In dem neuen Actiondrama Dominion des Senders Syfy muss sich die von Gott verlassene Menschheit im Kampf gegen dessen Engel beweisen. Die Pilotfolge macht visuell einen soliden Eindruck, ob das opulent angelegte Drama jedoch am Ende aufgehen wird, wird sich erst noch zeigen müssen.

Offizielles Poster zu „Dominion“, der neuen Actiondramaserie auf Syfy. / (c) Syfy
Offizielles Poster zu „Dominion“, der neuen Actiondramaserie auf Syfy. / (c) Syfy

Vor knapp vier Jahren kam mit dem Spielfilm „Legion“ die Vorlage für Syfys Dominion in die Kinos. Der Streifen über den Kampf der Menschheit um ihr Fortbestehen gegen die göttlichen Engelsscharen wurde zurecht von vielen Kritikern abgewatscht und verschwand so sehr schnell wieder in der Versenkung. Daran konnte selbst der talentierte britische Schauspieler Paul Bettany in seiner Rolle als Erzengel Michael nicht viel ändern.

Einige Jahre später hat sich der amerikanische Pay-TV-Sender Syfy nun erneut der Thematik angenommen und mit Executive Producer Scott Stewart ist sogar ein Mitverantwortlicher der Spielfilmvorlage mit an Bord. Die serielle Umsetzung kann sich durchaus sehen lassen, auch wenn einige Makel sowie klobige Spezialeffekte hier und da sicherlich auffallen werden.

So solide der erste Eindruck von Dominion auch sein mag, die Serienmacher bürden dem Zuschauer reichlich absehbare Konflikte auf, die mitunter ein wenig arg übertrieben von der nicht untalentierten Darstellerriege zum Besten gegeben werden. Am Ende der Pilotfolge bleiben viele Fragen hinsichtlich der Qualität von „Dominion“ offen. Trotz einem im Großen und Ganzen recht unterhaltsamen Auftakt, voll und ganz überzeugen kann das neue Format noch nicht.

Possession - Negative

Gleich zu Beginn von Dominion lässt sich festhalten, dass den Machern der Einstieg in ihr Serienuniversum durchaus gelungen ist. Einem ansehnlichen Prolog folgt eine atmosphärische Einführung in das triste Setting des ehemaligen Las Vegas. Dieses trägt nach mehr als 25 Jahren Krieg mit den zerstörerischen Engeln nun den griffigen Namen Vega und markiert eine der wenigen letzten Bastionen der Menschheit im Kampf gegen die Himmelswächter.

Retter der Menschheit: Der einfache Soldat Alex Lannen (Christopher Egan) © Syfy
Retter der Menschheit: Der einfache Soldat Alex Lannen (Christopher Egan) © Syfy

Für die uns hier präsentierte Prämisse wurde die Handlung aus dem Film „Legion“ einfach ein wenig weitergesponnen: Am Ende von „Legion“ konnten zwei Überlebende mit einem Neugeborenen, den vermeintlicher Retter der Menschheit, vor den Engeln fliehen. 25 Jahre später tobt nach wie vor diese Auseinandersetzung und die Menschen haben die Hoffnung an den „Chosen One“, den Auserwählten, der sie in dem Kampf Menschheit gegen Engel zum Sieg führen wird, noch nicht aufgegeben.

Verschanzt hinter den hohen Mauern und Geschütztürmen von Vega sitzen die Menschen nun die Ankunft des Auserwählten aus, unter ihnen auch der Erzengel Michael (Tom Wisdom), der sich bereits in der Filmvorlage auf deren Seite schlug und hier erneut Widersacher Gabriel (Carl Beukes) entschlossen gegenübertritt.

Out of darkness

An der hier etablierten Prämisse gibt es in Dominion an und für sich nicht viel auszusetzen, was vor allem daran liegt, dass die Serienmacher sich deren Absurdität absolut bewusst sind und offensichtlich Spaß daran haben, auf dieser B-Movie-Schiene zu fahren. Dabei bietet sich eventuell sogar eine serielle Umsetzung des Themas viel mehr als ein Spielfilm an, hat man so doch vielmehr Zeit in den Konflikt und alle seine Facetten einzutauchen.

