Doctor Who 12x03

Doctor Who 12x03

In der Folge Orphan 55 der UK-Serie Doctor Who beschert Graham unserem Team unverhofft einen kleinen Urlaub. Was zunächst nach Ruhe und Erholung aussieht, entwickelt sich schnell zu einem Kampf ums Überleben, denn das Tranquility Spa wird angegriffen.

Szenenfoto aus der Doctor-Who-Folge Orphan 55 (c) BBC One
Szenenfoto aus der Doctor-Who-Folge Orphan 55 (c) BBC One
© zenenfoto aus der Doctor-Who-Folge Orphan 55 (c) BBC One

Erstes Drittel

Kennt Ihr das? Ihr lest am Ende der Opening Credits den Namen des Autors und habt gleich eine bestimmte Erwartungshaltung gegenüber der Folge, obwohl Ihr noch nicht einmal wisst, worum es gehen wird? Das war bei mir diese Woche der Fall. Der Name des Autors lautet Ed Hime und dieser bescherte uns die Episode It Takes You Away - zufällig die Folge, die mir in der elften Staffel am besten gefallen hatte (ja, das war die mit dem blinden Mädchen und dem Frosch).

Entsprechend gespannt bin ich in das neue Abenteuer eingetaucht und die erste Viertelstunde (was dieses Mal bereits einem Drittel der Folge entspricht) würde ich als hervorragend bezeichnen. Dank Graham (Bradley Walsh) stolpert unser Team von jetzt auf gleich an einen Ort vor, der in der Tat sehr erholsam aussieht und für jede unserer vier Figuren was zu bieten hat - daher teilen sie sich dann auch sogleich auf, um die Gegend und das Ressort zu erkunden oder einfach nur, um zu relaxen (ich würde es übrigens auch wie Graham angehen).

Ryan (Tosin Cole) ist der erste, der feststellen muss, dass auch Unannehmlichkeiten beim All-inclusive-Angebot lauern, wobei die anschließende Sequenz mit dem Doctor (Jodie Whittaker) sehr vergnüglich für den Zuschauer gestaltet ist und ihm obendrein noch mit Bella (Gia Ré) ein love interest beschert. Yas (Mandip Gill) funkt derweil bei Bennis (Col Farrell) Heiratsantrag an Vilma (Julia Foster) dazwischen und während Graham off-screen seinen Drink schlürft und die Ruhe genießt, werden uns noch zahlreiche andere Figuren vorgestellt.

Neben der Willkommensdame Hyph3n (Amy Booth-Steel) sind das zum Beispiel Nevi (James Buckley) und dessen Sohn Sylas (Lewin Lloyd) - wobei eingangs nicht wirklich klarwird, wer von den beiden das größere Knowhow hat. Außerdem lernen wir noch Kane (Laura Fraser) und ihr kleines Team kennen, die anscheinend das Sagen hat und sich widrigen Ereignissen gegenübersieht, welche schnell die Oberhand gewinnen. Das „Hopper“-Virus ist wohl nur ein kleines Problem, während das zunächst alienmäßig anmutende Dreg direkt für Furore sorgt und die vermeintliche Übung sich blitzschnell als Todesurteil für eine nicht gerade kleine Anzahl der Urlauber entpuppt.

BBC One
BBC One - © BBC One

Aber ich merke gerade, dass ich schon wieder viel zu viel über das Geschehen schreibe. Kurzum: Es werden uns eben viele Figuren vorgestellt und das präsentierte Szenario weckt großes Interesse durch die unheimliche Bedrohung, die im ersten Drittel auch sehr gut in Szene gesetzt wird. Des Weiteren sorgen ein neugieriger Doctor und die Aufspaltung des Teams dafür, dass wir gut mitfiebern können. Mit anderen Worten ein sehr schöner Start für Orphan 55.

Zweites Drittel

Das war es dann aber auch schon. Das zweite Drittel der Episode ist weit weniger effektiv und verliert - auch wegen der zahlreichen neuen Figuren, die nicht großartig weiterentwickelt werden - stark an Momentum. Natürlich soll die Suche nach Benni spannend wirken und das ist sie zunächst auch. Aber dann heißt es raus aus dem Fahrzeug, wieder rein ins Fahrzeug, wieder heraus und irgendwo dazwischen schaut man doch einmal auf die Uhr, wie lange die Folge denn noch geht.

