Drops of God: Review der Pilotepisode von Apple TV+

Drops of God: Review der Pilotepisode von Apple TV+

Das Verkosten und Identifizieren göttlicher Tropfen bedeutet für eine von zwei Personen, eine Weinsammlung von mehreren hundert Millionen Dollar zu erben im Apple-Format „Drops of God“, das auf einem önologischen Manga basiert. Wie rund der Auftakt im Abgang mundet, verraten wir Euch im Pilotreview.

Szenenfoto aus der Serie „Drops of God“
Szenenfoto aus der Serie „Drops of God“
© Apple TV+

Hobby- und Special-Interest-Mangas (und -Animes) gibt es zuhauf über extrem obskure Nischenthemen. Du interessierst dich für das traditionelle japanische Instrument Shamisen? Da gibt es eine Serie zu. Angeln? Gibt es eine Serie zu. Joggen? Gibt es eine Serie zu. Nudeln? Natürlich. Japanisches Schach? Auch dazu. Eiskunstlauf? Aber so was von.

Meist verfolgt man dabei eine Hauptfigur beim Entdecken der Disziplin, die durch die Lektionen und menschlichen Kontakte des Milieus Lehren für das Leben zieht, um herauszufinden, was für ein Mensch man eigentlich ist.

Von 2004 bis 2014 brachte das weinbegeisterte Geschwisterduo Yuko und Shin Kibayashi unter dem gemeinsamen Pseudonym Tadashi Agi den Manga „Kami no Shizuku“ heraus, in dem man als Leser:in allerhand über Weinsorten, Weinverkostung, Weindekantierung und so weiter erfahren konnte. Nachdem es bereits im Jahr 2009 eine japanische TV-Adaption gegeben hatte, kommt Apple TV+ nun mit der hochwertig produzierten, internationalen Serienadaption Drops of God von Autor Quoc Dang Tran (Marianne) und Regisseur Oded Ruskin (Absentia) um die Ecke, in welcher auf Englisch, Französisch und Japanisch den Feinheiten der Önologie gefrönt wird. Kampai!

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Im Serien-Auftakt von „Drops of God“ lernen wir Camille (Fleur Geffrier, „Elle“) aus Paris kennen, die von ihrem entfremdeten Vater Alexandre Léger (Stanley Weber im mittelguten Old-Man-Make-up) nach Tokio bestellt wird, weil er im Sterben liegt. Entgegen des Ratschlags ihrer Mutter macht sich die junge Frau per Papas Privatjet auf die Reise - vermutlich, um ihrem alten Herren vor seinem Ableben noch mal richtig die Meinung zu geigen, nachdem er sie als Kind mit intensiven Geschmackstestübungen gequält hat und wohl auch sonst kaum Aussichten auf einen Preis als Daddy des Jahres hatte. In Japan angekommen muss Camille jedoch feststellen, dass ihr Vater mittlerweile verstorben ist, so dass nur noch die buddhistische Beerdigung und die Verlesung des Testaments bevorsteht.

Bei der Offenlegung des letzten Willens ist überraschenderweise eine weitere Person zugegen: der japanische Weinexperte Issei Tomine (Tomohisa Yamashita, Alice in Borderland), der sein Leben der fermentierten Traube gewidmet und fast alles von Alexandre gelernt hat, der ihn als Sohn im Geiste betrachtete. Das unorthodoxe Testament sieht vor, dass entweder Camille oder Issei das umfangreiche Erbe inklusive Nobelanwesen und noch noblerer Weinsammlung im Wert von mehreren Hundert Millionen Dollar antritt, wobei eine drei Runden laufende Vino-Competition die Entscheidung bringen soll.

An dieser Stelle wird die köstliche Prämisse noch ein Stück komplizierter, denn während Issei alles über Wein weiß, was man wissen kann, hat Camille noch nie in ihrem Leben Alkohol getrunken, weil sie eine extreme, Nasenblutungen verursachende Reaktion auf das Getränk und alkoholische Drinks im Allgemeinen hat, deren Aromen sie obendrein überwältigen. Nahezu übernatürliche Geschmacksknospen machen sie zu einem geborenen Naturtalent, das seine Fähigkeit nur zu channeln lernen müsste - wären da nicht die besagten Daddy-Issues...

Im Angesicht der vielen Millionen versucht Camille sich am Verkosten des ersten zu identifizierenden Weins und wird sofort von der Geschmacksexplosion übermannt. Hier ist es immer wieder interessant zu sehen, wie Film- und Serienschaffende sich daran machen, jene Sinne darzustellen, die jenseits des Audiovisuellen liegen. Im Bereich des Geruchssinns lieferten die Verfilmung von Patrick Süskinds „Das Parfum“ von Regisseur Tom Tykwer oder Bryan Fullers Hannibal-Serie einige Beispiele, die dem Ansatz in Drops of God nicht unähnlich sind: Augen zu und Schnitt zur Schmeckenden in einen grünen Wald, in dem das zu Kostende wächst oder zu einer farbenprächtigen Bombardierung mit buntem Holi-Pulver. Bis wir irgendwann Geschmacks-TV haben, kann man das so machen.

Schockiert vom Testament, verärgert über die zerrüttete Beziehung zu ihrem Vater und überwältigt von der Weinverkostung ergreift Camille die Flucht und ist schon drauf und dran, ihre Chance auf das Erbe sausen zu lassen. Doch, als Luca (Diego Ribon), der beste Freund des Verstorbenen, ihr die Tür zum heiligen Weinkeller ihres Vaters öffnet und ihr dessen letzte Videobotschaft an sie zeigt, fasst sie sich ein Herz und nimmt die Herausforderung an. Wird sie ihren Vater und die Welt des Weins so doch noch besser kennenlernen können? Und wie wird sich ihre Beziehung zu Issei entwickeln, mit dem sie in der ersten Episode noch kein Wort gewechselt hat?

Fazit

Die erste Episode von „Drops of God“ tröpfelt gemächlich als slow burn vor sich hin und ist eine ziemlich deprimierende Angelegenheit mit zuweilen steifem bis hölzernem Schauspiel. Das tut dem Ganzen aber kaum keinen Abbruch, denn die ultraspezifische Prämisse mit hohen emotionalen wie materiellen Einsätzen ist dermaßen faszinierend, dass man dem Format seinen morbiden Six Feet Under-Auftakt gerne gönnt.

Millionen von Dollar in Wein? Japanischer Ziehsohn versus französische Tochter? Daddy-Issues, durch die man sich lehrreich trinken soll? Geradezu köstlich. Hinzu kommt ein slicker, attraktiver Serienlook, den man mittlerweile von Apple-Formaten gewöhnt ist - Severance und Pachinko haben es vorgemacht. Stellt sich nur die Frage, ob die Serie vom Schwerpunkt her bei den Charakteren bleibt, wie es der Auftakt suggeriert, oder ob wir wie die japanische Vorlage immer mehr ins Fach der Weinkunde eintauchen.

Für den ersten Schluck der Serie gibt es jedenfalls vier von fünf traumhaften Träubchen von den Sommelierjunkies.

Hier abschließend noch der Serientrailer zur Serie „Drops of God“:

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