) hinterlassen darf. Aber was zumindest mich am Ende und in Bezug auf Dan abholt, ist sein Anruf bei Diane (Nadia Albina), der sogar beantwortet wird. Somit lässt sich hoffen, dass Dan sein verdientes Happy End im nächsten Special erhält. Gerne.

John Bishop, Jodie Whittaker, Crystal Yu, Craige Els, Mandip Gill und Arthur Lee in Doctor Who (2005). Ausschnitt aus der Episode Legend of the Sea Devils der britischen Serie Doctor Who
John Bishop, Jodie Whittaker, Crystal Yu, Craige Els, Mandip Gill und Arthur Lee in Doctor Who (2005). Ausschnitt aus der Episode Legend of the Sea Devils der britischen Serie Doctor Who - © BBC One

Beim Doctor und Yas wirken diverse Date-Bemühungen eher unbeholfen. Das kann gut wirken, wäre es denn vorbereitet worden, aber ich sehe noch immer keine Romanze zwischen den beiden, auch wenn diese im Neujahrsspecial kurz thematisiert wurde. Jetzt scheint es ein großes Thema zu sein, denn gleich mehrmals wird man als Zuschauer hier darauf aufmerksam gemacht. Ob man das aber gut oder schlecht findet, liegt sicher im jeweiligen Auge des Betrachters. Mir haben diese Ausflüge so Medium gefallen, und zwar deshalb, weil Yas stets den Kürzeren zieht.

Die kann einem am Ende regelrecht leidtun, wenn sie einen Korb erhält. „I wish this could go on forever“ oder so, aber nein, dieser Wunsch fühlt sich relativ hohl an, selbst für den Doctor. Naja, abwarten und schauen, wie es im nächsten Special womöglich an dieser Front weitergeht. Aber ehrlich, alles andere als ein dramatischer Abschied zwischen den beiden würde mich wundern.

Fazit

Als eine Episode der Woche hätte dieses Special vielleicht besser funktioniert, weil man dann mehr verzeihen könnte. Insbesondere die kurze Laufzeit, Lücken in der Handlung und die sehr mäßige Charakterisierung der spärlichen Gastfiguren stechen leider hervor, womit Legend of the Sea Devils bloß eine Randnotiz bleiben wird. Ein bisschen Unterhaltung, teils schöne Special Effects, Drama und Humor finden sich aber trotzdem, weshalb es von meiner Seite zwei von fünf Sternen gibt. Und von Euch?

Hier abschließend noch die Vorschau zum anstehenden „Centenary Special“ der Serie Doctor Who:

Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 23. April 2022

Doctor Who 13x08 Trailer

Episode
Staffel 13, Episode 8
(Doctor Who 13x08)
Deutscher Titel der Episode
Vatertag
Titel der Episode im Original
Legend of the Sea Devils
Länge der Episode im Original
43 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Sonntag, 17. April 2022 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 28. Februar 2023

Schauspieler in der Episode Doctor Who 13x08

Darsteller
Rolle
Mandip Gill

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?