Von diesen Facetten hat bereits die Pilotepisode von Dominion eine ganze Menge zu bieten, was sowohl seine Vor- als auch Nachteile mit sich bringt. Positiv herauszuheben ist sicherlich das Setting in dem einstigen Sündenpfuhl Las Vegas. Nun dienen die gigantischen Hotelanlagen als Behausungen für die Einflussreichen und Schönen. Schnell wird hier eine Art Zweiklassengesellschaft skizziert, die durch Brot und Spiele von den großen Sorgen der Menschheit abgelenkt wird.

In dieser Umgebung geben sich einige dubiose Charaktere die Klinke in die Hand, zukünftige Konflikte werden vorbereitet und uns eher weniger subtil vor die Nase geschmettert. An dieser Stelle könnte der ein oder andere Zuschauer anfangen ein wenig angestrengt aufzublicken, packen die Macher doch jede Art von Problem und Konflikt in ihre Auftaktepisode, sodass sich diese in ihren gut 60 Minuten Laufzeit ab und an gar ein wenig zu überladen anfühlt.

Left to die

Immer wieder erinnern uns die einzelnen Figuren in oftmals bedeutungsschweren Dialogen, was für Gefahrenherde hier und da lauern, was am besten für Vega und im Kampf gegen die Engel sei. Dabei übertreibt man es leider ein wenig mit der Exposition, sodass man sich schnell etwas mehr Schwung herbeisehnt, den man schlussendlich auch in Form eines Schwertkampfes zwischen Michael und einem feindseligen Engel bekommt. Nach dem eher rasanten Einstieg in den ersten Minuten der Auftaktfolge wird in Dominion nämlich bis zum Schwertkampf Michaels erst einmal gehörig auf die Bremse gedrückt.

Alex%26#039; Flamme Claire (Roxanne McKee) und ihr Vater General Edward Riesen (Alan Dale) © Syfy
Alex%26#039; Flamme Claire (Roxanne McKee) und ihr Vater General Edward Riesen (Alan Dale) © Syfy

So sehr aber auch auf besagte Bremse gedrückt wird, so sehr können einen doch einige interessante Elemente und Konstellationen, die uns in den eher ruhigeren Phasen der Pilotfolge präsentiert werden, bei der Stange halten. Am meisten tut sich hier der zwielichtige Senator Whele hervor, dem der britische Darsteller Anthony Head (Warehouse 13, Merlin) Leben einhaucht und zu einer der interessantesten Figuren macht.

So absehbar einige zukünftige Konflikte hier auch sein mögen, der Mikrokosmos Vega bietet uns einige spannende Elemente an, was auch für die Welt von Dominion selbst gilt, in der es verschiedene Fraktionen zu geben scheint, die in mehr und minder großen politischen Verbindungen zueinander stehen. Die hier eingeführte Komplexität von Dominion wird zweifelsohne bei einigen Zuschauer ankommen, auch wenn wir an vielen Stellen noch im Dunkeln gelassen werden und zahlreiche Details und Informationen ausgespart werden.

War is coming

In Dominion drückt der Schuh jedoch an einer ganz anderen Stelle. Wo Anthony Mead sich voll und ganz der überspitzten Charakterzeichnung seiner Figur hingibt und Carl Beukes als Erzengel Gabriel mit weniger als einer Minute Screentime bereits jetzt interessanter ist als viele andere Figuren, die in der Pilotfolge eingeführt wurden, gestaltet sich die Besetzung zweier offensichtlich wichtiger Figuren als ein wenig problematisch.

Da wäre zum einen die Hauptfigur Alex, dessen Dilemma und zahlreiche Probleme durchaus nachvollziehbar sind. Jedoch präsentiert sich Darsteller Christopher Egan (Kings, Vanished) leider von einer recht blassen Seite und kann nur bedingt mitreißen. Als Auserwählter wird er nun noch mehr in den Fokus von Dominion rücken, also kann man nur hoffen, dass er schnell etwas mehr Charisma aufbaut und sich schauspielerisch steigern kann. Ähnliches gilt für Tom Wisdom (Mile High), der hier Erzengel Michael verkörpert. Auch seine Darbietung ist ein wenig zu fad, auch wenn seine Rolle sicherlich dementsprechend angelegt ist. Neben diesen beiden variieren die Schauspielleistungen der weiteren Darsteller (darunter Roxanne McKee (Game of Thrones) und Alan Dale (The Killing, NCIS) zwischen solide bis hin zu uninspiriert, denn auch hier kann man einige bekannte Stereotype ausmachen.