Außerdem gibt es so ein bis zwei Erkenntnisse/Wendungen, die überhaupt nicht schmecken, geschweige denn Sinn ergeben. Ohnehin scheint die einzige Figur, die sich fortwährend mit den aktuellen Geschehnissen beschäftigt, unser Doctor zu sein, deren Fragen von Kane nur spärlich beantwortet werden. Kleinere Ausflüge in Ryans Flirtversuche wirken zwar durchaus amüsant und werden von Yas entsprechend kommentiert, aber die gesamte Situation ist schon recht merkwürdig zu betrachten, zumal Personen wie Vilma oder Hyph3n eigentlich nichts bei der Rettungsmission für Benni zu suchen haben. Letzterer lebt tatsächlich noch, was aber nicht von langer Dauer ist. Währenddessen verlieren die Dreg - die nun in größerer Anzahl auftauchen und vollständig zu sehen sind - mit jedem Auftritt an Bedrohlichkeit. Sorgte im ersten Drittel noch eine der Kreaturen dafür, dass sich beim Zuschauer die Nackenhaare hochstellen, werden die durch Masse statt Klasse schnell wieder heruntergekämmt.

Aber ich sprach eben von Wendungen, die nicht schmecken. Kane ist also Bellas Mutter und die Tochter versucht hier, das Geschäft von Mutti zu ruinieren - hätte man vielleicht schon vorher draufkommen können, als Bella die gleichen Symptome wie Ryan zeigte. Also, dass sie diejenige war, die das Virus im Automaten platziert hat. Aber Bomben platzieren, Tode in Kauf nehmen und schließlich noch selbst den Finger am Abzug haben? Jegliche Sympathiepunkte sind da schnell futsch und die Gastfigur durch den Twist ruiniert. Denn warum macht sie das alles? Weil sie Mutti einen Strich durch die Rechnung machen will. (An dieser Stelle könnt Ihr Euch die Mutter aller facepalms vorstellen.)

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BBC One - © BBC One

Letztes Drittel

Im letzten Drittel und auf dem Weg zum „großen Showdown“ erwarten uns schließlich weitere Überraschungen. Die Opferbereitschaft diverser Figuren steigt, die Dreg atmen Kohlendioxid und stoßen Sauerstoff aus, wodurch unser Doctor ihr kleines Gadget im Nullkommanix wieder aufladen kann und plötzlich erfahren wir die große Nachricht, die uns die Folge anscheinend vermitteln will. Denn beim Planeten handelt es sich um unseren einst blauen, jetzt grauen Planeten - und Schuld ist unter anderem der Klimawandel, dem in dieser Version der Zukunft nicht entgegengesteuert wurde.

Selbst wenn der Autor Ed Hime diesen „großen“ Twist etwas ansprechender eingebaut hätte und selbst wenn der Showrunner Chris Chibnall seine Hand verstärkt auf den etablierten Canon seiner Vorgänger legen würde (wo es bereits mehrere Ausflüge in die Zukunft unseres Planeten gab) - ich glaube, ich wäre trotzdem nicht glücklich mit dieser Offenbarung. Die Krux, die sich einfach nicht schlucken lässt, ist der Wechsel von einem raubtierhaften Gegner zu einer Spezies, die plötzlich eine Vielzahl an Erinnerungen hat und im Notfall auch mit sich diskutieren lässt. Ganz zu schweigen davon, dass unser Doctor jetzt offenbar über die Fähigkeiten eines Mr. Spock aus Star Trek verfügt.

Aber vermutlich hätte ich nur leicht gemeckert, wenn der Autor und der Showrunner entsprechend agiert hätten. Jetzt werden nämlich obendrein noch jegliche Fixpunkte der ersten zehn Staffeln als „mögliche Zukunft“ abgehandelt und die Botschaft der Folge mit dem Holzhammer plattgehauen. Dass unser Doctor beim letzten Monolog nicht noch direkt in die Kamera schaut, kommt einem Wattebäuschchen gleich. Und die Gesichter der Begleiter? Nun, Erleichterung sieht anders aus.

Fazit

Was sehr vielversprechend anfängt, entwickelt sich zu einem wahren Desaster. Selbst mit längerer Laufzeit sehe ich nicht, wie man die Handlung ohne ganz große Änderungen hätte retten können. Oder so manche Gastfigur. So wirklich zu gefallen wissen am Ende gerade mal das erste Drittel und darüber hinaus noch der Doctor (mit Ausnahme des abschließenden Monologs). Von meiner Seite gibt es diese Woche nur zwei von fünf Sternen. Und von Euch?

Hier abschließend noch der Trailer zur nächsten Episode, Nikola Tesla's Night of Terror (12x04), der UK-Serie Doctor Who:

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Verfasser: Christian Schäfer am Dienstag, 14. Januar 2020

Doctor Who 12x03 Trailer

Episode
Staffel 12, Episode 3
(Doctor Who 12x03)
Deutscher Titel der Episode
Waise 55
Titel der Episode im Original
Orphan 55
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Sonntag, 12. Januar 2020 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 6. August 2020
Regisseur
Lee Haven Jones

Schauspieler in der Episode Doctor Who 12x03

Darsteller
Rolle
Bradley Walsh
Tosin Cole
Mandip Gill

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