The Chosen One

Mit einigen kleinen Kniffen versuchen die Macher dann noch ein paar Überraschungen in ihre Geschichte einzuweben, wobei man die Enthüllung Alex' als auserwählter Retter der Menschheit sicherlich schon von Weitem hat kommen sehen. Auch der plötzliche Tod von Alex' Adoptivvater Jeep (in „Legion“ noch von Lucas Black, hier von Langley Kirkwood gespielt) deutet sich bereits vorher an. Um Kirkwood (Generation Kill, Black Sails) selbst ist es ein wenig schade, ist er doch ein sehr passabler Schauspieler, aber der Geschichte selbst sollte es gut tun, nicht mit einer problematischen Vater-Sohn-Beziehung überfrachtet zu werden. Wenn es Dominion an einem nicht mangelt, dann sind es die vielen handbuchartigen Probleme, die uns hier bei Laune halten sollen. Doch auch hier ist es vorstellbar, dass Kirkwoods letztes Stündchen noch nicht geschlagen hat. Gleiches gilt für das Schicksal von Alex' Mutter, das sicherlich noch einmal ein größeres Thema werden könnte.

Mit zwei Klingen in den Kampf: Erzengel Michael (Tom Wisdom) © Syfy
Mit zwei Klingen in den Kampf: Erzengel Michael (Tom Wisdom) © Syfy

Was man jedoch keinesfalls unter den Tisch fallen lassen sollte, sind die kurzweiligen Action-Einlagen im Auftakt zu Dominion, von denen es leider zu wenige gibt. Einen gewissen Charme kann man der Machart des Actiondramas nicht abstreiten, so sehr diese auch dem klassischen Pulp nachkommt. Letztendlich wird einem so das serielle Universum von „Dominion“ doch noch reizvoll gemacht, insbesondere mit Ausblick auf Erzengel Gabriel, der schon längst seine Spione im unruhigen Vega eingeschleust hat.

Fazit

Syfy liefert mit Dominion ein recht unterhaltsames Format ab, in dem uns gleich zu Beginn deutlich gemacht wird, dass es an allen Ecken und Enden nur so von Problemen wimmelt. Dies fühlt sich gelegentlich nach etwas zu viel des Guten an, insbesondere mit Blick auf die Laufzeit der Pilotfolge von gut einer Stunde. Die Prämisse macht sich hier jedoch ein wenig besser als in dem unsäglichen Spielfilm von 2010, können die Macher auf dieser Art und Weise doch viel besser aus den Vollen schöpfen.

An einigen schauspielerischen Leistungen sollte noch ordentlich geschraubt werden, andere Darsteller wiederum scheinen es förmlich zu genießen, in dieser Dystopie ihren Charakteren freien Lauf zu lassen, was für ein paar ordentliche Charaktermomente sorgt. Die wenigen actionreichen Einlagen sind aufgrund der computergenerierten Effekte für manchen eventuell ein wenig gewöhnungsbedürftig, doch im Gesamtbild gibt es hier nicht viel daran auszusetzen.

Entscheidend wird sein, wie ernst sich die Verantwortlichen und ihr Produkt wirklich nehmen werden. Mit ein wenig mehr Augenzwinkern könnte sich Dominion nämlich als recht kurzweilige Serie entpuppen, gleichzeitig gibt das Setting, was nicht nur aufgrund tempelartiger Casinoruinen oft an das alte Rom erinnert, einiges her, um den einfachen Dilemmata der Figuren eine ansprechende Bühne zu geben. Der Auftakt von Dominion ist ein ordentlicher, auch wenn noch einiges an Arbeit auf die Serienmacher wartet.

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